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Item 1
Id 57142941
Date 2021-04-14
Title Skandal um Auslandsadoptionen erschüttert Niederlande
Teaser Bei Adoptionen von Babys aus dem Ausland sind in den Niederlanden Geburtsurkunden gefälscht worden. Im Bericht einer Untersuchungskommission ist die Rede von Menschenhandel und Babyfarmen. Auslandsadoptionen sind aktuell gestoppt.
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Item 2
Id 57198694
Date 2021-04-14
Title Montenegro: Genozid-Leugnung gefährdet Reformregierung
Short title Genozid-Leugnung gefährdet Reformen in Montenegro
Teaser Montenegros Justizminister Vladimir Leposavić leugnet den Völkermord im bosnischen Srebrenica. Das könnte die Koalition, die vergangenen Herbst nach einem historischen Machtwechsel eine Regierung gebildet hat, spalten.
Short teaser Montenegros Justizminister leugnet den Völkermord im bosnischen Srebrenica. Das könnte die Regierungskoalition spalten.
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Die Leugnung des Holocaust ist in Europa geächtet - über kaum eine andere politische Frage besteht auf dem Kontinent ein so breiter Konsens. Auf dem Westbalkan dagegen ist Leugnen oder doch Relativieren des Massakers von Srebrenica weit verbreitet. In Serbien und in der Republika Srpska, dem serbisch dominierten Landesteil Bosnien und Herzegowinas, ist die Behauptung, das schwerste Kriegsverbrechen in Europa nach 1945 sei kein Völkermord gewesen, gar eine Art inoffizielle Staatsdoktrin.

Einen Aufschrei löst das international nur selten und regional praktisch nie aus. Dabei hat der Internationale Strafgerichtshof der UN für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) Planung und Ausführung der Ermordung von über 8000 muslimischen Bosniaken in der Gegend um die ostbosnische Kleinstadt Srebrenica im Juli 1995 akribisch dokumentiert - und eindeutig als Genozid eingestuft.

Jetzt hat die Leugnung des Völkermordes von Srebrenica auf dem Westbalkan erstmals eine schwere politische Krise ausgelöst - in Montenegro, dem kleinsten Land der Region. Dessen Minister für Justiz, Minderheiten und Menschenrechte, Vladimir Leposavić, sagte Ende März im Parlament in der Hauptstadt Podgorica, er sei bereit, anzuerkennen, dass in Srebrenica ein Völkermord stattgefunden habe - wenn das "eindeutig festgestellt" worden sei. Dem ICTY sprach er die Legitimation ab - wegen angeblicher Ignoranz des Kriegsverbrechertribunals gegenüber Verbrechen an Serben.

Die Aussagen des Justizministers stellen die erst seit vier Monaten amtierende Reformregierung vor ihre erste Zerreißprobe. Die Empörung bei einigen Koalitionspartnern, den Oppositionsparteien sowie in Teilen der montenegrinischen Öffentlichkeit ist groß. Scharfe Kritik kam auch von ausländischen Diplomaten. Regierungschef Zdravko Krivokapić forderte Leposavić ultimativ zum Rücktritt auf - doch den verweigerte der Minister. Nun muss das Parlament über seine Entlassung entscheiden. Das Problem: Dafür gibt es in der Koalition keine Mehrheit.

Historischer Machtwechsel

Die durch Leposavić ausgelöste politische Krise kommt nur wenige Monate nach einem historischen Machtwechsel: Im Herbst 2020 hatte eine Reformkoalition, deren Bandbreite von proserbischen Nationalisten und EU-Skeptikern bis hin zu proeuropäischen, grünen Sozialliberalen reicht, nach drei Jahrzehnten Montenegros Langzeitherrscher und derzeitigen Staatspräsidenten Milo Djukanović und seine Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) von der Macht abgelöst.

Seit Dezember 2020 ist eine Expertenregierung unter dem Maschinenbau-Professor Krivokapić im Amt, die von dieser Koalition getragen wird. Premier und Kabinett haben sich nichts weniger vorgenommen, als Montenegro zu demokratisieren, für Rechtsstaatlichkeit zu sorgen - und als erstes Land des westlichen Balkans den EU-Beitritt zu schaffen.

Djukanovićs Traum-Szenario

Der Krach um Leposavićs Srebrenica-Leugnung ist genau das Szenario, auf das Langzeitherrscher Djukanović und seine Partei gewartet haben. Ende der 1990er hatten sie Montenegro, das damals mit Serbien die Bundesrepublik Jugoslawien bildete, Stück für Stück auf einen eigenständigen Kurs gebracht. 2006 erklärte das Land seine Unabhängigkeit.

Der Weg dahin war auch mit einer zumindest nominellen Distanzierung von Kriegsverbrechen aus den Jugoslawienkriegen 1991-99 verbunden. So verurteilte das montenegrinische Parlament 2009 in einer Resolution das Massaker von Srebrenica - allerdings ohne dabei explizit den Begriff "Völkermord" zu benutzen. Auch haben Djukanović und seine Partei die Beteiligung montenegrinischer Soldaten an der Bombardierung der kroatischen Adriastadt Dubrovnik nie glaubwürdig bereut.

Ein polarisiertes Land

Die Souveränitäts- und Identitätspolitik der Ära Djukanović polarisiert Montenegro bis heute. Zwar stellt kaum noch jemand ernsthaft die Unabhängigkeit in Frage - aber nur knapp die Hälfte der Menschen im Land deklariert sich als montenegrinisch, etwa ein Drittel sieht sich als serbisch. Viele von ihnen orientieren sich politisch und kulturell an Belgrad. Dazu gehört auch, die offiziellen serbischen Narrative über Srebrenica oder die Illegitimität des UN-Kriegsverbrechertribunals zu vertreten.

Auf solche Wähler stützen sich mehrere der Parteien der Reformkoalition, unter anderem die rechtskonservative, proserbische Demokratische Front (DF). Sie ist strikt gegen die parlamentarische Abberufung von Leposavić und hat sein Verbleiben in der Regierung zur Bedingung für das Überleben der Koalition gemacht.

Regierung "im Minenfeld"

Ob der Justizminister, der sich ausdrücklich als Serbe empfindet, seine Srebrenica-Erklärung gezielt oder nur unüberlegt abgab, ist bisher unklar. Premier Krivokapić sprach von einem Versuch, "die Regierung von innen zu stürzen" - ein Fingerzeig auf einige rechtsnationalistische, proserbische Koalitionspartner. Fest steht, dass Leposavićs Worte das Land "in ein Minenfeld" geführt haben, wie die Kolumnistin Ratka Jovanović-Vukotić in der Tageszeitung "Vijesti" (Nachrichten) schrieb. Denn in der aktuellen Srebrenica-Kontroverse bündeln sich alle traditionellen Schlüsselfragen der montenegrinischen Politik: der Umgang mit der Kriegsvergangenheit, das Verhältnis zu Serbien und die Frage der montenegrinischen Identität.

Derzeit ist völlig unklar, ob der Premier Krivokapić, seine Minister und die Parteien der Reformkoalition einen Ausweg aus dem Dilemma finden. Dabei ist die Srebrenica-Kontroverse nicht ihr einziges Dilemma. Eine geplante Novelle des Staatsbürgerschaftsgesetzes führte zu Protesten und Straßenblockaden so genannter "patriotischer Kräfte", also Anhängern Djukanovićs und seiner Partei. Sie stilisieren die Gesetzesnovelle zur Bedrohung der montenegrinischen Souveränität.

Zudem steht Montenegro finanziell mit dem Rücken zur Wand, weil es sich mit einem chinesischen Milliardenkredit überschuldet hat. Die EU lehnte ein finanzielles Hilfeersuchen der Regierung in Podgorica am 13.04.2021 ab.

Zumindest eine gute Seite kann der Vijesti-Autor Željko Ivanović der Srebrenica-Kontroverse abgewinnen. "Bravo an den Premier", schreibt er, "denn er ist nicht nur in Montenegro, sondern auf dem gesamten Westbalkan, der erste, der ein Mitglied seines Kabinetts wegen der Relativierung eines derartigen Verbrechens sanktioniert hat."

Item URL https://www.dw.com/de/montenegro-genozid-leugnung-gefährdet-reformregierung/a-57198694?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Montenegros Justizminister Vladimir Leposavić im Parlamentsgebäude in Podgorica am 4.12.2020
Image source Filip Filipovic/Getty Images

Item 3
Id 57198887
Date 2021-04-14
Title US-Delegation besucht demonstrativ Taiwan
Short title US-Delegation besucht demonstrativ Taiwan
Teaser Als Zeichen der Solidarität hat US-Präsident Joe Biden eine inoffizielle Delegation aus früheren US-Regierungsvertretern auf die Insel im Pazifik entsandt.
Short teaser Als Zeichen der Solidarität hat US-Präsident Joe Biden eine inoffizielle Delegation auf die Insel im Pazifik entsandt.
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Es handele sich um ein wichtiges Signal, das die Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber Taiwan und seiner Demokratie unterstreiche, teilte das Präsidialamt in Washington mit. Wie im taiwanischen Fernsehen zu sehen war, landeten die früheren stellvertretenden US-Außenminister Richard Armitage und James Steinberg sowie der frühere Senator Christopher Dodd auf dem Flughafen von Taipeh. Die drei gelten als enge Vertraute Bidens.

Geplant ist, dass die US-Vertreter am Donnerstag mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen zusammentreffen. Der Besuch verdeutliche die "feste Beziehung zwischen Taiwan und den Vereinigten Staaten", die "stark wie ein Felsen" sei, sagte der Sprecher der taiwanischen Präsidentschaft, Xavier Chang. Ein Sprecher des Außenamts in Taipeh erklärte, Peking habe bei den USA "ernsten Einspruch" gegen den Besuch erhoben.

Taiwan hatte sich 1949 von China losgesagt. Peking betrachtet die Insel als abtrünnige Provinz, obwohl diese nie zur Volksrepublik gehörte, und will sie mit dem Festland vereinigen - notfalls mit Gewalt. Seit der Wahl der Unabhängigkeitsverfechterin Tsai Ing-wen zur taiwanischen Präsidentin im Jahr 2016 hat Peking den diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck erhöht. Die USA hatten ihre diplomatischen Beziehungen zu Taipeh 1979 abgebrochen, zugleich blieben sie aber der stärkste Verbündete Taiwans und der wichtigste Rüstungslieferant des Landes.

Druck auf Taiwan wächst

Mit ihrem Ein-China-Grundsatz drängt die kommunistische Führung in Peking Taiwan auf der Weltbühne zunehmend ins Abseits: Wer Beziehungen mit Peking unterhält, darf Taiwan nicht diplomatisch anerkennen. Nur noch weniger als zwei Dutzend, meist kleinere Staaten stehen hinter Taiwan, das auf Platz 17 der Wirtschaftsnationen weltweit steht. Auch Deutschland unterhält in Taipeh nur eine Repräsentanz.

Die aufstrebende Großmacht China bereitet den USA zunehmend Sorgen. Ex-Präsident Donald Trump hatte den Kurs gegenüber der Regierung in Peking verschärft. Sein Nachfolger Biden hat in vielen Bereichen eine Abkehr von Trumps Politik eingeleitet, in der China-Politik will er aber an einem harten Kurs festhalten.

In der vergangenen Woche sorgten Berichte über chinesische Militärübungen vor der Insel für Irritationen. Am Freitag erließ die US-Regierung neue Richtlinien, die zu einer Vertiefung der Kontakte zu Taiwan führen dürften. Das US-Außenministerium erklärte, es gehe um eine "Liberalisierung der Handlungsempfehlungen" für Kontakte von amerikanischen Regierungsstellen mit Taiwan. Sie sollten einen Dialog ermutigen, "der unsere zunehmenden inoffiziellen Beziehungen widerspiegelt". "Die Vorgaben unterstreichen, das Taiwan eine lebendige Demokratie und ein wichtiger Sicherheits- und Wirtschaftspartner ist, der auch eine Kraft für das Gute in der internationalen Gemeinschaft ist."

Provokation mit 25 Militärjets

Am Montag sorgte China mit einem provokativen Einsatz von Militärflugzeugen gegenüber Taiwan für neue Spannungen mit den USA. Eine Rekordzahl von 25 Flugzeugen habe die sogenannte Identifikationszone zur Luftverteidigung Taiwans verletzt, teilte das Verteidigungsministerium in Taipeh mit. Unter ihnen hätten sich auch Bomber befunden, die Nuklearwaffen tragen können. Seit Monaten verletzen Chinas Militärflugzeuge immer wieder Taiwans Identifikationszone zur Luftverteidigung und erhöhen damit den Druck.

Als Reaktion auf die neuen US-Richtlinien warnte China die Regierung in Washington am Dienstag vor einem "Spiel mit dem Feuer". Die Regierung in Washington müsse "sofort jede Art von offiziellen amerikanisch-taiwanischen Kontakten" einstellen, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums. Die USA sollten auch nicht "die falschen Signale an die Kräfte der Unabhängigkeit" senden. Bei der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit China hätten sich die USA seinerzeit verpflichtet, mit Taiwan nur kulturelle, wirtschaftliche und inoffizielle Beziehungen zu unterhalten.

kle/sti (afp, rtr, dpa)

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Image caption Die US-Delegation bei der Ankunft in Taipeh
Image source Taiwan Central News Agency/ZumaPress/picture alliance

Item 4
Id 57190620
Date 2021-04-14
Title Die geheimnisvolle Welt der Unterwasser-Archäologie
Short title Geheimnisse der Unterwasser-Archäologie 
Teaser Die Henri-Cosquer-Höhle mit ihren Steinzeit-Malereien wird in Marseille derzeit originalgetreu nachgebaut. Forscher finden unter Wasser immer wieder Schätze.
Short teaser Taucher entdeckten 1985 die Henri-Cosquer-Höhle - eine Sensation. Unterwasser-Archäologen finden auch heute Schätze.
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Als der französische Tauchlehrer Henri Cosquer 1985 bei einer Tauchtour vor Marseille im Mittelmeer in 37 Metern Tiefe den Zugang zu einer gefluteten Höhle entdeckte, wusste er nicht, was für eine archäologische Sensation ihn dort erwartete.

Mehrfach tauchte er in den nächsten Monaten mit seinen Begleitern zu dieser Stelle hinunter. Aber erst 1991 gelang es ihm, durch eine Eingangsröhre bis zu der eigentlichen Höhle vorzudringen. Später sollte sie seinen Namen tragen. Der enge, in Stein gehauene Höhlenraum war vollkommen trocken, die Wände mit geheimnisvoller Höhlenmalerei bedeckt.

Einzige Steinzeithöhle dieser Art

Die Archäologen und Wissenschaftler, die die Höhle später genauer untersuchten, fanden heraus, dass die Zeichnungen ca. 19.000 bis 27.000 Jahre alt sind. Die Malereien zeigten vor allem Tiere - Seehunde, Fische, Pferde, Wisente, Steinböcke, Meeresvögel -, erstaunlich naturgetreu dargestellt.

"Es ist die einzige Steinzeithöhle dieser Art, die wir kennen, also die einzige Unterwasserhöhle", erklärt der Unterwasser-Archäologe Fritz Jürgens von der Uni Kiel, der auch nach solchen Höhlen taucht. "Dort herrschen besonders gute Erhaltungsbedingungen."

Gegen Ende einer Eiszeit wurde diese Höhle, die etwa 11 Kilometer von der Küste in Südfrankreich entfernt liegt, von Steinzeitmenschen genutzt und bemalt. Doch durch das Abtauen der Polkappen stieg der Meeresspiegel allmählich, der Höhleneingang lag irgendwann tief unter Wasser.

Die höher gelegene Höhle selbst blieb trocken. "Deshalb finden sich darin Steinzeitkunstwerke, Höhlenmalereien, die 20.0000 Jahre alt und ganz einzigartig sind", sagt Forscher Jürgens im DW-Interview. "Auch der Abdruck einer menschlichen Hand ist dabei und die einzige uns bekannte steinzeitliche Darstellung eines Pinguins."

Nachbau sichert prähistorische Malerei

Inzwischen steht die prähistorische Cosquer-Höhle unter Naturschutz. Niemand darf sie ohne wissenschaftliche Gründe betreten. "Die Höhlen von Lascaux zum Beispiel wurden damals auch für Besucher geöffnet", berichtet Fritz Jürgens. "Innerhalb von 50 Jahren haben unsere Fackeln und der Atem der Besucher den Kunstwerken so stark geschadet, dass die Höhle wieder geschlossen wurde."

Eröffnet werden soll im Juni 2022 eine Nachbildung der Cosquer-Höhle. Wissenschaftler und Spezialisten bauen gerade eine naturgetreue Kopie für ein maritimes Museum in Marseille nach. Das Original ist vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht - durch den Klimawandel. Neues Fundstück vielleicht für spätere Generationen von Meerestauchern.

Schiffswracks kommen häufiger vor

Die Unterwasser-Archäologie ist keine eigene wissenschaftliche Disziplin, sondern eine Spezialmethode am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Kiel, wo auch Fritz Jürgens seine Ausbildung gemacht hat. Jedes Jahr werden dort nur zehn bis zwölf Studierende ausgebildet, die Arbeitsmöglichkeiten für Absolventen sind begrenzt.

Sein Fachkollege Florian Huber arbeitet seit vielen Jahren als professioneller Forschungstaucher und taucht in Nord- und Ostsee sowie in großen Binnenseen in Deutschland. "Wir finden als Unterwasser-Archäologen tatsächlich von der Steinzeit bis zum Zweiten Weltkrieg alle möglichen Gegenstände, die irgendwann ins Wasser geworfen wurden oder ins Wasser gelangt sind", erläutert er im DW-Interview. "Natürlich gehören Schiffswracks dazu, die wir überall finden - in Flüssen, Seen und in Meeren. Und wir finden untergegangene Siedlungen, die aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels heute unter Wasser liegen."

Das sei ein Vorteil gegenüber der herkömmlichen Archäologie, sagt auch Fritz Jürgens. "Unter Wasser bleiben Dinge erhalten, die an Land längst verschwunden wären: alle organischen Materialien, zum Beispiel Textilien, Leder und Holz. An Land überstehen diese es nur in den seltensten Fällen."

Das meiste sind Zufallsfunde

Einen klaren Nachteil hat die archäologische Forschungsarbeit unter Wasser aber auch: Das GPS-System, das an Land schon manchen Sensationsfund aus der Luft ermöglich hat, funktioniert in größerer Wassertiefe nicht. "Das geht nur ein paar Zentimeter unter die Wasseroberfläche. Dann bricht es ab", räumt Unterwasser-Archäologe Florian Huber ein.

"Was wir in der Unterwasser-Archäologie verwenden, um Funde aufzuspüren, sind Sidescans oder Multibeam. Das kann man sich so vorstellen, dass wir den Meeresboden mit akustischen Signalen abtasten. Die werden reflektiert, kommen wieder ans Forschungsschiff zurück und werden im Computer in Bild umgewandelt. Und dann können wir sehen, ob da ein Wrack am Meeresboden liegt." Auch auf historische Seekarten oder Logbücher greift er zurück.

Die meisten archäologischen Funde sind per Zufall entdeckt worden, sagt Huber. "Es werden immer neue Funde unter Wasser gemacht. Sei es beim Bau von neuen Hafenanlagen, aber auch durch Sporttaucher, die runtergehen und irgendwo Schiffswracks, Bootsreste oder Pfähle unter Wasser entdecken."

Dank einer Meldepflicht in Deutschland erfahren die Forscher in der Regel schnell davon und können die Funde sichern.

Tauchgänge im Auftrag des WWF

Unterwasser-Archäologen tauchen nicht nur zu Forschungszwecken. Huber ist mit seiner Kieler Firma oft im Auftrag des World Wildlife Fund (WWF) unterwegs. "Vor allem um Geisternetze in der Ostsee zu bergen. Das sind herrenlos umhertreibende Fischernetze, die verloren gegangen sind, aber weiter im Meer treiben. Und da können sich Fische, Vögel, Wale, Robben, Schildkröten oder was auch immer, drin verheddern und sterben. Das ist auch ein großes Mikroplastik-Problem."

Bei so einem Auftrag gelang ihm und seinem Team 2020 ein sensationeller Fund - nicht aus der Steinzeit, sondern aus dem Zweiten Weltkrieg. "Beim Runtertauchen haben wir in einem dieser Netze eine Enigma gefunden. Das war eine Schreibmaschine, kann man vereinfacht sagen: eine Dechiffrier-Maschine der Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg. Damit haben Geheimdienste und Militärs verschlüsselte Botschaften verschickt."

Der archäologische Fund sorgte für Aufsehen in der Fachwelt und ging rund um den Globus durch die Presse. Das Team bekam Interview-Anfragen aus der ganzen Welt. Das, so Huber im DW-Interview, sei für sie als Wissenschaftler mehr wert als der Fund von antiken Gold- und Silbermünzen.

Item URL https://www.dw.com/de/die-geheimnisvolle-welt-der-unterwasser-archäologie/a-57190620?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Die Henri-Cosquer-Höhle vor Marseille
Image source MC DRAC/SRA PACA/Luc Vanrell

Item 5
Id 57196080
Date 2021-04-14
Title OECD: Entwicklungshilfe dürfte dramatisch sinken
Short title Entwicklungshilfe dürfte dramatisch sinken
Teaser Die reichen Industrieländer haben 2020 Rekordsummen für Entwicklungshilfe ausgegeben, gerade auch für die Corona-Bekämpfung. Doch es droht ein deutlicher Einbruch.
Short teaser 2020 ist noch umfangreiche Hilfe geflossen, nun befürchtet die OECD jedoch einen Einbruch.
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Die gute Nachricht zuerst: Weltweit haben die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit mit gut 161 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht. Soviel haben die westlichen Industrieländer, die sich in der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossen haben, im vergangenen Jahr aufgewendet. Vor allem der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von real, also inflationsbereinigt, 3,5 Prozent ist tatsächlich beeindruckend. Ein großer Teil davon floss als Hilfe zur Bekämpfung der Corona-Pandemie an arme Länder. Das zeigt, dass die OECD-Staaten gerade während der Pandemie nicht nur an sich gedacht haben.

Weniger beeindruckend werden die Zahlen, wenn man die Covid-Mittel für arme Länder mit den Hilfen vergleicht, die die Industriestaaten zur Stützung ihrer eigenen Volkswirtschaften aufgewendet haben. "Regierungen haben weltweit im Zusammenhang mit Covid-19 Wirtschaftshilfen von rund 16 Billionen Dollar aufgelegt", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Nur ein Prozent dieses Betrags werde dafür eingesetzt, um Entwicklungsländern in der Krise zu helfen.

Auch bei einem anderen Wert muss man Wasser in den Wein gießen: Der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen (BNE) ist im vergangenen Pandemie-Jahr 2020 zwar leicht von 0,3 auf 0,32 Prozent gestiegen. Aber abgesehen davon, dass das immer noch weit vom UN-Ziel von 0,7 Prozent entfernt ist, kommt selbst die Steigerung nur durch einen besonderen Umstand zustande: Da es sich um einen Prozentsatz des BNE handelt und die Wirtschaftsleistung in praktisch allen OECD-Staaten stark eingebrochen ist, bleibt der Anteil selbst dann gleich, wenn die Entwicklungsausgaben gekürzt werden.

Deutschland erreicht zum zweiten Mal das UN-Ziel

Die OECD-Länder geben allerdings sehr unterschiedlich viel für Entwicklungszusammenarbeit aus. Nur sechs Länder erreichten das UN-Ziel von mindestens 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung: Dänemark, Luxemburg, Norwegen, Schweden, Großbritannien und – zum zweiten Mal nach 2016 - Deutschland.

0,73 Prozent seiner Wirtschaftsleistung gab Deutschland laut vorläufigen Zahlen 2020 für Entwicklungszusammenarbeit aus. Darin sind allerdings Ausgaben für Flüchtlinge im Inland enthalten. Rechnet man sie heraus, sind es 0,66 Prozent. Auch in absoluten Zahlen kann sich der deutsche Beitrag sehenlassen: Deutschland ist mit 25 Milliarden Euro nach den USA der zweitwichtigste Geldgeber.

"Ein Test für den Multilateralismus"

Damit zur wichtigsten schlechten Nachricht: Im kommenden Jahr werden die Hilfsgelder vermutlich dramatisch einbrechen. Denn die Geberländer dürften alle Hände voll zu tun haben, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie aufzufangen. Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller, CSU, warnt für sein Land: "Die vom Finanzministerium vorgelegte Finanzplanung sieht für die kommende Jahre einen Rückgang der Entwicklungsmittel um rund ein Viertel vor. Die weltweiten Folgen der Pandemie können wir so nicht bewältigen. Denn Corona wird im nächsten Jahr nicht vorbei sein". In anderen Industriestaaten sind ähnliche Kürzungen zu erwarten.

"Diese Krise ist ein ernster Test für den Multilateralismus", so OECD-Generalsekretär Gurría. Er fordert deutlich mehr Anstrengungen, um die Impfstoffversorgung der Entwicklungsländer voranzubringen. Die Impfstoff-Initiative Covax für arme Länder leide unter massiver Finanznot.

Lockdown schlimmer als das Virus?

Gerd Müller sieht in dem Virus weit mehr als eine Gefahr für die weltweite Gesundheit. Die Pandemie habe eine dramatische Wirtschafts- und Hungerkrise ausgelöst. 300 Millionen Menschen hätten ihren Arbeitsplatz verloren. "Und weil Medikamente nicht mehr ankommen, etwa für Aids, Tuberkulose oder Malaria, werden in Afrika voraussichtlich mehr Menschen an den Folgen des Lockdowns sterben als am Virus selbst. Es ist zu befürchten, dass viele Länder um Jahre in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden."

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Image caption Impfung in einem Krankenhaus in Nairobi, Kenia
Image source Ben Curtis/AP/picture alliance

Item 6
Id 57197148
Date 2021-04-14
Title Bulgariens Ministerpräsident Borissow verzichtet auf weitere Amtszeit
Short title Bulgarien: Borissow macht nicht mehr weiter
Teaser Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow zieht sich nach mehr als einem Jahrzehnt zurück. Nach der Parlamentswahl Anfang April bleibt die Regierungsbildung trotzdem schwierig.
Short teaser Ministerpräsident Boiko Borissow zieht sich nach mehr als zehn Jahren zurück. Die Regierungsbildung bleibt schwierig.
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Borrisow kündigte an, für das Amt des Ministerpräsidenten einen anderen Kandidaten mit einer "sehr klaren europäischen und NATO-Orientierung" vorzuschlagen. Er wolle das bulgarische Volk nicht spalten. Namen nannte er nicht.

Der 61-Jährige ist mit kurzen Unterbrechungen bereits seit 2009 Ministerpräsident. Vergangenes Jahr hatten Demonstranten in Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen immer wiederseinen Rücktritt verlangt.

Bei der Parlamentswahl Anfang April war seine pro-europäische GERB mit 26 Prozent der Stimmen wieder stärkste Partei in dem EU- und NATO-Mitgliedsland geworden. Die Partei verlor jedoch rund ein Fünftel ihrer Parlamentssitze und verfehlte mit nur noch 75 Mandaten in dem 240-Abgeordneten-Parlament die Mehrheit aber deutlich.

Als stärkste politische Kraft muss die GERB, die wie CDU/CSU zur EVP-Fraktion im Europaparlament gehört, der bulgarischen Verfassung zufolge mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt werden. In dem zersplitterten Parlament mit insgesamt sechs Parteien dürfte sie aber keine neue Koalition mehr zustande bringen können. Die fünf anderen Parteien lehnen ein Regierungsbündnis mit der Borissow-Partei ab.

Wie geht es weiter?

Bei einem Scheitern der GERB müsste Staatschef Rumen Radew den Auftrag zur Regierungsbildung dann an die zweitstärkste Kraft weitergeben, die systemkritische "Es gibt so ein Volk" ITN (17,6 Prozent, 51 Sitze). Deren Vorsitzender Slawi Trifonow, ein TV-Moderator und Kabarettist, hat sich noch nicht klar zu seinen Plänen geäußert. Trifonow steht wegen einer COVID-19-Erkrankung derzeit unter Quarantäne. Das neu gewählte Parlament kommt an diesem Donnerstag zu seiner ersten Sitzung zusammen.

Borissow sagte, die nationale Einheit sei entscheidend in einer Zeit, in der Bulgarien mit einem Anstieg der Corona-Infektionen und mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der pandemiebedingten Schließungen zu kämpfen habe.

ust/ww (dpa, rtr)

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Image caption Regierungschef Boiko Borissow strebt keine vierte Amtszeit an (Archivbild)
Image source Olivier Hoslet/Reuters

Item 7
Id 57192400
Date 2021-04-14
Title Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland schnellt nach oben
Short title Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland schnellt nach oben
Teaser Weltweit steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter. In Deutschland überspringt die Siebentage-Inzidenz die Marke von 150. Dänemark zeigt AstraZeneca die rote Karte.
Short teaser Weltweit steigen die Corona-Neuinfektionen weiter. In Deutschland überspringt die Siebentage-Inzidenz die Marke von 150.
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Laut Angaben des Robert-Koch-Institut (RKI) stieg die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage bundeweit auf 153,2. Ähnlich hoch hatte sie zuletzt Mitte Januar (155 am 13. Januar) während der zweiten Welle gelegen. Demnach meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland binnen eines Tages 21.693 Corona-Neuinfektionen und 342 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9677 Neuinfektionen und 298 Todesfälle verzeichnet.

Drosten: Bundesweite Corona-Notbremse nicht ausreichend

Die Beurteilung des Infektionsgeschehens ist jedoch aufgrund der zurückliegenden Ferien und der Osterfeiertage noch immer schwierig. "Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen", sagte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info. Er befürchte, dass man dann wieder in einem Bereich zwischen 20.000 und 30.000 täglich gemeldeten Neuinfektionen landen werde.

Die vom Bundeskabinett beschlossene bundesweite Corona-Notbremse hält er daher für nicht ausreichend, um die Situation zu entschärfen - insbesondere auf den Intensivstationen. "Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss", sagte Drosten. Dies müsse sicherlich in "allernächster Zeit" geschehen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) erwartet, dass der bisherige Höchststand von etwa 6000 Covid-19-Intensivpatienten noch im April wieder erreicht wird.

Marburger Bund warnt vor weiteren Verzögerungen

Bislang steht allerdings noch nicht einmal fest, wann die Änderung des Infektionsschutzgesetzes und damit die sogenannte Corona-Notbremse in Kraft treten kann. Vorgesehen sind unter anderem bundeseinheitliche Ausgangsbeschränkungen und Schließung von Geschäften und Einrichtungen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100. Erst kommende Woche sollen die Neuerungen vom Parlament beschlossen werden und dann den Bundesrat passieren - trotz deutlicher Kritik einiger Länder und der Opposition im Bundestag.

Angesichts der Verzögerungen bei der Verabschiedung der bundeseinheitlichen Notbremse warnte die Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, vor möglichen Folgen. "Die Notbremse kommt ohnehin spät. Aber wenn wir noch länger warten, droht eine Überlastung der Intensivstationen. Dann kann eine Triage nötig werden", sagte Johna dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Bei einer Triage entscheidet das medizinische Personal, wer aufgrund von mangelnden Kapazitäten eine lebensrettende Behandlung erhält und wer nicht.

Dänemark verzichtet auf AstraZeneca

Dänemark kündigte derweil den dauerhaften Verzicht auf den Einsatz des Impfstoffes von AstraZeneca an. Die Impfkampagne werde ohne das Präparat des britisch-schwedischen Unternehmens fortgesetzt, gab der Direktor der dänischen Gesundheitsverwaltung, Søren Brostrøm, auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt.

Hintergrund sind Berichte über einen etwaigen Zusammenhang zwischen dem Mittel und sehr seltenen Thrombosen. Dänemark hatte bereits im März als erstes Land die Verwendung von AstraZeneca ausgesetzt. Dort wird gegenwärtig auch nicht mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft, ebenfalls wegen Berichten über ein Auftreten von seltenen Thrombosen auch bei diesem Mittel.

Türkei verschärft zum Ramadan-Beginn Einschränkungen

In der Türkei hat die Regierung angesichts rasant zunehmender Corona-Neuansteckungen bereits reagiert und die Corona-Beschränkungen während des Fastenmonats Ramadan verschärft. Die nächtliche Ausgangssperre beginne nun zwei Stunden früher um 19.00 Uhr, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan nach einer Kabinettssitzung. Zudem würden Beschränkungen für Reisen zwischen Provinzen erlassen.

Restaurants und Cafés, die vergangenen Monat teilweise wieder öffnen durften, müssten schließen. Für weite Teile des Landes gelten zudem Wochenend-Lockdowns. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen nur noch von Menschen über 65 und unter 20 Jahren genutzt werden. Sportstätten müssten während des Ramadan schließen. Auch Hochzeiten und andere Veranstaltungen in geschlossenen Räumen seien verboten.

Das türkische Gesundheitsministerium meldete derweil 59.187 Neuinfektionen an einem Tag - das ist der höchste Stand seit Beginn der Pandemie. In dem Land mit rund 84 Millionen Einwohnern ist vor allem die Metropole Istanbul stark betroffen. Dort wurden in der vergangenen Woche rund 800 Fälle pro 100.000 Einwohner gemeldet, wie das Ministerium mitteilte. Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt Ankara liegt demnach bei rund 420 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Die Bundesregierung stuft die Türkei inzwischen als Corona-Hochinzidenzgebiet ein.

Neuer weltweiter Höchstwert bei Neuansteckungen in Indien

Auch in Indien steigen die Corona-Fallzahlen dramatisch. Schon jetzt weist Indien nach den USA die höchste Infektionszahl weltweit auf. Und seit Tagen meldet das Gesundheitsministerium täglich mehr als 100.000 Neuinfektionen. Mit 184.372 bestätigten Neuansteckungen binnen 24 Stunden erreichte das asiatische Land am Mittwoch erneut einen weltweiten Höchstwert.

Damit haben sich nun rund 13,9 Millionen Menschen nachweislich mit dem Virus angesteckt, wie das Gesundheitsministerium mitteilt. 1027 weitere Menschen starben mit oder an dem Virus, insgesamt sind es damit 172.085. Die Dunkelziffer dürfte Experten zufolge in dem Land mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern aber deutlich höher liegen. Aus besonders betroffenen Regionen gibt es Berichte, wonach in Krankenhäusern die Betten knapp werden und einige Impfzentren schließen mussten, weil ihnen der Impfstoff ausgegangen war.

Während dieser Tage im Rahmen des Kumbh Mela, des größten religiösen Festes der Welt, Hunderttausende Hindus im heiligen Fluss Ganges baden, oft ohne Masken und Abstand, hat die Regierung des reichsten und stark betroffenen Bundesstaat Maharastra eine strikten 15-tägigen Lockdown verhängt. "Alle Fabriken und Industrien", mit Ausnahme einiger exportorientierter Einheiten und derjenigen, die für wesentliche Dienstleistungen benötigt werden, müssen ihren Betrieb einstellen, teilte die Regierung mit. Auch Versammlungen von mehr als fünf Leuten sind dort verboten. Bereits seit vergangener Woche sind Restaurants, Bars, Fitnessstudios, Theater und nicht lebensnotwendige Geschäfte geschlossen.

ww/ust (dpa, afp, rtr)

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Image caption Fast 22.000 Corona-Neuinfektionen haben die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut binnen 24 Stunden gemeldet
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Item 8
Id 57192561
Date 2021-04-14
Title Bericht zum Sturm auf US-Kapitol: Schwere Mängel bei Polizei
Short title Sturm auf Kapitol: Schwere Mängel bei Polizei
Teaser Veraltete Ausrüstung, falsche Reaktionen, mangelnde Vorbereitung: Ein interner Bericht der US-Kapitolspolizei hat schwerwiegende Defizite im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kongressgebäude im Januar festgestellt.
Short teaser Ein interner Bericht zum Sturm auf das US-Kapitol in Januar hat schwere Defizite auf Seiten der Polizei identifiziert.
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Ein interner Bericht der US-Kapitolspolizei hat schwerwiegende Mängel bei der Vorbereitung und der Reaktion der Sicherheitskräfte im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kongressgebäude im Januar festgestellt. Die Parlamentspolizei habe sich trotz Hinweisen im Vorfeld der Unruhen nicht ausreichend vorbereitet, berichteten der Sender CNN und die "New York Times" unter Berufung auf das Ergebnis einer polizeiinternen Untersuchung.

Der 104 Seiten starke Bericht des internen Generalinspekteurs der Kapitolspolizei, Michael Bolton, kommt zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitskräfte sich nicht ausreichend auf den 6. Januar vorbereitet hatten, obwohl ihnen bereits drei Tage zuvor nachrichtendienstliche Hinweise zu einer Bedrohung durch Trump-Anhänger vorlagen.

In der geheimdienstlichen Einschätzung hieß es laut dem Bericht, Ziel der Trump-Unterstützer seien "nicht die Gegendemonstranten, sondern der Kongress selbst". Es könne zu einer "gefährlichen Situation für Ordnungskräfte sowie für die Öffentlichkeit kommen". Der Plan der Sicherheitskräfte für den Tag der Unruhen sah jedoch "keine besonderen bekannten Bedrohungen im Zusammenhang mit der gemeinsamen Sitzung des Kongresses".

Zu alt für den Einsatz

Wie die Nachrichtenagentur AP, die ebenfalls Einblick in den Report hatte, berichtet, gab es zudem Probleme mit der Ausrüstung. Sie sei in vielen Fällen nicht erneuert worden, nachdem sie ihr Verwendbarkeitsdatum erreicht hatte. Einige Waffen, die Tränengas hätten abfeuern können, waren so alt, dass sich die Beamten nicht sicher fühlten, sie zu benutzen. Schutzschilde seien falsch gelagert worden, sodass sie beim Einsatz zerbrachen.

In anderen Fällen wurde auf "Anweisung der Führung" auf den Einsatz stärkerer Waffen wie Blendgranaten verzichtet. Sie werden als "weniger tödlich" bezeichnet, weil sie nicht dafür ausgelegt sind zu töten, sondern Menschenmengen zu zerstreuen. Der Kongress soll sich am Donnerstag in einer Anhörung mit dem Bericht auseinandersetzen.

Bei dem Sturm auf den Sitz des US-Kongresses am 6. Januar hatten radikale Anhänger des früheren US-Präsidenten Donald Trump das Gebäude angegriffen. Im Zuge der Ausschreitungen in der US-Hauptstadt kamen fünf Menschen zu Tode. Trump hatte zuvor seinen völlig unbelegten Vorwurf des massiven Wahlbetrugs bei der US-Präsidentschaftswahl im November bei einem Auftritt vor Anhängern nahe dem Kongress wiederholt und diese aufgefordert, zum Kapitol zu marschieren und "auf Teufel komm raus zu kämpfen".

ust/ww (afp, ap)

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Image caption Noch immer wird das US-Kapitol außen strenger bewacht als vor dem Sturm auf das Kongressgebäude
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Item 9
Id 57192876
Date 2021-04-14
Title Japan und USA: Neue Pfeiler für Dauerbund gesucht
Short title Japan und USA: Neue Pfeiler für Dauerbund gesucht
Teaser Bei einem Gipfeltreffen im Weißen Haus wollen die USA und Japan verlorenes Vertrauen wiederherstellen und ihre Kooperation vertiefen. Dabei könnte Taiwan zum Lackmustest der Beziehung werden. Martin Fritz aus Tokio.
Short teaser Bei einem Treffen im Weißen Haus wollen die USA und Japan verlorenes Vertrauen wiederherstellen. Martin Fritz aus Tokio.
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Auf die erste Begegnung mit Joe Biden haben sich Japans Premier Yoshihide Suga und seine Entourage aus Beamten und Politikern gut vorbereitet. Alle Teilnehmer der Reise nach Washington erhielten rechtzeitig zwei Dosen des Biontech-Impfstoffes gespritzt, um das Ansteckungsrisiko beim ersten Besuch eines ausländischen Regierungschefs im Weißen Haus seit Bidens Amtsantritt zu minimieren. Der neue US-Präsident ist schon länger gegen Covid-19 geimpft.

Auch inhaltlich sieht der amerikanisch-japanische Gipfel am Freitag US-amerikanischer Zeit (16.4.) gut vorbereitet aus. Der Senat verabschiedet vor dem Treffen eine überparteiliche Resolution, um die Stärke der Sicherheitsallianz zwischen Japan und den Vereinigten Staaten zu unterstreichen. Gerüchten zufolge gibt die Washingtoner Regierung auch den neuen US-Botschafter für Japan bekannt. Der Posten in Tokio ist seit fast zwei Jahren vakant.

Versorgung mit Halbleitern

Zu den verabredeten Ergebnissen zählt ein Abkommen über die Versorgung mit kritischen Halbleiterkomponenten, nachdem ein globaler Chipmangel die Autoindustrie gebremst hat. Eine hochrangige Arbeitsgruppe beider Seiten soll einen Plan für eine dezentralere Fertigung erarbeiten, damit das Versorgungsrisiko durch die Produktion vieler Chips in geopolitisch riskanten Gebieten wie Taiwan und China sinkt. Auch in der Klimapolitik wollen beide Länder enger zusammenarbeiten. Japan will die USA unterstützen, indem es stärker auf erneuerbare Energien setzt und keine Kohlekraftwerke im Ausland mehr finanziert.

Ebenfalls auf der Agenda steht ein Rahmenwerk zur Förderung von hochqualitativer Infrastruktur im indopazifischen Raum. Auf diese Weise wollen die USA und Japan asiatischen Schwellenländern eine Alternative zu Chinas Seidenstraßeninitiative (Belt-and-Road-Initiative) anbieten. Dafür will man gemeinsame Richtlinien für Investitionen vereinbaren. Während man bisher projektweise vorgeht, soll der Vergabeprozess für staatlich begünstigte Kredite künftig standardisiert werden. Zu den Schwerpunkten der Investitionen könnten 5G-Funknetze und die klimafreundliche Energieerzeugung gehören.

Keine Rückkehr zu TPP

Die japanische Seite hofft darauf, bei dem Gipfel das Vertrauen wiederherzustellen, das unter den aggressiven Taktiken von Bidens Vorgänger Donald Trump gelitten hatte. Die USA sind seit 61 Jahren Japans einziger Sicherheitspartner. Trump hatte Japan wegen der hohen Autoimporte unter Druck gesetzt und einen bilateralen Handelspakt durchgesetzt. Zwar rechnet Suga nicht mehr damit, dass die USA zum von Trump aufgegebenen TPP-Handelsvertrag der Pazifikanrainer zurückkehren. Aber der neue US-Präsident wird sicher nicht mehr mit Strafzöllen gegen seinen engsten Verbündeten in Asien drohen. Einen größeren Teil des Schadens konnte Biden schon dadurch reparieren, dass er den Japaner als ersten ausländischen Staatsgast ins Weiße Haus eingeladen hat.

Der eigentliche Knackpunkt der Gespräche liegt im künftigen Umgang der Allianz mit China. Biden hat bislang die harte Linie seines Vorgängers fortgesetzt. Aber statt dem "maximalen Druck" von Trump setzt er auch auf verstärkten Wettbewerb. Zugleich passt die ursprünglich japanische Idee eines "freien und offenen Indopazifik" in Bidens außenpolitisches Konzept, gemeinsam mit Partnern dem Machtanspruch von China in Asien entgegenzutreten.

Bei ihren "2+2-Gesprächen" Mitte März in Tokio kritisierten die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder Chinas Territorialansprüche im Ostchinesischen Meer ungewöhnlich scharf. Auf diese Weise konnte die Biden-Administration die japanischen Zweifel an der US-Bündnistreue beenden. Konkret wünschte sich Japan die Zusicherung, dass die USA einen bewaffneten Konflikt mit China riskieren würden, falls Peking die von Japan kontrollierten Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer, Diaoyu-Inseln auf Chinesisch, besetzt.

Lackmustest Taiwan

Doch der auf Abwehr und Wettbewerb mit China ausgerichteter US-Politikansatz setzt Japan unter ungewohnten Handlungsdruck. "Bidens tendenziell weniger konfrontative Haltung gegenüber China ist zunächst kein Vorteil für Japan", meint der Historiker Torsten Weber vom Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio. Das japanische Dilemma zeigt sich im Wunsch der USA, die Unterstützung von Taiwan in die Abschlusserklärung des Gipfels aufzunehmen. Für Japan würde dieser Lackmustest seiner Loyalität zu den USA eine politische Kehrtwende bedeuten. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1972 mit China hat Tokio das "Ein-China-Prinzip" beachtet. Außerdem könnte ein solches Statement zur Folge haben, dass Japan die USA bei einem Konflikt um Taiwan militärisch unterstützen müsste. Womöglich erlaubt Japans pazifistische Verfassung dies jedoch nicht.

Im Vorfeld des Gipfels hat China bereits Druck auf Japan ausgeübt, den Schulterschluss mit den USA nicht zu übertreiben. Japan sollte sicherstellen, dass seine bilateralen Beziehungen zu China "nicht in die sogenannte Konfrontation zwischen großen Ländern" hineingeraten, warnte Chinas Außenminister Wang Yi seinen japanischen Amtskollegen Toshimitsu Motegi bei einem Telefonat. Der scharfe Ton überraschte, weil Tokio bislang eine Konfrontation mit Peking vermieden hat. Zum Beispiel hat Japan als einziges G7-Land keine Sanktionen wegen der Uiguren-Umerziehung in der Provinz Xinjiang verhängt. Doch Historiker Weber hält Chinas Einschüchterungsstrategie für riskant: "Je aggressiver China in der Region und global auftritt, umso mehr treibt es die USA in die Arme Japans - und umgekehrt."

In der Folge müsste Japan seine außenpolitische Maxime, dass Diplomatie vor allem dem Handel dienen sollte, aufweichen. Diese Haltung führte bisher dazu, dass Tokio sein Licht auf der globalen Bühne lieber unter den Scheffel stellte. In diesem Kontext betont der deutsche Historiker die politischen Chancen, die sich aus Japans Wertepartnerschaft mit den USA und auch Deutschland ergeben. "Wenn Japan, die USA und andere Länder ihre gemeinsame chinakritische Position mit Freiheit, Demokratie und Menschenrechten begründen, dann könnte Japan ein wichtiger Partner der Weltpolitik werden", meint Weber. Allerdings hätte diese Neuorientierung ihren Preis: "Dann müsste Tokio auch den Geschichtsrevisionismus in Bezug auf Zwangsprostituierte, Zwangsarbeit und Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zurückfahren, weil diese Aktivitäten das japanische Bekenntnis zu Freiheit und Menschenrechten in Frage stellen."

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Item 10
Id 57186471
Date 2021-04-14
Title Wie Russland mit Söldnern und Waffen um Einfluss in der ZAR buhlt
Short title Wie Russland um Einfluss in der ZAR buhlt
Teaser In der Zentralafrikanischen Republik setzt die Regierung im Kampf gegen Rebellen auch auf russische Söldner. Denen werfen UN-Experten nun Menschenrechtsverletzungen vor - doch Moskau will davon nichts wissen.
Short teaser Die Regierung der ZAR kämpft mit internationaler Hilfe gegen Rebellen - und setzt dabei auch auf russische Söldner.
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Sicherheit ist in der Zentralafrikanischen Republik ein teures Gut. Immer noch kämpfen in vielen Teilen des Landes Milizen gegen Regierungstruppen, Angriffe gegen die Zivilbevölkerung sind an der Tagesordnung, Hunderttausende sind auf der Flucht. Rund 12.000 UN-Blauhelmsoldaten sollen das Land stabilisieren und die regulären Sicherheitskräfte unterstützen, doch die Situation bleibt fragil.

Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass die Regierung in ihrem Bemühen um Sicherheit auch die Dienste russische Söldner in Anspruch nimmt. Doch die stehen immer wieder in der Kritik. Zuletzt berichteten UN-Experten von "schweren Menschenrechtsverletzungen", die Angehörige von russischen Sicherheitsfirmen begangen haben sollen, darunter Massenerschießungen, willkürliche Festnahmen, Folter und Angriffe auf zivile Einrichtungen. Anschuldigungen, die Moskau lange unkommentiert ließ.

Russisches Außenministerium hält sich bedeckt

Auf Nachfragen der DW antwortet das russische Außenministerium nun ausweichend: "Militärische Spezialisten aus Russland werden in strikter Übereinstimmung mit den Anforderungen des Sanktionsregimes des UN-Sicherheitsrates in das Land geschickt." Die russische Hilfe erfolge im Einklang mit den allgemeinen Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, die Sicherheitsstrukturen der Zentralafrikanischen Republik zu stärken.

Offiziell gibt Moskau die Anzahl russischer Militärexperten in der ZAR mit 535 an. Presseberichten zufolge liegt die tatsächliche Zahl aber weitaus höher. So soll allein die Wagner-Gruppe, eine global agierende, private Sicherheitsfirma aus Russland, über 1.000 Mitarbeiter in der ZAR beschäftigen. Dazu kommen andere Unternehmen, wie Sewa Security Services. Sie bewachen Flughäfen und Ministerien und stellen die Leibwache desim Dezember wiedergewählten Präsidenten Faustin Archange Touadéra.

Sicherheit als Geschäft

Die russische Regierung habe "keine Informationen über die Gesamtzahl der russischen Bürger, die sich derzeit in der ZAR aufhalten", stellt das Außenministerium in Moskau klar. Russische Staatsbürger, die sich "zu geschäftlichen oder touristischen Zwecken vorübergehend in der Zentralafrikanischen Republik aufhalten", seien nicht verpflichtet, sich beim russischen Konsulat zu melden.

"Es ist bekannt, dass die Sicherheitsfirmen in Verbindung zur Unterwelt und zur organisierten Kriminalität stehen. Sie betrachten ihren Einsatz als ein lukratives Geschäft, ihre Dienste werden teilweise mit Anteilen an Gold- und Diamantenminen bezahlt", erläutert Paul Stronski von der Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden im DW-Interview.

Abhängige Eliten

Für die russische Regierung sei die Zentralafrikanischen Republik Teil einer langfristig angelegten Strategie Russlands, den Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent auszubauen. Gleichzeitig werde der Einsatz der Privatsöldner als eine preiswerte Möglichkeit angesehen, die globale Schlagkraft Russlands unter Beweis zu stellen, so Stronski weiter.

Derweil würden die Eliten in der ZAR zunehmend von den russischen Sicherheitsfirmen abhängig. Dabei gehe nicht nur um politische, sondern vor allem auch um wirtschaftliche Interessen. "Die ZAR ist reich an Rohstoffen, wie Gold und Diamanten, das Land ist aber auch geostrategisch sehr interessant."

ZAR und Russland: schrittweise Annäherung

Tatsächlich ist Russlands Interesse an der ZAR relativ neu: 2017 trifft sich Außenminister Sergej Lawrow erstmals mit Präsident Touadéra im russischen Sotschi. Zwei Monate später erhält Russland von der UNO eine Ausnahmegenehmigung, trotz eines geltenden Embargos, Waffen in die ZAR zu liefern. Die erste Waffenlieferung von Moskau nach Bangui folgt auf dem Fuß – unter anderem Kalaschnikow-Gewehre, Pistolen, Raketenwerfer und Boden-Luft-Raketen.

Als kurz darauf, im Mai 2018, Faustin Archange Touadéra erneut nach Russland reist und sich mit Wladimir Putin trifft, einigt man sich schnell auf die Vergabe von Bergbaulizenzen an russische Unternehmen im Austausch für die Befriedung von Regionen mit Gold-, Diamanten- und Uranvorkommen.

Im Juli 2018 werden die ersten russischen Militärberater und Söldner der Firma Wagner nach Bangui geschickt, um die Aktivitäten von russischen Unternehmen zu sichern, aber auch um zentralafrikanische Soldaten auszubilden und die Machthaber im Land zu beschützen.

Putins Trumpf: Russland war in Afrika nie Kolonialmacht

"Putin gilt in der ZAR als verlässlicher Partner. Er schützt die Politiker, die an der Macht sind und stellt sich eindeutig gegen die Opposition, und das gefällt den Machthabern", sagt die Russland-Expertin und Autorin des Blogs Inside Russia and Eurasia, Nina Bachkatov, im DW-Interview.

Russland positioniere sich dabei auch als Gegenspieler Frankreichs, erklärt Paul Stronski. Immer wieder würde die Karte des "anti-imperialistischen Russlands" ausgespielt, das im Gegensatz zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich nie Kolonien in Afrika gehabt habe. Die Kernbotschaft: Russland habe – im Gegensatz zu Frankreich – die notwendige Schlagkraft und Glaubwürdigkeit, die Probleme in der ZAR zu lösen. Schritt für Schritt schicke sich Putins Russland an, der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung in der Zentralafrikanischen Republik streitig zu machen.

Russischer Botschafter provoziert diplomatischen Eklat

Um dieses Ziel zu erreichen, schrecken russische Regierungsvertreter offenbar auch nicht vor martialischer Rhetorik zurück. Wenige Tage vor der Veröffentlichung des Berichts der UN-Expertengruppe drohte der russische Botschafter in Bangui, Vladimir Titorenko, dem Rebellenführer François Bozizé öffentlich mit dem Tod: Der ehemalige Präsident solle sich vom bewaffneten Kampf lossagen, andernfalls werde er "von den Streitkräften liquidiert."

Eine unerhörte Einmischung eines ausländischen Diplomaten in die inneren Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik, beklagt Serge Simon Bozanga, Sprecher der Rebellengruppe CPC, gegenüber der DW: "Russland wirbt offiziell darum, dass Präsident Touadéra den Konflikt im Land nicht mit diplomatischen Mitteln, sondern mit Waffengewalt löst." Und auch der Präsident der zentralafrikanischen Liga für Menschenrechte, Joseph Bindoumi, sagt im DW-Interview: Der russische Botschafter habe seine Kompetenzen als ausländischer Diplomat eindeutig überschritten.

Mitarbeit: Mikhaeil Bishuev und Eric Topona

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Image caption Ein russisches Militärfahrzeug auf den Straßen von Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik
Image source Camille Laffont/AFP

Item 11
Id 57073894
Date 2021-04-14
Title Extreme Orte: Unterwegs im Reich der Eisbären
Short title Extreme Orte: Unterwegs im Reich der Eisbären
Teaser Auf halber Strecke zwischen norwegischem Festland und Nordpol liegt Longyearbyen. Der Ort auf Spitzbergen ist der nördlichste in Europa, an dem permanent Menschen leben – und unser Teil VI der Reihe "Extreme Orte".
Short teaser Longyearbyen auf Spitzbergen ist die nördlichste Siedlung Europas – und unser Teil VI der Reihe "Extreme Orte".
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Vorsicht: Eisbären! Wer sich dem Stadtrand von Longyearbyen nähert, dem leuchtet diese Warnung von offiziellen Verkehrsschildern entgegen. Und die ist durchaus ernst gemeint: Denn auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen gibt es deutlich mehr Eisbären als Menschen. Zur Sicherheit darf man den Ort daher nur in Begleitung eines bewaffneten Touristenführers verlassen. Longyearbyen ist ein kleines Stück Zivilisation mitten im Arktischen Ozean. Ein Besuch in der nördlichsten permanent bewohnten Siedlung Europas ist ein wahrhaft extremes Erlebnis.

Abenteuer Arktis

Berge, Gletscher und karge Landschaft, so weit der Blick reicht. Keinen Baum, kaum ein bisschen Grün gibt es hier. Longyearbyen liegt auf dem 78. Breitengrad Nord, etwa auf halber Strecke zwischen norwegischem Festland und Nordpol. Zwischen Ende Oktober und Mitte Februar schafft es die Sonne auf dem arktischen Archipel nicht mehr über den Horizont. Dann herrscht Polarnacht. Und selbst im Hochsommer steigen die Temperaturen nur selten auf mehr als fünf Grad Celsius. Doch all das scheint die rund 2100 Einwohner der ehemaligen Bergarbeiterstadt nicht zu schrecken – und auch die Touristen nicht, die den Weg hierher finden. Denn an kaum einem anderen Ort in Europa spürt man die Natur so nah, so direkt und so ursprünglich.

Leben unter extremen Bedingungen

Diese Erfahrung hat auch DW-Reporterin Nicole Frölich gemacht. Für die Reihe "Europa maxximal" im Kultur- und Lifestyle-Magazin "Euromaxx" hat sie Longyearbyen erkundet und erfahren, wie die Bewohner der nördlichsten Siedlung Europas mit den herausfordernden Gegebenheiten auf Spitzbergen umgehen. Wie schützt man sich vor den Eisbären? Und wie baut man an einem Ort, in dem der Boden permanent gefroren ist, Gemüse an? Das und mehr erfahren Sie in unserem Video.

Eisige Entdeckungen auf Spitzbergen

Die Umgebung von Longyearbyen bietet eine Fülle einmaliger Erlebnisse. Im Winter geht es mit dem Schneemobil oder dem Hundeschlitten auf Entdeckungstour. Und im Sommer zu Fuß auf mehrtägige Gletscherwanderungen. Oder mit dem Boot zu den beeindruckenden Eisbergen in den nahe gelegenen Fjorden, wo sich oft auch Wale beobachten lassen. Manchmal kann man am nächtlichen Himmel sogar den Tanz der Polarlichter sehen. Und wer noch mehr Glück hat, bekommt bei einem seiner Ausflüge rund um Longyearbyen vielleicht wirklich den König der Arktis zu Gesicht: den Eisbären. Aber bitte: immer schön Abstand halten!


Service-Tipps:

Adresse: Longyearbyen, Insel Spitzbergen, Norwegen

Anreise: Longyearbyen erreicht man mit dem Flugzeug von Oslo oder Tromsø oder per Schiff.

Der besondere Tipp: Im Restaurant "Gruvelageret" in einer ehemaligen Lagerhalle kann man der Bergbauvergangenheit Longyearbyens nachspüren. Hier hat auch schon die norwegische Königsfamilie gespeist.


Das Buch zur Reihe

Europa von seiner extremen Seite: Die Reihe "Europa maxximal" im Lifestyle- und Kulturmagazin "Euromaxx" macht europäische Superlative erlebbar – von außergewöhnlicher Architektur über spektakuläre Landschaften bis hin zu einzigartigen kulturellen Phänomenen. Begleitend zur Reihe erscheint das Buch "111 extreme Orte, die man gesehen haben muss" in Kooperation mit dem Emons Verlag. Ein alternativer Reiseführer, informativ und unterhaltsam zugleich. Für Reiselustige, Europa-Fans und alle, die gerne mit ausgefallenem Partywissen angeben. Rekordverdächtig gut!

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Image source Hendrik Welling/DW

Item 12
Id 57172828
Date 2021-04-14
Title Venezuelas kleine Krypto-Revolution
Short title Venezuelas Hyperinflation und die Nerds
Teaser Die Währung Venezuelas verfällt seit Jahren. Im Kampf gegen die Hyperinflation setzen Coder und die sozialistische Regierung auch auf Digitalwährungen. Und viele Menschen holen sich so ein Stück Unabhängigkeit zurück.
Short teaser Im Kampf gegen die Hyperinflation setzen Programmierer und die Regierung auf Digitalwährungen. Derzeit mit Erfolg.
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Für Gabriel Jiménez ist es in Venezuela zu gefährlich geworden. Seit zwei Jahren lebt er in den USA: Von hier aus treibt er seine persönliche Krypto-Revolution weiter an. Reserve heißt das neueste Projekt, für das er arbeitet. Die Anwendung ermöglicht es unter anderem, die inflationäre venezolanische Währung Bolivar zu umgehen. Seit März kann die Anwendung in Venezuela genutzt werden. "Die Politiker haben keinen Lösung für unser Land", erzählt der 31-Jährige der DW.

Die Geschichte von Jiménez ist eine von Hoffnung und Verrat. Als die sozialistische Regierung ihn vor dreieinhalb Jahren beauftragte, eine Kryptowährung für Venezuela zu entwerfen, sah der damals junge Unternehmer einen Weg, es der Regierung heimzuzahlen. Damals ging Jimenéz - wie Tausende seiner Landsleute - gegen den autokratischen Staatschef Nicolás Maduro auf die Straße. Die Wirtschaft des ölreichen Landes dümpelte da schon seit Jahren vor sich hin.

Die erste staatliche Kryptowährung der Welt

Eine Digitalwährung wie der Bitcoin war für ihn der Inbegriff der Freiheit: keine zentrale Kontrolle, volle Transparenz - eigentlich das Gegenteil dessen, was die Regierung suchte. Die wollte vor allem einen Weg, um die von US-Präsident Donald Trump verschärften amerikanische Sanktionen zu umgehen.

Doch Jiménez war der Macht des Staates nicht gewachsen. Der Petro - die erste staatliche Kryptowährung der Welt- war am Ende alles andere als ein revolutionäres Projekt. Anderes als von Jiménez vorgeschlagen, war der Wert des Petro nicht frei, sondern an ein großes Ölbecken im Orinoko-Delta gekoppelt. Auch das Gründungsdokument - das sogenannte Whitepaper - musste er auf Befehl umschreiben.

Fernsehbilder zeigen Jimenez am Gründungstag des Petro. Im Anzug steht der schlaksige Venezolaner auf einer großen Bühne neben führenden Politikern und schüttelt Hände. "Ich war naiv und es wiegt bis heute schwer, dass der Petro eine politische Waffe der Regierung geworden ist", sagt er heute. Am Ende floh er in die USA - kurz vor seiner Festnahme, wie er berichtet.

Hyperinflation verbrennt die Einlagen der Venezolaner

In der Coder-Szene ist Jimenez nicht unumstritten - gerade die Allianz mit Maduro machen ihn für viele unglaubwürdig. Eines hat er mit den vielen anderen Tech-Experten gemein. Er will die Hyperinflation austricksen. Und die ist in Venezuela gewaltig. Erst Anfang März gab die Regierung in Caracas abermals einen neuen Schein heraus: Eine Million Bolivar steht darauf - der umgerechnete Wert liegt unter einem halben Dollar.

Seit Jahren verbrennt die Inflation jegliche Rücklagen der Venezolaner. Was man heute verdient, kann morgen schon wertlos sein. Im Jahr 2020 lag die Inflation nach ersten Schätzungen bei unvorstellbaren 6500 Prozent - im Vergleich: Die EU strebt eine Preissteigerung von zwei Prozent an.

Die meisten Venezolaner tauschen ihre Rücklagen deshalb gegen Dollar. Laut dem venezolanischenBeratungshaus Ecoanalítitca sind 66 Prozent aller Transaktionen bereits in der US-Währung. Doch auch Kryptowährungen haben ähnlich wie in anderen Hochinflationsländern wie beispielsweise in Simbabwe regen Zulauf. Das zeigt eine Auswertung des Handelsvolumen auf der Plattform LocalBitcoins (siehe Grafik). Demnach ist seit Ende 2019 das Volumen von venezolanischen Bolivar in Bitcoins stark angestiegen.

Einkaufen mit Bitcoin, Ether und Co

Auch das New Yorker Blockchain-Analysehaus Chainanlysis geht davon aus, dass Venezuela eines der aktivsten Länder weltweit in Bezug auf Digitalwährungen ist. Weil die meisten Kryptowährungen dezentral verwaltet werden, ist eine statistische Erhebung schwierig. Dennoch sei Venezuela nach den USA und Russland, das Land, das am meisten Digitalwährungen in US-Dollar P2P handelt - also direkt zwischen Käufer und Verkäufer.

In den großen Städten wie Caracas, Maracaibo oder Valencia ist es manchmal sogar möglich, an einem Straßenstand mit einem digitalen Coin zu bezahlen, berichtet der Krypto-Journalist José Maldonado. Auch in immer mehr Geschäften würden digitale Zahlungsweisen akzeptiert. "Möbel, Klamotten, Lebensmitel - eigentlich ist es möglich fast alles mittlerweile mit Kryptowährungen zu kaufen."

Maldonado schreibt von Venezuela aus für Cointelegraph, ein internationales Nachrichtenportal für Blockchain-Nachrichten. "Die Kryptwährungen haben hier bei uns eine hohe Präsens - vor allem Bitcoin, Ether, Dash und Eos", schreibt er auf DW-Anfrage. Die Krypto-Handelsplattform Binance sei in Venezuela mittlerweile genauso bekannt wie die Traditionsbank Banco de Venezuela.

Krypto-Spielzeug für Mittelschicht, Geflüchtete und Regierung

Aber es sei vor allem die Mittel- und Oberschicht, die mit Kryptowährungen bezahle oder spare. Die Internetverbindung sei in einigen Landesteilen und sogar in den großen Städten oft noch sehr schlecht. "Die Nutzung von Digitalwährungen bleibt für die Mehrheit weiter eine Illusion", so Maldonado.

Gerade für die vielen mittlerweile im Ausland lebenden Venezolaner sind die Kryptowährungen eine Möglichkeit, günstig und schnell Geld an ihre Verwandten zu schicken. Von den knapp 30 Millionen Venezolanern sind fünf Millionen vor der sozialistischen Regierung ins Ausland geflohen.

Der Petro kämpft weiter um seinen Ruf

Die von Gabriel Jiménez miterschaffenen erste Digitalwährung eines Landes - der Petro - wird derweil weiter von der Regierung als staatliches Instrument eingesetzt. So verschenkt sie Petros im Rahmen von Sozialprogrammen. Mitte 2020 gaben Tankstellenbetreiber im Land an, dass rund 15 Prozent der Bezahlungen über den Petro abgewickelt worden sein. Anscheinend will die Regierung die Akzeptanz weiter erhöhen. Zum Ende des Jahres bekamen rund acht Millionen Angestellte als Weihnachtsbonus einen halben Petro - umgerechnet 30 Dollar. Wer den Bonus haben wollte, musste sich auf der staatlichen Plattform registrieren. Auch können Steuerzahlungen können seit Ende 2020 über den Petro getätigt werden.

Inwiefern Funktionäre des Regimes den Petro nutzen, um Gelder ins Ausland zu transferieren, ist unklar. Doch der Vorwurf steht im Raum. Ähnlich wie beim Bitcoin und anderen Digitalwährung lassen sich die wirklichen Absender und Empfänger gut verheimlichen.

Für den Krypto-Experten Gabriel Jimenéz steht fest: Der Petro war ein Fehler. "Das treibt mich heute an, härter zu arbeiten". Das einzig Gute an dem Projekt sei gewesen, dass auch andere Kryptowährungen an Akzeptanz gewonnen hätten. Zwar ist es immer noch ein kleiner Teil, der Zugang zu Digitalwährungen hat. Es scheint aber dennoch, als würde sich dieser wachsende kleine Teil seine finanzielle Freiheit Stück für Stück zurückerobern. Das Risiko dabei ist klar umrissen: Denn die Kryptowährungen sind hoch volatil - doch angesichts des inflationären Bolivars lohnt sich für viele.

Item URL https://www.dw.com/de/venezuelas-kleine-krypto-revolution/a-57172828?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image source Yuri Cortez/Getty Images/AFP

Item 13
Id 57178992
Date 2021-04-14
Title Der schwierige Wiederaufbau von Notre-Dame de Paris
Short title Notre-Dame und der schwierige Wiederaufbau
Teaser Zwei Jahre nach dem verheerenden Brand an der Kathedrale ist die Vorbereitung für den Wiederaufbau im Gange - doch die Pläne dafür stoßen auf Widerstand.
Short teaser Die Wiederaufbaupläne für die brandbeschädigte Kathedrale Notre-Dame de Paris stoßen auf Widerstand.
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Selten hat man das Fällen von Bäumen wohl so pompös in Szene gesetzt. Umringt von zahlreichen Fernsehkameras hämmerten Anfang März Frankreichs Landwirtschaftsminister Julien Denormandie und Kulturministerin Roselyne Bachelot an mehrere Eichen kleine Täfelchen mit Nummern darauf. Dann hielten sie im staatlichen Wald von Bercé 200 Kilometer südwestlich von Paris beide eine Rede. "Ich glaube, dass Notre-Dame, welches ein Symbol unserer Vergangenheit ist, zeigt, in welchem Maße die Wälder Zeitgeschichte schreiben", sagte Denormandie feierlich. Seine Ministerkollegin fügte nüchterner hinzu: "Wir brauchen all dieses Holz, weil die Entscheidung getroffen wurde, die Kathedrale so wiederaufzubauen, wie sie vorher war, also vor dem Feuer und seit den Arbeiten [des Architekten Eugène] Viollet-le-Ducs, die 1843 begannen."

Die Eichen gehören zu rund 2000 Bäumen, die man nun gefällt hat und für den Wiederaufbau der Turmspitze und des Dachstuhls von Notre-Dame de Paris einsetzen will. Sie waren bei dem verheerenden Brand am 15. April 2019zerstört bzw. stark beschädigt worden. Aber diese Wiederaufbau-Pläne stoßen auf Unmut. Jedoch nicht deswegen, weil das Versprechen von Präsident Emmanuel Macron, die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren wieder komplett aufzubauen, wohl kaum eingehalten werden kann.

Wiederaufbau "innerhalb von fünf Jahren"

Der Brand vor zwei Jahren hatte für Entsetzen in Frankreich und auf der ganzen Welt gesorgt. Tausende Schaulustige hatten sich an dem Abend um das Unesco-Weltkulturerbe versammelt und mit einem Aufschrei beobachtet, wie die Turmspitze schließlich brennend in sich zusammenfiel. Auch weite Teile des mittelalterlichen Dachstuhls verbrannten, und das Gewölbe der Hauptschiffe erlitt Schäden. Tagelang campten Fernsehteams aus aller Welt rund um die Kathedrale und berichteten live - auch als Macron gelobte, das Monument innerhalb von fünf Jahren wieder aufzubauen. Zunächst hatte er davon gesprochen, die Turmspitze zeitgenössisch gestalten zu wollen - gab aber schließlich Experten nach, die einen Wiederaufbau nach Viollet-le-Duc gefordert hatten. Kurz nach dem Brand sagten große Unternehmen und kleine Geldgeber fast eine Milliarde Euro an Spenden für den Wiederaufbau zu. Die Verwalter der Kathedrale haben inzwischen 833 Millionen Euro davon eingesammelt und für 98 Prozent zumindest eine rechtsverbindliche Zusage erhalten.

Bäume sollten "sowieso gefällt werden"

Für den originalgetreuen Wiederaufbau braucht Frankreich nun also Eichen. Sie sollen jeweils zur Hälfte aus privaten und öffentlichen Wäldern kommen. Nach dem Fällen müssen sie zwölf bis 18 Monate gelagert werden, um die Feuchtigkeit des Holzes auf etwa 30 Prozent zu senken.

Es handele sich um jahrhundertealte Bäume, die sowieso auf der Liste der zu fällenden Eichen gestanden hätten, sagt Guillaume Larrière, Sprecher des ONF, Frankreichs staatlicher Verwaltungsbehörde für die Wälder. "Wir fällen regelmäßig große, alte Bäume - einerseits, um die Versorgung mit Bauholz zu gewährleisten, andererseits, weil dadurch Platz geschaffen wird für jüngere Bäume, die viel Licht brauchen." Frankreich habe zudem eines der strengsten Regelwerke der Welt für Waldbewirtschaftung: "Deswegen ist es schon richtig, das Holz für Notre-Dame ausschließlich aus Frankreich zu beziehen - hier haben wir Kontrolle darüber, wie genau es gefällt wird."

Umweltschützer: Wiederaufbaupläne sind "völlig überholt"

Doch dieses Vorgehen kritisiert Jacky Bonnemains. Er ist Vorsitzender des Umweltschutzvereins Robin des Bois. "Wir amputieren unsere Wälder und entreißen ihnen Eichen, die für ihre Regeneration wichtig sind - sie sind Lebensraum für eine große Anzahl an Insekten und Vögeln", sagt Bonnemains gegenüber der DW. Seine Meinung teilen zumindest seine mehr als 40.000 Landsleute, die eine Petition unterschrieben haben, um die Fällarbeiten zu stoppen.

Die Entscheidung, Notre-Dame originalgetreu wiederaufzubauen, nennt er "völlig überholt": "Ich hätte nie gedacht, dass die Regierung sich für dieses infernale Duo aus Holz und Blei entscheidet, wodurch der Brand und daraufhin die Bleiverschmutzung überhaupt möglich waren."

Eine erhebliche Bleiverschmutzung auf dem Gelände der Kathedrale und in umliegenden Gebieten hatte auch das staatliche Institut für industrielle Umgebungen und deren Risiken bestätigt. Robin des Bois hatte daher 2019 Klage gegen Unbekannt wegen Gefährdung des Lebens Anderer erhoben. Das Verfahren wurde jedoch vor ein paar Monaten eingestellt.

Für Bonnemains wären andere Baustoffe viel zeitgemäßer und sicherer: "Die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul in Nantes zum Beispiel hat einen Dachstuhl aus Beton. Das Feuer im vergangenen Jahr hat dort so nur relativ begrenzten Schaden angerichtet", erklärt er.

Blei und Holz "ideale Kombination"

Aber Beton sei im Falle von Notre-Dame de Paris keine Option, entgegnet ein Sprecher der Verwaltungsbehörde des Monuments, der seinen Namen nicht in den Medien sehen möchte. "Die Dachstruktur der Kathedrale braucht ein ganz bestimmtes Gewicht, damit das Gebäude stabil ist - eine Kombination aus Blei und Holz ist ideal", sagt er zur DW. Dabei nehme man die Gesundheit der Menschen keineswegs auf die leichte Schulter. "Das Feuer konnte sich ausbreiten wegen menschlichen Versagens - wir brauchen einfach mehr Personal zur Überwachung und das an den richtigen Stellen. Außerdem werden wir Brandschutztüren einbauen, um künftige Feuer zu verhindern", erklärt er.

Im Übrigen passe das Holz genau in den Zeitplan des Wiederaufbaus. Bis Juli sollen die Arbeiten zur Sicherung gegen den Einsturz der Kathedrale noch weitergehen, dann wolle man zahlreiche öffentliche Ausschreibungen starten, um Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres mit der eigentlichen Rekonstruktion zu beginnen. "2024 wird Notre-Dame dann wie geplant für Messen öffnen," so der Sprecher.

"Messen realistisch in drei Jahren"

Doch Stimmen, die am Zeitplan des Präsidenten zweifeln, werden lauter. Sie kommen sogar von der Baustelle selbst. "Die Sicherungsarbeiten haben sehr lange gedauert, und wir werden wahrscheinlich einige Arbeiten auch nach 2024 noch weiterführen müssen - wie zum Beispiel die an den Strebebögen an der Außenseite des Gebäudes", sagt Yann de Carné zu DW. Er ist Präsident des Branchenverbands GMH, der 80 Prozent der Unternehmen repräsentiert, die Restaurierungsarbeiten an öffentlichen Monumenten durchführen. "Aber Messen und auch eine Wiederöffnung von Teilen der Kathedrale für Besucher - das scheint durchaus realistisch für in drei Jahren", findet er. Patrick Chauvet, Direktor der Notre-Dame, sagte der Nachrichtenagentur AP kürzlich, dass die gotische Kathedrale weitere "15 oder 20 Jahre" eine Baustelle sein könnte.

Auch Jacky Bonnemains glaubt, dass der Wiederaufbau der Kathedrale "noch viele Jahre" dauern wird. "Das gibt uns die Zeit, gegen dessen Art und Weise vorzugehen," sagt der Umweltschützer. Sein Verein will die Klage wegen Bleivergiftung in einem wiederholten Anlauf, diesmal als Nebenkläger, neu anstoßen.

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Image caption Die wichtigste Baustelle in Paris: Notre-Dame
Image source Sadak Souici/dpa/picture alliance

Item 14
Id 57191967
Date 2021-04-14
Title UN: Millionen Frauen können nicht über eigenen Körper entscheiden
Short title UN: Frauen mangelt es an Selbstbestimmung
Teaser Hunderte Millionen Frauen und Mädchen seien nicht die Besitzerinnen ihrer eigenen Körper, prangert die UNFPA im Weltbevölkerungsbericht an. Gewalt gegen Frauen hat zudem in der Corona-Pandemie dramatisch zugenommen.
Short teaser Gewalt gegen Frauen hat laut dem Weltbevölkerungsbericht in der Corona-Pandemie dramatisch zugenommen.
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Vielen Millionen Frauen weltweit wird einem UN-Bericht zufolge die freie Entscheidung über ihren eigenen Körper verwehrt. Nur 55 Prozent der Frauen in 57 untersuchten ärmeren Ländern können beispielsweise selbstständig entscheiden, mit wem sie Sex haben, ob sie verhüten und medizinische Versorgung in Anspruch nehmen, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Weltbevölkerungsbericht des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA.

Allen anderen wird eine freie Entscheidung in einem oder mehrerer dieser Bereiche verwehrt. Das sei empörend, sagte UNFPA-Chefin Natalia Kanem. Der Bericht befasst sich in diesem Jahr vor allem mit der körperlichen Selbstbestimmung und Unversehrtheit von Mädchen und Frauen. "Im Kern sind damit hunderte Millionen Frauen und Mädchen nicht die Besitzerinnen ihrer eigenen Körper. Ihre Leben werden von anderen Menschen beherrscht", prangerte Kanem an.

Dem Bericht zufolge sind seit Beginn der Corona-Pandemie auch mehr Frauen und Mädchen als je zuvor von geschlechtsspezifischer Gewalt und schädlichen Praktiken wie Frühverheiratung bedroht. Dazu führten unter anderem pandemiebedingte Schulschließungen.

Einen dramatischen Anstieg verzeichneten die Autoren des Berichts auch bei der weiblichen Genitalverstümmelung: Nach UNFPA-Schätzungen könnte es im Zuge der Corona-Pandemie zu bis zu zwei Millionen zusätzlichen Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung kommen. Die Erfolge bei der Beseitigung dieser Praxis könnten demnach bis 2030 um ein Drittel zurückgeworfen werden.

Weniger Bildung bedeutet oft weniger Selbstbestimmung

Einen engen Zusammenhang sehen die Autoren zwischen sexueller Selbstbestimmung und dem Bildungsniveau von Frauen. Frauen, die weniger gebildet sind als ihr Ehemann oder Partner, erleben laut dem Bericht häufiger sexualisierte Gewalt als Frauen, deren Bildungsniveau mehr oder weniger dem ihres Ehepartners entspricht.

Viele Mädchen und Frauen wüssten nicht, dass sie das Recht hätten, Geschlechtsverkehr zu verweigern, heißt es in dem Bericht. So habe eine Studie in Indien gezeigt, dass frisch verheiratete Frauen in Indien ihren ersten Sex seltener als erzwungen oder "gegen ihren Willen" bezeichnen, weil Sex innerhalb der Ehe erwartet würde. Solche Normen und Einstellungen verhindern laut dem Bericht oftmals auch, dass Frauen selbstbestimmte Entscheidungen über Verhütung treffen könnten - auch, weil Männer in vielen Ländern es als ihr Recht betrachteten, die Entscheidung über die Familiengröße zu treffen.

UNFPA-Chefin Kanem forderte die internationale Gemeinschaft zu einem entschiedeneren Einsatz für die Gleichberechtigung der Geschlechter auf.

ust/ww (dpa, afp, UNFPA-Bericht)

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Image caption Fast jede Zweite Frau kann nicht unabhängig über ihren eigenen Körper entscheiden
Image source AFP/Getty Images

Item 15
Id 57179124
Date 2021-04-14
Title Der Krypto-Marktplatz Coinbase debütiert an der Börse
Short title Coinbase geht an die Börse
Teaser Der Boom der Digitalwährungen hat der Handelsplattform Coinbase zuletzt kräftige Umsätze beschert. Mit ihrem Börsengang wird das Unternehmen nun wohl mehr wert als jeder andere Börsenbetreiber der Welt.
Short teaser Mit dem Börsengang wird Coinbase nun wohl mehr wert als jeder andere Börsenbetreiber der Welt.
Full text

Es könnte der größte Börsengang des noch jungen Jahres werden. Angetrieben vom Höhenflug der Kryptowährungen strebt am Mittwoch der Marktplatz Coinbase an die Wall Street. Amerikas größte Handelsplattform für Digitalwährungen zählt zu den großen Hoffnungsträgern der Branche. Mit ihr springt die erste Krypto-Börse der Welt auf's US-Parkett. Unter dem Tickerkürzel COIN werden die Aktien an der Technologie-Börse Nasdaq gehandelt. Die setzte am Dienstag (Ortszeit) einen Referenzpreis von 250 Dollar pro Aktie fest.

Die Vorzeichen für den Börsengang könnten besser nicht sein. Mehr als 13 Millionen Kunden konnte die inzwischen neun Jahre alte Plattform allein im ersten Quartal dieses Jahres gewinnen. Nicht zuletzt durch die ungebrochene Nachfrage nach Bitcoin, die älteste aller Kryptowährungen, schraubte sich der Umsatz der Firma zuletzt dramatisch in die Höhe. 1,8 Milliarden Dollar konnte Coinbase in den ersten drei Monaten dieses Jahres verbuchen – neun Mal mehr als im Vorjahresquartal.

Mit einer möglichen Bewertung von 100 Milliarden Dollar könnte Coinbase am Mittwoch sogar der erfolgreichste Börsengang des Jahres gelingen. 56 Millionen Nutzer in mehr als 100 Ländern greifen inzwischen auf den Service der 2012 gegründeten Handelsplattform zurück. Nach Binance und Huobi Global, zwei chinesischen Krypto-Börsen, ist der Marktplatz damit der drittgrößte der Welt.

"Krypto-Branche gekommen, um zu bleiben"

Die Kotierung dürfte ein Meilenstein auf dem Weg zu einer breiteren Akzeptanz von Kryptowährungen sein, sagt Charles Hwang, Krypto-Experte und Blockchain-Professor am New Yorker Baruch College. Bisher hatte der Sektor noch Schwierigkeiten, das Vertrauen von Mainstream-Investoren, Aufsichtsbehörden und der Öffentlichkeit zu gewinnen. "Viele Leute argumentieren, man könne Kryptowährungen keinen intrinsischen Wert beimessen", sagt Hwang. "Dieser Börsengang könnte den Märkten zeigen, dass die Krypto-Branche hier ist, um zu bleiben."

Bereits im Januar hatte Coinbase eine sogenannte Direktplatzierung bei der SEC, der amerikanischen Börsenaufsicht, beantragt. Anders als bei einem klassischen Börsengang werden die Papiere dabei ohne vorheriges Preisbildungsverfahren an die Börse gebracht.

Anleger, die sich an Coinbase beteiligen, können schließlich indirekt vom Aufstieg der Kryptowährungen profitieren. "Wer sich wohler dabei fühlt, in Aktien zu investieren und sein Geld in ein Unternehmen mit Cashflow, Vorstand und traditioneller Infrastruktur zu stecken, wird die Möglichkeit zu schätzen wissen, in Coinbase zu investieren", sagt Chris McAlary, Chef von CoinCloud, einem Anbieter von Geldautomaten für Kryptowährungen, dem Online-Magazin NerdWallet. Auf diese Weise könnten Investoren die für die Branche so üblichen Kursschwankungen umgehen.

Zunehmende Akzeptanz von Digitalwährungen

Befeuert wird der derzeitige Aufstieg von Kryptowährungen durch die zunehmende Akzeptanz von Banken und Unternehmen. Neben dem Zahlungsdienstleister PayPal erlauben nun auch Kreditkartengesellschaften wie Visa oder Autohersteller wie Tesla mit Cyber-Devisen zu bezahlen.

Das vorsichtige Herantasten an die neue Krypto-Welt sei allerdings erst der Anfang, glaubt Coinbase-Gründer Brian Armstrong. Innerhalb eines Jahrzehntes werde die Zahl der Menschen, die die Blockchain-Wirtschaft nutzen, von 50 Millionen auf eine Milliarde explodieren. "Als ich Coinbase gegründet habe, dachten die meisten Leute, die Blockchain sei verrückt", sagte der 38-Jährige dem Wirtschaftsmagazin Forbes. "Jetzt investieren Regierungen und die alte Garde der Investoren in diese Technologie."

Um seine Firma anzupreisen, bedient sich Armstrong gern alter Börsenweisheiten. "Wir verkaufen Hacken und Schaufeln in einem Goldrausch", sagte der Coinbase-Gründer vor einigen Jahren in Anlehnung an ein Sprichwort des Börsengurus André Kostolany. Gemeint ist der Rat, bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in das entsprechende Werkzeug zu investieren, um das richtig große Geld zu machen. Coinbase, so Armstrong, verfüge über genau jenes Geschäftsmodell.

Coinbase ist eigentlich ein klassischer Broker

Obwohl sich der Firmensitz von Coinbase im kalifornischen San Francisco befindet, ist die digitale Handelsplattform auch in Europa Anlaufstelle für Krypto-Fans. Auf ihr können Nutzer rund 50 verschiedene Cyber-Devisen, darunter Bitcoin, Ethereum und Litecoin, sowohl gegen Fiatgeld kaufen, als auch untereinander handeln. Die Auswahl der Währungen, von der es weltweit inzwischen mehr als 4000 gibt, ist vergleichsweise klein, um die Bedienung einfach und übersichtlich zu halten. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie am klassischen Kapitalmarkt: per Angebot und Nachfrage.

Abgelegt werden die Digitalwährungen nach Handel oder Kauf in einem sogenannten Wallet, also einer digitalen Geldbörse. Daraus lässt sich im Anschluss theoretisch auch bezahlen. Coinbase wiederum verdient an dem Modell wie ein klassischer Broker am Kapitalmarkt. Nach jeder Transaktion bekommt das Unternehmen eine entsprechende Gebühr.

Große Schwankungen und Cyber-Risiken

Experten allerdings warnen Anleger davor, den Handel mit Kryptowährungen mit klassischer Geldanlage zu vergleichen. Neben deutlich höheren Schwankungsbreiten drohen Investoren nicht unwesentliche Cyber-Risiken. Immer wieder liest man von geplünderten Konten und gehackten Accounts, für die sich Börsen wie Coinbase nicht verantwortlich fühlen. Gesetze, die klassische Broker und Banken zum Schutz ihrer Kunden zu strengen Sicherheitsvorkehrungen verpflichten, gelten für Krypto-Börsen oft nicht.

Ein Mehr an Regulierung muss die Branche allerdings nicht fürchten, glaubt Hwang. Die große Gefahr der Geldwäsche etwa - ein Risiko, das US-Finanzministerin Janet Yellen im Zusammenhang mit Kryptowährungen wiederholt betont - scheint Studien zufolge geringer als bislang befürchtet.

Coinbase selbst wiederum gerät durchaus regelmäßig in den Strudel der Kritik. So berichtet die New York Times, dass sich zuletzt Dutzende Nutzer öffentlich über den mangelhaften Kundenservice der Plattform beschwert hätten. Erst im März war Coinbase wegen irreführender Mitteilungen zu einer millionenschweren Zahlung verdonnert worden. Die US-Derivateaufsicht CFTC brummte der Krypto-Plattform eine Geldbuße von 6,5 Millionen Dollar auf. Grund seien falsche und ungenaue Berichte über Transaktionen bei digitalen Vermögenswerten gewesen, teilte die Behörde damals mit.

Probleme wie diese dürften für Coinbase allerdings nur Stolpersteine auf dem Weg zu massivem Wachstum sein. Schon jetzt ist der Krypto-Marktplatz mehr wert als die altehrwürdige New York Stock Exchange. "Um die Analogie zum Internet zu nutzen: Niemand hätte in den frühen 1990er-Jahren gedacht, welche positiven Auswirkungen das Internet auf unser Leben haben würde", sagt Krypto-Professor Hwang. "Heute fällt es uns schwer, ohne Online-Shopping, Internet-Spiele, Streaming-Dienste und soziale Medien auszukommen."

Item URL https://www.dw.com/de/der-krypto-marktplatz-coinbase-debütiert-an-der-börse/a-57179124?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Item 16
Id 57191174
Date 2021-04-13
Title Benins Präsident Talon wiedergewählt
Short title Benins Präsident Talon wiedergewählt
Teaser In der Republik Benin hat sich Präsident Patrice Talon mit einem klaren Wahlsieg eine zweite Amtszeit gesichert. Seine Mitwerber galten von vornherein als chancenlos.
Short teaser Die Mitwerber um das Präsidentenamt in dem westafrikanischen Staat galten von vornherein als chancenlos.
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Der 62-jährige Präsident kam bei der Abstimmung am Sonntag auf 86,3 Prozent der Stimmen, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte. Patrice Talon war in dem kleinen westafrikanischen Land als großer Favorit in die Wahl gegangen. Seinen beiden Gegenkandidaten, dem 66-jährigen Alassane Soumanou und dem 67-jährigen Corentin Kohoué, waren von vornherein kaum Chancen eingeräumt worden. Soumanou kam dem vorläufigen Endergebnis zufolge auf 11,3 Prozent der Stimmen, während Kohoué mit weniger als 2,3 Prozent abgeschlagen Dritter wurde.

Das Verfassungsgericht muss das Endergebnis der von Betrugsvorwürfen überschatteten Wahl noch bestätigen. Die Richter in Cotonou haben dafür zehn Tage Zeit.

Die Wahlbeteiligung bei den rund 5,5 Millionen Stimmberechtigten lag bei gut 50 Prozent. Führende Vertreter der Opposition hatten zu einem Boykott des Wahlgangs aufgerufen. Zahlreiche Gegner des Präsidenten sind ins Exil geflohen, während andere Oppositionspolitiker von der Wahl ausgeschlossen wurden.

Talon, der als Baumwollunternehmer reich wurde und die ehemalige französische Kolonie seit 2016 regiert, gilt als Autokrat, der systematisch gegen die Opposition vorgeht.

In der letzten Wahlkampfwoche waren in Benin zwei Demonstranten getötet worden, als die Polizei Straßenblockaden der Opposition auflöste. Am Samstag gab es Schwierigkeiten, die Wahlunterlagen in den Norden des Landes zu transportieren, weil dort zahlreiche Straßen von Anhängern der Opposition blockiert wurden.

qu/gri (afp, dpa, rtr)

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Image caption Wahlsieger Patrice Talon
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Item 17
Id 57190631
Date 2021-04-13
Title WWF: EU ist einer der größten Waldzerstörer
Short title WWF: EU ist einer der größten Waldzerstörer
Teaser Die Umweltschutzorganisation WWF prangert die Europäische Union nach China als weltweit größten Zerstörer tropischer Wälder an. Für den Konsum der Europäer würden dort riesige Waldbestände abgeholzt.
Short teaser Die Europäische Union ist demnach nach China der größte Zerstörer tropischer Wälder, um Agrarflächen zu schaffen.
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Soja, Rindfleisch, Kaffee und Kakao: Damit Kunden in europäischen Supermärkten solche Produkte kaufen können, müssen in anderen Weltregionen Wälder weichen, heißt es im neuen Report des WWF für die Jahre 2005 bis 2017. Demnach gehen insgesamt 16 Prozent der globalen Abholzung in den Tropen im Zusammenhang mit internationalem Handel auf das Konto der EU.

Platz eins der "Weltrangliste der Waldzerstörer" nehme China mit 24 Prozent der globalen Tropenwaldzerstörung ein. Indien liege mit neun Prozent auf Platz drei vor den USA mit sieben Prozent. Die Studie basiert den Angaben zufolge auf Satellitenbildern und der Untersuchung von Handelsströmen.

Für EU-Importe wurden laut dem WWF-Report zuletzt pro Jahr durchschnittlich Tropenwälder von der vierfachen Größe des Bodensees gerodet. Innerhalb der EU steht Deutschland ganz oben auf der Liste. Die mit Abstand größten Verursacher von Abholzung durch EU-Importe waren dem Bericht zufolge Soja (rund 31 Prozent der gerodeten Fläche) und Palmöl (rund 24 Prozent), für deren Anbau oder Produktion vor allem Wälder in Südamerika beziehungsweise Südostasien weichen mussten. Dahinter folgten Rindfleisch, Holzprodukte, Kakao und Kaffee. Unter den EU-Ländern ist Deutschland für die meiste Abholzung durch Importe verantwortlich: Im Schnitt wurden dafür pro Jahr 43.700 Hektar Wald gerodet - eine Fläche etwa halb so groß wie Berlin.

"Wälder sind unsere Lebensversicherung"

Nach Einwohnern gerechnet liegt Deutschland allerdings in etwa im EU-Schnitt. Der meiste Wald pro Einwohner wurde für Importe in die Niederlande, nach Belgien und Dänemark gerodet. Die Rodungen machen sich dem Bericht zufolge nicht nur in Ökosystemen weit weg von Europa bemerkbar, sondern betreffen auch das Weltklima. Durch die importierte Entwaldung habe die EU 2017 indirekt 116 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursacht, heißt es in dem WWF-Bericht. Das entspreche mehr als einem Viertel der EU-Emissionen aus der Landwirtschaft im selben Jahr. Solche indirekten Emissionen würden in den Statistiken zum Ausstoß von Treibhausgas nicht erfasst.

Der Bericht zeigt jedoch auch, dass die EU die durch Importe verursachte Waldzerstörung von 2005 bis 2017 um 40 Prozent reduziert hat. 2005 machte der EU-Anteil weltweit noch 31 Prozent aus, Europa lag bis 2013 auf Platz eins der "Weltrangliste der Waldzerstörer", wie es der WWF in dem Bericht formuliert.

Der WWF forderte die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, für bessere und verbindliche Umwelt- und Sozialstandards in den internationalen Handelsbeziehungen zu sorgen. Als ersten Schritt müsse sich die Bundesregierung bei der EU-Kommission für ein starkes EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten einsetzen. "Die Ära der Naturzerstörung muss enden, denn natürliche Ökosysteme wie Wälder sind unsere Lebensversicherung", erklärte Christiane Scholl vom WWF.

Freiwillige Absichtserklärungen von Regierungen und Unternehmen, Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten, hätten Naturzerstörung bisher nur in Einzelfällen gestoppt. Neben Wäldern müsse das EU-Gesetz auch andere Ökosysteme schützen. Denn ansonsten verlagere sich die Naturzerstörung nur vom Wald auf andere Ökosysteme wie Feuchtgebiete, Grasland und Savannen. Diese seien jedoch für Klima, Artenvielfalt und den Lebensunterhalt von Menschen vor Ort genauso wichtig wie tropische Wälder.

qu/gri (dpa, epd)

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Image caption Im Amazonasbecken: Links Sojaanbau auf gerodeten Flächen, rechts der Straße Regenwald
Image source Marizilda Cruppe/Greenpeace

Item 18
Id 57187864
Date 2021-04-13
Title Karl May Museum gibt Skalp zurück
Short title Karl May Museum gibt Skalp zurück
Teaser Es dauerte sieben Jahre, bis das dem berühmten Schriftsteller Karl May gewidmete Museum nach einer Beschwerde der Chippewa-Indianer einen Skalp zurückgab.
Short teaser Sieben Jahre nach der ersten Beschwerde hat das Karl-May-Museum einen Skalp an die Chippewa-Indianer zurückgegeben.
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Bereits 2014 hatte der Sault Ste. Marie Tribe of Chippewa Indians aus dem US-Bundesstaat Michigan einen Beschwerdebrief an das Karl May Museum im sächsischen Radebeul geschickt. Ein US-Besucher des Museums hatte den Stamm auf einen dort ausgestellten Gegenstand aufmerksam gemacht: einen menschlichen Skalp.

Das Museum, das den Werken des legendären deutschen "Wildwest"-Schriftstellers Karl May gewidmet ist, verweigerte die Rückgabe zunächst mit der Begründung, die Mitarbeiter könnten die Herkunft des Exponats nicht feststellen. "Dieses Stück wurde ohne Befugnis entnommen und in ein Museum gebracht, um wie ein Bild an der Wand gezeigt zu werden", hieß es hingegen in einem Bericht des Stammes aus dem Jahr 2015, der eine Reihe von Veränderungen in Gang setzte: eine eigens in Auftrag gegebene Studie, ein ethnografischer Spezialist, der ans Museum berufen wurde, und die Vermittlung durch das US-Außenministerium, das im Auftrag der Chippewa-Indianer die menschlichen Überreste verwahrt.

Am Montag (12. April 2021) übergab das Museum den Skalp an Ken Toko, den Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Leipzig, und David Mees, den Kulturattaché der US-Botschaft. "Wir begrüßen die Entscheidung des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung, der Rückgabe eines für den Sault Ste. Marie Tribe of Chippewa Indians heiligen Objekts zuzustimmen. Dies ist ein wichtiger Schritt für das Karl May Museum in Radebeul und wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit", sagte Toko bei der Zeremonie.

"Ganz im Sinne Mays"

"In den vergangenen sechs Jahren wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Herkunft der menschlichen Überreste festzustellen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Karl-May-Stiftung Radebeul, Volkmar Kunze. Dabei hätten sich keine Hinweise auf ein Fehlverhalten oder eine koloniale Herkunft bestätigt. Die Stiftung habe sich "im Interesse der Völkerverständigung und der guten Zusammenarbeit mit den amerikanischen Ureinwohnern aus freien Stücken zu dieser Übergabe entschlossen".

Sachsens Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, fügte hinzu, dass die Landesregierung die einvernehmliche Lösung im Sinne der Menschlichkeit und des Respekts vor anderen Kulturen immer unterstützt habe, "ganz im Sinne Mays".

Exzentrische Herkunftsgeschichte

Auf der Website des Museums stand viele Jahre lang eine eigene Geschichte über die Herkunft des Skalps: Danach soll er 1926, kurz vor der Eröffnung des Museums, von Ernst Tobis gestiftet worden sein - einem exzentrischen österreichischen Weltreisenden, der sich Patty Frank nannte und behauptete, den Skalp im Austausch gegen zwei Flaschen Whiskey, eine Flasche Aprikosenschnaps und 100 Dollar erworben zu haben. Der Karl-May-Liebhaber hatte seine Sammlung indianischer Artefakte dem Museum vermacht.

Nachdem die Chippewa die Rückgabe gefordert hatten, musste das Museum jedoch einräumen, dass der Wahrheitsgehalt der Patty-Frank-Geschichte sich nicht überprüfen ließ. Untersuchungen des Museums und des Stammes konnten nicht mit Sicherheit feststellen, zu welchem indianischen Volk der Skalp gehörte. Lediglich die am Skalp befestigten Federn und Amulette, die der Tradition der Sioux entsprachen, legten den Schluss nahe, dass es sich um die Überreste einer "im Kampf getöteten Ojibwe-Person" (aus dem Stamm der Chippewa, Anmerk. de Red.) handeln könnte.

Sechs Jahre später gab das Museum schließlich der Bitte des Stammes nach "zusammenzukommen, um den gebrochenen Geist unseres Vorfahren zu heilen".

In der Sammlung des Museums befinden sich noch eine Reihe weiterer Skalps - einige von Weißen -, deren Herkunft noch nicht geklärt ist. In einem früheren Interview mit der DW sagte Museumsdirektor Robin Leipold, dass man von Fall zu Fall entscheiden werde, wie man mit diesen Überresten umgehe.

200 Millionen verkaufte Bücher

Karl May schrieb 70 Bücher, die sich weltweit mehr als 200 Millionen Mal verkauften. Seine Geschichten nahmen Generationen inbesondere junger Deutscher mit auf fantastische Reisen in ferne Welten. Zu seinen bekanntesten Figuren gehören Old Shatterhand, ein deutscher Ingenieur, und sein "Blutsbruder" Winnetou, der "weise Häuptling der Apachen", die gemeinsam gegen Ungerechtigkeit und Verbrechen kämpften.

Mit dem wachsenden Bewusstsein für die problematische Darstellung der Ureinwohner wird auch Mays Vermächtnis kritisch aufgearbeitet. Die Interpretation des Wilden Westens durch den Autor war reine Fantasie: Als die Geschichte 1875 geschrieben wurde, hatte er Deutschland noch nie verlassen.

Adaption ins Deutsche: Torsten Landsberg

Item URL https://www.dw.com/de/karl-may-museum-gibt-skalp-zurück/a-57187864?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Streitobjekt: Mehrere Jahre drängte ein Indianer-Stamm auf die Rückgabe dieses Skalps
Image source Stefan Kuhfs/dpa/Karl-May-Museum/picture alliance

Item 19
Id 57185809
Date 2021-04-13
Title Die Band "ok.danke.tschüss" hilft beim Deutschunterricht
Short title Popband hilft beim Deutschunterricht
Teaser Die Popband hat einen Musikwettbewerb von Goethe-Institut und DW gewonnen. Der Preis: "ok.danke.tschüss" produziert nun Songs und Videos für Deutschlernende.
Short teaser "ok.danke.tschüss" hat einen Musikwettbewerb von Goethe-Institut und DW gewonnen und komponiert nun für Deutschlernende.
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Die Synthiepop-Band ok.danke.tschüss hilft Fremdsprachlern bald beim Deutsch lernen. Die Gruppe aus Mannheim hat den Musikwettbewerb "Deine Band" des Goethe-Instituts und der Deutschen Welle gewonnen und erhält damit den den Auftrag, zehn Songs speziell für junge Deutschlernende zu schreiben und die dazugehörigen Musikvideos zu produzieren. "Musik ermöglicht einen spielerischen und kreativen Zugang zu einer Sprache", sagt Kristina Diewald-Orth, Projektleiterin bei den Bildungsprogrammen der DW Akademie. "Deshalb freue ich mich sehr, das wir in unserem neuen Deutschlernprojekt 'Deine Band' mit ok.danke.tschüss zusammenarbeiten dürfen: Die machen nicht nur coolen Synthiepop, sondern garantieren auch tolle Texte mit Hirn, Herz und viel Humor."

Das Projekt soll durch eingängige Melodien und insbesondere verständliche Liedtexte jungen Menschen einen leichteren Zugang zur Sprache und Kultur ermöglichen. Das Goethe-Institut und die DW begleiten die Songproduktion sprachdidaktisch; musikalisch erhält ok.tschüss.danke Unterstützung vom Sänger der Band Jupiter Jones, Nicholas Müller.

Multimediales Lernen

Ab Herbst 2022 wird ok.danke.tschüss mit den Songs weltweit auf Tour gehen und an Goethe-Instituten und Auslandsschulen auftreten, so der Plan. "Ich freue mich riesig auf die Zusammenarbeit - und vor allem darauf, dass unsere DeutschlernerInnen die Band dann live erleben können", so Diewald-Orth. Nach eigenen Worten machen ok.danke.tschüss "Einhorn-Rock". Und wie steht es so schön auf der Seite 'Deine Band': "Sie zeigen mit einem freundlichen Lächeln und erhobenem Mittelfinger auf alles, was in der Welt schief läuft. Die deutschen Texte sind mit einer gewaltigen Portion Wortwitz gepfeffert und behandeln in der Tiefe ernste Themen."

In Workshops können Deutschlernende den Musikern dann hautnah sein und mit ihnen gemeinsam die deutsche Sprache erkunden. Den Auftakt macht im August 2022 ein Konzert in Wien im Rahmen der Internationalen Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (IDT).

Das Projekt ist multimedial angelegt: Neben den Live-Events werden alle Songs und Musikvideos sowie die dazugehörigen Lern- und Lehrmaterialien kostenlos auf der Projekt-Website zur Verfügung stehen, die Videos zudem bei YouTube veröffentlicht.

Damit tritt die Band in die Fußstapfen der Hip-Hopper von EINSHOCH6, die Deutschlernern von 2013 bis 2018 Sprachkenntnisse vermittelt haben. "Deine Band" ist ein Projekt des Goethe-Instituts und der Deutschen Welle, unterstützt von der Popakademie Baden-Württemberg, dem PopCamp des Deutschen Musikrats und gefördert mit Mitteln des Auswärtigen Amts.

Item URL https://www.dw.com/de/die-band-ok-danke-tschüss-hilft-beim-deutschunterricht/a-57185809?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
Image URL (460 x 259) https://static.dw.com/image/57185754_302.jpeg
Image caption Strahlende Gewinner: ok.danke.tschüss freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Deutschlernern
Image source ok.danke.tschüss

Item 20
Id 57185829
Date 2021-04-13
Title Mit Corona-Test zum Shoppen? (Noch) kein Erfolgsrezept
Short title Testen und shoppen - noch kein Erfolgsrezept
Teaser In vielen deutschen Städten dürfen Geschäfte wieder öffnen. Die Freude der Unternehmer hält sich jedoch in Grenzen. Die Kunden zögern - vor allem, wenn ein Corona-Test Pflicht ist. Aus Berlin Sabine Kinkartz.
Short teaser Friseure und Geschäfte sind vielerorts wieder geöffnet. Doch wenn ein Corona-Test Pflicht ist, zögern viele Kunden.
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Samstagnachmittag in einer Einkaufszone im Nordwesten der Hauptstadt: Auf der einen Straßenseite herrscht lebhafter Betrieb. In einem großen Supermarkt gehen die Kunden ein und aus und erledigen unbehelligt ihre Wochenendeinkäufe. Lediglich das Tragen einer medizinischen FFP2-Maske ist vorgeschrieben.

Auf der anderen Straßenseite stehen ein paar Menschen in einer kleinen Schlange vor einem riesigen Möbelhaus. Drei Sicherheitsleute kontrollieren, ob eine Bescheinigung über ein aktuelles, negatives Corona-Testergebnis vorliegt - aus einem offiziell anerkannten Testzentrum. Wenn das der Fall ist, geleiten sie die Kunden zu einer Tischreihe, wo sie Formulare ausfüllen und sich so für den Einkauf registrieren können.

Immer wieder müssen Kunden abgewiesen werden, weil sie nicht getestet sind. Das sorgt für Frust. "Das ist doch vollkommener Blödsinn, dass ich hier einen Test brauche und da drüben in dem Supermarkt, wo sich alle drängen, nicht", schimpft eine Frau. Der Sicherheitsmann zuckt bedauernd mit den Schultern. Er habe die Regeln nicht gemacht, sagt er und zeigt auf ein großes Schild, das den Weg zum nächstgelegenen Corona-Testzentrum beschreibt. Das ist allerdings ein paar Kilometer weit entfernt.

Kritik von Kanzlerin Merkel

Der negative Test als Eintrittskarte für den Einzelhandel, aber auch den Friseur und andere Dienstleister ist in Berlin seit zwei Wochen Pflicht. Eingeführt wurde die Regelung, nachdem auch in der Hauptstadt die Zahl der Neuinfektionen die Grenze von 100 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritt. Eigentlich hätte Berlin daraufhin alle seit dem 8. März erlassenen Lockerungen wieder rückgängig machen müssen. So hatten es die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin Anfang März vereinbart.

Entsprechend ungehalten reagierte Angela Merkel auf die Entscheidung der Berliner. "Ich weiß nicht, ob testen und bummeln, wie es jetzt in Berlin heißt, die richtige Antwort ist", kritisierte die Kanzlerin in einem TV-Interview.

Regionale Vielfalt

Das hielt andere Bundesländer allerdings nicht davon ab, ebenfalls auf das Test-Modell zu setzen. Inzwischen gilt es auch in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Sachsen, dem Saarland und Bayern. In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen laufen die Vorbereitungen, in Nordrhein-Westfalen entscheiden Landkreise und Städte bereits autark, ob sie das Modell ausprobieren wollen.

Das führt zum Teil zu absurden Situationen. Im nordrhein-westfälischen Aachen kann man ungetestet zum Friseur gehen. Im 65 Kilometer entfernt liegenden Köln braucht man ein negatives Testergebnis, kann aber unter Aufsicht des Friseurs einen Selbsttest machen. 30 Kilometer weiter, in Bonn, reicht das nicht aus, hier wird die Bescheinigung aus einem offiziellen Testzentrum verpflichtend benötigt.

Viele Terminabsagen

Den Friseuren, aber auch den Einzelhändlern beschert die Regelung einen massiven Umsatzeinbruch. "In unserer Telefonberatung laufen die Drähte heiß: Zahlreiche Friseurbetriebe klagen, dass Kunden wegen der geltenden Testpflicht in großem Stil Termine absagen", berichtet der Hamburger Handwerkspräsident Hjalmar Stemmann in einem Interview.

"Da wäre es besser, sie würden die Läden wieder zumachen und uns in Kurzarbeit schicken", schimpft eine Friseurin in Berlin. Ihr Geschäft liegt in einer großen Einkaufsstraße im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Gleich nebenan in einem Geschäft für Wohnaccessoires, Porzellan und Geschenkartikel ist es ebenfalls gähnend leer. "Wir leben eigentlich von Laufkundschaft und spontanen Käufen", erzählt eine Angestellte: "Die Testregelung funktioniert für uns nicht."

Geschäfte, die nur für negativ getestete Kunden geöffnet sein dürfen, machen laut einer aktuellen Umfrage des deutschen Einzelhandelsverbands HDE 62 Prozent weniger Umsatz als in Vor-Corona-Zeiten. "Die Politik greift an den falschen Stellen ein", kritisiert Geschäftsführer Stefan Genth.

Warten auf einen Testtermin

Aber warum funktioniert das Testmodell nicht? Was ist so schwierig daran, einen Corona-Schnelltest durchführen zu lassen, dessen Ergebnis innerhalb von 15 Minuten vorliegt? In Deutschland hat jeder Bürger Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Test pro Woche. In Berlin gibt es inzwischen ein großes Netz von Teststellen. Bei manchen der rund 300 Anlaufpunkte kann man ohne Termin erscheinen, bei anderen kann oder muss ein Termin vereinbart werden.

Das ist oft genug aber nicht einfach, weil es für Zeiten, die besonders attraktiv sind, nicht ausreichend Termine gibt: beispielsweise am Samstagmorgen, wenn man anschließend den ganzen Tag zum Shoppen nutzen könnte. Zu solchen Stoßzeiten sind auch die Testcenter, die ohne Termin aufgesucht werden können, stark frequentiert. Eine Stunde Wartezeit, die auch bei Kälte, Wind und Regen draußen zugebracht werden muss, ist keine Seltenheit. Das wirkt abschreckend und schmälert die Lust auf eine Einkaufstour gewaltig.

Größere Händler sind erfinderisch

Vor allem größere Handelsketten reagieren darauf, indem sie Testmöglichkeiten vor Ort schaffen. Der Baumarkt Hornbach hat damit in Nordrhein-Westfalen bereits begonnen, viele der bundesweit insgesamt 96 Standorte sollen folgen. Man sei "in den vergangenen Tagen an die Kommunen und auch an die lokalen Hilfsorganisationen herangetreten, um einen Teil der großen Parkplätze für Testzentren zur Verfügung zu stellen", sagt Unternehmenssprecher Florian Preuß.

Händler, deren Geschäfte weniger zentral liegen und die daher nicht darauf hoffen können, dass die Kommune vor ihrer Eingangstür eine Testmöglichkeit eröffnet, müssen sich etwas anderes ausdenken. So hat ein Berliner Möbelhaus für zwei Filialen in der Stadt medizinisches Fachpersonal angeheuert. Kunden, die das Angebot wahrnehmen wollen, müssen 20 Euro bezahlen. Dafür bekommen sie einen Gutschein, den sie bei einem Einkauf verrechnen lassen können.

Für kleine Geschäfte lohnt sich dieser Aufwand nicht. Deren Inhaber haben ihre Läden als Reaktion auf die Testpflicht auch wieder geschlossen. In der Einkaufsstraße in Berlin-Charlottenburg ist es in einem Shoppingcenter inzwischen jedes zweite Geschäft.

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Item 21
Id 52693665
Date 2021-04-13
Title Tourismus: Die Corona-Krise und ihre weitreichenden Folgen
Teaser Die Corona-Epidemie bedroht den Alltag der Menschen weltweit. Reisende sind besonders betroffen, ebenso wie Menschen, die im Tourismus arbeiten. Ein chronologischer Überblick.
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Item 22
Id 57184116
Date 2021-04-13
Title NATO: Russland soll Aufmarsch stoppen
Short title NATO: Russland soll Aufmarsch stoppen
Teaser Im NATO-Hauptquartier gibt es Krisensitzungen, weil Russland rund um die Ukraine Soldaten zusammenzieht. Generalsekretär Stoltenberg will der Ukraine helfen und ermahnt Moskau. Bernd Riegert berichtet.
Short teaser Die NATO unterstützt die Ukraine im Konflikt im Russland. Verbal wird gedroht, doch militärische Aktionen gibt es nicht.
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Zwischen dem 9. und 11. April verzeichnete die OSZE-Beobachtermission in der ukrainischen Donetsk-Region 367 Verstöße gegen den eigentlich dort geltenden Waffenstillstand zwischen den Truppen der Ukraine und von Russland unterstützten Rebellen. In der benachbarten Region Luhansk waren es 224 Verstöße. In der Woche zuvor hatte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nur insgesamt 26 Vorfälle registriert.

Die Gewalt nimmt also zu in der Ostukraine. Die ukrainische Regierung macht dafür Moskau verantwortlich. Russland stationiert seit Wochen immer mehr Truppen in den Rebellengebieten, an den Grenzen zur restlichen Ukraine, auf der annektierten Halbinsel Krim und im Schwarzen Meer. Schätzungen der westlichen Militärallianz NATO kommen auf mehrere Zehntausend Mann. Der Kreml bestreitet die Truppenbewegungen nicht, besteht aber darauf, dass es sich nicht um Vorbereitungen für einen Einmarsch oder Krieg handele.

Angesicht des Truppenaufmarschs griff US-Präsident Joe Biden zum Telefonhörer und schlug Kremlchef Wladimir Putin ein Gipfeltreffen in einem Drittland vor. Der Kreml bestätigte Bidens telefonischen Vorschlag, ließ aber offen, ob Putin die Einladung annehmen wird.

"Das ist der größte Truppenaufmarsch seit der Besetzung der Krim im März 2014", sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg nun in Brüssel. "Wir sind ernstlich besorgt. Russlands Aufmarsch ist ungerechtfertigt und nicht zu erklären. Russland muss die Provokationen stoppen und sofort deeskalieren", verlangte Stoltenberg vor einer Sitzung der "NATO-Ukraine-Kommission" im NATO-Hauptquartier. Die Ukraine hatte um die Krisensitzung gebeten, um über die wachsende russische Bedrohung zu beraten.

"Wir wollen keinen Krieg"

Der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba, der an der Sitzung in Brüssel teilnahm, dankte Stoltenberg für das schnelle Handeln. "Anders als 2014, als die Russen schnell gehandelt haben und der Westen nur langsam reagierte, wird es diesmal keine Überraschung geben", sagte Kuleba. Er schickte noch eine Drohung in Richtung Moskau hinterher: "Der Preis für Russland wäre hoch. Wir wollen keinen Krieg. Wir fühlen uns diplomatischen Maßnahmen verpflichtet (...) Wir haben die Mittel, um Russland zum Rückzug von unserem Territorium zu bewegen. Wir werden unsere Souveränität wieder herstellen."

Russland hatte 2014 die Krim-Halbinsel illegal besetzt und annektiert. In der Ostukraine begannen von Russland gestützte Rebellen und mutmaßlich russische Soldaten einen Krieg, der bis heute anhält und immer wieder intensiviert wird, wenn es dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in den Kram passt. Parallel dazu haben die Ukraine und Russland unter Vermittlung Frankreichs und Deutschlands einen "Friedensprozess" aufgesetzt, der nach der belarussischen Hauptstadt Minsk benannt ist, weil dort das erste Treffen stattfand. Der Minsker Prozess geht aber nur schleppend vorwärts. Die immer wieder neu vereinbarten Waffenruhen werden immer wieder gebrochen.

Die russische Regierung hat auf die kritischen Worte aus Brüssel ihrerseits mit harscher Kritik reagiert. "Die USA und andere NATO-Staaten verwandeln die Ukraine vorsätzlich in ein Pulverfass", sagte der stellvertretende russische Außenminister Sergei Ryabkov nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Wenn sich die Lage zuspitzen sollte, werde man natürlich die Sicherheit der eigenen Staatsbürger schützen, sagte Ryabkov. "Dann wären Kiew und seine Alliierten im Westen allein verantwortlich für die Konsequenzen einer solchen hypothetischen Zuspitzung."

US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer

Mit den Staatsbürgern, von denen Ryabkov spricht, sind wohl jene Rebellen und Einwohner gemeint, die von Russland in der Ostukraine nach Beginn des Konflikts einen Pass erhalten haben. Die USA hatten zusätzliche Kriegsschiffe ins Schwarze Meer nahe der Krim verlegt. Sergei Ryabkov nannte das eine Provokation, die rückgängig gemacht werden müsse

Die nordatlantische Allianz wird keine Kampftruppen zur Unterstützung in die Ukraine schicken. NATO-Generalsekretär Stoltenberg machte aber klar, dass man die "praktische Zusammenarbeit'" mit der ukrainischen Armee verstärken wolle. Die NATO bildet ukrainische Soldaten mit aus und berät die Militärführung in Kiew. Außerdem werden gemeinsame Manöver veranstaltet. Einzelne NATO-Mitglieder liefern Ausrüstung und Waffen an die Ukraine. So hat zum Beispiel die Türkei Drohnen bereitgestellt, was vom russischen Außenminister Sergej Lawrow am Montag kritisiert worden war.

Der ukrainische Außenminister Kuleba forderte die NATO bei seinem Besuch in Brüssel auf, weitere Mittel zur "Abschreckung" Russlands zu mobilisieren. Kuleba nannte eine neue Runde von Wirtschaftssanktionen und "direkte Hilfen zum Ausbau unserer Fähigkeiten" ohne ins Detail zu gehen. NATO-Generalsekretär Stoltenberg blieb ebenfalls vage und sprach von mehr "Hilfen für die Ukraine, um sich selbst verteidigen zu können."

Sondersitzung der Außen- und Verteidigungsminister

Um schon einmal moralische Unterstützung für die Ukraine zu zeigen, kündigte die NATO für Mittwoch eine gemeinsame virtuelle Sitzung der Außen- und Verteidigungsminister an. Die amerikanischen Ressort-Chefs Antony Blinken und Lloyd Austin werden an diesem Treffen symbolträchtig persönlich im NATO-Hauptquartier teilnehmen. Beide Minister bereisen zurzeit Europa als Zeichen für aufgefrischte transatlantische Ambitionen der neuen US-Regierung, die von der NATO sehr begrüßt werden.

NATO-Generalsekretär Stoltenberg stellte in seiner Pressekonferenz in Brüssel zum wiederholten Male klar, dass die 30 Mitglieder der Allianz alleine entscheiden würden, ob und wann die Ukraine dem Bündnis beitreten werde. "Russland kann nicht entscheiden, was seine Nachbarn zu tun haben", sagte Stoltenberg mit sehr energischen Gesten auf eine entsprechende Frage einer Reporterin. Sich um eine NATO-Mitgliedschaft zu bewerben, sei das Recht einer jeden souveränen Nation. Das sei ein wichtiges Prinzip, ergänzte Stoltenberg. 2008 beim NATO-Gipfel in Bukarest, damals noch in Anwesenheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin, hatte die Allianz im Prinzip der Ukraine und Georgien eine NATO-Mitgliedschaft versprochen, irgendwann, wenn die Bedingungen erfüllt seien. "'Für mich ist eine Mitgliedschaft in der NATO nur eine Frage der Zeit. Es gibt keine anderen Kriterien", betonte Kuleba nun.

Russland hat eine mögliche Mitgliedschaft der ehemaligen Sowjetrepublik Ukraine stets abgelehnt. Mit dem Konflikt in der Ukraine ist die Mitgliedschaft im Moment fast unmöglich, da die NATO nur Staaten aufnimmt, die keine Grenzkonflikte oder gar bewaffnete Konflikte mit Nachbarstaaten austragen. Dies schließt übrigens auch Georgien aus, wo Russland Teile des Staatsgebiets besetzt hält. Zur Zeit hat die Ukraine einen besonderen Partnerschaftsstatus mit der NATO inne, der außer der Ukraine nur Georgien, Schweden, Finnland, Jordanien und Australien gewährt wurde.

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Image caption Corona-Begrüßung im NATO-Hauptquartier: NATO-Chef Stoltenberg (li.) und Außenminister Kuleba
Image source Francisco Seco/AP Photo/picture alliance

Item 23
Id 57184836
Date 2021-04-13
Title Auflösung: Dieser Berg ruft!
Short title Auflösung: Dieser Berg ruft!
Teaser Wir wollten wissen, welchen Berg Sie gerne mal besteigen würden. Ob Sie das Buch „111 extreme Orte in Europa, die man gesehen haben muss" bekommen, erfahren Sie hier. 
Short teaser Wir wollten wissen, welchen Berg Sie gerne mal besteigen würden. Ob Sie das Buch bekommen, erfahren Sie hier. 
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Der Berg ruft! Viele Menschen zieht es weltweit in ihrer Freizeit in die Berge, doch viele Gebirge sind nur für Profi-Bergsteiger zu erklimmen. Das ist auf dem Berg „Jungfrau“ in den Schweizer Alpen anders: Auf diesen Berg fährt nämlich ein Zug! Auf dem Jungfraujoch liegt auf 3.454 Metern über dem Meer Europas höchstgelegener Bahnhof.

Viele von Ihnen haben uns diese Woche geschrieben, auf welchen Berg Sie gerne mal besteigen würden. Vielen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer!

Unter sämtlichen Einsendungen haben wir das Buch „111 extreme Orte in Europa, die man gesehen haben muss" verlost. Gewonnen hat Gertrud D. aus Österreich.

Der Mount Everest in Nepal ist ihr Favorit.

Herzlichen Glückwunsch!

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Item 24
Id 57182996
Date 2021-04-13
Title Studie: Wer zahlt die Corona-Schulden?
Short title Studie: Wer zahlt die Corona-Schulden?
Teaser Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt vor Steuererhöhungen. Stattdessen solle sich der Staat mehr Zeit bei der Rückzahlung lassen - und zusätzlich investieren.
Short teaser Das IW-Institut warnt vor Steuererhöhungen. Stattdessen solle sich der Staat mehr Zeit bei der Rückzahlung lassen.
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650 Milliarden Euro - so groß ist der Berg an neuen Schulden, den Bund, Länder und Kommunen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie in den Jahren 2020-22 voraussichtlich anhäufen werden. Das geht aus einer Berechnung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor. Im Jahr 2022 wäre Deutschland dann insgesamt mit 2,7 Billionen Euro verschuldet.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung steigen die Schulden deutlich über die eigentlich in der Eurozone geltende Grenze von 60 Prozent. "Wir sehen einen Anstieg auf 70 Prozent, in diesem Jahr als temporäre Spitze sogar auf 75 Prozent", so IW-Direktor Michael Hüther am Dienstag (13.04.) bei der Präsentation der Studie "Zum Umgang mit den Corona-Schulden".

Gegen Steuererhöhungen

"Die Corona-Pandemie war und ist die größte wirtschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderung der Nachkriegszeit", so Hüther. Noch nie seit 1945 habe der Staat so viel Geld in so kurzer Zeit für ein Ziel ausgegeben wie in der Corona-Pandemie. Nun stelle sich die Frage, wie sich die Kosten bewältigen lassen.

Der Forderung nach Steuererhöhungen erteilte Hüther eine deutliche Absage. "Eine historische Krise ist kein geeigneter Zeitpunkt, irgendwem tiefer in die Tasche zu greifen."

Auch eine "Reichensteuer" lehnt Hüther ab. "Egal wie tief Sie den oberen zehn oder auch zwanzig Prozent in die Tasche greifen - das, was sich da erbeuten lässt, wird nicht ausreichen, um die Kosten der Krise zu bezahlen." Jetzt müsse es darum gehen, das Wirtschaftswachstum zu fördern, und höhere Steuern seien dabei kontraproduktiv, so Hüther.

Zumal große Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Bildung anstehen. Angesichts der Herausforderungen durch Dekarbonisierung, Digitalisierung, steigender Militärausgaben und Alterung der Gesellschaft sprach Hüther von einem "Modernisierungsjahrzehnt" in den Jahren zwischen 2022 und 2032.

Ähnlichkeiten zu den Grünen

Um Investitionen zu stemmen, hatte das Institut bereits die Einrichtung eines sogenannten Deutschlandfonds vorgeschlagen, der "zukunftsentscheidende Investitionen" über einen Zeitraum von zehn Jahren mit insgesamt 450 Milliarden Euro finanziert.

Auch die Partei Die Grünen fordert ein staatliches Investitionsprogramm, hier in Höhe von 500 Milliarden Euro. "Da gibt es schon eine gewissen Ähnlichkeit", sagte Hüther, dessen Positionen sich nicht oft mit denen der Grünen decken. "Denn es gibt den Konsens, dass wir ein Problem mit den Investitionen haben."

Um sich mehr Freiraum zu bewahren, solle sich der Staat deshalb mehr Zeit bei der Rückzahlung der Schulden lassen. Derzeit plane der Bund, alle Corona-Schulden innerhalb von 20 Jahren abzutragen. Dafür müssten jährlich 24 Milliarden Euro an anderer Stelle eingespart werden. Das sei "sehr sportlich", führe allerdings zu "unnötigen gesamtwirtschaftlichen Problemen", so Hüther.

Mehr Zeit für die Tilgung

"Statt wie vom Bund geplant in 20 Jahren sollten die Schulden in 40 Jahren zurückbezahlt werden", heißt es in der Studie. Dann müsste Deutschland nur zwölf Milliarden Euro jährlich zurückzahlen und könnte die Corona-Schulden vollständig aus der jährlichen strukturellen Neuverschuldung decken.

Als "strukturelle Neuverschuldung" gelten die neuen Schulden des Staates, die unabhängig von der Konjunkturlage aufgenommen werden. Die sogenannte Schuldenbremse, die ab 2023 wieder gilt, beschränkt diese Neuverschuldung auf 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das IW empfiehlt eine Erhöhung dieser Grenze auf 0,5 Prozent.

Im Idealfall würde Deutschland einfach aus den Corona-Schulden herauswachsen - ähnlich wie schon nach der Finanzkrise im vergangenen Jahrzehnt, so das IW. Damals war es der Bundesregierung gelungen, die enormen Schulden rasch wieder abzubauen und 2019 auch wieder die für Euroländer geltenden Maastricht-Kriterien einzuhalten.

Zur raschen Tilgung haben damals aber nicht nur die niedrigen Zinsen beigetragen, sondern auch eine starke Ausweitung der Beschäftigung. Die aber sei nicht wiederholbar, "das verbietet schon allein der demografische Wandel", so das IW.

bea/hb (dpa, IW, DW)

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Item 25
Id 57181835
Date 2021-04-13
Title Frauenpower beim Leipziger Buchpreis
Short title Frauenpower beim Leipziger Buchpreis
Teaser Die Buchmesse wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt, der Leipziger Buchpreis nicht. Die Jury präsentierte jetzt ihre Favoriten: viele erfahrene Stimmen.
Short teaser Die Favoriten für den Leipziger Buchpreis stehen fest. Er soll im Mai vergeben werden.
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Belletristik, Sachbuch und Übersetzung: In drei Kategorien wird am 28. Mai 2021 der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben, anders als beim konkurrierenden Deutschen Buchpreis, bei dem es alljährlich kurz vor der Frankfurter Buchmesse im Oktober ausschließlich um den "Roman des Jahres" geht. Wie im vergangenen Jahr ist die Leipziger Buchmesse wegen der Coronapandemie abgesagt, das Gastland Portugal auf 2022 vertröstet. Die Preise werden aber - wie 2020 - auch dieses Jahr vergeben, eingebettet in ein über die Stadt verteiltes Programm aus Lesungen und Diskussionen. Sein Titel: ″Leipzig liest extra".

Auch beim Leipziger Buchpreis gilt die Aufmerksamkeit nun zuallererst den fünf Titeln der schönen Literatur. Gibt es Überraschungen? Skandalträchtiges? Wie steht es um das Männer-Frauen-Verhältnis, wie mit der Diversität? Auch solche Fragen richten sich an die neue Shortlist der siebenköpfigen Jury unter Leitung des Literaturkritikers Jens Bisky.

Das Ergebnis überrascht tatsächlich, denn weibliche Stimmen dominieren die Shortlist klar: Vier Autorinnen steht ein einziger männlicher Autor gegenüber. Wieder hat sich - diesmal mit Friederike Mayröckers ″da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete" - ein Lyrikband unter die Belletristik-Nominierungen gemischt. Die 96-jährige Wiener Dichterin schöpft aus der Fülle eines langen literarischen Lebens: "In meinen Träumen bin ich jung, in meinen Träumen bin ich high" zitiert sie der Suhrkamp Verlag.

Viele Fragen nach dem eigenen Sein

Iris Hanikas "Echos Kammern" (Literaturverlag Droschl) wurde ebenso nominiert wie Judith Hermanns "Daheim" (S.Fischer Verlag). Während Hanika einen Liebes- und New-York-Roman vorgelegt hat, erzählt Judith Hermann von einem Aufbruch: "Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden", notiert ihr Verlag. Die 81-jährige Ostberlinerin und Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert taucht in ihrem "Vom Aufstehen: Ein Leben in Geschichten" (dtv) tief in ihre DDR-Vergangenheit ein, indem sie ihrer frostigen Mutter ein literarisches Denkmal setzt. Der Schweizer Autor Christian Kracht hingegen hat mit "Eurotrash" (Kiepenheuer & Witsch) einen Dekonstruktionsroman geschrieben, in dem Leid und Spiel, Authentizität und Spiegelfechterei, Mystifikation und Aufklärung ineinandergreifen.

Drei Kategorien: Belletristik, Sachbuch und Übersetzung

"Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Diese Fragen ziehen sich durch zahlreiche Bücher des Pandemie-Jahrgangs", berichtete der Juryvorsitzende Bisky. "Es gibt offenkundig ein starkes Bedürfnis, sich darüber auszutauschen." Das bestätigt auch Katrin Schumacher: "Die Bücher beschäftigen sich mit der Identität und behandeln auch die Fragen: Was ist die Marke Deutschland und was bedeutet mir meine Heimat?"

Am 28 Mai werden die Preisträger auf der Leipziger Buchmesse gekürt. Die Jury hatte ihre Auswahl aus 389 deutschsprachigen Neuerscheinungen auszuwählen, eingereicht von 132 Verlagen, etwas weniger als im Vorjahr. Insgesamt wird in den drei Kategorien ein Preisgeld von 60.000 Euro vergeben. Die 15 Nominierten bekommen jeweils 1000 Euro, jeder der drei Sieger erhält noch einmal 15.000 Euro dazu.

Das sind die Nominierten 2021 im Überblick:

Belletristik

  • Iris Hanika: Echos Kammern (Literaturverlag Droschl, 2020)
  • Judith Hermann: Daheim (S. Fischer Verlag, 2021)
  • Christian Kracht: Eurotrash (Kiepenheuer & Witsch, 2021)
  • Friederike Mayröcker: da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete (Suhrkamp Verlag, 2020)
  • Helga Schubert: Vom Aufstehen: Ein Leben in Geschichten (dtv, 2021)

Sachbuch / Essayistik

  • Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung (Matthes & Seitz Berlin, 2020)
  • Dan Diner: Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935 – 1942 (Deutsche Verlags-Anstalt, 2021)
  • Michael Hagner: Foucaults Pendel und wir. Anlässlich einer Installation von Gerhard Richter (Verlag Walther König, 2021)
  • Christoph Möllers: Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik (Suhrkamp Verlag, 2020)
  • Uta Ruge: Bauern, Land: Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang (Verlag Antje Kunstmann, 2020)

Übersetzung:

  • Ann Cotten: übersetzte aus dem Englischen "Pippins Tochters Taschentuch" von Rosmarie Waldrop (Suhrkamp Verlag, 2021)
  • Sonja Finck und Frank Heibert: übersetzten aus dem Französischen (Québec) "Der große Absturz. Stories aus Kitchike" von Louis-Karl Picard-Sioui (Secession Verlag für Literatur, 2020)
  • Hinrich Schmidt-Henkel: übersetzte aus dem Norwegischen "Die Vögel" von Tarjei Vesaas (Guggolz Verlag, 2020)
  • Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren: übersetzten aus dem Englischen "USA-Trilogie. Der 42. Breitengrad / 1919 / Das große Geld" von John Dos Passos (Rowohlt Verlag, 2020)
  • Timea Tankó: übersetzte aus dem Ungarischen "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" von Miklós Szentkuthy (Die Andere Bibliothek, 2020)
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Image caption Diese Bücher sind für den Leipziger Buchpreis nominiert
Image source Messe Leipzig

Item 26
Id 57165226
Date 2021-04-13
Title Coleros - die "Schlangensteher" von Havanna
Short title Schlange stehen als Beruf
Teaser Lange Warteschlangen sind auf Kuba zum Sinnbild für die Wirtschaftskrise geworden. Für alles muss angestanden werden, oft stundenlang. Die Not hat eine Beschäftigung aufblühen lassen: professionelles Schlange stehen.
Short teaser Für alles muss angestanden werden, oft stundenlang. Die Not hat eine Beschäftigung aufblühen lassen.
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Einkaufen macht derzeit keinen Spaß auf Kuba. "Alles ist schwierig. Um ein Päckchen Hühnerfleisch zu kaufen, steht man zum Teil sieben, acht Stunden lang an", sagt Ricardo Barragán. Zwar habe sich die Situation zuletzt etwas gebessert, aber es könne durchaus passieren, dass 200, 300 Leute vor einem Laden anstünden, so der 59-jährige Familienvater.

Wie alle in diesem Text bat er darum, seinen Namen zu ändern. Vor Beginn der Pandemie verdiente er sein Geld als Kunsthandwerker; seitdem hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Oft aber ist er den ganzen Tag unterwegs, um etwas Reis oder Fleisch aufzutreiben.

Devisenläden und Nicht-Devisenläden

Die Corona-Pandemie hat die zuvor bereits akute Wirtschafts- und Zahlungskrise auf der Insel weiter verschärft. Die Einnahmen aus dem Tourismus brachen fast vollständig weg; immer schärfere US-Sanktionen erschweren Geldüberweisungen von Auslandskubanern. Die Regierung in Havanna reagierte darauf zu Jahresbeginn mit einer Währungsreform, begleitet von einer Preis- und Lohnreform. Nach 25 Jahren wurde der Konvertible Peso (CUC) abgeschafft und der Kubanische Peso (CUP) als einzige Währung im Umlauf belassen.

Anstelle des CUC ist aber längst eine andere starke Währung getreten: der US-Dollar. Um dringend benötigte Devisen einzunehmen, eröffnete die Regierung im Oktober 2019 staatliche Devisenläden, in denen Haushaltsgeräte und Autoteile und seit Juni auch Lebensmittel und Hygieneartikel per Kartenzahlung in ausländischen Währungen gekauft werden können.

Das Angebot in den Nicht-Devisenläden dagegen ist ausgedünnt. Und dort, wo es noch etwas zu kaufen gibt, bilden sich lange Schlangen. Die sind zum sichtbaren Ausdruck der prekären Versorgungslage geworden. Praktisch für jede Art von Produkt wird angestanden. "Einen Tag Hähnchen hier, morgen Speiseöl dort. Die Schlangen hören dadurch nie auf", klagt Barragán.

Schlange stehen für andere

Viele, gerade ältere Leute können oder wollen aber nicht Schlange stehen. Hinzu kommt die Sorge vor der Ansteckungsgefahr in den Menschenansammlungen. Dies hat einen Geschäftszweig aufblühen lassen: professionelle Schlangensteher, sogenannte coleros, die ihren Platz in der Warteschlange gegen eine kleine Summe abtreten bzw. die Waren auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen.

Einer der so in der Pandemie ein Auskommen gefunden hat, ist Marco Jiménez. Der Anfang Vierzigjährige ist in einem staatlichen Optiklabor angestellt. Vor der Währungsumstellung verdiente er 280 CUP im Monat, knapp 12 US-Dollar. Nebenbei verkaufte er unter der Hand Brillengläser und besserte so sein Einkommen auf. "Ab Ende 2019 aber gab es keine Materialien mehr, kein Glas, und wir wurden nach Hause geschickt. Zwei Monate bekamen wir noch Gehalt, dann nichts mehr", sagt er. Ein Freund brachte ihn auf die Idee, mit Schlange stehen Geld zu verdienen.

Manche Schlangen wachsen nach vorne

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden aus Hygienegründen in die meisten Geschäfte nur noch zwei bis vier Kunden gleichzeitig hereingelassen. Das hat die schon immer existierenden Warteschlangen potenziert. Die Reduzierung der Öffnungszeiten und die in Havanna geltende nächtliche Ausgangssperre verschärfen das Problem noch. "Ab fünf Uhr morgens darf man raus. Die Leute markieren ab dann ihren Platz in der Schlange", erzählt Jiménez. Markieren funktioniert, indem man in der Schlange nach dem letzten "el último" fragt. "Statt nach hinten, wachsen in Kuba die Schlangen nach vorn. Denn mit Ladenöffnung um Neun tauchen diejenigen auf, die vorher markiert haben. Es kann also passieren, dass dann nicht mehr zehn, sondern plötzlich siebzig Leute vor einem stehen."

Einige markieren und verkaufen ihren Platz in der Schlange, in der Regel für 50 CUP. Zeitaufwendiger, aber auch lukrativer ist es, selbst einzukaufen und dann weiterzuverkaufen. "Hühnchen, Hackfleisch, Mayonnaise, Spaghetti, was auch immer es gibt", sagt Jiménez. Beim Weiterverkauf verlangt er in der Regel das Doppelte. Er schätzt, dass 80 Prozent der Leute in den Schlangen Weiterverkäufer sind.

Die Regierung hat zahlreiche Produkte normiert. So gibt es beispielsweise für pro Person nur ein Päckchen Hühnerfleisch. Jiménez nimmt daher in der Regel zwei, drei Leute mit, um größere Mengen einkaufen zu können. "Ansonsten lohnt es sich nicht", sagt er. Manchmal spricht er auch vor dem Laden Wildfremde an und bietet ihnen etwas Geld, 75 CUP, damit sie ihn begleiten und er mehr kaufen kann.

Die Nase voll

Von allen, die einen Laden betreten, wird zudem der Ausweis gescannt. Damit soll verhindert werden, dass die Leute sich mehrmals anstellen. Die Geldbußen sind hoch. Jiménez geht "maximal" zwei-, dreimal die Woche "um nicht aufzufallen", wie er sagt. Mittlerweile hat er feste Abnehmer, das reduziert das Risiko.

Zwischen 750 und 1000 CUP - umgerechnet etwas mehr als 40 Dollar - verdient er pro Woche, sagt er. Damit komme er gut über die Runden. Zumal er seit zwei Monaten vom Staat für pesquisas eingesetzt wird, also von Haustür zu Haustür geht, um Coronainfizierte aufzuspüren. Dafür erhält er derzeit wieder sein staatliches Gehalt.

Er hofft, bald in seinen alten Job zurückkehren zu können. "Schlange stehen hat geholfen, um zu überleben", aber vom stundenlangen Anstehen, um etwas Geld zu verdienen, hat er langsam die Nase voll. Vermissen wird er die Schlangen nicht, sagt er.

Item URL https://www.dw.com/de/coleros-die-schlangensteher-von-havanna/a-57165226?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Lange Schlangen vor einem Lebensmittelgeschäft in Havanna
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Item 27
Id 55623662
Date 2021-04-13
Title Wie gefährlich ist das Kühlwasser aus Fukushima?
Short title Wie gefährlich ist das Kühlwasser aus Fukushima?
Teaser Rund zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe will Japan Kühlwasser aus Fukushima ins Meer ablassen. Nachbarländer und Umweltschützer sind empört. Wie gefährlich ist das Kühlwasser für Mensch und Umwelt?
Short teaser Zehn Jahre nach dem Reaktorunfall will Japan Kühlwasser aus Fukushima ins Meer ablassen. Wie gefährlich ist das Wasser?
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Item 28
Id 57173376
Date 2021-04-13
Title "Unsichtbare Stadt": Brasiliens Mythen
Short title "Unsichtbare Stadt": Brasiliens Mythen
Teaser In Brasilien kennt jedes Kind die mythischen Protagonisten aus der Netflix-Serie "Unsichtbare Stadt". Sie verknüpft Krimi und Folklore - und boomt weltweit.
Short teaser In Brasilien kennt jedes Kind die mythischen Protagonisten aus der Netflix-Serie "Unsichtbare Stadt".
Full text

Eric (Marco Pigossi) ist Umweltpolizist in Rio de Janeiro. Als seine Frau (Julia Konrad) unter mysteriösen Umständen stirbt, beginnt er auf eigene Faust mit den Ermittlungen zu ihrem Tod. Zeitgleich wird ein rosafarbener Flussdelfin - eigentlich im Amazonas beheimatet - tot an einem der Strände der Stadt angeschwemmt. Als Eric der Todesursache auf den Grund geht, stößt er auf mythische Kreaturen, die mitten unter den Menschen leben.

Das ist die Ausgangshandlung der Netflix-Serie "Unsichtbare Stadt", die weltweit auf der Streaming-Plattform verfügbar ist. Sind die übernatürlichen Wesen real? Ohne zu spoilern, ist eins jedenfalls sicher: Die Figuren, die in der Serie vorkommen, haben in Brasilien eine Jahrhunderte alte Tradition und bilden einen wichtigen Teil der Folklore des Landes: Die in der Serie vorgestellten Fabelwesen kennen hier alle: Sie stehen auf Lehrplänen, in Büchern, tauchen im Fernsehen und in Zeichentrickfilmen auf. Jetzt werden sie einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht - und ernten begeisterte Reaktionen.

"Unsichtbare Stadt" kombiniert geschickt Elemente aus Drama, Fantasy, Mystery-Thriller und Krimi, Premiere war im Februar 2021 auf Netflix. Seitdem war die Serie in mehr als 40 Ländern mindestens einen Tag lang unter den Top 10 der meistgesehenen Inhalte der Streaming-Plattform vertreten. Netflix hat bereits angekündigt, dass es nach der ersten Staffel eieen Fortsetzung geben wird.

Der Plot wurde von Carlos Saldanha entwickelt. Der zwei Mal für den Oscar nominierte Regisseur war bislang vor allem für Animationsfilme bekannt, besonders für die "Ice Age"-Reihe und die "Rio"-Filme. "Unsichtbare Stadt" ist sein erstes Projekt mit realen Schauspielern.

Coole Geschichten

Die Idee entstand aus dem Wunsch, "Elemente der brasilianischen Kultur mit einer erwachsenen, polizeilichen Thriller-Produktion zu kombinieren", sagte Saldanha im Gespräch mit der DW. Während er seine Idee entwickelte, erhielten Serien wie "American Gods", in der alte und neue Götter das Leben der Menschen aufmischen, oder "Grimm", in der ein Polizist engen Kontakt zu Märchengestalten hat, ebenfalls bereits viel Aufmerksamkeit. "Ich dachte: 'Warum haben wir nie daran gedacht, so etwas mit Brasilien zu machen?' Wir haben so viele Mythen, die interessant und visuell einzigartig sind."

Für Saldanha erzeugt allein das Reden über Brasilien "ein Gefühl des Stolzes, des Wunsches, meine Kultur zu zeigen, (...) diese Geschichten sind so reich und so cool, wir können sie nicht sterben lassen", sagt er. Eine der größten Herausforderungen für das Team sei es gewesen, die Folklore-Figuren einem internationalen Publikum vorzustellen, das in den meisten Fällen noch nie von ihnen gehört hatte - Götter wie Zeus oder Aphrodite aus der griechischen Mythologie sind da wesentlich bekannter.

Die Schöpfer von "Unsichtbare Stadt" wollten die Wesen aus der reichen Sagenwelt so darstellen, dass jeder sie versteht, auch ohne Detailkenntnis. Da die erste Staffel nur auf sieben Episoden von jeweils etwa 35 Minuten beruht, fürchtete Saldanha, dass "es langweilig werden könnte, wenn es zu erklärend wäre. "Es war ein Risiko, aber es hat funktioniert", sagt er. Die Zuschauer seien neugierig auf die Fabelwesen seiner Heimat gewesen.

Indigene und afrikanische Einflüsse

Die brasilianische Folklore ist sehr vielfältig, eine Mischung aus indigenen, afrikanischen und europäischen Wurzeln. Die folkloristischen Geschichten wurden von Generation zu Generation weitergegeben, meist von Mund zu Mund, und ihre Ausschmückung kann von Region zu Region variieren. Die meisten der Legenden beziehen sich auf die Natur und deren Schutz.

Die Charaktere in "Unsichtbare Stadt" werden auf moderne Weise dargestellt und leben in einer ausgegrenzten städtischen Umgebung. Sie tragen andere Namen als die eigentlichen Fabelwesen, da sie versuchen, ihre Identitäten geheim zu halten und sich in der menschlichen Welt zurechtzufinden.

Zu den mythischen Wesen gehört auch der einbeinige Kobold Saci. Er raucht eine Pfeife und hat eine magische rote Kappe, mit deren Hilfe er in einem Wirbelwind jederzeit auftauchen und wieder verschwinden kann. Oder Iara, eine Sirene, die im Fluss lebt, wo sie nachts, vor allem bei Mondschein, unwiderstehliche Lieder singt. Curupira ist der Beschützer der Amazonas-Wälder. Seine Füße sind verdreht, weshalb derjenige, der seiner Spur folgen will, sich von ihm entfernt. Und dann ist da noch die Hexe Cuca, die Kinder in ganz Brasilien in Angst und Schrecken versetzt.

All diese Gestalten lernen Netflix-Zuschauer jetzt kennen, und so trägt "Unsichtbare Stadt" zur Diversifizierung des Fantasy-Genres bei. "Ich denke, die Serie bringt frischen Winde in die Mythologie und Fantasy", ist sich Regisseur Saldanha sicher. Und wie bei allen dauerhaften Mythen vermitteln auch die populären brasilianischen Legenden universelle Ideen. "Letztendlich sind wir alle ähnlich", so der Schöpfer der Serie. "Jeder hat die gleichen Gefühle. Was sich ändert, ist die Art, wie man Geschichten erzählt."

Adaption ins Deutsche: Torsten Landsberg

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Image caption Internationaler Erfolg: "Unsichtbare Stadt" lag in mehr als 40 Ländern unter den Top 10 der meistgesehenen Inhalte
Image source Netflix

Item 29
Id 57108627
Date 2021-04-13
Title Saatgutvielfalt in Gefahr
Teaser Saatgut liefert uns das Essen von morgen. Die Vielfalt der Sorten und ihrer Gene sichert unser Überleben. Doch diese Vielfalt ist bedroht. Drei Viertel aller Nutz-Pflanzen-Sorten sind schon verloren. Deshalb werden Erhalt und Verbreitung alter Sorten immer wichtiger.
Item URL https://www.dw.com/de/saatgutvielfalt-in-gefahr/av-57108627?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image source DW

Item 30
Id 56836474
Date 2021-04-13
Title Exportverbot für hochgiftige Pestizide aus Europa?
Short title EU-Exportverbot für hochgiftige Pestizide?
Teaser In Europa sind einige hochgiftige Pestizide verboten, von Chemieunternehmen werden sie aber in andere Länder exportiert. Frankreich und die Schweiz verbieten nun diese, in der EU und Deutschland wird darüber diskutiert.
Short teaser In Europa sind einige Pestizide verboten, trotzdem werden sie exportiert. Einige Länder wollen dies nun verbieten.
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Item 31
Id 57177030
Date 2021-04-13
Title Fukushima-Wasser wird ins Meer abgeleitet
Short title Fukushima-Wasser wird ins Meer abgeleitet
Teaser Die japanische Regierung will mehr als eine Million Tonnen kontaminiertes und wieder aufbereitetes Wasser aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima in den Pazifik ablassen. Umweltschützer und die Nachbarstaaten warnen.
Short teaser Eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser aus dem zerstörten japanischen Atomkraftwerk sollen in den Pazifik fließen.
Full text

Die Regierung in Tokio teilte mit, die Arbeiten zum Ablassen des verstrahlten Kühlwassers sollten in etwa zwei Jahren beginnen. "Unter der Prämisse der strikten Einhaltung der festgelegten regulatorischen Standards wählen wir die Freisetzung im Meer", heißt es in einer Erklärung zur Entscheidung der Regierung.

Gefiltert, verdünnt und ab ins Meer

Die Entscheidung soll einen jahrelangen Streit um hunderttausende Tonnen Wasser beenden, das unter anderem zur Kühlung der Atomanlage nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011 verwendet worden war. Das Wasser wurde nach japanischen Angaben einem umfangreichen Filterungsprozess unterzogen, um die meisten radioaktiven Isotope zu entfernen. Das Isotop Tritium bleibt dabei jedoch zurück. Für Menschen ist es laut Experten nur in sehr hohen Dosen schädlich. Das Wasser soll außerdem noch verdünnt werden.

Aktuell werden rund 1,25 Millionen Tonnen Wasser in Tanks bei der Anlage von Fukushima gelagert. Laut Betreiber Tokio Electric gehen die Lagerkapazitäten 2022 zur Neige. Das Einleiten des Wassers ins Meer wird voraussichtlich Jahre dauern. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEO hat den Vorschlag für das Ablassen des aufbereiteten Fukushima-Wassers bereits gebilligt.

Bei Umweltschützern, Fischern und Landwirten der Region haben die Pläne haben bereits Proteste ausgelöst sowie Besorgnis in Peking und Seoul. Sie warnen vor einem ökologischen und gesundheitlichen Risiko.

Das am Pazifischen Ozean gelegene Atomkraftwerk Fukushima war kurz nach einem schweren Erdbeben am 11. März 2011 von einer fast 15 Meter hohen Tsunami-Wasserwand getroffen worden. Das Kühlsystem des Kraftwerks fiel aus, in drei der sechs Reaktoren gab es eine Kernschmelze. Die Katastrophe verwandelte umliegende Orte in Geisterstädte. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.

qu/ml (rtr, afp)

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Image caption Die Unglücksreaktoren, umgeben von riesigen Lagertanks mit Kühlwasser
Image source Kota Endo/Kyodo New/AP/picture alliance

Item 32
Id 57173519
Date 2021-04-12
Title Trotz Corona: Architekturbiennale in Venedig
Short title Architekturbiennale in Venedig findet statt
Teaser "Wie leben wir in der Zukunft zusammen?", fragt die Architekturbiennale 2021 im Hinblick auf den Klimawandel und andere drängende Probleme unserer Zeit.
Short teaser Wie leben wir in der Zukunft zusammen?, fragt die Architekturbiennale in Hinblick auf drängende Probleme unserer Zeit.
Full text

Zwar ist die Architekturbiennale in Venedig das weltweit größte und wichtigste Festival seiner Art. Doch zwei Mal schon musste das Spektakel wegen Corona verschoben werden, erst vom letzten Frühjahr auf den Herbst, dann vom Herbst in dieses Frühjahr. Und auch im dritten Anlauf steuert die ″17. Biennale Architettura" abermals auf einen ungewissen Termin zu: Vom 22. Mai bis 21. November 2021 soll die Großschau am Lido als "physisches Ereignis" stattfinden, wie die Veranstalter versichern. Gleichwohl ein Wagnis, wie Biennale-Präsident Roberto Cicutto bei einer Online-Präsentation am Montag (12.04.2021) einräumte.

″How we will live together?" (Wie werden wir in Zukunft zusammenleben?) ist das Generalthema der 17. Ausgabe, das der Architekturtheoretiker und Chefkurator Hashim Sarkis noch vor der Pandemie ausgegeben hatte. Im Sinn hatte der gebürtige Libanese damit vor allem Themen wie Klimawandel, Migration und eine zunehmende politische Polarisierung.

Im Zeichen von Corona

Nun aber steht auch die Architekturbiennale ganz im Zeichen von Corona, wie Sarkis bei der Präsentation seines Programms erläuterte. Die gesellschaftliche Rolle der Architektur will er mit Zusatzangeboten beleuchten. Neben den üblichen Ausstellungen in den Länderpavillons plant er zusätzliche Publikationen und Filmbeiträge, Symposien zu Themen wie Sport, Flüchtlingskrise oder Wiederaufbau sowie eine "Ausweitung in Richtung Tanz". Auch auf einen Blick hinter die Kulissen kann sich das Biennale-Publikum freuen, beim Besuch in der Lagunenstadt oder im Internet, so Sarkis.

Der deutsche Pavillonsieht sich auf die neue Lage bestens vorbereitet, vor allem mit Filmen, die über das Internet abrufbar sind. Keine Texte, keine Bilder, keine Modelle, keine Installationen - der eigentliche Ausstellungsort in den "Giardini", einem Parkgelände, wird größtenteils leer bleiben, wie Kurator Olaf Grawert ankündigte. Er und das "Team 2038", eine Gruppe von Architekten, Künstlern und Wissenschaftlern, dem neben Grawert auch, Arno Brandlhuber, Nikolaus Hirsch und Christopher Roth angehören, hatten eine ungewöhnliche Idee entwickelt: einen fiktiven Rückblick aus der Zukunft - aus dem Jahr 2038 auf heute. "Trotz oder gar dank der großen Krisen in den 2020er- und 30er-Jahre", heißt es in dem Konzept, ″fand ein Umdenken und Handeln statt, das uns gerade so eben gerettet hat."

Blick aus der Zukunft

Grawert und seine Mitstreiter ahnten nicht, dass eine globale Krise schon so bald eintreten würde, als sie ihr Konzept im Februar 2020 in Berlin präsentierten. Doch die Ausstellung soll sich nicht komplett um Corona drehen. Vielmehr ruft das Team die großen Fragen der Zeit auf, darunter die Bodenfrage, die für Architekten zentral ist: "Denn ohne Bauland", so Grawert unlängst im Deutschlandfunk, "kann ich nicht bauen".

Mehrere Lockdowns haben die Aufbauarbeiten am Lido erschwert, wo sich die von Sarkis kuratierte Hauptschau im zentralen Biennale-Pavillon und den weitläufigen Hallen des Arsenale ausbreiten wird. Rund 110 Teilnehmer aus 46 Ländern hat Sarkis dazu eingeladen, viele davon aus Afrika, Lateinamerika und Asien. Zusätzlich zum Giardini-Park dehnt sich die "Biennale Architettura 2021" auch auf andere Stationen in der Lagunenstadt aus. Außerdem öffnen 63 Länderpavillon mit eigenen Präsentation, wobei Aserbaidschan, Grenada, Irak und Usbekistan erstmals in Venedig antreten.

Item URL https://www.dw.com/de/trotz-corona-architekturbiennale-in-venedig/a-57173519?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Ob 2021 Besucher zur Biennale kommen dürfen?
Image source DW/S. Dege

Item 33
Id 57174127
Date 2021-04-12
Title EU weitet Sanktionen gegen Iran aus
Short title EU weitet Sanktionen gegen Iran aus
Teaser Acht führende Vertreter der Sicherheitsbehörden im Iran sind neu auf der EU-Sanktionsliste. Sie waren nach europäischer Überzeugung maßgeblich an den Menschenrechtsverletzungen 2019 beteiligt.
Short teaser Acht führende Vertreter der Sicherheitsbehörden im Iran sind neu auf der EU-Sanktionsliste.
Full text

Die Europäische Union hat ihre Strafmaßnahmen gegen den Iran ausgeweitet. Es geht um die gewaltsame Niederschlagung der landesweiten Proteste im November 2019 in der Islamischen Republik. Dabei starben nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 230 und mehr 1000 Menschen.

Unter den Sanktionierten sind mehrere hochrangige Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden, darunter Hussein Salami, der Kommandeur der mächtigsten und am schwersten bewaffneten Truppe des Landes. Auf der EU-Liste stehen auch der Oberbefehlshaber der iranischen Polizei, Hussein Aschtari, ein ehemaliger Gefängnisdirektor, die Leiterin eines städtischen Sicherheitsrates sowie drei Haftanstalten, wie der Rat der Mitgliedstaaten mitteilte.

Die Betroffenen werden von Brüssel maßgeblich für die schweren Menschenrechtsverstöße 2019 verantwortlich gemacht. Gegen sie wurden Einreiseverbote verhängt, mögliches Vermögen in der EU wurde eingefroren.

Vor dem Hintergrund des massiven Vorgehens gegen Kritiker, Oppositionelle und Journalisten im Iran hat die Europäische Union 2011 damit begonnen, Sanktionen wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen zu verhängen. Bisher standen 87 Vertreter aus Regierung, Justiz, Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten auf der Liste.

Iran setzt Gegenmaßnahmen

In Teheran hieß es zu den jüngsten Sanktionen, man werde die Kooperation mit der Europäischen Union in mehreren Bereichen aussetzen. Das Außenministerium erklärte, suspendiert werde der Dialog zu Menschenrechtsfragen, zu Anti-Terror-Maßnahmen, zur Bekämpfung des Drogenhandels und zu Flüchtlingsangelegenheiten.

Die EU-Botschafter hatten nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP bereits vor zwei Wochen grundsätzlich grünes Licht für die Ausweitung der Liste gegeben. Der Zeitpunkt hatte unter Beamten in Brüssel Überraschung ausgelöst. Denn die EU bemüht sich derzeit als Vermittler in Verhandlungen darum, das internationale Atomabkommen mit Teheran wiederzubeleben. Die USA waren 2018 aus der Vereinbarung ausgestiegen.

se/uh (afp, rtr)

Item URL https://www.dw.com/de/eu-weitet-sanktionen-gegen-iran-aus/a-57174127?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Iranische Polizei riegelt eine Straße in Teheran ab (Archivbild)
Image source Mehrnews

Item 34
Id 57173194
Date 2021-04-12
Title Verwirrung um Wirksamkeit chinesischer Impfstoffe
Short title Aufregung um Wirksamkeit chinesischer Impfstoffe
Teaser Nachdem ein hochrangiger chinesischer Virologe zunächst die Wirksamkeit der vier zugelassenen Impfstoffe angezweifelt hatte, rudert er nun zurück und spricht von einem Missverständnis.
Short teaser Ein chinesischer Virologe zweifelt die Wirksamkeit von Impfstoffe an und rudert dann zurück. Was heißt das?
Item URL https://www.dw.com/de/verwirrung-um-wirksamkeit-chinesischer-impfstoffe/a-57173194?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Chinesische Impfstoffentwickler sind auf Tests in Drittländern angewiesen, weil es kaum noch Coronafälle in China gibt.
Image source Rassin Vannier/AFP/Getty Images

Item 35
Id 57168480
Date 2021-04-12
Title So soll Prinz Philips Trauerfeier ablaufen
Short title So soll Prinz Philips Trauerfeier ablaufen
Teaser Der verstorbene Prinz Philip wollte kein Staatsbegräbnis, sondern eine Zeremonie im kleinen Kreis. 30 Personen stehen auf der Gästeliste.
Short teaser Der verstorbene Prinz Philip wollte kein Staatsbegräbnis, sondern eine kleine Zeremonie. 30 Personen werden dabei sein.
Full text

Die Vorbereitungen für die Beerdigung des Herzogs von Edinburgh, den am vergangenen Freitag (9.4.2021) verstorbenen Ehemann von Königin Elisabeth II., laufen unter dem Codenamen "Operation Forth Bridge", benannt nach dem schottischen Wahrzeichen und UNESCO-Weltkulturerbe.

Die königliche Beerdigung beginnt am Samstag, den 17. April, um 16:00 Uhr (MEZ) in der St. George's Chapel auf dem Gelände von Schloss Windsor und wird im Fernsehen übertragen. Zeitgleich wird in Großbritannien eine Schweigeminute abgehalten. Folgende Planungen stehen bereits fest:

Wo wird der Prinz aufgebahrt?

Der nur zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag verstorbene Prinz Philip erbat sich eine Beerdigung ohne viel Aufhebens. Seinem Wunsch folgend, wird der Herzog von Edinburgh nicht in der Öffentlichkeit aufgebahrt. Dies entspricht auch den Corona-Beschränkungen für Massenversammlungen, die verhindern sollen, dass sich die Bevölkerung an öffentlichen Plätzen versammelt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Stattdessen wird Philip bis zum Tag der Beerdigung in der privaten Kapelle von Schloss Windsor ruhen.

Wie läuft der Tag der Beerdigung ab?

Wie die Königinmutter und Diana, Prinzessin von Wales, wird auch der Herzog ein feierliches Begräbnis erhalten. Staatsbegräbnisse sind in der Regel Monarchen vorbehalten - die letzte Ausnahme wurde 1965 für den ehemaligen Premierminister Winston Churchill gemacht. Am Tag der Beerdigung wird Philips Sarg von der Privatkapelle zum Haupteingang des Schlosses Windsor gebracht. Er wird auf einen umgebauten Geländewagen gestellt, den der Herzog selbst mit entworfen hat, um die kurze Strecke zur St. George's Chapel zu fahren. Einige Mitglieder der königlichen Familie - darunter Philips Sohn Charles und die Enkel William und Harry - werden hinter dem Sarg hergehen.

Wer wird an der Beerdigung teilnehmen?

Die Corona-Regeln in England sehen vor, dass nur 30 Personen an Beerdigungen teilnehmen dürfen - mit Mund-Nasen-Schutz und Abstand. Die Sargträger und der Klerus sind davon ausgenommen. Prinz Harry, der sich vom Königshaus zurückgezogen hat, wird an den Feierlichkeiten teilnehmen, seine schwangere Frau Meghan dagegen nicht. Sie soll auf ärztliche Anweisung nicht reisen. Der Herzog von Sussex lebt mit seiner Frau in den USA und ist seit seinem Rückzug von seinen royalen Pflichten im vergangenen Jahr nicht mehr nach Großbritannien zurückgekehrt. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten kündigte Premierminister Boris Johnson an, nicht an der Beerdigung teilzunehmen. Damit will er Platz für ein Mitglied der königlichen Familie machen.

Wie geht es weiter?

Die nationale Trauer mit Flaggen auf Halbmast an allen britischen Regierungsgebäuden endet am Tag der Beerdigung. Die königliche Familie wird zwei Wochen lang trauern, aber die Mitglieder werden weiterhin an Terminen teilnehmen und Trauerflor tragen. Am vergangenen Samstag wurde Prinz Philip in Großbritannien und in Gibraltar mit Salutschüssen geehrt. Auch die Schiffe der Royal Navy gaben Salutschüsse zu Ehren des Herzogs ab, der während des Zweiten Weltkriegs als Marineoffizier diente.

Wie lange wird der politische Wahlkampf ausgesetzt?

Die Kommunalwahlen sind für den 6. Mai angesetzt, aber die Abgeordneten der Konservativen und der Labour-Partei wurden angewiesen, bis nach der Beerdigung auf mediale Wahlkampfauftritte zu verzichten. Auch die Pressekonferenzen und Ankündigungen des Premierministers sind nun auf Pandemie-Themen beschränkt. Das Parlament tritt am Montag nach der Beerdigung zusammen, um dem Herzog die letzte Ehre zu erweisen, danach werden ab Dienstag lokale Wahlkampfveranstaltungen wieder aufgenommen.

Wie kann die Öffentlichkeit ihren Respekt zollen?

Die ursprünglichen Pläne für die Tage vor der Beerdigung und die Beerdigung selbst mussten aufgrund der Pandemie drastisch reduziert werden. Die Öffentlichkeit wurde gebeten, sich nicht an den königlichen Residenzen zu versammeln und keine Blumen zu hinterlassen, sondern stattdessen für Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden, die dem Herzog am Herzen lagen. Nichtsdestotrotz haben die Menschen Blumen und Nachrichten am Palast und auf Schloss Windsor niedergelegt. Die Bevölkerung kann ihre persönlichen Trauerbekundungen auch in einem Online-Kondolenzbuch eintragen.

Adaption ins Deutsche: Torsten Landsberg

Item URL https://www.dw.com/de/so-soll-prinz-philips-trauerfeier-ablaufen/a-57168480?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
Image URL (460 x 259) https://static.dw.com/image/57151238_302.jpg
Image caption Die Bevölkerung drückt ihre Anteilnahme mit abgelegten Blumen aus
Image source Justin Tallis/AFP/Getty Images

Item 36
Id 57172917
Date 2021-04-12
Title Nur noch mit Corona-Test zur Arbeit
Short title Nur noch mit Corona-Test zur Arbeit
Teaser Kein Homeoffice möglich? Dann sollen Arbeitgeber in Deutschland ihren Beschäftigten regelmäßig Corona-Schnelltests anbieten müssen. Das hat die Bundesregierung beschlossen. Gegen den Willen der Wirtschaft.
Short teaser Arbeitgeber sollen ihren Beschäftigten regelmäßig Corona-Tests anbieten müssen. Das hat die Bundesregierung beschlossen.
Full text

Die Bundeskanzlerin hatte es schon Mitte März in Aussicht gestellt. "Wenn nicht der überwiegende Teil der deutschen Wirtschaft - und das muss in die Richtung von 90 Prozent gehen - seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Corona-Tests anbietet, dann werden wir mit regulatorischen Maßnahmen in der Arbeitsschutzverordnung vorgehen", hatte Angela Merkel im Bundestag angekündigt.

Genauso soll es nun kommen, obwohl nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Teile der CDU/CSU bis zuletzt versucht hatten, eine Verpflichtung zu verhindern. Der sozialdemokratische Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat am Dienstag im Kabinett einen entsprechenden Entwurf für eine Änderung der Arbeitsschutzverordnung vorgelegt und die Regierung hat ihn abgesegnet. Dass es so kommen würde, hatten die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans bereits am Montag in Berlin mitgeteilt.

Ein bis zwei Tests pro Woche

Arbeitgeber müssen demnach allen Beschäftigten, die nicht ins Homeoffice wechseln können, einen Corona-Test pro Woche anbieten. Beschäftigte, die viel Kundenkontakt haben oder mit Lebensmitteln arbeiten, sollen zwei Tests angeboten bekommen. Eine Bescheinigungspflicht ist nicht vorgesehen. Damit reicht es, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeitern Selbsttests zur Verfügung stellt.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte, es sei nun eine nationale Kraftanstrengung nötig. "Da müssen alle mitmachen", sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Dienstag (13.04.) im Sender Deutschlandfunk. Eine finanzielle Kompensation stellte er den Firmen nicht in Aussicht.

Zwei Tests pro Woche sollen außerdem Beschäftigte angeboten bekommen, die in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Das ist beispielsweise bei Saisonarbeiter, also Erntehelfern der Fall. Außerdem Beschäftigte, "die unter klimatischen Bedingungen in geschlossenen Räumen arbeiten, die eine Übertragung des Coronavirus begünstigen", womit beispielsweise Arbeiter gemeint sind, die in gekühlten Räumen arbeiten müssen.

Alternative: Kompletter Lockdown

Zudem werden alle anderen geltenden Corona-Schutzregeln im Arbeitsschutz bis zum 30. Juni verlängert. Dazu gehört auch, dass Arbeitgeber Beschäftigten wo immer möglich das Arbeiten von Zuhause anbieten müssen. Walter-Borjans sagte, dass sich mit der Testpflicht für die Wirtschaft "ein kompletter Lockdown abwenden" lasse. Über die Verlängerung der Überbrückungshilfen für Unternehmen sowie zugunsten von Geschäften in Innenstädten gebe es Gespräche.

Widerstand gegen verpflichtende Tests war noch am vergangenen Donnerstag von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gekommen. Nach einer Videokonferenz mit zahlreichen Unternehmerverbänden hatte er verbal auf die Bremse getreten. "Es ist erstaunlich, wie viel erreicht wurde", lobte er mit Blick auf den freiwilligen Aufbau von Corona-Testmöglichkeiten in Firmen.

Widersprüchliche Zahlen

Anfang März hatten sich die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft in einer Selbstverpflichtung dazu bereit erklärt, Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten können, ein regelmäßiges Testangebot zu machen. Vier Wochen später meldeten die Verbände erste Erfolge. Laut einer internen Umfrage würden rund 90 Prozent der Betriebe bereits regelmäßige Corona-Tests anbieten oder dies bald planen.

Konterkariert wurde die Behauptung der Wirtschaftsverbände von einer Veröffentlichung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. In einer Online-Befragung der Stiftung berichteten nur 23 Prozent der Teilnehmer, dass alle Präsenzbeschäftigten in ihrem Betrieb schon mindestens einmal pro Woche einen Corona-Schnelltest machen könnten. Die Befragung sei allerdings nicht repräsentativ, so die Böckler-Stiftung einschränkend.

90 Prozent werden nicht erreicht

Entscheidend für die Bundesregierung war schließlich eine Erhebung, die vom Bundeswirtschafts- und Bundesarbeitsministerium gemeinsam durchgeführt wurde. Sie basiert auf zwei Umfragen unter rund 1000 Unternehmen und 2500 Beschäftigten. Mit dem Ergebnis, dass derzeit die Hälfte der Unternehmen ihren Mitarbeitern mindestens einen Test pro Woche anbieten. Weitere Unternehmen hätten es vor, so dass insgesamt 69 Prozent der Betriebe die Selbstverpflichtung jetzt oder in Kürze erfüllen würden.

Beifall für die Verpflichtung der Unternehmen zum Testen kommt unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund. "Es ist schlicht nicht verständlich, weshalb sich Menschen im Privatbereich seit gut einem Jahr bis hin zu ihren Grundrechten einschränken, aber die Regeln für die Arbeitgeber nach wie vor butterweich sind", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Wirtschaft will Hilfen

Der Wirtschaftsrat der CDU rechnet damit, dass die Tests die deutschen Unternehmen monatlich mehr als sieben Milliarden Euro kosten werden. Das könnten manche kleine und mittelständische Unternehmen nicht stemmen. Schon fordern die Wirtschaftsverbände staatliche Unterstützung für die Testung. Außerdem gebe es nach wie vor Probleme bei der Beschaffung von Corona-Tests.

"Ein Drittel der Unternehmen gibt an, Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit von Tests zu haben", schreiben die Verbände in einem Brief ans Kanzleramt, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert. Sie fordern von der Bundesregierung, dass Selbsttests, die von anderen Bedarfsträgern nicht abgerufen werden, müssten der Wirtschaft preisgünstig zur Verfügung gestellt werden.

Die Bundeskanzlerin betonte auf der Hannover Messe unterdessen, der Kampf gegen die Corona-Pandemie sei im Interesse der Wirtschaft. Die Infektionszahlen seien weiterhin zu hoch, die dritte Welle derzeit wohl die härteste. Dagegen werde in einigen Monaten das Impfen helfen, so Angela Merkel. Doch bis dahin seien andere Maßnahmen nötig. "Testen hilft uns, eine Brücke zu bauen."

Der Artikel wurde am 13.04.2021 um 8:45, und um 11:15 aktualisiert.

Item URL https://www.dw.com/de/nur-noch-mit-corona-test-zur-arbeit/a-57172917?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
Image URL (460 x 259) https://static.dw.com/image/56677830_302.jpg
Image source Sven Simon/dpa/picture alliance

Item 37
Id 57169457
Date 2021-04-12
Title Einkaufen im Amazon-Supermarkt der Zukunft
Short title Einkaufen im Supermarkt der Zukunft
Teaser Der Tech-Gigant Amazon hat in London seinen ersten kassenlosen Supermarkt in Europa geöffnet. DW-Reporterin Marie Sina hat ihn getestet - und fühlte sich wie in einem Science-Fiction-Film.
Short teaser Tech-Gigant Amazon hat in London seinen ersten kassenlosen Supermarkt in Europa geöffnet. Marie Sina hat ihn getestet.
Full text

Schon von Weitem springt mir das grellgrüne Logo des Amazon Fresh Ladens ins Auge. Passanten bleiben neugierig vor der gläsernen Fassade im Londoner Stadtteil Ealing stehen.

"Da kann man mit dem Handy zahlen." Eine Frau zeigt im Vorbeigehen auf den Ladenausgang, an dem es statt einer Kasse bloß eine elektronische Schranke gibt. "Einfach Wahnsinn", raunt sie ihrem Begleiter zu.

Vergangenen Monat hat der Onlinehändler Amazon seinen ersten "Just walk out"-Supermarkt in Europa eröffnet. Kunden lassen ihre Ware direkt vom Regal in die Einkaufstasche wandern und verlassen damit den Laden, ohne eine Kasse zu sehen. Keine Schlangen, kein hektisches Beladen des Förderbands, kein Rumkramen im Portemonnaie. Der Zahlvorgang erfolgt digital und unsichtbar.

Angestellte in leuchtend grünen T-Shirts erklären der Kundschaft gleich am Eingang, wie das funktioniert. Auch ich muss die Amazon App auf meinem Smartphone öffnen und scanne dann einen personalisierten QR Code. Die Schranke leuchtet grün und schwingt auf, wie an einem Flughafengate.

Sobald ich den Laden betrete, misst die App meine Aufenthaltszeit.

Keine Bewegung bleibt unerfasst

Auf den ersten Blick wirkt der Amazon Fresh Laden wie so viele andere beengte, unspektakuläre Supermärkte in der Londoner Innenstadt. Dann bemerke ich die Kameras und Bewegungsmelder über unseren Köpfen. Sie erfassen jede Bewegung, überwachen jede Ecke des Ladens. Den Rest machen Sensoren.

Die Artikel, die ich aus dem Regal in meine Einkauftasche lege, werden automatisch registriert und meinem virtuellen Einkaufswagen hinzugefügt. Während ich nach dem Feta greife, stelle ich mir vor, wie sich alle Kameras über mir in meine Richtung wenden, meine Bewegungen verfolgen - wie in einem Science-Fiction-Film. Aber alles bleibt still.

Tiefensensoren und Computer-Augen registrieren wachsam, welche Pasta-Sorte und wie viele Bananen die Kunden aus dem Regal nehmen. Die Technologie wurde zunächst in "Amazon Go"- Läden in den USA eingeführt. 2018 öffneten die ersten in Seattle.

Laut Amazon werden die im Laden gesammelten Kundendaten nur bis zu 30 Tage lang mit den Amazon-Konten der Käufer verknüpft.

Britische Bürgerrechtler kritisieren jedoch die großen Daten-Fußabdrücke, die der Konzern durch die neue Technologie sammelt. "Wir müssen mehr darüber erfahren, was das in der Praxis wirklich bedeutet und wie Amazon auch im Nachhinein die Kundendaten weiterverwenden kann", sagt Jim Killock, Leiter der Bürgerrechtsgruppe "Open Rights Group".

Das fehlende Puzzleteil

Während ich durch die Gänge des Ladens schlendere, grinst mir das Amazon-Logo aus jedem Regal entgegen. Der breit lächelnde Mund prangt auf den Produkten: Kartoffelbrei von Amazon, Kochschinken von Amazon, gelbe Rosen von Amazon - zeitgleich mit der Öffnung des ersten europäischen Supermarkts hat Amazon seine Eigenmarke eingeführt.

Ein leibhaftiger Supermarkt war das fehlende Puzzleteil in Amazons Marktbeherrschungsstrategie, sagt Natalie Berg, Einzelhandelsexpertin und Gründerin der Beratungsagentur NBK Retail. "Lebensmittel sind eine wirklich wichtige Kategorie, weil Kunden sie regelmäßig kaufen. Indem Amazon diesem Markt beitritt, bringt der Konzern seine Kunden dazu, auch alle anderen Artikel bei ihm zu kaufen", so Berg.

Die letzte menschliche Kontrolle

Außer Kassen fehlen in dem Supermarkt auch Einkaufswagen und Warenkörbe. Dadurch kann ich mich ungehindert durch die Gänge bewegen. Fast: Vor dem Alkoholbereich bremsen mich zwei Angestellte mit ernster Miene. Ich bin überrascht, dass selbst in dieser Tech-Oase der Alkohol noch von echten Menschen bewacht wird. Ich suche mir eine Weinflasche aus und zeige meinen Ausweis. Auf dieses manuelle Ritual konnte selbst Amazon anscheinend nicht verzichten.

Mit der vollen Einkaufstasche unter meinem Arm steuere ich auf den Ladenausgang zu. Ich warte darauf, dass jeden Moment ein Alarm ertönt. Stattdessen schwingt die Schranke einfach auf. Meine Einkäufe trage ich nahtlos von der Ladenschwelle auf den Bürgersteig.

Das kassenlose Ladentmodell ist in Großbritannien keine Neuheit. Andere Ketten wie Tesco und Marks & Spencer haben bereits ihre eigenen Konzepte entwickelt. Amazons Supermarkt ist jedoch der einzige, in dem Kunden die Ware nicht in einer App scannen müssen. "Amazons Konzept ist wegweisend, weil das Kauferlebnis komplett unbehindert ist," sagt Unternehmensberaterin Berg.

"Es fühlt sich wie Klauen an"

Deanna Sparks hat sich unbehaglich dabei gefühlt, den Laden einfach so zu verlassen: "Es fühlt sich seltsam an. Ich habe mich schuldig gefühlt, als ob ich etwas klauen würde."

Die 54-jährige Londonerin hatte von dem Supermarkt in den Nachrichten erfahren und ist extra nach Ealing gefahren, um hier einkaufen zu gehen. "Ich wollte es ausprobieren, um danach meinen Freunden sagen zu können, dass ich hier war und wie es war", erzählt sie mir.

Die vielen Kameras stören die Kundinnen und Kunden, mit denen ich spreche, nicht. "Ich weiß, dass in London ohnehin überall Kameras sind, also fällt mir das gar nicht auf", sagt Elizabeth Beelur.

Die junge Frau ist von ihrem ersten Besuch positiv überrascht: "Es ist schnell und praktisch. Du packst die Lebensmittel ein und gehst. Du musst nicht in einer Schlange warten und bist nicht genervt."

Nur der Anfang?

Um wirklich eine Konkurrenz für die etablierten britischen Supermarktketten darzustellen, muss der Tech-Gigant laut Einzelhandelsexperte Richard Hyman sein Lebensmittelangebot weiter ausbauen. "Die wahre Stärke von Amazon liegt in der Kaufabwicklung. Es ist eigentlich ein Transaktionsgeschäft. Der Einzelhandel ist nicht Amazons Stärke," sagt Hyman. Trotzdem glaubt er, es sei nur eine Frage der Zeit, bis Amazon Fresh-Märkte auch in anderen europäischen Ländern eröffnen.

Als ich von meinem Einkauf zurückkehre, bereite ich mir aus den Amazon-Zutaten einen Salat zu. Während ich den ersten Biss nehme, fällt mir auf, dass ich nicht einmal weiß, wieviel ich gerade für die Lebensmittel ausgegeben habe.

Ein kurzer Blick auf meine Amazon-App verrät es: nach 14 Minuten und 55 Sekunden im Laden habe ich insgesamt 15,56 Pfund ausgegeben, umgerechnet18,25 Euro. Die Erfahrung hat sich eher wie Onlineshopping als ein Einkauf im Supermarkt angefühlt.

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Item 38
Id 56770832
Date 2021-04-12
Title Faktencheck: Wie groß ist die Corona-Infektionsgefahr draußen?
Short title Wie groß ist die Infektionsgefahr draußen?
Teaser Wärmere Temperaturen locken die Menschen vielerorts nach draußen. Doch die Corona-Maßnahmen sollen dabei Kontakte verhindern. Aber wie wahrscheinlich ist es eigentlich, sich im Freien mit dem Coronavirus zu infizieren?
Short teaser Mit dem wärmeren Wetter verlagert sich das Leben nach draußen. Doch wie wahrscheinlich ist es, sich dort anzustecken?
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Image caption Wenn es wärmer wird, zieht es immer mehr Menschen ins Freie
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Item 39
Id 53599946
Date 2021-04-12
Title Wenn Reisen zum Risiko wird: Corona-Regeln und Einreisebestimmungen in Europa
Short title Wenn Reisen zum Risiko wird: Geht noch was in Europa?
Teaser Die Corona-Pandemie macht das Reisen weltweit beschwerlich. Wer dennoch reist, muss die Einreisebestimmungen und Regeln vor Ort kennen.
Short teaser Reisen innerhalb Europas ist kaum noch möglich, bis auf wenige Ausnahmen.
Full text

Tourismus in Deutschland ist bis auf weiteres nicht möglich. Hotels dürfen keine Übernachtungen für touristische Zwecke anbieten, Touristenvisa werden nur noch in Ausnahmefällen erteilt. Das Reisen im Land ist nur noch für bestimmte notwendige Zwecke, zum Beispiel Dienstreisen, möglich und wird durch immer wieder neue Regelungen, die es zu beachten gilt, erschwert. Man muss sich also immer über die aktuellen Bestimmungen desjenigen Bundeslandes informieren, in das man möchte.

Generell befindet sich Deutschland seit 16. Dezember 2020 in einem harten Lockdown, er gilt vorerst bis zum 18. April. Es gelten Abstands- und Hygieneregeln, so müssen in Geschäften sowie in Bus und Bahn medizinische Masken - OP-Masken oder FFP2-Masken - getragen werden; einfache Stoffmasken reichen nicht aus.

Je nach Infektionsgeschehen sind seit dem 8. März Lockerungen in Kraft getreten, so sind körpernahe Dienstleistungen wieder erlaubt, Geschäfte dürfen Terminshopping anbieten, Museen unter strengen Hygieneauflagen öffnen. Kommt es zu mehr als 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, sollen die Öffnungsschritte allerdings wieder zurückgenommen werden. Die Landkreise können darüber hinaus weitere Maßnahmen ergreifen, wenn der Schwellenwert überschritten wird. Darunter zählen Ausgangsbeschränkungen, verschärfte Kontaktbeschränkungen und die Pflicht zu tagesaktuellen Schnelltests in Bereichen, in denen das Abstand halten oder konsequente Masken tragen erschwert sind. Reisen ist in ganz Europa nur noch mit erheblichen Einschränkungen möglich - wenn überhaupt. Nur für ganz wenige Regionen Europas sprichtdas Auswärtige Amt in Berlin derzeit keine Reisewarnung aus. Neben den Balearen-Inseln zählen dazu zum Beispiel die Region South-West in Irland, die Region Åland in Finnland oder Lissabon in Portugal. Eine aktuelle Übersicht über die Risikogebiete bietet die Risikoliste des Robert Koch-Instituts.

Aktuelle Regeln für Einreisende aus Risikogebieten

Es gibt eine Unterteilung in Risikogebiete, Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete. Rückkehrer aus Risikogebieten müssen sich online unter www.einreiseanmeldung.de anmelden. Innerhalb von 48 Stunden muss ein Corona-Test erfolgen und man muss sich unverzüglich in zehntägige Quarantäne - unabhängig vom Testergebnis - begeben, die frühestens am fünften Tag mit einem weiteren negativen Test beendet werden kann. Akzeptiert werden PCR-, LAMP- und TMA-Test sowie Antigen-Schnelltests. Antikörpertests werden nicht anerkannt.

Die Einstufung in Hochinzidenz- und Virusvarientengebiete bringt einige Regeln mit sich. Als Hochinzidenzgebiete gelten seit 24. Januar Staaten, die einen Inzidenzwert von 200 überschreiten. Einreisende aus Hochinzidenzgebieten müssen schon vor der Einreise ein negatives Testergebnis vorlegen. Nur dann dürfen sie an Bord eines Flugzeugs. Entsprechendes gilt für Bus, Bahn oder Fähre. Unabhängig vom Testergebnis gilt in Deutschland eine zehntägige Quarantänepflicht.

Seit 30. Januar ist die Einreise aus Virusvariantengebieten untersagt. Ausnahmen bei der Einreise gibt es nur für Personen mit Wohnsitz oder Aufenthaltsrecht in Deutschland, die aus diesen Ländern zurückkehren, Transitpassagiere sowie einige andere Fälle wie reinen Frachtverkehr oder etwa medizinisch notwendige Flüge. Solche Fälle müssten der Bundespolizei mindestens drei Tage vorher angezeigt werden.

Transitpassagieren wird dazu geraten, einen Testnachweis mit sich zu führen. Sie müssen damit rechnen, dass Fluggesellschaften ihre Beförderung ablehnen, wenn sie die Testpflicht nicht erfüllen.

Ende März wurden in Deutschland die Einreiseregeln nochmals verschärft. Es wurde beschlossen, dass sich alle Rückkehrer auf COVID-19 testen lassen müssen, bevor sie in den Flieger nach Deutschland steigen - unabhängig davon, ob sie aus Corona-Risikogebieten kommen oder zu welchem Zweck sie nach Deutschland reisen. Das gilt beispielsweise auch für Urlauber aus Mallorca, obwohl die Insel derzeit nicht als Risikogebiet gilt.

Durchblick mit der EU-Corona-Ampel

Um Reisenden in Europa einen besseren Überblick über das Corona-Infektionsgeschehen und mögliche Beschränkungen zu verschaffen, hat die EU eine Corona-Ampel eingeführt. Danach wird die EU in grüne, orange und rote Zonen eingeteilt. Hinzu kommt noch die Farbe grau für Regionen, aus denen nicht genug Daten vorliegen. Derzeit dominiert die Farbe Rot den Kontinent.

Wer dennoch reisen muss, dem hilft auch die 'Re-open EU'-App der EU-Kommission. Sie bietet aktuelle Informationen etwa zur Gesundheitssituation, Sicherheitsvorkehrungen oder Reisebeschränkungen, und zwar für alle EU-Staaten sowie die Mitglieder des grenzkontrollfreien Schengenraums Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.

Sind Urlaubsreisen mit Impfung bald wieder möglich?

Am 25. Februar hat die EU beschlossen, einen einheitlichen Impfpass für Reisende bis zum Sommer einzuführen. Vor allem traditionelle Urlaubsländer wie Griechenland erhoffen sich viel von den Impfausweisen. Die Regierung in Athen und auch Zypern haben bereits ein bilaterales Abkommen mit Israel geschlossen, wonach ab April alle Israelis problemlos einreisen können, wenn sie den sogenannten Grünen Pass vorweisen - also den Nachweis, dass sie geimpft sind. Auch Malta führt entsprechende Gespräche mit Israel. Schweden und Dänemark haben die Schaffung elektronischer Impf-Zertifikate angekündigt, die vor allem bei Reisen ins Ausland zum Einsatz kommen sollen. In Estland wiederum sind schon jetzt Einreisende von der generellen Quarantäne-Vorschrift ausgenommen, wenn sie einen Impfnachweis vorlegen. Das gleiche gilt in Polen, dafür wird eigens eine App entwickelt.

Hier nun ein Überblick über die Bestimmungen in einigen der wichtigsten Reiseländer Europas:

Österreich

Das Auswärtige Amt in Berlin hat ganz Österreich zum Risikogebiet erklärt, mit Ausnahme des Kleinwalsertals und der Gemeinde Jungholz mit zusammen gut 5000 Einwohnern. Beide Exklaven sind auf der Straße nur von Deutschland aus erreichbar.

Die Einreise nach Österreich ist grundsätzlich möglich, jedoch gilt für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten eine zehntägige Quarantänepflicht. Seit 15. Januar ist eine digitale Registrierungspflicht in Kraft, ausgenommen sind regelmäßige Pendler und Transitreisende.

Seit Montag, 8. Februar, ist der Handel in Österreich nach sechs Wochen Lockdown wieder geöffnet. Dabei gilt eine Personenbeschränkung: Pro Person müssen 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Auch Museen, Galerien und Tiergärten dürfen unter strengen Corona-Auflagen wieder öffnen. Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, soll es im April weitere Öffnungsschritte für Gastronomie, Kultur und Tourismus geben.

In den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland gelten ab dem 1. April zusätzliche Einschränkungen wie eine ganztägige Ausgangsbeschränkung und eine Schließung des Einzelhandels mit Ausnahme von Geschäften des täglichen Bedarfs.

Im Land gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich kostenlos - unter anderem in Apotheken - testen zu lassen. Weiterhin gilt die FFP2-Maskenpflicht und auch die nächtliche Ausgangsbeschränkung von 20 bis 06 Uhr bleibt unverändert bestehen.

Spanien

Spanien gilt als Corona-Risikogebiet, allerdings wurde die Reisewarnung für Kastilien-La Manca, Valencia, Galicien, Murcia sowie auf den Balearen am 14. März aufgehoben.

Die spanische Zentralregierung hat den nationalen Gesundheitsnotstand bis 9. Mai verlängert. Der Notstand umfasst unter anderem ein nächtliches Ausgehverbot, Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen bis hin zur Abriegelung einzelner Corona-Hotspots. Die Maßnahmen variieren in den Regionen, die jeweils aktuellen Bestimmungen kann man telefonisch bei den Corona-Hotlines der Regionen erfragen.

Auch wenn die Balearen Urlauber willkommen heißen dürfen, gibt es Einschränkungen auf den Inseln, die zunächst bis zum 11. April beschlossen wurden. So gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 6 Uhr. Vom 26. März bis 11. April gelten die landesweit einheitlichen Regelungen, mit denen Treffen in privaten Haushalten auf in einem Haushalt lebende Personen beschränkt sind, Treffen in öffentlichen Räumen auf sechs Personen im Freien und vier Personen in Innenbereichen.

Auf Mallorca und Ibiza ist die Außengastronomie bis 17 Uhr erlaubt. Pro Tisch dürfen bis zu 4 Personen aus maximal zwei Haushalten sitzen. Auf Menorca und Formentera darf sowohl außen als auch innen mit eingeschränkter Kapazität bis 17 Uhr bewirtet werden. Auf Menorca sind Außenbereiche bis 22 Uhr geöffnet.

Für Geschäfte, mit Ausnahme derer, die den für den Lebensunterhalt notwendigen Bedarf sicherstellen, gelten ebenfalls eingeschränkte Öffnungszeiten.

Portugal

Die Situation in Portugal hat sich stark verbessert. Nur noch Madeira gilt als Risikogebiet. Von nicht notwendigen, touristischen Reisen in die übrigen Regionen einschließlich der Azoren wird weiterhin abgeraten.

Trotz niedriger Zahlen werden die Grenzbeschränkungen zu anderen EU-Mitgliedsstaaten Ende März bis Mitte April erweitert und verschärft, da Europa gegen eine dritte Welle kämpft. Menschen, die aus EU-Ländern kommen, in denen es über 500 Fälle pro 100.000 Einwohner gibt, dürfen nur für wesentliche Geschäfte einreisen und müssen 14 Tage in Quarantäne.

Wer von Deutschland aus nach Portugal reisen will, der braucht einen negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden vor Abflug ist. Außerdem müssen sich Flugreisende elektronisch anmelden. Auf dem Landweg dürfen nur Menschen mit einem Wohnsitz in Portugal oder zu beruflichen Zwecken die Grenze überqueren.

Seit dem 9. November gilt der Ausnahmezustand in Portugal, alle 15 Tage wird die Lage neu bewertet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Er ist vorerst bis zum 15. April in Kraft. Die Regierung hat einen Fahrplan für Lockerungen der Beschränkungen festgelegt. Er wird je nach Pandemie-Geschehen angepasst. So haben am 5. April Geschäfte bis zu 200 Quadratmetern und Kultureinrichtungen wie Museen, Denkmäler, Paläste und Galerien geöffnet. Bis zu vier Personen dürfen draußen Sport machen. Am 19. April ist die Öffnung von Kinos und Theatern geplant. Auch Geschäfte und Einkaufzentren dürfen dann Kunden empfangen, Restaurants, Cafés und Bäckereien können bis 22 Uhr unter der Woche, an Wochenenden und Feiertagen bis 13 Uhr öffnen. Die nächsten Schritte sind für den 3. Mai geplant. Dann dürfen Restaurants ohne Zeitbeschränkung öffnen.

Frankreich

Die Situation in Frankreich hat sich verschärft, weshalb das Land als Hochinzidenzgebiet gilt. Die Zahl der täglichen Fälle hat sich seit Anfang März fast verdoppelt, jede Woche kommen mehr als 200.000 neue Fälle hinzu. Das ans Saarland und Rheinland-Pfalz grenzende Département Moselle gilt sogar als Virusvarianten-Gebiet, da sich hier die hochansteckende, südafrikanische Virus-Variante verbreitet.

Bis Ostern unterschieden sich die Maßnahmen im Land je nach Infektionszahlen, Präsident Emmanuel Macron kündigte aber am 01.04. an, regional bereits verhängte Beschränkungen für mindestens einen Monat auf ganz Frankreich auszuweiten. Im gesamten Land gelten Bewegungseinschränkungen - so dürfen sich die Menschen etwa für Spaziergänge oder Sport nicht weiter als zehn Kilometer von ihrer Wohnung fortbewegen. Weiterhin gilt auch die abendliche Ausgangssperre ab 19.00 Uhr. Später dürfen die Menschen nur noch mit triftigem Grund vor die Tür - einkaufen oder Spaziergänge gehören nicht dazu. Unternehmen sollen noch mehr auf Homeoffice setzen.

Von Karsamstag an müssen im ganzen Land nicht lebensnotwendige Läden geschlossen bleiben. Erstmals im laufenden Schuljahr bleiben auch die Schulen zu.

Die Einreise nach Frankreich ist für Deutsche möglich, wenngleich an Frankreichs Binnengrenzen bis Ende April 2021 Kontrollen stattfinden: Einwohner eines EU-Landes ab elf Jahren müssen für den Grenzübertritt einen negativen PCR-Test vorweisen. Dieser darf nicht länger als 72 Stunden zurückliegen. Für die Grenzregionen, Pendler und den Lieferverkehr gelten allerdings Ausnahmen. Aber auch hier gibt es seit März Verschärfungen. So müssen Pendler ebenfalls einen negativen PCR-Test vorlegen, wenn sie nicht aus beruflichen Gründen die Grenze passieren. Sowohl Deutschland als auch Frankreich wollen eine Schließung der Grenze vermeiden. Detaillierte Informationen zu den geltenden Maßnahmen und Einreisebedingungen bietet das französische Außenministerium.

Griechenland

Griechenland ist von COVID-19 stark betroffen, weshalb das ganze Land als Risikogebiet eingestuft ist. Bei Einreise gilt eine Online-Registrierungspflicht und ein negativer PCR-Test muss vorgelegt werden, der nicht älter als 72 Stunden ist. Alle Personen, die nach Griechenland einreisen, müssen sich in eine siebentägige häusliche Quarantäne begeben.

Griechenland plant allerdings das Land ab dem 14. Mai für Urlauber aus EU-Ländern sowie aus einigen anderen Staaten wie Großbritannien und Serbien zu öffnen, um den heimischen Tourismus-Sektor zu retten. Man dürfe demnach ohne Quarantänepflicht ins Land einreisen und Urlaub machen. Es werde aber Voraussetzungen geben: So muss man entweder geimpft sein oder einen PCR-Corona-Test vorzeigen. Athen hatte bereits Ende März auf bilateraler Ebene die
Quarantänepflicht für Besucher aus Israel abgeschafft.

Derzeit befindet sich Griechenland noch im Lockdown. Das Land wird entsprechend der epidemiologischen Belastung in verschiedene Risikogebiete eingeteilt, die kurzfristig angepasst werden können. Maßnahmen wie die allgemeine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr kann in roten Gebieten variieren. Auf Visit Greece sind alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Generell darf man tagsüber zur Zeit seine Wohnung nur noch aus triftigem Grund verlassen. Im ganzen Land herrscht Maskenpflicht, auch im Freien. Seit dem 05.04. dürfen Geschäfte in weiten Teilen Griechenlands wieder öffnen, ausgenommen sind die nordgriechischen Städte Thessaloniki, Kozani und die Stadt Patras auf der Halbinsel Peloponnes. Die Öffnung der Geschäfte ist mit strengen Auflagen verbunden.

Italien

Für Reisende aus Ländern der Europäischen Union und damit auch aus Deutschland, die bis zum 30. April 2021 nach Italien einreisen, ist grundsätzlich die Vorlage eines negativen Tests bei Einreise, eine fünftägige Quarantäne und die Vorlage eines weiteren negativen Tests nach fünf Tagen erforderlich. Ausnahmen gibt es nur in Fällen "bewiesener Notwendigkeit und Dringlichkeit". Das Auswärtige Amt stuft Italien als Risikogebiet ein und warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen.

Italien verfährt bei den Lockdownregeln nach einem Ampelsystem. Rot ist die Zone mit dem höchsten Infektionsrisiko - derzeit ist das der Fall in den Regionen Kampanien, Puglien, Sardinien und Valle Aosta. Als orangefarbene Zone - der Kategorie für das mittlere Infektionsrisiko - eingestuft sind derzeit alle anderen Regionen. Gelbe Zonen mit einem geringen Infektionsrisiko gibt es in Italien derzeit nicht.

Mit dem Ausnahmezustand verbunden ist eine Ausgangssperre von täglich 22 Uhr bis 5 Uhr. Reisen innerhalb Italiens in andere Regionen sind verboten, triftige Gründe bilden die Ausnahme.

Schweiz

Das Auswärtige Amt hat die Schweiz zum Risikogebiet erklärt und rät von nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Nachbarland ab. Der Lockdown wurde am 1. März gelockert. Alle Läden haben wieder geöffnet, so auch Museen und Lesesäle von Bibliotheken und Archiven. Gleiches gilt für Sportanlagen und Freizeitbetriebe im Außenbereich. Draußen dürfen sich maximal 15 Personen treffen, im Innenbereich zehn Personen. Weiterhin geschlossen sind Restaurants und Bars, Discos und Tanzlokale. Es besteht eine Home-Office Pflicht. Skigebiete müssen bestimmte Regeln befolgen.

Deutsche Staatsangehörige können weiterhin in die Schweiz einreisen. Um zu entscheiden, ob in einem Staat oder Gebiet ein erhöhtes Ansteckungsrisiko herrscht, werden in der Schweiz die Neuansteckungen pro 100.000 Personen in den letzten 14 Tagen angeschaut. Wenn diese Inzidenz eines Landes um mindestens 60 höher ist als die Inzidenz in der Schweiz, kommt das Land auf die Liste.

Niederlande

Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen gelten die Niederlande seit dem 06.04. aus deutscher Sicht als Hochinzidenzgebiet. Das bedeutet, dass man bei der Einreise nach Deutschland ein negatives Testergebnis dabei haben muss. Die Quarantänepflicht von zehn Tagen mit der Möglichkeit, sich nach fünf Tagen mit einem zweiten Test davon zu befreien, bleibt unverändert. Für Pendler gibt es Ausnahmeregelungen. Alle Flugreisenden in die Niederlande wiederum müssen beim Einchecken ebenfalls einen negativen PCR-Test vorweisen, da die Niederlande Deutschland als Risikogebiet eingestuft hat. Gleiches gilt für Reisende per Zug, Bus oder Schiff, die sich weiter als 30 km in das niederländische Inland begeben. Im Anschluss ist auch hier eine zehntägige Quarantäne erforderlich. Die niederländische Regierung bittet darum, keine Reisen in die Niederlande zu unternehmen und empfiehlt auch ihren eigenen Einwohnern, bis 15. Mai auf nicht notwendige Reisen zu verzichten.

Alle Corona-Maßnahmen wurden zunächst bis zum 20. April verlängert. Es gilt eine landesweite Ausgangssperre von 22 bis 4.30 Uhr. Verboten ist in den Niederlanden außerdem der Verkauf von Alkohol und Softdrugs zwischen 20 Uhr und 6 Uhr, ebenso deren Konsum in der Öffentlichkeit. Coffeeshops müssen um 20 Uhr schließen. Kinos, Theater und Museen sind geschlossen, nur Geschäfte für den täglichen Bedarf haben geöffnet. Seit dem 3. März gelten leichte Lockerungen, so dürfen Friseure, Kosmetikerinnen und Masseure wieder arbeiten und Geschäfte Kunden nach vorheriger Terminvereinbarung empfangen.

Großbritannien und Nordirland

Um die Verbreitung neuer Coronavirus-Varianten zu verhindern, verpflichtet Großbritannien Einreisende aus Virusvariantengebieten seit dem 15. Februar zu zehn Tagen Quarantäne in Hotels. Auf der Liste stehen beispielsweise Peru, Bolivien, Argentinien, Brasilien sowie Südafrika, Namibia und auch die Arabischen Emirate.

Grundsätzlich ist für die Einreise ein negativer COVID-19 Test (PCR-, LAMP- oder Antigentest) zwingend, der bei der Einreise nicht älter als drei Tage sein darf. Diese Regelung gilt ebenso für Schottland, Wales und Nordirland.

Aufgrund des hohen Infektionsniveaus in Großbritannien warnt das Auswärtige Amt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das gesamte Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland und stuft es als Risikogebiet ein. Internationale Reisen aus und nach England sind zunächst bis zum 17. Mai verboten. Ausgenommen von dem Verbot sind etwa Reisen zu Geschäftszwecken, zur medizinischen Behandlung oder zur Pflege von Angehörigen.

Das Britische Festland lockert die Beschränkungen mit dem Ziel, alle Einschränkungen im öffentlichen Leben bis zum 21. Juni zu beenden. Von den britischen Medien als "Happy Monday" bezeichnet, können sich die Briten seit dem 29.3. in Gruppen von bis zu sechs Personen im Freien versammeln. Auch die "stay at home"-Regel wurde gelockert, die Regierung aber rät zur Vorsicht und bittet, wenn möglich, weiterhin von zu Hause aus zu arbeiten. Nicht essentielle Geschäfte sind seit dem 12. April wieder geöffnet. Auch die Außengastronomie, Friseure und auch Fitness-Studios, Schwimmbäder, Büchereien, Zoos und Vergnügungsparks dürfen Besucher empfangen. Reisen im Inland sind erlaubt. Grundsätzlich besteht die Pflicht, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis und Supermärkten einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. In England soll in den nächsten Monaten Berichten zufolge ein Ampelsystem eingeführt werden, das die Regeln für Reisen ins Ausland festlegt. So soll für rot eingestufte Länder weiterhin ein Reiseverbot gelten, während man in grüne Länder barrierefrei reisen können soll. Bei Reisen in gelb eingestufte Länder dürften weiter strenge Test- und Quarantäneregeln gelten. Laut bisherigen Plänen gilt Mitte Mai als frühestes Datum für eine Änderung der derzeitigen Regelung.

In Schottland gilt ein Lockdown mit erheblichen Bewegungseinschränkungen, die über das Niveau von Empfehlungen hinausgehen und Gesetzeskraft haben. Einreisen nach Schottland sind nur noch in dringenden Fällen erlaubt.

Irland

Anfang des Jahres war die Lage in Irland besonders dramatisch. Die Republik verzeichnete zwischenzeitlich die weltweit höchsten Neuinfektionen pro Kopf. Nach einer vorübergehenden Lockerung des landesweiten Lockdowns vor Weihnachten, stiegen die Infektionszahlen dort angefacht von der hochansteckenden COVID-19 Variante ungebremst. Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, die Infektionszahlen bewegen sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Das Auswärtige Amt stuft Irland daher mit Ausnahme der Region South-West als Risikogebiet ein.

Im ganzen Land gilt die höchste Corona-Warnstufe: Level 5. Die Kapazitäten der öffentlichen Verkehrsmittel sind auf 25% reduziert, zu Spitzenzeiten bleibt die Nutzung des ÖPNV für systemrelevante Berufe und Zwecke vorbehalten. Reisen außerhalb des fünf Kilometer-Radius um den Wohnort und zwischen den Countys müssen unterbleiben. Das Tragen von Masken ist in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht, bei Nichtbeachtung sind bis zu 2.500 Euro Strafe fällig. Hotels, Gasthäuser und Pensionen, soweit geöffnet, nehmen zum Teil aus essentiellen Gründen Reisende weiterhin auf. Restaurants, Pubs, Nachtclubs und Bars, Museen und sonstige kulturelle und touristische Attraktionen bleiben für den Publikumsverkehr geschlossen.

Wer nach Irland einreist, muss einen negativen COVID-19 Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Zusätzlich sind alle Einreisenden, auch Iren und Bürger mit Wohnsitz in Irland, aufgefordert, für 14 Tage nach Einreise in Quarantäne zu gehen.

Dänemark

Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Dänemark wird aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt, von Reisen nach Grönland und auf die Färöer wird abgeraten.

Im gesamten Land gilt ein Teillockdown mit regionalen Unterschieden. Bis zum 21. Mai liegt ein Öffnungsplan vor, der abhängig vom Infektionsgeschehen und lokalen Unterschieden schrittweise Lockerungen vorsieht. Die Öffnung geht einher mit der Einführung eines "Coronapasses", einem Ausweis zum Test- bzw. Impfstatus. Dieser muss vorgezeigt werden, um Zugang zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen oder körpernahen Dienstleistungen zu bekommen.

Seit dem 1. März ist der Einzelhandel - mit Ausnahme von Einkaufszentren - wieder offen. Freizeiteinrichtungen, die Aktivitäten an der frischen Luft anbieten (etwa Zoos und Vergnügungsparks) dürfen ebenfalls unter Auflagen wieder öffnen. Sportliche Aktivitäten an der frischen Luft sind in Gruppen von bis zu 25 Personen erlaubt.

Ausländer ohne Wohnsitz in Dänemark dürfen nur noch bei Vorliegen eines triftigen Grundes nach Dänemark einreisen. Bei allen Einreisen per Flugzeug, über Land und See gilt grundsätzlich die Pflicht zu einem COVID-19 Test (PCR-Test oder Antigentest) und einer 10-tägigen häuslichen Quarantäne (Selbstisolation).

Die dänische Regierung rät ihren Bürgern von jeglichen Reisen ins Ausland ab, darunter auch Dienstreisen. Zugleich werden nur noch Personen ins Land gelassen, die einen triftigen Grund dafür haben und einen negativen, maximal 24 Stunden alten Corona-Test vorweisen können.

Tschechische Republik

Das Auswärtige Amt stuft das Land als Hochinzidenzgebiet ein, die Zahl der Neuinfektionen überschreitet 200 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Nach mehr als sechs Monaten wurde aber der Corona-Notstand am 12.04. aufgehoben. Es entfällt das Verbot, den eigenen Wohnbezirk zu verlassen, sowie die nächtliche Ausgangssperre.

Andere Maßnahmen bleiben hingegen bestehen. So dürfen sich maximal zwei Personen in Innenräumen und im Freien treffen. Geschäfte bleiben geschlossen außer diejenigen zur Grundversorgung (Lebensmittel, Apotheken, Drogerien). Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist verboten. Kulturelle Einrichtungen (Museen, Schlösser, Theater, Kino) und Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen. Restaurants sind geschlossen und dürfen nur Essen zum Mitnehmen anbieten. Besuche in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sind bis auf Ausnahmen nicht möglich. Hotels sind für touristische Reisen geschlossen, bleiben aber für Dienstreisen geöffnet.

Risikogebiete weltweit

Am 1. Oktober hat die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung beendet. Jedes Land wird nun vom Auswärtigen Amt wieder einzeln bewertet, es gilt ein einheitliches dreistufiges System:

Reisewarnung

Die Reisewarnung richtet sich ab sofort ganz nach den Infektionszahlen. Ab 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen gilt ein Land oder eine Region als Risikogebiet. Dann wird automatisch auch eine Reisewarnung ausgesprochen.

Die Reisewarnung ist zwar kein Verbot, soll aber eine möglichst große abschreckende Wirkung haben. Das Gute für den Urlauber: Er kann eine bereits gebuchte Reise stornieren, wenn sein Ziel zum Risikogebiet erklärt wird.

Nicht gewarnt, aber abgeraten - die abgeschwächte Reisewarnung

Allerdings gibt es Länder, für die zwar keine Reisewarnung ausgesprochen wird, in die man trotzdem nicht reisen kann. Der Grund: Es gelten dort Einreisebeschränkungen oder Einschränkungen des Flugverkehrs. Für all diese Länder rät das Auswärtige Amt nach den neuen Bestimmungen von Reisen ab.

Auch die abgeschwächte Reisewarnung kann kostenlose Stornierungen ermöglichen, die Rechtslage ist hier aber nicht so eindeutig wie bei der formellen Reisewarnung. Auch das Robert-Koch-Institut in Berlin aktualisiert seine Liste der Risikogebiete ständig.

Wenige Ausnahmen

Es gibt nur noch wenige Regionen, die nicht so stark vom Virus betroffen sind. Dazu zählen einige Länder Afrikas, beispielsweise Ruanda oder Uganda, im Indischen Ozean ist Urlaub auf Mauritius möglich oder im Südpazifik auf Samoa. Aber überall gibt es für Urlauber einiges zu beachten: In der Regel müssen bei Einreise negative COVID-19 Testergebnisse vorgelegt, Quarantänefristen müssen eingehalten werden, immer muss mit Einschränkungen vor Ort gerechnet werden.

dpa/afp/reuters/RKI/Auswärtiges Amt (at/ey/ks)

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Item 40
Id 57164996
Date 2021-04-12
Title Hannover Messe erstmals nur online
Short title Hannover Messe erstmals nur online
Teaser Vor einem Jahr musste die Hannover Messe wegen Corona ausfallen. Seit heute findet sie wieder statt, allerdings als reines Digitalformat. Alle hoffen auf einen Neustart im nächsten Jahr.
Short teaser Vor einem Jahr musste die Hannover Messe wegen Corona ausfallen. Seit heute findet sie wieder statt, aber nur online.
Full text

Leitthema der Messe ist in diesem Jahr "Industrial Transformation". Aussteller und Vordenker der Industrie präsentieren ihre Technologien und Ideen für die Fabriken, Energiesysteme und Lieferketten der Zukunft. Dabei sollen besonders Beiträge für mehr Energieeffizienz - und damit weniger Belastung für das Klima - gezeigt werden.

Außerdem gibt es wirtschaftspolitische Runden, Fachvorträge und Podiumsdiskussionen.

Im vergangenen Jahr war die Messe wegen der Corona-Pandemie zunächst verschoben und dann ganz abgesagt worden - das erste Mal in der über 70-jährigen Geschichte der Veranstaltung.

Modell für die Zukunft?

Nun findet die Messe als reines Digitalformat statt. Mit Online-Präsentationen, Livestreams der Aussteller, zahlreichen Videokonferenzen und einem neuen Vernetzungs-Tool sollen auch die Grundlagen für ein "Hybridmodell" in der Zeit nach der Pandemie gelegt werden.

Mehr als 1800 Aussteller präsentieren vom 12. bis 16. April ihre Ideen für die Fabriken und Energiesysteme der Zukunft - darunter sind rund 600 aus Deutschland und rund 500 Neuaussteller. Messe-Chef Jochen Köckler sagte, er erwarte "viele Zehntausend Besucher, hoffentlich 100.000" - allerdings digital.

In Livestreams und vorproduzierten Videos werden rund 7000 Produkte und knapp 400 Forschungs- und Entwicklungsprojekte vorgestellt. Chats und Videokonferenzen sollen den persönlichen Austausch ermöglichen.

Politische Impulse kommen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) sowie dem Präsident des Gastlandes Indonesien, Joko Widodo. Für Freitag ist der Karrierekongress "Women Power" geplant.

Optimismus in der Industrie...

Die deutsche Industrie hebt ungeachtet der anhaltenden Corona-Pandemie bei wichtigen Handelspartnern ihre Exportprognose für 2021 an. Die Ausfuhren sollen um 8,5 Prozent zulegen, sagte Industriepräsident Siegfried Russwurm am Montag auf einer Pressekonferenz zum Auftakt der Messe.

Bisher war der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nur von sechs Prozent ausgegangen, nachdem die Ausfuhren im vorigen Jahr um 9,3 Prozent gefallen waren.

Nordamerika und Asien brächten die Weltwirtschaft wieder auf Trab. Das billionenschwere Konjunkturprogramm von US-Präsident Joe Biden sorge für einen zusätzlichen Schub für die Weltwirtschaft.

"Für die Industrieproduktion erwarten wir ein kräftiges Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr", sagte der BDI-Präsident. Im Vorjahr war sie um 9,8 Prozent eingebrochen. "Die Industrie ist derzeit der Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft", sagte Russwurm. "Sie trägt maßgeblich die wirtschaftliche Erholung." Die Auftragseingänge lägen bereits über Vorjahres- und sogar Vorkrisen-Niveau.

... und im Maschinenbau

Auch von den Maschinenbauern kommen positive Signale. Ihr Branchenverband VDMA hob zum zweiten Mal binnen weniger Monate seine Produktionsprognose für das laufende Jahr an.

"Wir erhöhen unsere bisherige Prognose um drei Prozentpunkte und erwarten nun für 2021 ein reales Produktionswachstum von sieben Prozent", sagte VDMA-Präsident Karl Haeusgen bei einer Online-Pressekonferenz zum Messeauftakt. Insbesondere die Aussichten für weiteres Wachstum in China und anderen asiatischen Ländern sowie den USA seien gut. Im Dezember hatte die Branche den Ausblick bereits auf vier Prozent angehoben.

Erst am Donnerstag hatte der Verband die Auftragseingänge für Februar vorgelegt. Mit einem Plus von zwölf Prozent konnten die Anlagenbauer erstmals seit Oktober 2018 wieder zweistellig wachsen - jedoch in erster Linie durch die Nachfrage jenseits des Heimatmarkts.

Mehr Roboter

Die digitale Ausgabe der Messe ist allerdings nicht als Dauerlösung vorgesehen. "Ich hoffe sehr, dass wir uns in genau einem Jahr hier in Hannover treffen", sagte Köckler. Geplant sei dann eine hybride
Messe, die ein volles Messegelände und digitale Formate vereine.

Das Statistische Bundesamt teilte zum Messeauftakt mit, dass fast jeder fünfte Industriebetrieb in Deutschland (19 Prozent) Roboter für Produktions- oder Serviceaufgaben einsetzt, ein Anstieg von drei Prozentpunkten seit der letzten Erhebung im Jahr 2018. In der Gesamtwirtschaft kommen Roboter nur in 6 Prozent der Betriebe zum Einsatz.

bea/hb (dpa, reuters, afp)

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Image caption Kameras in einem Studio der digitalen Version der Hannover Messe
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Item 41
Id 57135469
Date 2021-04-12
Title "Messewirtschaft braucht dringend Perspektiven"
Short title "Messewirtschaft braucht dringend Perspektiven"
Teaser Auch wenn am Montag die Hannover Messe startet: Die Messewirtschaft liegt am Boden und verlangt von der Politik Konzepte, damit wieder Messen mit Menschen stattfinden können. Ein DW-Gespräch mit AUMA-Chef Jörn Holtmeier.
Short teaser Ein DW-Gespräch über Sorgen und Nöte einer Branche, die zu den größten Verlierern der Corona-Pandemie zählt.
Full text

Deutsche Welle: Die deutschen Messeveranstalter haben im Corona-Jahr 2020 fast drei Viertel ihres üblichen Umsatzes eingebüßt. Wie erleben Sie die aktuelle Situation der Branche?

Jörn Holtmeier: In der aktuellen Situation warten wir wirklich sehr auf ein Signal der Politik, wann wir wieder Messen in Deutschland durchführen können. Das ist uns derzeit nicht möglich und wir scharren sozusagen mit den Hufen, um endlich wieder unseren Kunden, den ausstellenden Unternehmen und auch den Besuchern die Branchenplattformen bieten zu können, die sie seit Jahrzehnten gewohnt sind. Die aktuelle Situation ist für uns auch deshalb sehr unbefriedigend, weil wir nie wissen, was jeweils auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz entschieden wird. Deshalb erhoffen wir uns mehr Perspektiven, mehr Planungssicherheit für die Zukunft. Damit wir bei Messen, die lange Vorläufe und Vorbereitungszeit haben, rechtzeitig wieder starten können.

Blicken wir nochmal kurz zurück Welcher Schaden ist der Branche bisher entstanden?

Der Schaden ist immens. Wir hatten 2020 das katastrophalste Jahr seit Jahrzehnten. Das lässt sich ganz klar belegen. Gemeinsam mit dem Ifo-Institut erheben wir regelmäßig, wie hoch der volkswirtschaftliche Beitrag von Messen in unserem Land ist. Normalerweise beläuft sich dieser Beitrag jährlich auf rund 28 Milliarden Euro. Da zählen natürlich auch die Leistungen der Standbauer dazu, die Gastronomen, die Hoteliers, das lokale Handwerk, der Einzelhandel, also alle die, die an dem gesamten Ökosystem Messe beteiligt sind. Denn es braucht ja viele Hände, um so eine Messe erfolgreich zu gestalten.

Und von diesen 28 Milliarden Euro haben wir letztes Jahr 22 Milliarden Euro nicht erbracht. Das heißt, dass wir lediglich sechs Milliarden Euro zur Volkswirtschaft beigetragen haben. Und dazu muss man auch wissen, dass ein Großteil davon in den zwei starken Monaten Januar und Februar entstanden ist, als wir noch ohne größere Corona-Einflüsse Messen machen konnten. Wenn man das berücksichtigt, dann ist die Zahl noch wesentlich gravierender. Das waren wirklich sehr harte Einschnitte und eine katastrophale Situation für uns im letzten Jahr.

Auf Onlineplattformen konnten die Organisatoren kaum ausweichen?

Die Messeveranstalter - das wird man auch jetzt bei der Hannover Messe sehen - haben ganz viele kreative und engagierte Ideen umgesetzt in den virtuellen Raum, um ihren Branchen und dem Publikum zu ermöglichen, sich miteinander zu vernetzen, im Kontakt zu bleiben in Zeiten der Corona-Pandemie. Es gab ja auch weitreichende Reiseeinschränkungen, was physische Treffen so oder so unmöglich machten. Aber das ist natürlich kein Äquivalent zu einer richtigen, realen Messe. Gerade für viele Produktgruppen, die wirklich von Haptik, von Geruch, von Geschmack leben, wenn ich jetzt zum Beispiel an Kosmetik oder Nahrungsmittel denke.

Es ist eben nicht möglich, alles in den virtuellen Raum hinein zu verlagern. Eine große Stärke von Messen besteht eben darin, alle Sinne zu bedienen und die persönlichen Begegnungen von Menschen zu ermöglichen. Das ist im virtuellen Raum nur sehr eingeschränkt möglich. Es haben zwar Dinge im Netz stattgefunden und sicherlich werden auch diese digitalen Brücken zum Teil erhalten bleiben. Aber das, was Leute zusammenbringt, was sie gerne machen, sich nämlich auch durch Zufallsbegegnungen austauschen, über neue Projekte, neue Ideen sinnieren, Lösungen entwickeln, das ermöglicht aus meiner Sicht nur die persönliche Begegnung.

Welche Forderungen haben Sie denn in der jetzigen Situation an die Politik?

Unsere Forderungen an die Politik ist, dass endlich auch Branchen mit langer Vorlauf- und Planungszeit vernünftig berücksichtigt werden. Wir können nicht immer nur in einem Rhythmus von drei bis vier Wochen von Ministerpräsidentenkonferenz zu Ministerpräsidentenkonferenz planen. Aus unserer Sicht müssen auch eventuelle Fortschritte in die Planungen miteibezogen werden. Wie ist das mit dem Thema Testen? Was bedeuten eigentlich diese Faktoren für den weiteren Verlauf des Jahres? Wir sehen andere Länder, auch in Europa, die genau das machen. Die schätzen Entwicklungen ab, setzen bestimmte Prämissen und kommen dann zu Zeithorizonten, in denen Veranstaltungen wie Messen wieder möglich werden sollen. Und genau das wünschen wir uns von der deutschen Politik.

Ansonsten haben wir große Nachteile gegenüber anderen Branchen, die innerhalb weniger Tage wieder zurück an ihre Arbeitsstätten oder zurück ans Netz gebracht werden können. Wir hatten im letzten Jahr Anfang Mai die Entscheidung von Bund und Ländern, dass wir Messen wieder durchführen können. Und wir haben dann im September und Oktober 22 Messen gesehen, die erfolgreich und sicher durchgeführt worden sind. Daran erkennt man, dass es halt ein paar Wochen und Monate dauert, bis eine Messe organisiert und durchgeführt werden kann. Deshalb brauchen wir einen vernünftigen politischen Rahmen, das muss die Politik aus unserer Sicht auch leisten können.

Wie gut wären Sie denn auf einen Neustart von Veranstaltungen mit Gästen und Publikum vorbereitet?

Wir sind darauf sehr gut vorbereitet. Wie gesagt, wir hatten im letzten Jahr schon 22 Messen mit über 180.000 Besuchern unter Corona-Bedingungen. Die Hygienekonzepte an den deutschen Messestandorten liegen ja vor. Die sind auch behördlich abgestimmt und genehmigt und können natürlich der aktuellen Situation angepasst werden. Von der Vorbereitung zu einer sicheren Messedurchführung stehen wir in den Startlöchern. Das können wir leisten. Das können wir auch kurzfristig hinbekommen und auch jedem ein sicheres Messeerlebnis gewährleisten. Allerdings, wie gesagt, das Ökosystem Messe umfasst eine ganze Reihe an Akteuren, deren Bedürfnisse aufeinander abgestimmt und organisiert werden müssen. Und das macht die langen Vorlaufzeiten aus, die berücksichtigt werden müssen.

Was würde es denn für die Branche, für Zulieferer, für Messebauer, für Hotels, für die Gastronomie und Taxiunternehmen bedeuten, wenn es nicht bald wieder losgehen würde mit den Messen?

Dann ist der wirtschaftliche Schaden immens. Wir sind jetzt schon bei über 180 Messeabsagen für dieses Jahr von ursprünglich 380 geplanten Messen. Und damit geht natürlich ein wirtschaftlicher Schaden einher. Hotels können ihre Zimmer nicht vermieten, Messebauer können ihre Stände nicht bauen und auch die Taxifahrer können keine Gäste befördern. Im Ökosystem Messe arbeiten mehr als 230.000 Menschen in unserem Land und viele davon leben jetzt schon über ein Jahr in Kurzarbeit. Zu den wichtigen Aufgaben der Politik gehört auch, diesen Menschen, diesen Kolleginnen und Kollegen in der Messewirtschaft eine Perspektive zu geben. Weil ansonsten sich natürlich jeder fragt, ob er sich eventuell persönlich umorientiert, was uns dann auch beim Neustart natürlich schadet, wenn die Fachkräfte, die wir dringend benötigen, dann vielleicht nicht mehr in der Anzahl vorhanden sind, die gebraucht wird.

Sie haben Ihr Amt als Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Messe Wirtschaft ja erst im Januar 2020 übernommen. Ihr Vorgänger ist in den Ruhestand gegangen. Haben Sie zu Beginn der Corona-Pandemie erwartet, dass es so lange dauert, bis das Krisenmanagement der Politik Wirkungen zeigt?

Jemand hat mal den schönen Satz geprägt, Pandemie-Bekämpfung hätte er nicht in der Schule gehabt. Von daher habe ich wirklich Respekt vor allen Akteuren, die gerade versuchen, uns als Land durch diese Pandemie zu steuern. In der Tat habe ich nicht erwartet, dass wir auch im Frühjahr 2021 noch nicht so weit sind und mit der Situation vernünftig umgehen können. Die Enttäuschung liegt auch darin, dass wir bei vielen Dingen immer wieder anscheinend gleiche oder ähnlich gelagerte Diskussionen führen. Wir hätten uns da viele Dinge auch im Bereich der Kontakt-Nachverfolgung und Ähnlichem vorgestellt, die schlüssiger gewesen wären, die digitaler gewesen wären, die auch die Politik in eine bessere Entscheidungsgrundlage versetzt hätten. Und nein, das habe ich mir im Frühjahr 2020 nicht vorstellen können, dass uns das über ein Jahr beschäftigen wird.

Werden wir in diesem Jahr nach Ihrer Prognose noch große Messen oder sogar sogenannte Leitmessen sehen, wie sie normalerweise ja üblich sind hier in Deutschland?

Für das erste Halbjahr 2021 sehe ich das wirklich kritisch. Wir haben bereits eine ganze Reihe an Messeabsagen. Im gesamten ersten Quartal haben keine Messen stattgefunden. Die meisten Messen sind auch für das zweite Quartal abgesagt, verschoben oder in ein virtuelles Format verlagert worden. Chancen für den Neustart sehe Ich auf jeden Fall nach dem Sommer für das dritte und vierte Quartal. Und ich denke, das muss auch unser aller Ziel sein. Also nicht nur das Ziel der Akteure der Messewirtschaft, sondern auch das Ziel der Politik, das zu ermöglichen. Wir haben die nötigen Hygienekonzepten, das haben wir unter Beweis gestellt.

Unterschätzt werden darf bei der ganzen Diskussion nicht, dass die deutsche Messewirtschaft auch deshalb so stark ist, weil wir zwei Drittel aller weltweiten Leitmessen veranstalten und ein sehr breites Messeprogramm haben. Davon profitieren natürlich auch viele deutsche Unternehmen, gerade kleine und mittlere Betriebe mit ihren Exportmöglichkeiten. Dadurch, dass diese Messe-Plattformen für die jeweiligen Branchen hier in Deutschland sind, kommt sozusagen auch die Welt nach Deutschland. Das müssen wir wieder ganz schnell ermöglichen. In anderen Regionen der Welt finden schließlich schon wieder Messen statt. Um uns herum wird sozusagen nicht geschlafen. Deshalb müssen wir dringend auch in Deutschland Lösungen finden, damit ab Herbst auch hierzulande wieder Messen veranstaltet werden können.

Das Gespräch führte Klaus Ulrich.

Jörn Holtmeier ist seit 1. Januar 2020 Geschäftsführer des AUMA - Verband der deutschen Messewirtschaft. Dem AUMA gehören 73 Mitglieder an, darunter 38 Verbände der ausstellenden und besuchenden Wirtschaft sowie von Serviceunternehmen und 35 Messeveranstalter.

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Image caption Verband: Messebranche hat drei Viertel ihres Umsatzes eingebüßt
Image source Christophe Gateau/dpa/picture alliance

Item 42
Id 57118251
Date 2021-04-12
Title Ex-ESA-Chef: "Europäer Ende des Jahrzehnts auf dem Mond"
Short title "Europäer Ende des Jahrzehnts auf dem Mond"
Teaser Welche Zukunft hat die bemannte Raumfahrt 60 Jahre nach dem Erstflug von Juri Gagarin? Der frühere ESA-Chef Johann-Dietrich Wörner spricht im DW-Interview über Möglichkeiten und Risiken von Reisen zum Mond und zum Mars.
Short teaser 60 Jahre nach Gagarins Flug ins All: Ex-ESA-Chef Johann-Dietrich Wörner über Möglichkeiten und Risiken von Raumreisen.
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Image caption Computersimulation einer künftigen Mondstation
Image source ESA/Foster + Partners

Item 43
Id 57163515
Date 2021-04-11
Title BAFTAs 2021: "Nomadland" großer Sieger
Short title BAFTAs 2021: "Nomadland" großer Sieger
Teaser Trotz Pandemie fanden die Britischen Film-Awards auch 2021 wieder statt. Bei den Auszeichnungen gab es viele Überraschungen und einige bewegende Momente.
Short teaser Trotz Pandemie lautete das Motto bei den BAFTAs "The Show Must Go On". Bei den Auszeichnungen gabs viele Überraschungen.
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Wegen der COVID-19-Pandemie gab es ohne Zweifel zahlreiche Neuerungen in den letzten 12 Monaten in der Unterhaltungs- und Eventsbranche: Die Preisverleihung der British Academy Film Awards (BAFTA) 2021 war da keine Ausnahme. Während die Veranstaltung zwar wie gehabt in der Royal Albert Hall in London statt fand und live in alle Welt übertragen wurde, fand sich das Moderatorenteam Dermot O'Leary und Edith Bowman in einem leeren Raum ohne Publikum wieder. Die beiden mussten dabei immer wieder darauf achten, dass sie ihre vorgeschriebene Distanz wahrten, und Lachen gab es leider nur aus der Konserve. Das sorgte zuweilen für eher peinliche und unangenehme Momente.

Nur ein sehr kleines Aufgebot von Prominenten war vor Ort mit dabei, und dann vor allem nur, um die diversen Gewinner des Abends zu verkünden. Sogar die größten Namen im Filmgeschäft mussten ihre Preise aus der Ferne und ganz ohne den üblichen roten Teppich-Glamour entgegennehmen. Das allgemeine Gefühl der Leere im Raum wurde unterdessen untermalt von vier Lichtsäulen, die das Wort "Film" quer über die Bühne buchstabierten.

BAFTA-Chefin Amanda Berry zeigte von Anfang an, dass die diesjährige Zeremonie ganz anders sein musste: Indem sie schon bei ihrer Ankunft bei der Royal Albert Hall ein Visier über ihr Gesicht zog, signalisierte sie, dass sich niemand dieses Jahr besonders hübsch für die Paparazzi machen muss.

Neuanfänge für die Filmbranche

Dass die BAFTA-Zeremonie überhaupt stattfand, war schon mal ein großer Gewinn vor allem für die britische Filmwirtschaft, die im vergangenen Jahr immens gelitten hat. O'Leary meinte sogar, dass es unglaublich sei, dass die Filmindustrie trotz Corona-Einschränkungen weiterhin überleben konnte - dank Streaming-Plattformen. Das Ganze sei ein Wunder "so ganz ein bisschen wie die Rettung des Schiffs im Suezkanal".

Diesmal waren vor allem viele Newcomer nominiert. Ein besonderes Augenmerk lag ganz offensichtlich auch auf dem Thema Diversity, nachdem die weltweite Filmindustrie sich in den vergangenen Jahren mehrfach Vorwürfen des Rassismus stellen musste. Zum ersten Mal fand die Veranstaltung dieses Jahr über zwei Tage statt — wobei die Gewinner der eher technischen Kategorien bereits am Samstag bekannt gegeben wurden. Zu Beginn der Zeremonie würdigten die Moderatoren auch den verstorbenen Prinz Philip - der Herzog von Edinburgh war mehrere Jahre lang Präsident und Schirmherr der Akademie.

Vielfalt, Diversity und Minderheiten im Mittelpunkt

Der Film Nomadland von Chloe Zhao war eindeutig der große Gewinner des Jahres 2021. Er gewann nicht nur die BAFTAs für die beste Regie sowie für die Kamera, sondern nahm auch die Auszeichnung für den besten Film mit nach Hause. Frances McDormand erhielt zudem auch den Preis für die beste Hauptdarstellerin. Nomadland folgt einer Frau, gespielt von McDormand, die all ihr Hab und Gut verliert und ein neues Leben wagt, indem sie in einem Kastenwagen lebt und mit wenig Geld durch die USA reist.

Für manche war der Erfolg von Nomadland allerdings eine Überraschung, denn am ersten Tag der zweitägigen Zeremonie hatte sich Ma Rainey's Black Bottom zum Spitzenreiter entwickelt. Der Film gewann in den Kategorien für bestes Kostümdesign sowie Make-up und Haare. Ma Rainey's Black Bottom schildert die Biografie der Bluessängerin Gertrude "Ma" Rainey auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in den 1920er Jahren. Der Film hatte bereits eine Woche zuvor bei den Stage Actors' Guild Awards in Los Angeles mehrere Preise abgesahnt..

Der Hauptdarsteller des Films, der im vergangenen Jahr verstorbene Schauspieler Chadwick Boseman, war ebenfalls in der Kategorie für den besten Hauptdarsteller nominiert. Der Preis ging jedoch an Sir Anthony Hopkins für seine schauspielerische Leistung in The Father, wo er einen älteren Herren porträtiert, der jegliche Hilfe von Seiten seiner Tochter verweigert, während er altert und Anzeichen von Demenz entwickelt. Der sensible Film gewann auch den Preis für das beste Drehbuch, das auf einer Adaption beruht.

Die britisch-amerikanische Produktion Promising Young Woman gewann nicht nur die Auszeichnung für herausragenden britischen Film, sondern auch für das beste Original-Drehbuch. Der Film erzählt die Geschichte einer Frau, die den Tod ihrer besten Freundin rächen will. Mit diesen beiden Preisen, die an die britische Filmemacherin Emerald Fennell gingen, würdigten die BAFTAs vor allem die Bedeutung von Frauen in der Filmindustrie - und nicht nur wie sonst derer im Rampenlicht.

Der sogenannte "Rising Star"-Award ging unterdessen an Bukky Bakray, die ihr Debüt in dem Film Rocks feierte. In ihrer Dankesrede würdigte die 19-Jährige die unzähligen Menschen, die im letzten Jahr an den Folgen von COVID-19 verstarben. Rocks hatte schon am ersten Tag der Zeremonie auch den BAFTA für das beste Casting gewonnen, wobei die meisten Schauspieler und Schauspielerinnen in Rocks — wie auch Bucky Bakray selber — direkt auf den Straßen Londons gecastet wurden.

Herzschmerz und mehr

Der BAFTA für den besten nicht-englischsprachigen Film ging an Der Rausch - ein dänisch-schwedischer Film über Alkoholkonsum, der auf Filmfestivals in aller Welt bereits große Beliebtheit genoss. In dem Film versucht eine Gruppe von Männern mittleren Alters ihrer Midlife-Crisis zu entgehen, indem sie über den Tag verteilt kleine Mengen Alkohol konsumieren. Ohne sich irgendwelcher Klischees zu bedienen, wird aus der Komödie ein bewegendes Trauerspiel.

Aber auch in einer anderen Kategorie konnte ein ausländischer Film punkten: Die koreanische Schauspielerin Yuh-Jung Youn gewann den BAFTA für die beste Nebendarstellerin in Minari. Obwohl der Film eine US-Produktion ist, bietet er einen seltenen Einblick in die koreanische Diaspora auf der ganzen Welt. Der Film bleibt authentisch und gleichzeitig für Menschen jeglicher Herkunft zugänglich, und war gleich in mehreren Kategorien nominiert.

Der Film My Octopus Teacher gewann unterdessen den Preis für den besten Dokumentarfilm. Die Doku schildert der Beziehung zwischen einem Taucher, der sich mit einem Oktopus anfreundet. Das Produktionsteam bedankte sich vor allem bei "diesem besonderen kleinen Oktopus", der den Film überhaupt erst möglich gemacht habe.

Die digitale Zukunft

Nächstes Jahr, wenn hoffentlich die Mehrheit der Menschen ihre COVID-19-Impfungen hinter sich haben, müssen die BAFTAs vielleicht sogar noch mehr Einfallsreichtum unter Beweis stellen, da die BAFTA Akademie dann ihren 75. Geburtstag feiert. So ein Geburtstag bleibt in der britischen Hauptstadt nicht unbemerkt, wo solche Anlässe sonst gerne mit viel Prunk über die Bühne gehen.

Doch jetzt richten sich alle Augen auf die Oscars, die am 25. April stattfinden - allerdings leider auch nur virtuell.

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Image caption Die begehrten BAFTAs
Image source Scott Garfitt/BAFTA/REUTERS

Item 44
Id 57148630
Date 2021-04-11
Title Schwere Zeiten für Afrikas Luftfahrt
Short title Schwere Zeiten für Afrikas Luftfahrt
Teaser Von der Boom-Branche zum Sorgenkind der Wirtschaft: Afrikas Airlines leiden weiter unter der Corona-Krise. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer.
Short teaser Afrikanische Airlines leiden weiter unter der Corona-Krise. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer.
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Immaculate Maina ist Vielfliegerin - oder zumindest war sie das, vor Corona. Aus beruflichen Gründen war die Kenianerin viel unterwegs, von einem Termin zum nächsten, am liebsten mit dem Flugzeug. "Ich vermisse es, immer dort zu sein, wo ich sein will und so zu arbeiten, wie ich das möchte", sagt Maina im DW-Interview. Früher habe sie immer gerne in den VIP-Lounges an den Flughäfen gearbeitet - heute stünden die Leute dort für Corona-Tests Schlange. "Das Vielflieger-Programm gibt es eigentlich nicht mehr", so Maina.

Die afrikanische Luftfahrt steckt seit Beginn der Corona-Pandemie in einer schweren Krise. Firmen haben Geschäftsreisen auf ein absolutes Minimum reduziert, die sonst zuverlässigen Touristenströme aus Asien, Europa und Nordamerika bleiben weitgehend aus. Im Februar musste mit Air Namibia eine der geschichtsträchtigsten Airlines des Kontinents den Flugbetrieb einstellen und Insolvenz anmelden, auch die Flieger der bereits vor der Krise strauchelnden South African Airways stehen seit über einem Jahr am Boden.

Passagierzahlen um mehr als die Hälfte eingebrochen

Inzwischen lässt sich die Krise auch in Zahlen ausdrücken: Rund 54 Millionen Passagiere sind im Corona-Jahr 2020 mit dem Flugzeug von, nach und innerhalb von Afrika geflogen - 2019 waren es noch mehr als doppelt so viele. Der Umsatz der Airlines auf dem Kontinent brach laut Zahlen des Verbands afrikanischer Fluggesellschaften (AFRAA) um rund 8,6 Milliarden Euro ein. Ein harter Schlag für eine Branche, die vor der Krise von einem Rekord zum nächsten jagte. Und ein Ende der Misere ist nicht abzusehen.

"Wir wissen, dass 2021 ebenfalls ein sehr schwieriges Jahr sein wird", sagt Abderahmane Berthé, Generalsekretär der AFRAA, im DW-Interview. Er verweist auf die neuen Virusvarianten und die langsame Impfgeschwindigkeit auf dem Kontinent. "Viele Airlines stehen kurz vor der Insolvenz, andere werden bereits abgewickelt und leider kommt die Unterstützung, die wir bei Regierungen und anderen Geldgebern angefragt haben, nur sehr langsam."

Die Fortschritte, die die Luftfahrtbranche im vergangenen Jahrzehnt bei der Vernetzung des Kontinents erreicht habe, stünden auf dem Spiel. Denn der weltweite Einbruch im interkontinentalen Flugverkehr wirke sich auch auf die innerafrikanischen Verbindungen aus - mit gravierenden Folgen: "Es kann sein, dass Passagiere über Knotenpunkte außerhalb des Kontinents fliegen müssen, wenn sie von einem afrikanischen Land in ein anderes afrikanisches Land wollen", so Berthé. Sein Verband bemühe sich, für Kooperationen zwischen den Airlines zu sorgen, um die entstandenen Lücken zu füllen.

Hoffnungsträger Fracht

Einige Akteure sehen die aktuelle Krise jedoch auch als Chance. Nach dem Aus für Air Namibia im Februar ergriff Afrikas Branchenprimus Ethiopian Airlines die Gelegenheit und baute sein Angebot für Flüge nach Windhoek aus. Auch die kleine südafrikanische Fluggesellschaft Airlink reagierte schnell und bietet seit einigen Wochen Flüge auf ehemaligen Air Namibia-Routen an. Mit dem Billiganbieter LIFT ging bereits im Dezember in Johannesburg sogar eine neu gegründete Airline an den Start - mitten in Südafrikas zweiter Corona-Welle.

"Das zeigt, dass es trotz der Pandemie und ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft immer noch Zuversicht bei einigen Investoren gibt", sagt Phuthego Mojapele, unabhängiger Luftfahrtexperte und Berater aus Südafrika. Trotzdem stehe die Branche insgesamt vor großen Herausforderungen: "Es gibt wenig, was die Airlines tun können, alle werden in nächster Zeit drastische Veränderungen vornehmen müssen", so Mojapele im DW-Interview.

Eine dieser Veränderungen zeichnet sich laut Allan Kilavuka, CEO von Kenya Airways, bereits jetzt ab: "Wir werden unser Geschäft diversifizieren müssen und das Thema Fracht steht ganz oben auf der Liste." Seine Fluggesellschaft hat 2020 einen Einbruch der Passagierzahlen um 60 Prozent hinnehmen müssen, ein Rekordverlust von rund 277 Millionen Euro war die Folge. Im DW-Interview zeigt sich Kilavuka dennoch optimistisch: "Wir wollen wachsen und gleichzeitig unsere Kosten reduzieren."

Digitaler COVID-19-Reisepass als Chance?

Dass die Frachtfliegerei in Corona-Zeiten tatsächlich eine Alternative sein kann, hat Ethiopian Airlines vorgemacht. Die mit Abstand größte Fluggesellschaft des Kontinents hat früh auf die gestiegene Nachfrage im Warenverkehr gesetzt und schon im März 2020 25 Passagiermaschinen umrüsten lassen. Laut eigenen Angaben hat Ethiopian Airlines seither mehr als 5500 Frachtflüge mit den umgerüsteten Flugzeugen durchgeführt. Zu den Kunden gehören demnach unter anderem die WHO, Hilfsorganisationen und UNICEF, die das Angebot zur Verteilung von Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Schutzausrüstung und Impfstoffen nutzen.

Wie lange es noch dauern wird, bis die Passagierluftfahrt in Afrika wieder das Vorkrisenniveau erreicht, ist laut AFRAA-Generalsekretär Berthé ungewiss. Alles hänge vom Impftempo ab, das stark zu wünschen übrig lasse. Erst kürzlich hatte die afrikanische Seuchenschutzbehörde Africa CDC erklärt, dass es bis Ende 2022 dauern könnte, mindestens 60 Prozent der Bewohner des Kontinents zu impfen. Mit einer Erholung des Flugverkehrs vor diesem Zeitpunkt rechnet Berthé deshalb nicht.

Immerhin: Dank eines von der Afrikanischen Union (AU) entwickelten digitalen COVID-19-Reisepasses sollen zumindest die langen Schlangen an Afrikas Flughäfen der Vergangenheit angehören. Statt langwierige Kontrollen von Test- und Impfzertifikaten über sich ergehen zu lassen, können Passagiere mithilfe der App My COVID Pass - die einige Fluggesellschaften bereits in ihre eigenen Reise-Apps integriert haben - nun digital nachweisen, dass sie die Einreisebestimmungen ihres Reiseziels erfüllen.

Mitarbeit: Andrew Wasike

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Item 45
Id 38369636
Date 2021-04-10
Title Parkinson: Kommt die Diagnose, ist es schon zu spät
Short title Das schlimme Zittern
Teaser Muhammad Ali litt unter Parkinson, genauso wie der ehemalige US-Präsident Theodor Roosevelt oder der Künstler Salvador Dali. Es ist eine schleichende Krankheit mit meist eindeutigen Symptomen. Eine Heilung gibt es nicht.
Short teaser Parkinson ist eine schleichende Krankheit mit meist eindeutigen Symptomen. Eine Heilung gibt es noch immer nicht.
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Item 46
Id 57146482
Date 2021-04-10
Title Größte antike Stadt "Lost Golden City" entdeckt
Short title "Lost Golden City" in Ägypten entdeckt
Teaser Die vermutlich größte antike Stadt, die jemals in Ägypten freigelegt wurde, gilt als die größte archäologische Entdeckung des Landes seit dem Fund des Grabes von Tutanchamun vor fast einem Jahrhundert.
Short teaser Die vermutlich größte antike Stadt, die jemals in Ägypten freigelegt wurde, gilt als Sensation.
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Archäologen haben die Überreste einer jahrtausendealten antiken Stadt ausgegraben, die sie als die größte jemals in Ägypten gefundene Stätte dieser Art beschreiben. Der renommierte Ägyptologe Zahi Hawass verkündete stolz die Entdeckung der "verlorenen goldenen Stadt" bei Luxor, in der Nähe des legendären Tals der Könige.

In einer am Donnerstag veröffentlichten schriftlichen Erklärung schildert das Ausgrabungsteam, dass die Stadt "unter dem Sand verborgen war, aus der Regierungszeit von Amenophis III. stammt und später noch von Tutanchamun und Ay weiter genutzt wurde."

Größte Entdeckung seit Tutanchamuns Grab

Betsy Bryan, Professorin für ägyptische Kunst und Archäologie an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, bezeichnete den Fund als die "zweitwichtigste archäologische Entdeckung seit dem Grab des Tutanchamun" vor fast einem Jahrhundert.

Die Ausgrabungen begannen im September 2020 zwischen den Tempeln von Ramses III. und Amenophis III. in der Nähe der Stadt Luxor, etwa 500 Kilometer südlich von Kairo. Innerhalb weniger Wochen entdeckte das Team Lehmziegel, die sich in alle Richtungen erstreckten.

Nach siebenmonatigen Ausgrabungen wurden mehrere Stadtteile freigelegt, darunter eine Bäckerei mit Backöfen und Vorratsgefäßen sowie Verwaltungs- und Wohnviertel. Es wurden Schmuckstücke entdeckt, ebenso farbige Keramikgefäße, Skarabäus-Amulette und Lehmziegel mit dem Siegel von Amenophis III.

Goldenes Zeitalter der Pharaonen

Amenophis III. herrschte vier Jahrzehnte lang über ein Reich, das sich vom Euphrat im heutigen Irak und Syrien bis zum Sudan erstreckte. In seine Regierungszeit fiel der Bau opulenter Monumente, darunter die Kolosse von Memnon - zwei massive Steinstatuen in der Nähe von Luxor, die ihn und seine Frau darstellen. Der altägyptische Pharao starb um 1354 v. Chr.

Die neu entdeckte Stadt gebe "einen seltenen Einblick in das Leben der alten Ägypter zu einer Zeit, als das Reich am reichsten war", meint Archäologin Bryan.

Ägyptische Archäologie liegt im Trend

Überreste von altägyptischen Königen und vier Königinnen wurden erst letzte Woche quer durch Kairo vom Ägyptischen Museum zum neuen Nationalmuseum der Ägyptischen Zivilisation transportiert. Die opulente Prozession wurde dabei als "Goldene Parade der Pharaonen" bezeichnet.

Auch die Mumie des Amenophis III. und seiner Frau, Königin Tiye, zogen in der Parade in das neue Museum um - ein Mega-Event, das per Livestream in alle Welt übertragen wurde.

(dpa, AFP)

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Item 47
Id 57142754
Date 2021-04-10
Title Archäologen präsentieren "Verlorene Goldene Stadt"
Teaser Ausgrabungen nahe Luxor haben einen Sensationsfund zutage gebracht: die Überreste einer mehr als 3000 Jahre alten Stadt.
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Item 48
Id 57121668
Date 2021-04-10
Title In drei Stunden an jeden Punkt der Erde
Short title In drei Stunden an jeden Punkt der Erde
Teaser Seit dem Ende der Concorde gab es kein Überschallflugzeug für Passagiere mehr. Jetzt ist ein neues Testflugzeug fertig, sogar vierfaches Schalltempo und New York-London in zwei Stunden sind möglich. Braucht man das?
Short teaser Seit dem Ende der Concorde gab es kein Überschallflugzeug mehr. Jetzt ist ein neues Testflugzeug fertig.
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Es ist mit 21 Meter Länge ein eher kleines Flugzeug, aber es bedeutet einen großen Schritt in der Luftfahrtgeschichte. Zum ersten Mal überhaupt existiert jetzt ein privat gebautes Überschallflugzeug. Alles was es bisher gab - die europäische Concorde (aktiv bis 2003), die sowjetische Tupolew Tu-144 (bis 1999) und natürlich viele überschallschnelle Militärjets - wurde von Regierungen mit Milliarden aus Steuergeldern bezahlt und im Staatsauftrag gebaut.

Das ist jetzt anders: Das Startup Boom Supersonic aus Denver stellte im Oktober 2020 den ersten Überschalljet aus rein privater Produktion vor - die einsitzige XB-1, genannt Baby Boom. Noch in diesem Jahr soll das dreistrahlige Unikat über der kalifornischen Mojave-Wüste ein umfangreiches Testprogramm mit zunächst Mach 1,3 (ca. 1600 km/h) beginnen.

Heathrow-JFK: Drei Stunden

Ziel ist es, das aerodynamische Konzept zu validieren und dann das Gleiche in groß zu bauen - einen Überschall-Jet für bis zu 75 Passagiere, die Overture. Sie soll als etwas kleinerer Nachfolger der Concorde (die damals 100 Sitze hatte) in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts mit zahlenden Passagieren abheben und sie mit Mach 2,2 (rund 2700 km/h) noch schneller befördern: etwa in dreieinhalb Stunden von London nach New York.

Und das umweltverträglich, behauptet der Hersteller, ausschließlich mit nachhaltig und CO2-neutral erzeugtem Treibstoff und dank innovativer Aerodynamik und geringerer Masse mit stark abgemildertem Überschallknall sogar über Land. Das ist bisher verboten, aber an der Aufhebung für künftig lärmärmere Überschallflugzeuge wird in den USA derzeit parallel von der NASA und der Luftfahrtbehörde FAA gearbeitet.

Fliegen schneller als der Schall erlebt zu Beginn der 2020er Jahre einen Schub, den es seit Jahrzehnten nicht gab. Bevor die Boom Overture allerdings wirklich an den Start gehen könnte sind noch einige große Herausforderungen zu bewältigen - etwa geeignete Triebwerke zu entwickeln.

"Seriöser Anbieter"

Wahrscheinlicher ist, dass zuerst kleinere Überschallflugzeuge abheben werden, Geschäftsreisejets für acht bis 15 Passagiere. Seit 2002 tüftelt die Firma Aerion Supersonic daran. Bisher hat sie kein Flugzeug in die Luft gebracht, aber zuletzt sehr konkrete Angaben gemacht wie ihre dreistrahlige AS2 aussehen wird, die vermutlich 2024 erstmals abheben und ab 2026 für erste Betreiber fliegen soll, die bereits bestellt haben. Mit maximal Mach 1,4 wäre sie langsamer als die Concorde.

Experten halten das Unternehmen für seriös: "Aerion hat sich und seine Modelle stets weiterentwickelt und baut jetzt sogar eine Fertigungslinie in Florida. Aerion ist so clever, auch einen militärischen Markt bedienen zu wollen", sagt Bernd Liebhardt, der sich als Wissenschaftler und Ingenieur beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg mit zivilen Überschallprojekten beschäftigt. "Mit diesen verschiedenen Anwendungen einer einzigen Flugzeug-Plattform passt Aerion genau in das nur sehr kleine Marktfenster, das wir sehen."

Immerhin hat Aerion schon ein Triebwerk - General Electric (GE) entwickelt den Affinity genannten Turbofan, den ersten neuen Antrieb für Überschallflüge seit mehr als fünf Jahrzehnten. Im Vergleich zum Olympus-Triebwerk der Concorde braucht das Affinity keine lauten und spritfressenden Nachbrenner, weder beim Start, der Beschleunigung auf Überschalltempo oder im Reiseflug. Aerion macht keinen Hehl daraus, dass die AS2 nur der Anfang sein soll.

"Wir haben einen Technologie-Fahrplan für die nächsten 50 Jahre, der erste Schritt in eine schnellere Zukunft des Reisens beginnt erst mit der AS2", sagte Aerions damaliger Strategie- und Finanzchef Mike Mancini im Jahr 2019. Der nächste Schritt könnte ein Verkehrsflugzeug sein. "Wir wollen das mit Bedacht und umweltbewusst machen, um alle Probleme zu vermeiden, die damals das Potenzial der Concorde begrenzt haben", so Mancini. "Es wäre angemessen, die erste Generation neuer Überschall-Airliner in den 2030er Jahren zu erwarten."

Auch zwei Stunden möglich zwischen New York und London

Aerion unterstreicht ihren Anspruch durch den Bau ihres neuen 300 Millionen US-Dollar teuren Hauptsitzes inklusive Fertigungshallen in Melbourne an Floridas Space Coast, wo bereits 2023 die Arbeiten an den ersten Prototypen der AS2 beginnen sollen. "Die Concorde war ein kühnes und nobles Experiment, eine brillante Maschine und ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Luftfahrt, aber sie wies zu hohe Emissionen auf, war zu laut für die Flughafenanwohner und zu teuer zu betreiben. Was wir mit der AS2 machen ist etwas ganz anderes, von den Spezifikationen und dem Geschäftsmodell her", versichert Aerion-CEO Tom Vice.

Kurz vor Ostern sorgte Aerion für einen Paukenschlag: Bereits für Ende dieses Jahrzehnts, so verkündete das Unternehmen, plane man einen Quantensprung der schnellen Beförderung per Flugzeug - die AS3. Bis zu 50 Passagiere sollen damit maximal 13.000 Kilometer weit fliegen können, mit Mach 4 (rund 5000 km/h) oder sogar noch schneller. Damit würde erstmals ein Verkehrsflugzeug den niedrigen hypersonischen Bereich erreichen, der bei Mach 5 beginnt.

Das schnellste bisherige Flugzeug mit luftatmenden Triebwerken, der militärische Aufklärer Lockheed SR-71 Blackbird, erreichte Mach 3,3 (rund 4000 km/h), New York-London schaffte sie mit Luftbetankung auf einem Rekordflug unter zwei Stunden. Aerion hatte sich mit dem NASA-Forschungszentrum in Langley zusammengetan, um künftigen Passagierverkehr im Bereich zwischen Mach 3 und Mach 5 zu erforschen. Es gäbe da einen interessanten Bereich bei Mach 4.5, so der Aerion-Chef, der den Flug von den USA nach Japan in zwei Stunden oder weniger ermögliche, aber dabei bestimmte Herausforderungen bei Material und Kühlung umgehe.

Zu viel Euphorie?

Noch sind die Details zur AS3 sehr vage, offenbar weist der Entwurf gepfeilte Delta-Flügel, ein doppeltes Leitwerk und vier Triebwerke in Paaren unter den Tragflächen auf. Aerion verspricht bis zum Jahresende mehr Einblicke. Aerions erklärtes Ziel ist es, jeden Punkt der Erde innerhalb von nur drei Stunden verbinden zu können. "Dafür ist Überschall der Startpunkt. Aber um die globale Mobilität wirklich zu revolutionieren, müssen wir die Grenzen dessen, was möglich ist verschieben," sagt Firmenchef Tom Vice.

Wissenschaftler Bernd Liebhardt vom DLR ist da wesentlich zurückhaltender. "Für mich liegt Hyperschall mehrere Jahrzehnte in der Zukunft. Überschall ist schon ein sehr schwieriges Unterfangen, und Hyperschall geht nochmal einen großen Schritt darüber hinaus," sagt Liebhardt. "Man sollte erst mal Überschall zum Funktionieren bringen."

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Image source Aerion

Item 49
Id 57122037
Date 2021-04-10
Title Umfrage: Welches Souvenir ist typisch für Ihr Land?
Short title Umfrage: Welches Souvenir ist typisch für Ihr Land?
Teaser Wer auf Reisen geht, bringt sich zur Erinnerung häufig ein Andenken mit. Die Schwarzwälder Kuckucksuhr ist ein Kassenhit und ein beliebtes Mitbringsel aus Deutschland. Welches Souvenir ist typisch für Ihr Land?
Short teaser Wer auf Reisen geht, bringt sich zur Erinnerung häufig ein Andenken mit. Welches Souvenir ist typisch für Ihr Land?
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Der Schwarzwald im Südwesten Deutschlands zählt zu den Hochburgen der europäischen Uhrenmacher. Die Region ist weltberühmt für die Kuckucksuhr –Verkaufsschlager und Touristenattraktion zugleich. Rund neun Millionen Menschen besuchen jährlich das Urlaubsgebiet.

Besonders beliebt ist ein Ausflug nach Triberg. In der kleinen Stadt werden nicht nur die originalen Schwarzwälder Kuckucksuhren hergestellt. Hier steht auch das größte Exemplar der Welt. Die Uhr besteht aus einem kompletten Haus und ist begehbar. Zwei Uhrmacher haben fünf Jahre lang daran getüftelt. 4,50 Meter mal 4,50 Meter misst allein das Uhrwerk. 1994 wurde die Uhr der Superlative fertiggestellt. Eine technische Meisterleistung – und Weltrekord!

Jetzt möchten wir von Ihnen wissen: Welches Souvenir ist typisch für Ihr Land? Unter allen Teilnehmern verschenken wir ein Exemplar des neuen Euromaxx-Buchs „111 extreme Orte in Europa, die man gesehen haben muss".

Ein beliebtes Souvenir in meinem Land ist: (eigene Angabe)

Einsendeschluss ist der 16. April 2021, 12 Uhr UTC. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

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Item 50
Id 57128277
Date 2021-04-10
Title Dirigent Vitali Alekseenok über die Proteste in Belarus
Short title Vitali Alekseenok: Ein Reisebericht mit Kriegssplittern
Teaser Der Münchener Dirigent Vitali Alekseenok unterstützt die Proteste in Belarus. Sein aktuelles Buch über die Demokratiebewegung in seiner Heimat findet das Lob der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch.
Short teaser Der junge Münchener Stardirigent aus Belarus kehrte in seine Heimat zurück, um die dortigen Proteste zu unterstützen.
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Herbst 2020: Der erst 29-jährige Dirigent Vitali Alekseenok und die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch sitzen an einem Tisch in Alexijewitschs Berliner Wohnung. Sie sprechen über Literatur und das gemeinsame Heimatland. Belarus gilt als die letzte Diktatur Europas, dort herrscht seit 1994 der Autokrat Alexander Lukaschenko. Erst im August hat er seine Macht mithilfe mutmaßlich gefälschter Wahlen ausgebaut. Doch diesmal lief es anders als gewohnt: Hunderttausende gingen auf die Straße, um friedlich zu protestieren. Das Regime schlug die Proteste brutal nieder. Die Europäische Union erkannte die Wahl nicht an und verhängte Sanktionen gegen das belarussische Regime.

Tage, die sein Leben veränderten

Als Alexijewitsch Minsk im September 2020 verließ, war sie eine der letzten Vertreterinnen aus der Oppositionsführung, die in Belarus noch nicht verhaftet war. Vitali Alekseenok ist in oppositionellen Kreisen nicht so bekannt. Im Sommer hatte der musikalische Leiter des Abaco-Orchesters der Universität München in Deutschland Proteste gegen Lukaschenko organisiert, im August fuhr er in seine Heimat. Die 1,5 Monate, die Alekseenok in Belarus verbrachte, sollten sein Leben verändern. Darüber schrieb er ein Buch.

Wie Tausende seiner Landsleute war Vitali in die Heimat zurückgekehrt, um Wahlmanipulationen zu verhindern und die Protestbewegung zu unterstützen. Sein Buch, das aus dieser Reise entstand, liest sich wie ein Reisebericht. Es ist gespickt mit nüchternen Kriegseindrücken. Es verbindet Hintergrundinformationen über Land und Leute zu einer Art Belarus-ABC.

Reise in Europas letzte Diktatur

Der junge Dirigent Vitali Alekseenok stammt aus dem Städtchen Wilejka nordwestlich der Hauptstadt Minsk. Er wächst in einem halbkriminellen Milieu auf, doch dank seines charismatischen Musiklehrers landet er nicht im Gefängnis, sondern kommt nach Minsk, um Musik zu studieren. Später schließt er seine Ausbildung in Sankt Petersburg ab, bevor das junge Talent eine Einladung nach Deutschland erreicht.

"Immer wenn ich in Deutschland einen Mini-Bus sehe, zucke ich zusammen und muss zuerst schauen, ob die Nummernschilder nicht verdeckt sind", sagt Alekseenok. In solchen Mini-Bussen sitzen häufig maskierte Polizisten bei Massenverhaftungen - eine gängige Praxis in Belarus: Brutal, blitzschnell und demonstrativ abschreckend geschähen Aktionen am Rande der Demonstrationen, berichtet der Dirigent.

Sehnsucht nach Gerechtigkeit

Viele Belarussen würden es nicht ohne Bitterkeit sehen, dass der Westen kaum etwas gegen die Lage in Belarus ausrichten könne, sagt Alekseenok. "Dennoch ist es wichtig, dass die Welt über uns Bescheid weiß." Er teile die Sehnsucht seiner Landsleute nach Gerechtigkeit und Akzeptanz, sagt der Dirigent, und danach, nicht allein sein zu müssen. "Das brauchen die Belarussen vom Westen - mehr als wirtschaftliche Hilfe."

Das Buch, das mit dem Titel "Die weißen Tage von Minsk"im S. Fischer-Verlag erschien, schickte der Dirigent an die Nobelpreisträgerin, gespannt auf ihr Urteil. Am Küchentisch in Berlin würdigt Swetlana Alexijewitsch die Publikation nun als "wichtiges Zeitdokument" und lobt das Sprachgefühl des Autors. Vitali ist erleichtert. Als ihr Gespräch auf die Zukunft von Belarus kommt, sind jedoch beide besorgt. Sie glauben nicht, dass die größte politische und humanitäre Krise in der Geschichte des Landes ein baldiges Happy-End findet.

Item URL https://www.dw.com/de/dirigent-vitali-alekseenok-über-die-proteste-in-belarus/a-57128277?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
Image URL (460 x 259) https://static.dw.com/image/54776525_302.jpg
Image caption Mittendrin: Der belarussische Musiker Vitali Alekseenok in seiner Heimat
Image source Vitali Alekseenok

Item 51
Id 55577729
Date 2021-04-10
Title Algorithmen in Aktion
Teaser Künstliche Intelligenzen mischen sich ein, in die Kunst und unser Leben. Wie sehr, das erkundet KI- und Medienkunstexperte Iyad Rahwan am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Ein Gespräch über den Umgang mit cleveren Maschinen.
Item URL https://www.dw.com/de/algorithmen-in-aktion/av-55577729?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
Image URL (460 x 259) https://static.dw.com/image/55576243_302.jpg
Image source Otterstetter/MPIB

Item 52
Id 57140147
Date 2021-04-10
Title In Myanmar bereichert sich das Militär an der Wirtschaft
Short title In Myanmar gehört die Wirtschaft dem Militär
Teaser Die Armee in Myanmar kontrolliert große Teile der Wirtschaft. Das dichte Firmen-Netzwerk der Junta hat nur einen Zweck: das Militär, einzelne Generäle und ihre Familien reich zu machen.
Short teaser Wie Myanmars Junta sich durch Familienbetriebe bereichert
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Wenn es Nacht wird in Myanmar und die Junta das Internet abschaltet, kommen die Soldaten. Auf der Suche nach Aktivisten, Oppositionellen und Journalisten durchsuchen sie Wohnungen und Häuser. Seit sich die Generäle am 1. Februar im ehemaligen Burma wieder an die Macht geputscht haben, sind alle verdächtig, die nicht auf der Seite des Regimes steht.

Zehntausende Menschen haben ihren Protest auf die Straße getragen. Hunderte von ihnen wurden getötet, oft mit gezielten Kopfschüssen. Viele weitere wurden verhaftet.

Aktivisten müssen in geheimen Unterschlupfen schlafen, denn zuhause sind sie nicht mehr sicher. Viele benutzen nur noch Handys, die sie nach wenigen Telefonaten zerstören. Fotos und Videos ihrer Aktionen löschen sie jeden Abend aus Sicherheitsgründen von ihren Geräten.

Während die einen auf die Straße gehen, sind andere in den Streik getreten. Beamte, Ärzte und Krankenschwestern haben die Arbeit niedergelegt. Viele zahlen ihre Steuern und Stromrechnungen nicht mehr, um die Militärregierung zu schwächen. Der Boykott richtet sich auch gegen das Wirtschaftsimperium der Armee.

Das Imperium der Generäle

Im Mittelpunkt stehen zwei riesige Unternehmen, die in den 1990er Jahren gegründet wurden – auch damals war das südostasiatische Land eine Militärdiktatur: Die Myanma Economic Holding Limited (MEHL) und die Myanmar Economic Corporation (MEC). Beide werden ausschließlich von aktiven und ehemaligen Generälen geführt, der abgesetzten demokratisch gewählten Regierung waren sie nie Rechenschaft schuldig. Wie viel sie genau verdienen, weiß deshalb nur das Militär selbst.

Die beiden Holdings sind unter anderem im Bergbau, in der Öl- und Gasförderung, im Bankenwesen und in der Telekommunikation tätig. Wie die Vereinten Nationen 2019 ermittelten, gehören über 100 Unternehmen zu MEHL und MEC, viele weitere machen mit ihnen Geschäfte.

Sowohl Großbritannien als auch die USA haben MEHL und MEC inzwischen mit Wirtschaftssanktionen belegt. Dies beinhaltet ein Einfrieren aller Vermögenswerte in beiden Ländern. Und es scheint, dass auch die EU bald dazu übergehen könnte, die Geschäftsinteressen des Militärs zu sanktionieren.

Die Kinder von Armeechef Min Aung Hlaing

Viele der Firmen, die enge Beziehungen zu den beiden Holdings der Armee unterhalten, werden von Familienangehörigen der Generäle geführt. Oberbefehlshaber General Min Aung Hlaing macht da keine Ausnahme. Sein Sohn Aung Pyae Sone und seine Tochter Khin Thiri Thet Mon leiten mehrere Unternehmen – darunter ein medizinisches Importgeschäft, eine Kette von Fitnessstudios und einen Anbieter für TV-Unterhaltung.

Am 10. März wurden beide Kinder und sechs ihrer Firmen von den USA auf eine Sanktionsliste gesetzt. Das US-Finanzministerium begründet diesen Schritt in einer Pressemitteilung damit, dass sie eine Vielzahl von Firmen kontrollierten, "die direkt von der Position und dem bösartigen Einfluss ihres Vaters profitiert haben."

Nach Recherchen der DW kontrollieren die beiden noch drei weitere Unternehmen. Warum diese bislang nicht sanktioniert werden, ließ das Außenministerium in Washington auf Nachfrage offen. Ein Sprecher teilte der DW aber mit, man werde "weitere Schritte ergreifen, um auf die brutalen Gewalttaten zu reagieren, die vom Militär in Myanmar ausgeübt werden."

Sendemasten für Mytel

Eines der drei bisher nicht sanktionierten Unternehmen ist Pinnacle Asia Company Limited, das im November 2016 registriert wurde und im Telekommunikationssektor tätig ist. Die DW hat Daten aus dem Firmenregister der DICA, Myanmars Directorate of Investment and Company Administration, ausgewertet. Diese wurden nach dem Putsch von DDoSecrets, einer Plattform für Whistleblower und Aktivsten, veröffentlicht.

Danach erhielt Pinnacle zum Beispiel im Mai 2020 von einer nationalen Bank einen Kredit, um für den Mobilfunkanbieter Mytel 17 Sendemasten zu bauen.

Mytel ist einer von vier Telekommunikationsanbietern und wurde als Joint Venture der Armeen von Myanmar und Vietnam gegründet. Aktivisten befürchten, dass mit Hilfe von Mytel Bewegungsprofile von Demonstranten erfasst werden könnten.

Am 17. März, nur eine Woche nach der Verhängung der US-Sanktionen gegen Pinnacle Asia, wurde Khin Thiri Thet Mon, die Tochter des Militärherrschers, als Geschäftsführerin abgesetzt, wie aus den Dokumenten der Firmenregistrierung hervorgeht. Anfragen der DW zu den Geschäftsinteressen und zu der Personalentscheidung ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Auch die Botschaft Myanmars in Deutschland reagierte bis zur Veröffentlichung nicht auf die Fragen der DW zu den Geschäftsbeziehungen des Regimes von Armeechef Min Aung Hlaing und seinen beiden Kindern.

Seit dem Putsch sind alle Telekommunikationsanbieter in Myanmar angewiesen worden, den Zugang zum Internet stark einzuschränken. Doch das hält die Menschen bisher nicht davon ab, weiter auf die Straße zu gehen und ihr Leben zu riskieren. Er werde, erzählt ein junger Mann, solange weiter demonstrieren, "bis wir die Demokratie zurückbekommen."

Mitarbeit: Michael Hartlep

Item URL https://www.dw.com/de/in-myanmar-bereichert-sich-das-militär-an-der-wirtschaft/a-57140147?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
Image URL (460 x 259) https://static.dw.com/image/57119308_302.jpg
Image caption Myanmars Sicherheitskräfte gehen mit Gewalt gegen Demonstranten vor
Image source Min Htet San

Item 53
Id 57152890
Date 2021-04-10
Title Handelsplattform Alibaba zahlt Milliardenstrafe
Short title Handelsplattform Alibaba zahlt Milliardenstrafe
Teaser Der charismatische Alibaba-Gründer Jack Ma scheint in China in Ungnade gefallen zu sein. Wettbewerbshüter haben eine Strafe in Höhe von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro gegen die weltgrößte Handelsplattform verhängt.
Short teaser Chinas Wettbewerbshüter haben eine Strafe von umgerechnet 2,3 Milliarden gegen die weltgrößte Handelsplattform verhängt.
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Die staatliche Behörde für Marktregulierung verhängte die Strafe nach dem Abschluss einer seit Dezember laufenden Untersuchung, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Bei den Ermittlungen ging es um den Vorwurf, dass Alibaba seine marktbeherrschende Stellung ausnutze, indem es Anbieter dazu verpflichte, ihre Waren ausschließlich auf seinen Verkaufsplattformen anzubieten.

Die bislang höchste Strafe der Kartellbehörden gegen einen chinesischen Internet-Riesen weckt neue Fragen über die Zukunft des Alibaba-Konzerns des charismatischen Gründers Jack Ma, der seit Herbst nur noch selten in der Öffentlichkeit gesehen worden war. Mit Kritik an der chinesischen Finanzaufsicht hatte der 56-Jährige damals offenbar den Unmut höherer Stellen auf sich gezogen.

Alibaba nimmt die Strafe an

Wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht wurde die Geldbuße mit vier Prozent des Umsatzes von 2019 in Höhe von umgerechnet 57,5 Milliarden Euro festgelegt, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Alibaba kündigte an, die Strafe anzunehmen und die Zusammenarbeit mit den Behörden verstärken zu wollen. Der Konzern werde sein System zur Erfüllung der Regeln stärken und "seine soziale Verantwortung besser erfüllen".

Die ungewöhnlich hohe Strafe der Wettbewerbshüter ist ein weiterer Schlag gegen den mächtigen Alibaba-Konzern, der seine Aktivitäten vom Online-Handel über Finanzdienste bis in Bereiche wie Logistik, Unterhaltung und Touristik ausgeweitet hat. Seit der einflussreiche Gründer Ma im Herbst bei der Regierung in Ungnade gefallen war, gerät das Unternehmen zunehmend unter Druck.

Behörden stoppten Börsengang

Anfang November stoppten die Behörden kurzfristig den geplanten Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant Group mit Verweis auf neue Regeln. Es hätte der größte Börsengang aller Zeiten werden sollen. Auch geriet im Dezember die Handelsplattform in den Fokus der Ermittler, als die Kartellwächter mit den Untersuchungen wegen mutmaßlicher Monopolverstöße begannen.

Das Vorgehen von Alibaba gegen Händler, die auch auf konkurrierenden Plattformen anbieten, "beseitigt oder behindert den Wettbewerb", argumentierte die Marktaufsicht in ihrer Entscheidung. Es beeinträchtige die Innovation und Entwicklung der Plattformen. Die Rechte und Interessen der Verbraucher würden geschädigt.

Alibaba kann Milliardenstrafe verkraften

Nach Einschätzung von Experten lässt sich die Milliardenstrafe für Alibaba leicht verkraften. Allein in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres habe der Konzern einen Gewinn von umgerechnet zehn Milliarden Euro gemacht. Allerdings verheiße die verschärfte Kontrolle durch die Behörden nichts Gutes für das Unternehmen, hieß es in Kommentaren von Beobachtern.

nob/mak (dpa, rtr, afp)

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Image source Fan Jiashan/Costfoto/picture alliance

Item 54
Id 57145542
Date 2021-04-10
Title Der Kampf um Grönlands Bodenschätze
Short title Der Kampf um Grönlands Bodenschätze
Teaser Die Erderwärmung lässt Grönlands Eis schmelzen und legt unerschlossene Öl-, Gas- und Mineralvorkommen frei. Die jüngste Wahl zeigt ein gespaltenes Land auf der Suche nach der Balance zwischen Wirtschaft und Umweltschutz.
Short teaser Grönlands jüngste Wahl zeigt ein gespaltenes Land auf der Suche nach einer Balance zwischen Wirtschaft und Umweltschutz.
Item URL https://www.dw.com/de/der-kampf-um-grönlands-bodenschätze/a-57145542?maca=de-VAS_DE_NeuseelandNews-32453-html-copypaste
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Image caption Viele Fischergemeinden in Grönland sind erleichtert, dass die Abbaupläne für Seltene Erden vorerst auf Eis gelegt sind
Image source Roberto Coletti

Item 55
Id 57143386
Date 2021-04-09
Title Erfolgreicher Start zur ISS
Short title Erfolgreicher Start zur ISS
Teaser Start: in Baikonur. Ziel: die Internationale Raumstation. An Bord: drei Raumfahrer. In Erinnerung an den Flug des russischen Weltraumpioniers Juri Gagarin vor fast genau 60 Jahren war die Rakete nach ihm benannt worden.
Short teaser Start: in Baikonur. Ziel: die Internationale Raumstation. An Bord: drei Raumfahrer. Name der Rakete: Juri Gagarin.
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Image caption Start der Sojus-Rakete "Juri Gagarin" vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur
Image source Roscosmos Space Agency/AP/dpa/picture alliance

Item 56
Id 57142024
Date 2021-04-09
Title Engpässe bremsen die deutsche Industrie
Short title Engpässe bremsen die Industrie
Teaser Die Auftragsbücher voll, und doch wird die Produktion gebremst: Die deutsche Industrie hat womöglich mehr mit Lieferproblemen als mit Corona zu kämpfen. Aber die Aussichten bleiben vielversprechend.
Short teaser Die Auftragsbücher voll, und doch wird die Produktion gebremst: Die deutsche Industrie leidet unter Lieferproblemen.
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Im Februar hat die deutsche Wirtschaft ihre Produktion überraschend den zweiten Monat in Folge gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,6 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen in Deutschland durch die Corona-Pandemie, sei die Produktion kalenderbereinigt um 6,4 Prozent gesunken, hieß es weiter. Trotz des Dämpfers hat sich die Industrie in der Krise vergleichsweise robust gezeigt und die Gesamtwirtschaft gestützt, während der Bereich Dienstleistungen deutlich stärker leidet.

Verhältnismäßig gut schlug sich vor allem der deutsche Außenhandel: Die Exporte wuchsen im Februar um 0,9 Prozent zum Vormonat und damit bereits den zehnten Monat in Folge, während die Importe sogar um 3,6 Prozent zulegten. Allerdings haben auch die Exporte aus Deutschland trotz anhaltender Erholung das Vorkrisen-Niveau noch nicht erreicht. Die Ausfuhren lagen im Februar mit 107,8 Milliarden Euro immer noch um 1,2 Prozent niedriger als im Februar 2020.

Komponenten fehlen

Die Industrieproduktion allein sackte im Februar um 1,8 Prozent ab. "Was derzeit auf der deutschen Industrie lastet, ist nicht ein Mangel an Nachfrage, es sind vielmehr Lieferengpässe bei Rohstoffen und Komponenten", so erklärt der Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank den unerwarteten Produktionsrückgang. Auch knappe Transportkapazitäten, insbesondere auf der Route zwischen Asien und Europa trügen zu den Schwierigkeiten bei. Dadurch werde nun schon seit geraumer Zeit die Herstellung belastet. So klagt etwa die Autobranche über einen Mangel an Halbleitern.

Der Industrie dürften aber bessere Zeiten bevorstehen: Ihre Produktionserwartungen sind aktuell so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Der entsprechende Indikator stieg im März um 8,9 auf 30,4 Punkte, wie das Ifo-Institut zu seiner monatlichen Umfrage unter Unternehmen mitteilte. "Die Auftragsbücher füllen sich, und es gibt immer noch einen Nachholbedarf nach dem Krisenjahr", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

"Die Erholung der Weltwirtschaft lässt die weitere Reparatur von Lieferketten und somit weitere Exportzuwächse erwarten", prognostiziert der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. "Entwarnung für den Sektor gibt es aber erst bei einer auch hierzulande zurückgedrängten Pandemie."

ar/hb (dp, rtr)

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