Rund 350 bestätigte Fälle, darunter 60 bestätigte Tote: Kaum drei Wochen nach Bekanntwerden der Ebola-Epidemie, die sich größtenteils in Kongos Provinz Ituri abspielt, sind die Auswirkungen auf die Gesellschaft sehr real. Und doch: "Die Gemeinschaft glaubt nicht an diese Krankheit. Trotz der Toten glauben die Menschen nicht daran." So sagt es John Tumujimbe, Leiter eines Teams für würdige und sichere Bestattungen in der Kleinstadt Mongbwalu, einem der Epizentren der Epidemie im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo.
Es ist die 17. Ebola-Epidemie, die in dem zentralafrikanischen Land registriert wurde, seit das Virus 1976 entdeckt wurde. Die Expertise ist vorhanden, um auf derartige Situationen zu reagieren. "Wir dachten zuerst an Malaria, Typhus oder Durchfallerkrankungen. Aber nach so vielen Todesfällen haben wir Proben ans INRB geschickt", sagt Tumujimbe. Das INRB - das nationale Institut für biomedizinische Forschung - bestätigte: Es waren Fälle von Ebola.
Aus Gerüchten wird Brandstiftung
Doch in Mongbwalu, das laut Gesundheitspersonal zum ersten Mal mit so einer Situation konfrontiert ist, wollen viele Menschen an diese Erklärung nicht glauben. "Als es die ersten Toten gab, wurde geredet, dass die Särge ein Problem wären. Von dort hat es sich verbreitet", erklärt ein Anwohner. Tumujimbe kennt diese Erklärung: "Damit ging es los: Die Menschen sprachen von einem Sarg, der Menschen umbringt. Und dann sind weitere Menschen gestorben." Ein anderes Gerücht machte die Runde, wonach Hilfskräfte und Sanitäter das Virus über die Antennen ihrer Fahrzeuge verbreiten würden.
Und es blieb nicht bei den Gerüchten. Ende Mai griff eine wütende Menge das Generalkrankenhaus von Mongbwalu an, forderte die Herausgabe der verstorbenen Angehörigen - und zündete ein Zelt der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) an. Die Organisation musste ihr Personal abziehen.
"Es gab eine Panik", berichtet Krankenhausleiter Richard Lokudi der DW. "So konnten mehrere Verdachtsfälle entkommen. 18 Patienten, die unter Beobachtung waren, sind verschwunden." Die Sorge des Personals: Die Menschen, die möglicherweise infiziert waren, könnten die Krankheit an die Menschen weitergegeben haben, bei denen sie Unterschlupf gefunden haben. Für die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus, die jetzt im Umlauf ist, gibt es noch keinen Impfstoff.
Die "Labor-Waffe": wiederkehrende Narrative
Christopher Nehring kennt diese Mechanismen. Der Sicherheitsforscher ist Spezialist für Desinformation. Für die Konrad-Adenauer-Stiftung, die der deutschen Partei CDU nahesteht, verfasste er als Co-Autor einen Bericht, der sich mit der aktuellen Ebola-Epidemie beschäftigt. Laut Nehring ähneln sich die Falschmeldungen bei jedem Gesundheitsnotstand. "Da heißt es, die Krankheit kommt als Biowaffe aus dem Labor. Die Impfung sei schädlicher als der Virus. Es gibt ein einfaches Heilmittel, das verschwiegen wird. Big Pharma, entweder als Profiteur oder Urheber der Krise. Die Krankheit sei überhaupt nicht real", zählt Nehring auf. "Das ist alles bekannt über Jahrzehnte. Und das variiert, das gibt es in 100 verschiedenen Variationen."
Nehringer stand für den Bericht im engen Austausch mit kongolesischen Faktencheckerinnen und Faktencheckern. Eine von ihnen ist Ange Kasongo, Gründerin von Balobaki Check mit Sitz in der Hauptstadt Kinshasa. Sie berichtet im DW-Interview von Gesprächen mit Bergleuten - der Goldbergbau ist in der Provinz Ituri wichtig für die Wirtschaft.
"Sie sagten, dass die Gerüchte und Mythen rund um den Tod zwar kursierten, dass aber die Leute dort nicht daran glaubten." Die Erklärung, die sie bekam: "Wenn ein Händler viel Gold verdienen oder fördern will, kann es sein, dass er auch auf mystische Handlungen zurückgreift, um seine Konkurrenten auszuschalten." Mit anderen Worten: Es ist auch der wirtschaftliche Druck, der einen offenen Umgang mit der Epidemie verhindert.
Dazu kämen politische Dimensionen in dem weiter andauernden bewaffneten Konflikt im Ostkongo. In privaten Unterhaltungen im Messenger WhatsApp sei etwa zu lesen, dass versucht werde, die Bevölkerung im Osten auszulöschen, berichtet Kasongo. Die Menschen vermuten eine Verschwörung zwischen Kongos Präsident Félix Tshisekedi und dem Virologen Jean-Jacques Muyembe. Das Team von Balobaki Check konnte aber keine Belege für diese These finden.
Fehlende Ressourcen können Desinformation verschärfen
Zu den Problemen, die die Ebola-Krise verschärfen, gehören auch, dass von der Weltgemeinschaft deutlich weniger Geld für Nothilfemaßnahmen zur Verfügung gestellt wird. Zu den drastischen Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump, der 2025 den Austritt seines Landes aus der WHO umsetzte und massive Einsparungen bei der US-Entwicklungsbehörde USAID und dem Krisenmanagementprogramm CDC anordnete, kommen auch Einsparungen europäischer Regierungen.
Für Nehring ist ganz klar, dass das auch der Verbreitung von Fake News Vorschub leistet: "Wenn schon das Geld für die Gesundheitshilfe gestrichen ist, dann können Sie auch nicht über größere Budgets für die Gesundheitskommunikation reden", so Nehring.
Immerhin: Die Behörden seien sehr um eine klare Kommunikation bemüht, sagt Ange Kasongo. Doch auch sie zweifelt, ob dies ausreicht, um die lokale Bevölkerung zu erreichen. "Wie kann man dafür sorgen, dass die Informationen mündlich weitergegeben werden - nicht nur auf Französisch, nicht nur in den vier Landessprachen?" Wichtig ist es ihr zufolge, Gemeindevorsteher mit ins Boot zu holen und ihnen Zugang zu verlässlichen Informationen zu geben. Dann könnten sie zu Vermittlern werden, die diese Informationen in der Gemeinschaft weiter streuen.
Mitarbeit: Rachidi Kudra











































































