| Item 1 | |||
| Id | 76655842 | ||
| Date | 2026-04-04 | ||
| Title | Der Iran-Krieg und Europas Energiekrise | ||
| Short title | Der Iran-Krieg und Europas Energiekrise | ||
| Teaser |
Der Iran-Krieg hat in der EU eine Energiekrise ausgelöst. Brüssel befürchtet Engpässe und ruft dazu auf, den persönlichen Energieverbrauch zu senken. Analysten fordern mehr Investitionen in erneuerbare Energien. Der Iran-Krieg geht in den zweiten Monat und die Europäische Kommission hat die mehr als 400 Millionen Bürger und Bürgerinnen der EU aufgerufen, weniger zu fliegen, das Auto öfter stehen zu lassen, von zuhause zu arbeiten und alles in ihrer Macht stehende zu tun, um Energie zu sparen. Anfang diese Woche warnte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass die Auswirkungen auf die Wirtschaft ähnlich groß sein könnten wie die der COVID-Pandemie oder des Ukraine-Krieges, als der Block die Einfuhr russischer Energie drastisch einschränkte. "Je mehr wir tun können, um Öl zu sparen, insbesondere Diesel und Flugzeugtreibstoff, desto besser für uns", sagte EU-Energiekommissar Dan Jorgensen vor Ostern nach einem Treffen der 27 EU-Energieminister in Brüssel. Jorgensen rief die EU-Bevölkerung auf, dem Rat der Internationalen Energieagentur IAE zu folgen und die öffentlichen Verkehrsmittel stärker in Anspruch zu nehmen, "mehr Fahrgemeinschaften zu bilden und energieeffizient zu fahren". Europa und Asien konkurrieren um EnergieFachleute sind jedoch der Meinung, die EU müsse mehr tun. Denn die aktuelle Energiekrise werde nicht nur zu einem Anstieg der Preise an den Zapfsäulen führen wird, sondern auch der Industrie zusetzen und die Inflation nach oben treiben. Gleichzeitig würden Lebensmittelpreise steigen und der Konsum zurückgehen. "Wir haben das Ausmaß der Krise noch nicht erkannt", sagt Ana Maria Jaller-Makarewicz, leitende Energieanalystin für Europa beim Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) in London, zur DW. "Vermutlich werden wir nächsten Monat beginnen, die Veränderungen zu spüren. So wurden einige Lieferungen von Flüssiggas bereits nach Asien umgeleitet", fügt sie in Anspielung auf den Wettbewerb zwischen Europa und Asien um schwindende Vorräte hinzu. Seit den Angriffen von Israel und den USA auf den Iran sind die Öl- und Gaspreise um bis zu 70 Prozent in die Höhe geschossen. Teheran reagierte mit Angriffen von Raketen und Drohnen auf die Golfstaaten und blockierte die Straße von Hormus, durch die 20 Prozent des weltweit gehandelten Öl und Flüssiggas transportiert werden. Milliarden für teurere GasexporteDie finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges bekommt auch die EU zu spüren. Laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kostete der Konflikt die europäischen Steuerzahler allein in den ersten zehn Tagen drei Milliarden Euro (3,4 Milliarden US-Dollar) an Mehrausgaben für den Import fossiler Energieträger. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht stellt die Brüsseler Denkfabrik Bruegel fest, "eine Verdopplung des Gaspreises die Kosten Europas für den Import von Gas in den nächsten 12 Monaten um circa 100 Milliarden Euro steigen lassen würde". Doch steigende Preise sind nicht die einzige Sorge. Angesichts des anhaltenden Krieges wächst in ganz Europa die Angst vor Versorgungsengpässen. Anfangs schienen die politischen Entscheidungsträger noch unbesorgt, denn die EU bezieht nur einen geringen Teil ihrer Energieimporte über die Straße von Hormus. Lediglich acht Prozent des in der EU konsumierten Flüssiggases (LNG) wurde vor dem Krieg aus Katar importiert. 80 Prozent der Schiffstransporte mit Treibstoff durch die Straße von Hormus gehen nach Asien, hauptsächlich China und Indien sind betroffen. Doch je länger der Krieg anhält, desto mehr schrumpfen die Vorräte. Selbst geringfügige Fluktuationen, so die Sorge, könnten zu Versorgungsengpässen führen - insbesondere wenn asiatische Länder die Europäer beim Wettbewerb um knappe Ressourcen überböten. Seit der russischen Invasion in der Ukraine hat die EU ihre Energieversorgungskette diversifiziert, um ihre Abhängigkeit von russischer Energie zu reduzieren. EU-Mitgliedsstaaten importieren mehr aus Norwegen und den USA, die zum größten Gaslieferanten der EU geworden sind. Außerdem will die EU den Ausbau der Kernenergie fördern. Auf einem Atomenergie-Gipfel Anfang März in Frankreich feierte Kommissionspräsidentin Von der Leyen "die weltweite Renaissance der Kernenergie". Europa wolle an dieser Renaissance teilhaben. Welche Handlungsmöglichkeiten hat die EU?Gleichzeitig gibt es in der EU Stimmen, die eine Rückkehr zu preisgünstigeren russischen Energielieferungen fordern. Auf dem EU-Gipfel im März erklärte der belgische Ministerpräsident Bart De Wever gegenüber der belgischen Tageszeitung L'Echo, die EU müsse "die Beziehungen mit Russland normalisieren und wieder Zugang zu günstiger Energie erhalten". "Das ist gesunder Menschenverstand. Privat stimmen mir europäische Staats- und Regierungschefs zu, aber niemand traut sich, es laut zu sagen", insistierte er. EU-Energiekommissar Jorgensen schloss ein solches Vorgehen jedoch aus. Er betonte, die EU werde "nicht ein Molekül" Energie aus Russland importieren. Fachleute halten es stattdessen für möglich, dass die Kommission eine Preisobergrenze für Gas sowie Subventionen für die Industrie in Betracht ziehen könnte. Steigende Preise könnten "den Großteil der energieintensiven Industrie wie Stahl, Zement und Düngemittel" treffen, sagt Alexander Roth, einer der Autoren des Bruegel-Berichts zur DW. Entlang der gesamten Fertigungskette verschiedener Branchen wie der Chemie-, Kunststoff-, Aluminium- und Glasindustrie wird ein Dominoeffekt befürchtet. In der Luftfahrtindustrie plant Lufthansa Berichten zufolge, bei sinkender Nachfrage und steigenden Treibstoffkosten dutzende Flüge zu streichen. Es gibt jedoch auch Fachleute, die die EU davor warnen, eine Preisobergrenze für Gas und Öl einzuführen. "Bei einem Preisschock ist die Versuchung groß, die Preise zu drücken", heißt es im Bruegel-Bericht. "Dies wäre jedoch ein Fehler", denn solche Maßnahmen würden "die Preissignale, die zu mehr Effizienz, einem Rückgang der Nachfrage und Investitionen in saubere Energie führen", abschwächen. Chance für Ausbau erneuerbarer EnergienEine Preisdeckelung böte eine kurzfristige Erleichterung für die Verbraucher, lang- oder mittelfristig jedoch würde sie den Gasverbrauch erhöhen und "die Abkehr von fossilen Brennstoffen verzögern", erläutert Roth. Statt eine Preisobergrenze einzuführen, sollte die EU "konkrete Schritte" unternehmen und eine Absenkung der Temperaturen in Restaurants und Regierungsgebäuden fordern, empfiehlt Energieanalystin Jaller-Makarewicz. Außerdem sollten Regierungen Dienstreisen von Beamten innerhalb der EU reduzieren und "Investitionen in lokale grüne Industrien wie Wärmepumpen" fördern. Die EU solle strategisch mit ihren Mitgliedstaaten kooperieren und statt Subventionen für Gas eine Senkung der Stromsteuer anbieten. "Die Kosten für die Verbraucher würden so gesenkt, aber es würde sie auch ermutigen, in elektrische Lösungen wie Wärmepumpen und E-Autos zu investieren", ist er überzeugt. Der Iran-Krieg habe einmal mehr die Verwundbarkeit Europas im Bereich Energie deutlich gemacht, stellt der Bruegel-Report fest und empfiehlt den Entscheidungsträgern, "die Chance zu ergreifen, erneuerbare Energien und Technologien zur Elektrifizierung noch schneller einzuführen". Selbst wenn der Krieg heute enden würde, könnten die Gaslieferungen aus der Region nicht sofort wieder aufgenommen werden. Nach Angaben des Staatsunternehmens QatarEnergykönnte es Monate oder sogar Jahre dauern, bis die Industrieanlage Ras Laffan wieder hergestellt ist. Die LNG-Anlage in Katar, einer der wichtigsten Umschlagplätze für Flüssigerdgas für die Weltmärkte, wurde am 18. März von iranischen Raketen getroffen. "Niemand weiß, wie lange die Krise dauern wird, aber mir ist es wichtig, zu betonen, dass sie nicht von kurzer Dauer sein wird", sagte Energiekommissar Jorgensen. "Die Energieinfrastruktur in der Region wurde und wird noch immer durch den Krieg ruiniert." Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo. |
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| Short teaser | Die EU befürchtet Versorgungsengpässe und fordert dazu auf, den persönlichen Energieverbrauch zu senken. | ||
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| Image caption | Deja-vu an der Zapfsäule: Schon wieder steigen die Energiepreise für Sprit. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs sorgen weltweit für Energieknappheit | ||
| Image source | Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance | ||
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| Item 2 | |||
| Id | 76643756 | ||
| Date | 2026-04-04 | ||
| Title | Libanon: Flucht vor Bomben in Beirut | ||
| Short title | Libanon: Flucht vor Bomben in Beirut | ||
| Teaser |
Fatme A. hatte ein stabiles Leben in Beirut: Dann begann der Krieg und sie musste fliehen. Während die Bomben weiter fallen, versucht sie, vor allem eines zu schützen: ihre Tochter, die unter ständiger Angst leidet. Zwischen improvisierten Zelten, Matratzen und eng nebeneinanderstehenden Familien versucht Fatme A., ihren Alltag neu zu ordnen. Die Unterkunft im Azariah-Gebäude, mitten im Zentrum von Libanons Hauptstadt Beirut, ist zu einem Zufluchtsort für Hunderte geworden. Etwa 250 Familien leben hier, viele in provisorischen Zelten. Es gibt Wasser, eine Gemeinschaftsküche, ein paar Hilfsgüter - doch es fehlt an Platz, an Ruhe, an Privatsphäre. Fatme A. sitzt meist in ihrem Zelt. Der Weg zum Bad ist ihr unangenehm. "Man muss sich anstellen, alle schauen einen an", sagt sie. "Ich schäme mich schnell." Also bleibt sie so oft es geht drinnen, zwischen Taschen, Decken und den wenigen Dingen, die sie bei der Flucht mitnehmen konnte. (K)ein Alltag mitten in der StadtSie, ihr Ehemann, ihre siebenjährige Tochter und ihre Mutter leben gemeinsam in der Unterkunft. Zu viert teilen sie sich diesen engen Raum. Ihr Mann hilft anderen in der Unterkunft, repariert, baut, organisiert. "Weil er geholfen hat, haben wir zwei Zelte bekommen", sagt sie. Tagsüber versuchen sie, so etwas wie Alltag herzustellen. Doch abens wird das schwer. "Die Explosionen sind so laut", sagt sie. "Einige hier schlafen in ihrer Kleidung und haben Angst." Der Krieg, den die USA und Israel gegen den Iran begonnen haben, hat Beirut längst erreicht - nicht nur die bekannten Konfliktzonen, sondern immer mehr Teile der Stadt. Israel hat seine Angriffe ausgeweitet, trifft inzwischen auch Orte außerhalb der klassischen Gebiete, in der die Hisbollah vertreten ist, teils ohne Vorwarnung. Auch zentrale Viertel sind betroffen. Die Hisbollah wird von den USA, Deutschland und mehreren sunnitischen arabischen Staaten als Terrororganisation eingestuft. Sie wird vom Iran unterstützt. Die EU listet den bewaffneten Flügel der Hisbollah als Terrorgruppe. Besetzung libanesischen Gebiets im Süden des LandesGleichzeitig hat Israels Verteidigungsminister Israel Katz angekündigt, das besetzte Gebiet im Süden des Libanon bis zum Litani-Fluss auszudehnen, rund 30 Kilometer von der Grenze entfernt. Häuser in Grenzdörfern sollen zerstört werden. Der libanesische Verteidigungsminister Michel Menassa erklärte, Katz' Äußerungen zeigten "eine klare Absicht, eine neue Besatzung libanesischen Territoriums durchzusetzen". In einer gemeinsamen Erklärung mehrerer europäischer Außenminister sowie des Hohen Vertreters der Europäischen Union hieß es:"Wir bekräftigen nachdrücklich, dass die territoriale Integrität des Libanon respektiert werden muss." Doch den Menschen vor Ort bringen diese Mahnungen vorerst keine Sicherheit. Für sie zählt vor allem eines: Es gibt keinen verlässlichen sicheren Ort mehr. So sieht das auch Fatme A. "Wir sind geflohen, aber wir wissen, dass keine Gegend wirklich noch sicher ist, aber mehr können wir nicht tun", sagt sie. Leben im Süden von BeirutNoch vor wenigen Wochen lebte ihre Familie in Ouzai, im Süden Beiruts. Ein dicht bebautes, durchmischtes Viertel, das zur sogenannten Dahiyeh gehört. Die Dahiyeh - das Wort bedeutet schlicht "Vorort" - ist ein Gebiet, das fast so groß ist wie das zentrale Beirut. Es ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen, durch Migration und Vertreibung. Viele Menschen zogen hierher, weil sie sich das Leben in anderen Teilen der Stadt nicht leisten konnten. Andere wurden durch Kriege, politische Krisen oder fehlende staatliche Unterstützung dorthin gedrängt. Für einige Außenstehende und auch westliche Staaten gilt die Dahiyeh als Hochburg der Hisbollah, als politischer und militärischer Raum. Für die Menschen, die dort leben, ist sie vor allem eines: ein Zuhause. Auch für Fatme A. "Wir hatten ein normales Familienleben", sagt sie. "Meine Tochter ging in die Schule, mein Mann arbeitet als Schreiner. Ich habe den Haushalt geschmissen: Es ging uns gut", sagt sie. Sie fühlten sich sicher, hatten Stabilität. Die libanesische Hisbollah hat sich Anfang März mit Drohnen und Raketen in den Krieg eingeschaltet und Israel angegriffen - nachdem die USA und Israel den Iran angegriffen und den geistlichen Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet haben. Seither eskaliert die Gewalt auch im Libanon. Flucht im Auto in die UnterkunftIn der ersten Nacht der kriegerischen Auseinandersetzungen flüchtete die Familie in ihr Auto und übernachtete darin. Danach kehrten sie noch einmal in die Wohnung zurück, blieben zwei Nächte. Doch die Drohungen für ihre Gegend nahmen zu. "Wir hatten einfach Angst", sagt Fatme A. Die Entscheidung zu gehen, trafen sie vor allem wegen ihrer Tochter. Denn auch nach dem offiziellen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah im November 2024 blieb die Gewalt weiterhin spürbar. Immer wieder gab es israelische Angriffe, Explosionen, neue Unsicherheit. Laut der UN-Friedenstruppe im Libanon, UNIFIL, und der libanesischen Regierung kam es seither zu mehr als 15.400 Verstößen gegen den Waffenstillstand durch israelische Streitkräfte.Dabei wurden mehr als 370 Menschen getötet. Infrastruktur wurde zerstört, eine Rückkehr ist für viele unmöglich. Noch im Februar 2026 sagte Jeremy Ristord von Ärzte ohne Grenzen, die anhaltenden israelischen Angriffe zerstörten nicht nur Häuser und Infrastruktur, sondern untergrüben auch die Grundlagen des täglichen Lebens und des Wiederaufbaus. Für Fatmes Tochter bedeutete das: Die Explosionen und die Geräusche sind geblieben - und mit ihnen die Angst. Und für Familie A. war klar, sie müssen fliehen: Sie packten nur das Nötigste. Niemand wusste, wohin sie gehen würden. Sie fuhren einfach los. Die Straßen waren verstopft. Schließlich erreichten sie die Innenstadt. Erst schliefen sie wieder im Auto. Dann fanden sie eine Unterkunft - im Azarieh-Gebäude, einst ein belebtes Geschäftszentrum im Herzen von Beirut. Heute ist es eine Unterkunft für Vertriebene. "Ich vermisse mein zu Hause", sagt Fatme A. "Mein Leben, meine Sachen, meine Routine: Vor einem Monat sah alles anders aus." Jetzt ist alles verändert: Schlaf, Essen, Gewohnheiten. "Unser Leben steht Kopf." Angst vor den Bomben und den DrohnenIhre Tochter weint oft, schreckt immer noch bei jedem Geräusch zusammen. Wenn sie schreit, rückt Fatme A. näher zu ihr. "Dann vergesse ich meine eigene Angst und beruhige meine Tochter." Die Lage spitzt sich derweil im krisengebeutelten Libanon weiter zu. Tom Fletcher, Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen (UN), warnte, dass sich die Lage im Libanon dramatisch verschärft hat: In den vergangenen vier Wochen seien mehr als 1240 Menschen getötet und weitere 3500 verletzt worden, darunter Frauen, Kinder und Ersthelfer. Zugleich seien über 1,1 Millionen Menschen vertrieben worden, darunter Hunderttausende Kinder: "Ein Kreislauf erzwungener Vertreibung ist im Gange", sagte Feletcher. Familien würden immer wieder zur Flucht gezwungen. "Vertreibung ist keine Lösung, sondern ein schmerzhafter letzter Ausweg, eine vorübergehende Möglichkeit, Würde zu bewahren." Es gibt Momente, die Fatme A. nach vorne blicken lassen, etwa wenn sie die Kinder beim Spielen beobachtet. Wenn ihre Tochter spielt und ausgelassen ist, wenn sie lacht und für einen Augenblick unbeschwert ist, entsteht etwas wie Hoffnung. "Wenn ich sie spielen sehe, dann denke ich, dass alles wieder gut wird." Doch die Ernüchterung kommt schnell zurück, denn die israelischen Drohnen über Beirut, die Explosionen nah und fern, holen sie zurück auf den Boden der Tatsachen. Fatme A. schaut darauf, was geblieben ist: ihre Familie, zwei Zelte, ein provisorisches Leben. "Wir sind nicht die erste und nicht die letzte Familie, die fliehen musste", sagt sie. "Wir müssen das durchhalten." Dann sagt sie den Satz, der ihr wichtig ist: "Ich will, dass die Menschen da draußen wissen, dass es uns gut ging, dass wir in Würde gelebt haben." |
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| Short teaser | Fatme A. lebte im Süden Beiruts - dann kam der Krieg. Auf der Flucht schützt sie vor allem ihre verängstigte Tochter. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/libanon-flucht-vor-bomben-in-beirut/a-76643756?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Leben unter Planen: Überall in Beirut schlagen Vertriebene aus dem Süden des Libanon oder aus dem Süden der Stadt provisorisch ihre Zelte auf | ||
| Image source | Ankhar Kochneva/TASS/ZUMA/picture alliance | ||
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| Item 3 | |||
| Id | 76654463 | ||
| Date | 2026-04-03 | ||
| Title | Wird der Irak in den Iran-Krieg hineingezogen? | ||
| Short title | Wird der Irak in den Iran-Krieg hineingezogen? | ||
| Teaser |
Teherans "Achse des Widerstands" ist auch im Irak aktiv. Milizen greifen Ölfelder, Hotels sowie militärische US-Einrichtungen im Land an. Die USA bomben zurück. Einblicke in Bagdads Sicherheitsdilemma. Vor einigen Tagen überquerten Lastwagen und PKW-Kolonnen die Grenze zwischen Irak und Iran. Der Konvoi sollte angeblich "eine humanitäre Mission" erfüllen. Es gibt jedoch den begründeten Verdacht, dass die Kolonne in Wirklichkeit Mitglieder einer mit dem Iran verbündeten irakischen Miliz befördert haben könnte. Bedeutet dies, dass der Irak in den Iran-Krieg mit hineingezogen wird? "Iran braucht keine Soldaten aus dem Irak"Unwahrscheinlich, sagen Experten der DW. "Selbst wenn mit dem Konvoi Kämpfer transportiert wurden, dürfte dies in einem Krieg, der von Luftangriffen, Raketen und übergeordneten regionalen militärischen Kalkülen geprägt ist, kaum einen nennenswerten Unterschied bringen", meint Hayder al-Shakeri, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim britischen Think Tank Chatham House. Omar al-Nidawi, Direktor für Programme und Forschung bei der US-amerikanischen Organisation "Enabling Peace in Iraq" (EPIC), stimmt zu. Der Iran brauche keine Fußsoldaten aus dem benachbarten Irak, sagt er. "Ich glaube, es geht eher darum, Angst vor einer Ausweitung des Krieges zu schüren", erklärt al-Nidawi der DW. Teheran wolle damit drohen, Leid und Chaos für die USA und ihre Verbündeten zu vergrößern und auf diese Weise demonstrieren, dass man auch außerhalb der Landesgrenzen Kräfte mobilisieren könne. Kräfte, "die auch in Kuwait oder Syrien zuschlagen könnten, wie einige pro-iranische Milizkommandeure es diese Woche angedeutet haben. Das Bild dieses Konvois ist eher als Machtdemonstration in diesem Sinne zu verstehen", so al-Nidawi. "Achse des Widerstands" im IrakLaut Experten dürfte allerdings die aktuelle Lage im Irak in Wirklichkeit wesentlich problematischer sein. Denn die an dem Konvoi beteiligten paramilitärischen Kräfte gehören zu den sogenannten Volksmobilisierungskräften (PMF). Diese etwa 238.000 Mann starke Truppe wurde 2014 gegründet, um gegen die als "Islamischer Staat" bekannte extremistische Gruppe zu kämpfen. Seitdem wurden die PMF offiziell in die irakischen Streitkräfte integriert, ihre Mitgliederwerden von der Regierung bezahlt. Sie verfügen zudem über eine bedeutende politische Vertretung und Macht im irakischen Parlament. Innerhalb der PMF gibt es Fraktionen, die der iranischen Regierung näher zu stehen scheinen als ihrer eigenen. Diese Fraktionen gelten als Teil der sogenannten "Achse des Widerstands", einer Gruppe von Milizen im Nahen Osten, die als Stellvertreter des Iran agieren. Dazu zählen auch die Hisbollah im Libanon, die Hamas im Gazastreifen und die Huthi-Rebellengruppe im Jemen. Angriffe auf Ölfelder und HotelsIm Irak reagierten die Milizen der "Achse des Widerstands" umgehend nach dem Angriff von USA und Israel auf den Iran Ende Februar. Sie griffen Ziele an, die ihrer Aussage nach mit den USA oder Israel in Verbindung stehen. Dazu gehören diplomatische und militärische Einrichtungen der USA und Europas sowie zivile Infrastruktur, darunter Ölfelder und Hotels. Außerdem feuerten sie Raketen über die irakischen Grenzen hinweg ab. Wie al-Shakeri betont: "Selbst eine relativ kleine Anzahl von Gruppierungen kann mit ihren Aktionen enorme Auswirkungen erreichen." Ihre Vergeltungsmaßnahmen könnten das ganze Land den Folgen eines Konflikts aussetzen, den die meisten Iraker nicht wollen." Bagdads SicherheitsdilemmaUnd der Konflikt innerhalb des Iraks schwelt bereits. Die USA haben Hochburgen der PMF bombardiert – als Reaktion auf die verschiedenen Angriffe der Milizen auf Ziele, die mit den USA in Verbindung stehen. Die irakische Regierung ordnete unterdessen in einer Sondersitzung an, dass jeder, der irakische Sicherheitsinstitutionen, zivile Einrichtungen oder diplomatische Vertretungen angreift, festgenommen werden solle. Gleichzeitig erteilte Bagdad während derselben Sondersitzung allen Militäreinheiten, einschließlich der PMF Milizen, weitreichendere Befugnisse, um auf Angriffe gegen sie "in Notwehr" zu reagieren – eine Maßnahme, die das Sicherheitsdilemma Bagdads offenbart. Die Entscheidung sei umstritten, da sie "den Irak faktisch zu einem Kriegsteilnehmer macht und damit die Regierung in Bagdad für Handlungen verantwortlich macht, die von den PMF-Fraktionen unter dem Vorwand der Selbstverteidigung durchgeführt werden", erklärt Mohammed Salih, leitender Mitarbeiter beim US-amerikanischen Think Tank Foreign Policy Research Institute, in einer Analyse . Ein weiteres Beispiel für das irakische Sicherheitsdilemma ist die Entführung der US-amerikanischen Journalistin Shelley Kittleson in Bagdad. Die Korrespondentin des US-amerikanischen Medienunternehmens Al Monitor, wurde am 1. April im Zentrum der irakischen Hauptstadt entführt. Medienberichten zufolge handelte es sich bei den Entführern wahrscheinlich um Mitglieder einer PMF-Fraktion: der Kataib Hisbollah. Die Gruppe hatte Kittlesons Namen offenbar auf einer Liste von Zielen stehen. Anonyme Quellen teilten der New York Timesmit, die Gruppe habe angeboten, über Kittlesons Freilassung zu verhandeln. Die mit dem Iran verbündete Milizen im Irak haben zudem offizielle Sicherheitsorganisationen ihres eigenen Landes angegriffen, darunter den irakischen Geheimdienst in Bagdad und den irakischen Dienst zur Terrorismusbekämpfung. "Verdeckte Rivalitäten im Sicherheitsapparat"Die Angreifer behaupten, die beiden Organisationen stünden in Verbindung mit den USA. So ist beispielsweise bekannt, dass irakische Beamte gemeinsam mit amerikanischen Offizieren in der Terrorismusbekämpfung ausgebildet wurden. "Dass Milizen, die der PMF angehören oder mit ihr verbunden sind, begonnen haben, offizielle staatliche Institutionen direkt anzugreifen, deutet darauf hin, dass eine seit langem bestehende, weitgehend verdeckte Rivalität nun eine weitaus gefährlichere Schwelle erreicht hat", legt Sercan Caliskan, Irak-Experte beim türkischen Think Tank Center for Middle Eastern Studies, in einem Briefing dar. Die PMF habe eine gefährliche Doppelrolle innerhalb des irakischen Staates. "Einerseits", so Caliskan, "ist sie formal eine Sicherheitseinheit. Andererseits sind einige Teile von ihr in der Lage, andere offizielle staatliche Institutionen anzugreifen." Das Land stehe nun vor einem Szenario, in dem verschiedene Elemente seines Sicherheitsapparats effektiv gegeneinander ausgespielt würden. Das Problem ist nicht neu. "Der Krieg im Iran verschärft ein Problem, das schon vor Jahren hätte gelöst werden müssen", ist Analyst al-Shakeri überzeugt. "Es gibt ernsthafte Sorgen über die Zersplitterung sowohl der politschen Landschaft im Irak als auch innerhalb des irakischen Sicherheitssystems", erklärt er. Schwacher Staat, starke MilizenAl-Nidawi von der EPIC bestätigt die Entwicklung. "Diese Vereinnahmung des Staates gleicht einem Zugunglück, das sich seit 20 Jahren angebahnt hat, und nun sehen wir zu, wie die Trümmer in alle Richtungen geschleudert werden." Um den Schaden rückgängig zu machen, müsse der Iran weniger Einfluss auf den Irak ausüben können, merkt er an. Doch das scheine unrealistisch. Eine andere Möglichkeit sei, dass gemäßigtere PMF-Fraktionen Druck auf die militanteren Fraktionen ausüben, sagt er. Al-Shakeri von Chatham House sieht dies ähnlich. Er verweist auf die schwierige Situation, dass Irak nach den Wahlen im vergangenen November noch immer keine neue Regierung gebildet hat. "Zunächst besteht die Priorität für Bagdad darin, den Schaden zu begrenzen, eine Eskalation zu verhindern und auf die Bildung einer Regierung hinzuwirken", analysiert er. "Erst danach wird es eine Chance geben, auf echte Reformen hinzuarbeiten." Adaption aus dem Englischen: Astrid Prange. |
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| Short teaser | Teherans Milizen greifen im Irak Ölfelder und US-Einrichtungen an. Einblicke in Bagdads Sicherheitsdilemma. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/wird-der-irak-in-den-iran-krieg-hineingezogen/a-76654463?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | "Humanitäre Mission"? Am vergangenen Wochenende passierten Mitglieder der mit dem Iran verbündeten Milizen in einem Autokonvoi die Grenze zwischen Irak und Iran. Über ihre Ziele herrscht Unklarheit | ||
| Image source | Haidar Mohammed Ali/Anadolu/picture alliance | ||
| RSS Player single video URL | https://rssplayer.dw.com/index.php?lg=de&pname=&type=abs&image=https://static.dw.com/image/76643927_302.jpg&title=Wird%20der%20Irak%20in%20den%20Iran-Krieg%20hineingezogen%3F | ||
| Item 4 | |||
| Id | 76625647 | ||
| Date | 2026-04-03 | ||
| Title | Iran-Krieg: Wie schnell könnte sich der Welthandel erholen? | ||
| Short title | Iran-Krieg: Wie schnell könnte sich der Welthandel erholen? | ||
| Teaser |
Wie lang auch immer der Iran-Krieg noch dauert: Sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet ist, wird sich zeigen, wie schnell sich die Lieferketten für Energie, Düngemittel und andere Güter erholen können. Wann der Krieg im Nahen Osten beendet wird, ist unklarer denn je. Vor wenigen Tagen erst erklärte US-Präsident Donald Trump, der Konflikt könne innerhalb von "zwei oder drei Wochen" beendet sein und die USA könnten sich vielleicht sogar ohne Friedensabkommen zurückziehen. Zuvor hatte er erklärt, Verhandlungen kämen voran und ein Waffenstillstandsabkommen sei in greifbarer Nähe, bevor er seine Drohungen mit Bombenangriffen auf iranische Energie- und Produktionsanlagen verschärfte. Der Iran lässt unterdessen eine kleine Anzahl von Schiffen die Straße von Hormus passieren und bestreitet gleichzeitig, dass ernsthafte Waffenstillstandsverhandlungen stattfinden. Trumps offenkundige Begeisterung für ein Ende des Konflikts, ob mit oder ohne Abkommen, deutet darauf hin, dass er sich der Schäden, die der Konflikt der Weltwirtschaft bisher zugefügt hat, durchaus bewusst ist. Die meisten Experten sind sich in einem zentralen Punkt einig: Je länger dieser Konflikt andauert, desto verheerender werden seine Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung, die Inflation und die wirtschaftliche Stabilität sein. Jede weitere Woche der Unterbrechung treibt die Kosten für Verbraucher und Unternehmen in die Höhe, während sich das Wachstum verlangsamt. Die Federal Reserve Bank of Dallas, Teil des US-Zentralbanksystems, sagte Anfang des Monats voraus, dass eine dreimonatige oder längere Schließung der Straße von Hormus das globale BIP-Wachstum im zweiten Quartal des Jahres um annualisierte 2,9 Prozent verlangsamen würde. Sobald die Straße von Hormus - das Nadelöhr für 20 Prozent des weltweiten Ölhandels - wieder geöffnet ist, wird die Geschwindigkeit der Wiederaufnahme der Öl- und Gasförderung sowie des Tankerverkehrs maßgeblich darüber entscheiden, wie schnell sich die Weltwirtschaft erholen kann. Sicherung der Straße von HormusEs ist unwahrscheinlich, dass die Durchfahrt durch die Wasserstraße wieder ungehindert läuft, bevor nicht die Versicherungsprämien deutlich sinken und eine glaubwürdige multinationale Marine-Eskorte eingerichtet ist. Diese könnte potenziell Kriegsschiffe der US-Marine, Luftpatrouillen und Minenräumschiffe umfassen. Europäische NATO-Verbündete, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien, haben ihre Bereitschaft signalisiert, sich den Patrouillen anzuschließen, sobald die Kämpfe beendet sind. Japan, Australien, Südkorea, Kanada, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain werden voraussichtlich ebenfalls teilnehmen. Allein die Minenräumung in der Straße von Hormus könnte etwa zwei Wochen dauern, erklärte Jennifer Parker, außerordentliche Professorin am Institut für Verteidigung und Sicherheit der Universität von Westaustralien, gegenüber Bloomberg. Sobald Hormus als sicher für die Schifffahrt gilt, könnte der Rückstau von rund 1900 gestrandeten Schiffen - die Hälfte davon transportiert Öl, LNG oder andere Chemikalien - innerhalb weniger Tage bis Wochen abgebaut werden. Aditya Saraswat, Forschungsdirektor (Naher Osten und Nordafrika) beim norwegischen Analyseunternehmen Rystad Energy, sagte der DW, ein Abbau des Rückstaus in Hormus würde den Produzenten am Golf einen Monat Puffer verschaffen, um die Produktion hochzufahren. Logistische Probleme blieben jedoch bestehen. Vor dem Krieg passierten täglich etwa 130 bis 140 Schiffe die Meerenge von Hormuz. Dieser Schiffsverkehr dürfte sich jedoch deutlich verlangsamen, solange Marinepatrouillen erforderlich sind. Schrittweise WiederaufnahmeNeben der Wiedereröffnung von Hormus benötigen die Produzenten am Golf die Zusicherung, dass sich die Sicherheitslage an ihren Öl- und Gasanlagen stabilisiert hat. Selbst bei einem schnellen Friedensabkommen könnte die Wiederaufnahme der Öl- und Gasförderung in vielen Feldern laut Analysten mehrere Wochen dauern. "Ein teilweise stillgelegtes Ölfeld benötigt im Durchschnitt etwa zwei bis drei Wochen", sagte Saraswat und bezog sich dabei auf einige Bohrungen, die mit reduzierter Fördermenge betrieben werden. Die Wartungsinspektionen müssten umso gründlicher sein, je länger die Öl- und Gasanlagen stillgelegt waren, bevor sie wieder in Betrieb genommen werden können. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden mindestens 40 Energieanlagen am Golf durch iranische Angriffe "schwer oder sehr schwer beschädigt". Energieanalysten warnen, dass einige Anlagen, insbesondere Flüssigerdgas-Anlagen (LNG), mit Reparaturzeiten von mehreren Jahren rechnen müssen. Katar gab bekannt, dass es bis zu fünf Jahre dauern könnte, den LNG-Komplex Ras Laffan, das weltweit größte Produktions- und Exportzentrum für LNG, wieder in Betrieb zu nehmen. Katar hat bislang rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Bedarfs geliefert. Langfristig werden nun etwa 17 Prozent der LNG-Exportkapazität des Golfstaates fehlen. Globale EinschränkungenDüngemittelwerke müssen ähnliche Sicherheitsprüfungen durchlaufen, bevor die Produktion wieder aufgenommen werden kann. Dünger helfen, die globale Ernährungssicherheit zu stärken, die bereits durch explodierende Preise bedroht ist. Zurzeit sind viele Landwirte gezwungen, die Düngung einzuschränken. Die Golfregion ist ein wichtiger Lieferant von stickstoffbasierten Düngemitteln und deckt rund 40 Prozent des weltweiten Seetransports von Harnstoff sowie ein Viertel der Ammoniakexporte ab. Die arabischen Golfstaaten sind zudem bedeutende Produzenten zweier Rohstoffe für die Phosphatproduktion. Der Containerverkehr für Waren aus der Golfregion und Güter zwischen Asien und Europa ist durch die Blockade des Hafens von Hormus ebenfalls stark beeinträchtigt, viele dutzend Schiffe sitzen fest. Der ankommende Verkehr im Hafen Jebel Ali in Dubai, dem größten Umschlagplatz im Nahen Osten, ist laut dem Betreiber DP World seit dem 28. Februar merklich zurückgegangen. Für Containerschiffe mit Ziel Europa stellt die Meerenge von Bab al-Mandab am südlichen Eingang zum Roten Meer eine zusätzliche Hürde dar. Die Meerenge ist zwar weiterhin befahrbar, wird aber von den meisten großen Reedereien aufgrund erneuter Drohungen der vom Iran unterstützten Huthis gemieden. Die Rebellen mit Sitz im Jemen verübten 2023/24 Angriffe auf Schiffe im Zusammenhang mit Israels Krieg im Gazastreifen. Viele Reedereien haben ihre Routen über das Kap der Guten Hoffnung im südlichen Afrika umgeleitet, was die Reisezeiten und -kosten erheblich verlängert. Anhaltende AuswirkungenSelbst wenn die Meerenge wieder geöffnet wird und die Produktion in der Golfregion wieder anläuft, werden die globalen wirtschaftlichen Folgen nicht über Nacht verschwinden. Die Verbraucher haben die Auswirkungen der höheren Ölpreise an den Zapfsäulen schnell zu spüren bekommen, während Benzin- und Dieselknappheit in Australien, Asien und Afrika erst jetzt spürbar wird. Auch andere wichtige Lieferketten, von Düngemitteln bis hin zu Konsumgütern, werden voraussichtlich in den nächsten Wochen mit Engpässen zu kämpfen haben. "Die Preisverwerfungen haben sofort zugeschlagen; Logistikstörungen werden [in den nächsten zwei bis drei Monaten] an Bedeutung gewinnen", sagte Peter Klimek, Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria, gegenüber der DW. Sollte die globale Produktion aufgrund des Krieges gedrosselt werden müssen, warnte Klimek vor einer möglichen Stagflation mit hohen Preisen, steigender Arbeitslosigkeit und schwachem Wirtschaftswachstum, dessen Bewältigung seiner Ansicht nach "noch länger dauern könnte". |
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| Short teaser | Wenn die Straße von Hormus wieder frei ist, kann sich der globale Handel normalisieren. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/iran-krieg-wie-schnell-könnte-sich-der-welthandel-erholen/a-76625647?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 5 | |||
| Id | 76628406 | ||
| Date | 2026-04-03 | ||
| Title | K-Beauty: Schönheit als globale Strategie | ||
| Short title | K-Beauty: Schönheit als globale Strategie | ||
| Teaser |
K-Beauty ist mehr als ein Kosmetiktrend: Südkorea verbindet Popkultur, Innovation und staatliche Strategie zu einem globalen Erfolgsmodell - und nutzt Schönheit gezielt als wirtschaftliches und politisches Instrument. Immer mehr Menschen in westlichen Ländern begeistern sich für Schönheitsprodukte aus Südkorea. So etabliert sich das ostasiatische Land als neue Soft-Power-Macht: Zunächst waren es Autos und Elektronik, später Filme und Popmusik. Und im vergangenen Jahr wurde die Autorin Han Kang mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Nun folgt die Schönheitsindustrie als nächster Erfolg. Hautpflege und Make-up "made in Korea" sind weltweit gefragt. Dieser Erfolg ist kein Zufall - und auch kein rein ästhetisches Phänomen. Vielmehr verdichten sich in K-Beauty kulturelle Dynamik, wirtschaftliche Strategie und geopolitische Positionierung. "Soft Power bedeutet, andere durch Attraktivität zu beeinflussen - nicht durch Zwang", sagt der Politologe und Korea-Experte Hannes Moslervon der Universität Duisburg-Essen. Für ein Land wie Südkorea sei das zentral: "Südkorea befindet sich in einer geopolitisch prekären Lage zwischen Großmächten - und setzt deshalb gezielt auf kulturelle Anziehungskraft", so Mosler im DW-Interview. Diese Strategie zeigt Wirkung: Die so genannte "K-Beauty" ist heute ein globaler Wirtschaftsfaktor. Wie die Nachrichtenagentur Yonhap News Agency aus Seoul berichtet, stiegen die Exporte von Kosmetikprodukten im Jahr 2025 um 12,3 Prozent auf 11,43 Milliarden US-Dollar (9,84 Milliarden Euro). Bereits 2024 hatten sie dem südkoreanischen Industrieministerium mit Sitz in Sejong zufolge rund 10,2 Milliarden Dollar (8,78 Milliarden Euro) erreicht. Das internationale Fachmedium Personal Care Magazine, ein in London erscheinendes Branchenjournal für die Kosmetikindustrie, berichtet zudem, koreanische Kosmetikprodukte würde inzwischen in über 200 Länder exportiert. Südkorea zählt damit zu den führenden Exporteuren weltweit. "Konsumtrends spiegeln kulturelle Trends"Doch ökonomische Zahlen allein erklären den Erfolg nicht. Entscheidend ist die enge Verbindung von Kultur und Konsum. "Konsumtrends spiegeln kulturelle Trends", sagt Stefan Tobel, Geschäftsführer der auf den Import und Vertrieb koreanischer Kosmetik spezialisierten Kencana GmbH. "Südkorea ist durch K-Pop stark auf die globale Bühne gekommen - und damit kamen auch die Konsumtrends", so Tobel zur DW. Diese Beobachtung wird durch internationale Marktforschung gestützt. "Die koreanische Popkultur hat maßgeblich zum internationalen Erfolg koreanischer Schönheitsprodukte beigetragen", heißt es in einem Report des auf globale Konsum- und Technologiemärkte spezialisierten US-amerikanischen Analyseinstitut Grand View Research mit Sitz in San Francisco. Die koreanische Popkultur habe also maßgeblich zum Erfolg von K-Beauty beigetragen. Mosler geht noch einen Schritt weiter. "Die Korean Wave ist nicht rein staatlich gesteuert, aber sie wurde früh politisch unterstützt", sagt er. Serien, Musik und digitale Plattformen hätten eine kulturelle Infrastruktur geschaffen, die Produkte weltweit sichtbar mache. K-Beauty sei damit "Teil eines größeren Images von Südkorea". Diese spiele auch in der Abgrenzung zu Nordkorea eine Rolle. Popkultur als Nation BrandingDiese strategische Dimension wird auch in der Forschung betont. Das internationale Forschungsnetzwerk ResearchGate, das wissenschaftliche Arbeiten weltweit bündelt, verweist auf Studien, denen zufolge die koreanische Popkultur gezielt als Instrument des Nation Branding eingesetzt wird - also zur internationalen Imagebildung eines Staates. Dabei trifft diese kulturelle Strahlkraft auf ein spezifisches Verständnis von Schönheit. "Der koreanische Ansatz ist deutlich ausgefeilter", erklärt Stefan Tobel. Zentral sei die mehrstufige Pflege: "Die Haut soll nicht überdeckt, sondern verbessert werden." Die bekannte "10-Step-Routine" steht exemplarisch für diesen Ansatz - ein System kontinuierlicher Pflege statt punktueller Kosmetik. Pflegen, nicht kaschierenDas verweist auf einen grundlegenden Unterschied: K-Beauty versteht Schönheit primär als Ergebnis von Pflege, nicht von Kaschierung. Laut einer Marktanalyse des internationalen Beratungsunternehmens Euromonitor International mit Sitz in London, das sich auf Konsumgüter- und Marktanalysen spezialisiert hat, liegt der Fokus koreanischer Produkte stark auf Hautgesundheit, Prävention und langfristiger Pflege. Mosler sieht die Wurzeln dieses Ansatzes auch im Inneren der Gesellschaft. "Das äußere Erscheinungsbild spielt eine sehr große Rolle", sagt er. In einem hoch verdichteten und kompetitiven Umfeld entstehe ein starker sozialer Druck - und damit ein besonders anspruchsvoller Markt. "Produkte müssen auf sehr hohem Niveau funktionieren, um sich durchzusetzen." Genau das bestätigt auch die Forschung. Grand View Research beschreibt den K-Beauty-Markt als geprägt von "hoher Innovation und häufige Produkteinführungen". Diese Dynamik sei aus Sicht der Branche zentral, sagt Stefan Tobel. "Der Markt ist extrem schnell – neue Inhaltsstoffe, neue Formate, neue Routinen. Wer nicht permanent innoviert, verliert sofort an Relevanz." Tobel verweist zudem auf besondere Inhaltsstoffe und Technologien: "Es geht um hoch spezialisierte Wirkstoffe - von Ginseng über Fermente bis zu Kollagen." Analysen der internationalen Kosmetikforschung zeigten, dass koreanische Produkte traditionelle Inhaltsstoffe mit moderner Biotechnologie verbinden. Die Rolle der Social MediaZugleich ist diese Innovationskraft eng mit digitalen Strukturen verknüpft. "Social Media spielt eine zentrale Rolle", sagt Tobel. Plattformen wie TikTok oder Instagram fungieren als Beschleuniger, auf denen Trends entstehen und global verbreitet werden. K-Beauty sei besonders erfolgreich darin, diese Mechanismen zu nutzen. Mosler betont die Rolle kultureller Multiplikatoren: "K-Pop-Stars oder Serien schaffen Sichtbarkeit - und damit Nachfrage." Konsumenten orientieren sich an diesen Vorbildern, Produkte werden Teil eines ästhetischen und kulturellen Gesamtpakets. Damit wird deutlich: K-Beauty ist kein isoliertes Marktphänomen, sondern Teil eines umfassenden Systems aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Internationale Analysen zeigen, dass sich hier ein Modell etabliert hat, in dem Konsumgüter zugleich Träger kultureller und politischer Bedeutung sind. Kulturelle und politische AttraktivitätÖkonomisch zeigt sich diese Dynamik besonders klar in der globalen Verbreitung. Koreanische Kosmetik ist längst nicht mehr nur ein asiatisches Phänomen, sondern etabliert sich zunehmend auch in Europa und Nordamerika - oft in direkter Konkurrenz zu traditionellen Markenindustrien. So ergibt sich ein vielschichtiges Bild. K-Beauty ist mehr als ein Trend - es ist ein System aus Kultur, Technologie, Markt und Politik. Oder, wie Mosler es formuliert: "Es geht um Attraktivität - im kulturellen wie im politischen Sinn." Genau darin liegt die eigentliche politische Bedeutung: Schönheit ist nicht nur, aber auch eine politische Strategie. |
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| Short teaser | K-Beauty ist mehr als Kosmetik: Südkorea nutzt Schönheit als wirtschaftliche und politische Strategie. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/k-beauty-schönheit-als-globale-strategie/a-76628406?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 6 | |||
| Id | 76622347 | ||
| Date | 2026-04-02 | ||
| Title | Türkei und Armenien: Wann öffnen die Grenzübergänge? | ||
| Short title | Türkei und Armenien: Wann öffnen die Grenzübergänge? | ||
| Teaser |
Seit Jahrzehnten verharrten die Länder in Feindschaft und schotteten sich ab. Nach der jüngsten Annäherung hofft die türkische Wirtschaft auf gute Geschäfte. Neue Logistikrouten könnten der Region Aufschwung bringen. Es war ein historischer Moment im Juni 2025: Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan stieg aus dem Wagen und ging auf seinen Gastgeber, den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, zu. Die beiden Politiker schüttelten sich die Hände und drehten sich gemeinsam zu den Kameras - ein historischer Augenblick. Es war das erste Mal, dass ein armenischer Regierungsvertreter dem Nachbarland einen Arbeitsbesuch abstattete - und das auf offizielle Einladung eines türkischen Staatschefs. Die Türkei und Armenien teilen eine fast 330 Kilometer lange Landesgrenze und sind seit über hundert Jahren verfeindet. Historisch belastet sind die Beziehungen vor allem durch die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich, die der Deutsche Bundestag, wie viele westliche Länder auch, im Jahr 2016 als Völkermord anerkannte. Auch die Haltung Ankaras im Bergkarabach-Konflikt sorgt für tiefe Gräben. Die Türkei stellte sich dabei auf die Seite von Armeniens Gegner Aserbaidschan und schloss 1993 die gemeinsame Grenze. Friedensabkommen eröffnet neue PerspektivenSeit 2022 gibt es jedoch eine vorsichtige Annäherung. Der Binnenstaat Armenien besteht nicht mehr darauf, dass Ankara die Ereignisse von 1915 als Völkermord anerkennt. Zudem hat das Land den jahrzehntelangen Krieg um Bergkarabach mit Aserbaidschan im vergangenen Jahr durch ein Friedensabkommen beigelegt. Seitdem wächst in der türkischen Wirtschaft die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung in der Region und die Öffnung der seit über drei Jahrzehnten geschlossenen Grenze. Die Türkei verfügt über zwei Übergänge zum benachbarten Armenien: Alican in der Provinz Igdir und Akyaka in der Provinz Kars. Beide sind seit dem Ersten Bergkarabach-Krieg dicht, könnten laut Beobachtern aber in wenigen Monaten wieder eröffnet werden. Armenische Medien berichten, dass Eriwan die nötigen Vorbereitungen dafür bereits getroffen hat. Auf türkischer Seite laufen die Arbeiten noch, sind aber ebenfalls weit vorangeschritten. Sollten die Übergänge vor den armenischen Parlamentswahlen im Juni öffnen, wäre das ein großer Erfolg für Ministerpräsident Nikol Paschinjan. Er treibt seit Jahren einen Versöhnungsprozess mit den Nachbarn voran und nähert sein Land dem Westen an. Alternative Handelsroute über GeorgienKaan Soyak, der Vorsitzende des Türkisch-Armenischen Wirtschaftsentwicklungsrates, berichtet, dass der Handel zwischen beiden Ländern aufgrund der geschlossenen Grenzen seit Jahren indirekt über Georgien abgewickelt wird und bei etwa 300 bis 350 Millionen US-Dollar liegt. Seinen Angaben zufolge entfallen rund 99 Prozent davon auf Waren, die von der Türkei nach Georgien und von dort weiter nach Armenien transportiert werden. Laut Soyak ragen dabei vor allem Konfektionskleidung, chemische Produkte, Lebensmittel und unverarbeitete Edelmetalle heraus. Er ist überzeugt, dass das bilaterale Handelsvolumen mit offenen Grenzen schnell auf eine Milliarde Dollar steigen könnte. Zudem erwartet er den raschen Aufbau von Logistikkorridoren inklusive Energie- und Telekommunikationsleitungen mit direktem Anschluss an die gesamte Kaukasusregion. Der Iran-Krieg verzögert jedoch den Countdown. Laut Soyak hat die Ausweitung des Krieges auf die Golfstaaten, den Irak und den Libanon die Sorge vor neuen Migrationswellen geschürt. Aus diesem Grund werde die Öffnung der gemeinsamen Landgrenzen derzeit etwas langsamer vorangetrieben. Anatolien hofft auf TourismusDie östlichen türkischen Provinzen wie Kars, Igdir, Agri, Ardahan und Van liegen nur einen Steinwurf von der armenischen Grenze entfernt und zählen zu den ärmsten Regionen Anatoliens. Nach Angaben des türkischen Statistikamtes belegen sie mit einem Bruttoinlandsprodukt von gerade einmal 3250 bis 4350 Euro pro Kopf die hintersten Plätze im Städteranking. Umso größer sind die Hoffnungen, die die Menschen vor Ort in den Waren- und Personenverkehr mit den Nachbarn setzen - auch auf Besucher aus Armenien und der weltweiten Diaspora. Da viele bedeutende historische und religiöse Stätten auf der türkischen Seite der Grenze liegen, könnte die Öffnung ein völlig neues Publikum an Touristen erschließen. Kadir Bozan, der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer (IHK) im türkischen Kars, unterstreicht zudem die Bedeutung des sogenannten Trump-Korridors: Für die Mitglieder der Kammer habe dieser Weg und die dazugehörige Infrastruktur eine enorm wichtige Bedeutung. Die Einrichtung der Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand wurde im vergangenen August als Teil des von US-Präsident Donald Trump vermittelten Friedensplans zwischen Armenien und Aserbaidschan vereinbart. Der Plan sieht einen 43 Kilometer langen Straßen- und Schienenkorridor durch Armenien vor, der Aserbaidschan mit seiner Exklave Nachitschewan und der Türkei verbindet. Transportkorridor zwischen China und EuropaDer Korridor soll die Transkaspische internationale Transportroute stärken und soll die Transportzeiten zwischen China und Europa verkürzen. Die Türkei sieht darin eine große Chance, ein entscheidender Akteur des Welthandels zu werden. Schon im vergangenen August hat sie mit dem Bau einer 224 Kilometer langen Eisenbahnstrecke begonnen, die als Teil der Route jährlich Millionen Tonnen Fracht und Personen befördern soll. Viele Menschen in der Region wünschen sich daher ein baldiges Ende des Iran-Krieges, betont IHK-Chef Kadir Bozan weiter, damit Versöhnung einkehre und die Region zum Wirtschafts- und Tourismuszentrum aufsteigen könne. Seine Stadt besitze schon jetzt eine sehr gute und beliebte Zugverbindung über Tiflis bis nach Baku. Auch in der Nachbarprovinz Ardahan, die über zwei Grenzübergänge nach Georgien verfügt, setzt man große Hoffnungen auf die türkisch-armenische Annäherung. Da die Stadt nur 20 Kilometer von Armenien entfernt liegt, glaubt Cetin Demirci, der Vorsitzende der IHK Ardahan, dass dort bald neue Produktionsstätten, Fabriken, Gewerbegebiete und Lager entstehen werden. Seit Jahren schrumpfe seine Stadt, weil die Jugend abwandere. Offene Grenzen würden hier dringend benötigte Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft beleben. Ähnlich optimistisch blickt auch Kamil Arslan, der Vorsitzende der IHK Igdir, in die Zukunft und betont: "Der Handel kennt keinen Nationalismus." Man wolle endlich, dass diese über 30 Jahre alte Feindschaft zwischen der Türkei und Armenien aufhöre. Arslan wünscht sich, dass über die Grenzübergänge bald wieder Lebensmittel, Baumaterial, Textilien und Dienstleistungen nach Armenien fließen - allen voran die süßen, berühmten Aprikosen aus Igdir, genau wie in alten Zeiten. |
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| Short teaser | Nach 33 Jahren Feindschaft wächst die Hoffnung auf mehr Handel und Transport zwischen der Türkei und Armenien. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/türkei-und-armenien-wann-öffnen-die-grenzübergänge/a-76622347?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Die armenische Stadt Ararat mit dem gleichnamigen heiligen Berg liegt direkt an der Grenze zur Türkei, dem Iran und der autonomen Republik Nachitschewan. Anwohner hoffen nach jahrelangem Stillstand auf eine Öffnung der Grenze | ||
| Image source | Gilles Bader/dpa/MAXPPP/picture alliance | ||
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| Item 7 | |||
| Id | 76623164 | ||
| Date | 2026-04-02 | ||
| Title | Wie Südafrika und die USA in eine Beziehungskrise rutschten | ||
| Short title | Wie Südafrika und die USA in eine Beziehungskrise rutschten | ||
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US-Präsident Donald Trump versucht, Südafrika diplomatisch auszubooten und will weiße Südafrikaner vor einem vermeintlichen Genozid retten. Auch neue Entwicklungen vertiefen den Graben zwischen beiden Ländern. Als Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa kürzlich auf einer Parteikonferenz von "aggressiven globalen rechten Kräften" sprach, wusste wohl jeder gemeint war: Seitdem Donald Trump Anfang 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, sind die Beziehungen zwischen den USA und Südafrika immer tiefer in die Krise gerutscht. Trump warf Südafrikas schwarzer Bevölkerungsmehrheit einen "Genozid" an der weißen Minderheit vor, ohne echte Beweise vorzulegen - ein Vorwurf, den Ramaphosas Regierung vehement zurückwies. Trump boykottierte auch die im vergangenen Jahr von Südafrika ausgerichteten G20-Treffen inklusive des Gipfels in Johannesburg. Und nun berichten verschiedene Medien, die USA hätten Druck auf Frankreich ausgeübt, das daraufhin Südafrika wieder vom für Juni geplanten G7-Gipfel in Evian auslud. Druck aus USA nicht nachgebenDer Startpunkt für die diplomatische Eiszeit liegt jedoch schon deutlich vor dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit, glaubt Daniel Silke, Leiter der Beratungsfirma Political Futures Consultancy in Kapstadt: "Diese Entwicklung zwischen Südafrika und den USA hat sich schon lange abgezeichnet. Denn Südafrika hat im Laufe der letzten zehn Jahre seine außenpolitische Ausrichtung weg von den USA und dem Westen verlagert", sagt Silke zur DW. Das Land habe sich stärker den BRICS-Staaten zugewandt, ein Zusammenschluss aufstrebender Volkswirtschaften, die ein Gegengewicht zum westlich geprägten G7-Bündnis bilden. Selbst nachdem Russland seinen Angriffskrieg in der Ukraine begann, bemühte sich Ramaphosa weiter um gute Beziehungen mit dem BRICS-Mitglied; die Nähe seiner Partei ANC zu Moskau stammt noch aus den 70er- und 80er-Jahren, als die Sowjetunion den Kampf gegen das Apartheids-Regime unterstützte. In jüngerer Vergangenheit band sich Südafrika zudem enger an China, ein weiteres BRICS-Land. Washington habe diese Verschiebung verfolgt und die Botschaften der BRICS-Gruppe zur Kenntnis genommen, sagt Silke. Das Bündnis verfolge ein gemeinsames Ziel: Die Rolle des US-Dollars als Leitwährung im Welthandel zu reduzieren. Misstrauen tief verankert"Der ANC hegte historisch gesehen schon immer Misstrauen gegen die USA", sagt Silke gegenüber DW. Auch hier reicht die Begründung zurück in die 1980er-Jahre, als der internationale Druck auf das Apartheids-Regime zunahm. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan habe jedoch kein Interesse gehabt, umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika zu verhängen, sagt Silke. Nach dem Ende der Apartheid 1994 hatten sich auch die diplomatischen Beziehungen der USA mit dem Amtsantritt des Demokraten Bill Clinton zu dem Land am Kap gewandelt. Für Südafrika sind laut Statistiken der staatlichen deutschen Wirtschaftsförderungsagentur GTAI die Vereinigten Staaten heute - hinter China - der zweitwichtigste Handelspartner. "Der ideologische Rechtsruck in Washington brachte die Regierung auf Kollisionskurs mit dem ANC", sagt Silke. "Mit einem Trump, der keine Angst vor einem solchen Kurs hat, verschlimmert sich die Lage noch." Südafrika als Zielscheibe rassistischer PolitikDer Wissenschaftler Noor Nieftagodien, Leiter des History Workshops an der Witwatersrand Universität von Johannesburg, betont ebenfalls die zentrale Bedeutung der Tech-Investoren aus dem Umfeld von Trumps MAGA-Bewegung, unter deren Einfluss die Republikanische Partei rassistischer agiere als je zuvor. "In seinem inneren Zirkel sind Menschen wie Elon Musk und Peter Thiel", sagt Nieftagodien der DW. Der Tesla-Chef und frühere Leiter von Trumps Deregulierungs-Behörde DOGE, Musk, ist gebürtiger Südafrikaner, Paypal-Gründer Thiel hat in seiner Kindheit in Namibia gelebt. "Sie haben Verbindungen zu rechtsextremen, rassistischen Organisationen in Südafrika, die die komplette Lüge verbreitet haben, es gebe einen weißen Genozid in Südafrika. Und Trump hat das übernommen." Dianne Hawker, DW-Korrespondentin in Johannesburg, sieht Südafrika praktisch seit Amtsübernahme im Visier der Trump-Regierung: "Nur zwei Wochen danach gaben die USA den Stopp aller Hilfsprogramme bekannt, unter Verweis auf angebliche Menschenrechtsverletzungen", sagt Hawker. Darunter sind auch Programme zur Bekämpfung von HIV/Aids, deren Auslaufen für viele HIV-positive Südafrikaner potenziell lebensbedrohlich ist. Der Graben vertiefte sich weiter, als die US-Regierung ein spezielles Asylprogramm für weiße Südafrikaner auflegte und zugleich die Flüchtlingsaufnahme generell drastisch reduzierte. Den Afrikaanern wurde ein Großteil der nur noch 7.500 Plätze in Aussicht gestellt. Ein weiterer Knackpunkt: Südafrika zog im Dezember 2023 vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag und klagte Israel wegen Völkermord an den Palästinensern in Gaza an. Israel bestreitet das und Trump hält die Vorwürfe für haltlos: Die US-Regierung legte im März 2026 formell Einspruch in Den Haag ein. Bestraft Trump Südafrika für dessen Haltung?Auch der jüngste Krieg im Nahen Osten hat weitere negative Auswirkungen auf das US-südafrikanische Verhältnis. Irans Regime ist im ANC immer noch gut gelitten, da die Kleriker nach der Islamischen Revolution von 1979 kein Öl mehr an das Apartheid-Regime lieferten und zugleich den ANC unterstützten. Dass Südafrika nicht von Teheran abrückt, ist laut Analyst Nieftagodien US-Präsident Trump ein Dorn im Auge: "Die Trump-Regierung duldet keinerlei kritische Stimmen gegenüber ihrer eigenen Weltanschauung und dem Bestreben, dem Rest der Welt ihren Willen aufzudrücken." Aus seiner Sicht will Trump Südafrika für dessen unbeirrten, eigenständigen außenpolitischen Kurs bestrafen. Solange Trump im Weißen Haus bleibt, rechnet Nieftagodien nicht mit einer Entspannung im Verhältnis beider Länder. |
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| Short teaser | Das Verhältnis zwischen Washington und Pretoria ist wohl so schlecht wie nie. Neue Entwicklungen vertiefen die Gräben. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/wie-südafrika-und-die-usa-in-eine-beziehungskrise-rutschten/a-76623164?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 8 | |||
| Id | 76636967 | ||
| Date | 2026-04-02 | ||
| Title | Iran: Donald Trump und die Suche nach der Exit-Strategie | ||
| Short title | Iran: Donald Trump und die Suche nach der Exit-Strategie | ||
| Teaser |
Während der Gegenwind zunimmt, rechtfertigt der US-Präsident in einer Rede an die Nation erneut den Krieg gegen den Iran. Doch viele Fragen bleiben offen. Wie also kommt Trump raus aus diesem Krieg? Hat Donald Trump sich verrannt? Fünf Wochen dauert sein Krieg nun schon an, die von den USA martialisch "Epic Fury", zu deutsch "epische Wut" genannte Militäraktion gegen den Iran. Doch je länger sich dieser Krieg hinzieht, desto mehr steht der US-Präsident selbst unter Druck. Der Iran ist noch immer in der Lage, Ziele am Persischen Golf oder in Israel ins Visier zu nehmen. Das iranische Regime ist zwar getroffen, sitzt aber weiter fest im Sattel. Die Weltwirtschaft ächzt aufgrund der faktisch blockierten Straße von Hormus. Der Krieg kostet die USA täglich Milliardensummen, und er ist nicht zuletzt deshalb im eigenen Land äußerst unbeliebt; seit seinem Beginn sind Trumps Umfragewerte geradezu eingebrochen. Und Europa zeigt dem US-Präsidenten die kalte Schulter, wenn es um eine Beteiligung am Waffengang geht. Einige Kritiker sprechen bereits davon, man müsse die Militäroperation in "Epic Fail" umbenennen. Die Iraner "in die Steinzeit bomben" - und verhandelnNatürlich klingt das alles ganz anders, als Donald Trump in dieser Nacht ans Rednerpult tritt. Der Krieg werde bald enden, so erklärte es der US-Präsident in seiner rund 20-minütigen Ansprache: Die USA stünden "kurz vor der Vollendung" ihrer Ziele; Marine, Luftwaffe und Raketenarsenal des Iran seien "weitestgehend zerstört". Trump rechtfertigte den Militäreinsatz erneut damit, dass er es dem Iran niemals erlauben würde, Atomwaffen zu bauen. Er kündigte auch an, dass die US-Armee die Iraner "in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen", sie gar "in die Steinzeit" bomben würde, dorthin, "wo sie hingehören". Gleichzeitig habe das iranische Regime Verhandlungsbereitschaft signalisiert, erklärte Trump - nur dass man in Teheran selbst davon nichts wissen will. Mehr als lose Kontakte gebe es nicht, heißt es aus dem Iran. Viel Neues sei bei Trumps Rede nicht herumgekommen, kritisierte der demokratische US-Senator Mark Warner im Anschluss an die Rede gegenüber Medienvertretern. "Es gibt immer noch keinen klaren Plan, um das iranische Nuklearmaterial zu sichern, seine ballistischen Raketenfähigkeiten bleiben eine Bedrohung, und die Straße von Hormus bleibt geschlossen", so Warner. "Gleichzeitig lockert die Regierung die Ölsanktionen auf eine Weise, die Milliarden von Dollar an genau das Regime zurückschickt, mit dem wir konfrontiert sind." Warner zufolge habe Trumps Regierung seit Kriegsbeginn "sich ständig verändernde Rechtfertigungen" für den Waffengang abgegeben, es gebe jedoch keinerlei "seriöse Planung, die vorhersehbaren Folgen" dieses Krieges zu bewältigen. Wie geht es weiter mit der Straße von Hormus?Tatsächlich blieb der US-Präsident auch die Antwort darauf schuldig, wie es am Persischen Golf nach Beendigung des Krieges weitergehen soll. Noch einen Tag zuvor hatte Trump insbesondere gegen die europäischen Staaten gewettert, die sich geweigert hatten, ihn bei seinem Krieg gegen den Iran zu unterstützen. "Geht zur Straße von Hormus und holt euch euer eigenes Öl!" postete er auf seinem Netzwerk Truth Social. Jetzt, in seiner Rede, milderte er seinen Ton wieder etwas ab. Zwar sei die Sicherung der Straße von Hormus noch immer vor allem Aufgabe der Länder, die am meisten von den Öltransporten abhingen. Allerdings deutete Trump nun an, dass die USA diese dabei unterstützen könnten. "Da ist wirklich keine klare Linie erkennbar," konstatiert Eckart Woertz, Direktor des Hamburger GIGA-Institutes für Nahost-Studien. Derzeit gebe es stattdessen "die paradoxe Situation, dass das einzige Land, das Öl über die Straße von Hormus exportiert, der Iran ist." Und so konnte Trumps Rede auch nicht dazu dienen, die Weltwirtschaft zu beruhigen - im Gegenteil. Nach seiner Ansprache stiegen die Ölpreise sogar deutlich an. Woertz zufolge bestehe für die arabischen Golfstaaten gar die Gefahr, "dass der Iran strategisch gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen könnte, dass das Regime überlebt und die Kontrolle über die Straße von Hormus ausübt, während die USA abziehen und die Golfstaaten mit dem Problem Iran alleine lassen." Das iranische Parlament habe ja bereits "eine Art Mautsystem" beschlossen, mit dem es Gebühren für durchfahrende Schiffe anderer Länder erheben will. Sollten die USA sich zum Ende des Konfliktes tatsächlich komplett zurückziehen, wäre dies auch für Europa ein großes Problem. Regime Change "war nie unser Ziel"Zu den Kriegsgründen, die Donald Trump - wie auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu - ursprünglich aufgeführt hatte, gehörte auch der sogenannte Regimewechsel - davon war in seiner Rede nun keine Rede mehr. Im Gegenteil: "Regime Change war nie unser Ziel", erklärte Trump, dennoch habe er stattgefunden, weil alle ursprünglichen Anführer des Iran nun tot seien. Dennoch sitzt die iranische Führungsriege unter Modschtaba Chamenei, dem Sohn des getöteten Obersten Revolutionsführers Ali Chamenei, weiter fest im Sattel, "in einer radikalisierteren Form und mit einer stärkeren Rolle der Revolutionsgarden", so Eckart Woertz. Noch im Februar, im Zuge der iranischen Massenproteste gegen die Führung in Teheran hatte Donald Trump der Bevölkerung signalisiert: "Macht weiter! Hilfe ist unterwegs." Für Woertz war das von Anfang an ein leeres Versprechen. "Man kann davon ausgehen, dass Herrn Trump die Iraner vollkommen egal sind, dass er keinerlei Interesse an Demokratisierung im Iran oder anderswo hat und dass er durchaus wieder aufgeschlossen wäre, zu irgendeinem Deal mit dem neuen Regime zu kommen." Kein Wort zur NATOWährend die Rede viel Erwartbares reproduzierte, war ein Umstand besonders bemerkenswert. Noch im Vorfeld seiner Rede hatte Donald Trump Spekulationen über einen möglichen Austritt der USA aus der NATO befeuert. In einem Interview mit dem britischen Telegraph bezeichnete er das Verteidigungsbündnis als "Papiertiger" und erklärte: "Oh ja, ich würde sagen, das geht über eine reine Überlegung hinaus." Auch US-Außenminister Marco Rubio äußerte seine Verärgerung darüber, dass die übrigen NATO-Staaten die USA in ihrem Krieg gegen den Iran nicht unterstützt hätten. Man müsse nach Beendigung des Krieges zu einer "Neubewertung" des Bündnisses kommen, so Rubio. Mit Spannung war daher erwartet worden, ob und wie sich Donald Trump in seiner Rede zur NATO äußern würde. Tatsächlich verlor er dann jedoch über sie kein Wort. Ohnehin wären die rechtlichen Hürden für einen US-amerikanischen NATO-Austritt sehr hoch. Um einen eigenmächtigen Schritt des US-Präsidenten zu verhindern, hatte der US-Kongress im Dezember 2023 eigens ein Gesetz verabschiedet, an dem auch Marco Rubio einst mitgewirkt hatte. Demnach benötigt ein Austrittsbeschluss die Zustimmung von zwei Dritteln des Senats oder einen speziellen Beschluss des gesamten Kongresses. Angesichts der derzeitigen Mehrheitsverhältnisse wäre ein solcher Beschluss jedoch extrem unwahrscheinlich. |
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| Short teaser | In einer Rede hat der US-Präsident erneut den Krieg gegen den Iran gerechtfertigt. Doch viele Fragen bleiben offen. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/iran-donald-trump-und-die-suche-nach-der-exit-strategie/a-76636967?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | In einer Rede verteidigte Donald Trump den von USA und Israel gemeinsam begonnenen Iran-Krieg | ||
| Image source | Alex Brandon/CNP/picture alliance | ||
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| Item 9 | |||
| Id | 76636931 | ||
| Date | 2026-04-02 | ||
| Title | Wie Chinas Propaganda die USA im Iran-Krieg darstellt | ||
| Short title | Wie Chinas Propaganda die USA im Iran-Krieg darstellt | ||
| Teaser |
Chinesische Staatsmedien portraitieren die USA auf subtile Weise als destabilisierende Kraft im Nahen Osten. Ein KI-generiertes Video zeigt eine persische Katze und einen Adler, die miteinander kämpfen. Vergangene Woche ging ein von chinesischen Staatsmedien erstelltes KI‑Video viral. Es zeigt persische Katzen und einen kahlköpfigen Adler in einem epischen Kampf, der an Fantasy-Geschichten erinnert. Als offenkundige Parabel auf den Krieg der USA und Israels mit dem Iran erzielte es innerhalb weniger Stunden fast eine Million Likes und füllte die Kommentarspalten. Das reichweitenstarke Video des staatlich geführten Central China TV (CCTV) zeigt die „persischen Katzen", die Rache an dem arroganten "weißen Adler" nehmen wollen, der ein Wüstenreich namens „Tal des Goldflusses" dominiert. Der Adler zwingt das Reich, knappe Ressourcen - in dem Video ist es die „Schwarzeisen-Essenz" - ausschließlich mit "Goldtickets des weißen Adlers" zu handeln. Nachdem der Adler den Anführer der persischen Katzen ermordet hat, entwickelt sich ein asymmetrischer Abnutzungskrieg, in dem der Adler teure "Anti-Luft-Goldnadeln" verschießt, um billige "Holzvögel" abzuschießen. Das Video bietet einen guten Einblick, wie Peking den Iran‑Konflikt interpretiert, um die öffentliche Meinung im Inland zu beeinflussen. "Von Anfang an waren chinesische Offizielle sehr klar darin, den Krieg sowohl als illegal als auch als Bedrohung für die globale Stabilität zu beschreiben", sagte W.A. Figueroa, Assistenzprofessor für Geschichte und internationale Beziehungen an der Universität Groningen in den Niederlanden. Die Kernbotschaft, die der chinesischen Öffentlichkeit vermittelt wird, entspricht dabei einem mittlerweile häufig verwendeten Narrativ: "Das dargestellte Bild ist das eines ruhigen, engagierten und diplomatischen China im Gegensatz zu einem aggressiven und unberechenbaren Vereinigten Staaten", sagt der Wissenschaftler. Chinas Medienstrategie: Harte Botschaften leicht verdaulichIn scharf formulierten Kommentaren gibt die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua dabei die Richtung vor: Washingtons eigentliches Ziel sei ein "Iran ohne Souveränität", und der Krieg diene "weniger der ‚Sicherheit‘ als vielmehr der Hegemonie". In den sozialen Medien werden diese großen geopolitischen Themen dann in leicht verdauliche, nationalistische Kurzclips zerlegt. So zeigt auch das KI‑Video von CCTV, wohin sich die chinesischen Staatspropaganda bewegt. Sie werde hier durch das beliebte Fantasy‑Kampfkunst‑Genre Wuxia "gefiltert", sagte Alicja Bachulska, China‑Analystin beim European Council on Foreign Relations, im Interview mit der DW. Die Verwendung künstlicher Intelligenz mache offizielle Narrative "viel schmackhafter" und "unterhaltsamer" für das heimische Publikum als trockene TV‑Berichterstattung, so Bachulska weiter. Durch die clevere Nutzung tief verwurzelter Nostalgie für die Kung‑Fu‑Filmklischees aus Hongkong der 1980er‑Jahre betten die Staatsmedien geopolitische Botschaften nahtlos in die Popkultur ein. Diese Orientierung auf die sozialen Medien lässt sich auch anderen Beispielen ablesen. "Jing Si You Wo", ein beliebter Influencer auf der chinesischen Kurzvideo-App Douyin, erreicht eine gewaltige Online-Anhängerschaft. In seinen jüngsten Videos wird freudig behauptet, die USA hätten angesichts der iranischen Entschlossenheit "den Schwanz eingezogen" und Irans mächtigste Waffe sei der pure Wille zur „gegenseitigen Zerstörung". Und auch der offizielle Douyin-Account des chinesischen Militärs veröffentlichte ein virales Video. Mithilfe hochauflösender Satellitenaufnahmen analysiert es detailliert die US‑Truppenbewegungen am Golf. Der Beitrag erhielt über sechs Millionen Likes – was klar darauf hindeutet, dass die chinesische Bevölkerung begierig ist, die Taktiken und Strategien des US‑Militärs zu studieren. Peking als "stabilisierende Kraft"Die politischen Überlegungen hinter Chinas Konfliktnarrativ im Nahen Osten und die damit verbundenen politischen Überlegungen seien Teil einer breiteren, langfristig angelegten Strategie, meint Figueroa, dessen Forschung auch die Beziehungen zwischen China und dem Nahen Osten umfasst. Denn die Regierung in Peking müsse fortlaufend Washingtons Vorwürfe kontern, China sei eine destabilisierende Kraft. Die jetzige Situation "ermöglicht es ihr, nicht nur der Welt, sondern auch dem eigenen Volk zu zeigen, dass China tatsächlich gut dasteht. China macht Fortschritte und China ist eine stabilisierende Kraft", sagte er. Die chinesischen Polit-Eliten betrachten dabei die Welt durch das Prisma einer existenziellen Rivalität, ergänzt Bachulska. "Alle globalen Entwicklungen … werden durch die Frage gefiltert, wie China sie nutzen kann, um das Narrativ zu stärken, dass die USA eine neo‑imperiale Macht und ein diskreditiertes Handlungszentrum sind" sagte sie. Letztlich präsentiert Peking stolz seine eigene geopolitische Lösung für das weltweite Chaos, das es selbst gerne hervorhebt. Der animierte Kurzfilm "Katze und Adler" endet folglich mit chinesischer Kampfkunstweisheit: "Das wahre Wesen der Kampfkunst liegt nicht im Einsatz von Waffen, sondern darin, Gewalt zu stoppen." Und: Findige Händler schaffen es, die Handelsblockaden des weißen Adlers zu umgehen. Damit enthält das Video auch eine subtile und strategische angelegte Werbung für Chinas Belt‑and‑Road‑Initiative - als ultimativen Weg, der wirtschaftlichen Hegemonie der USA zu entkommen. Aus dem Englischen adaptiert von Florian Weigand |
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| Short teaser | Chinesische Staatsmedien portraitieren die USA auf subtile Weise als destabilisierende Kraft und nutzen dabei KI-Videos. | ||
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| Item 10 | |||
| Id | 76594446 | ||
| Date | 2026-04-01 | ||
| Title | US-Zölle: Ein Jahr nach dem "Liberation Day" | ||
| Short title | US-Zölle: Ein Jahr nach dem "Liberation Day" | ||
| Teaser |
Ein Jahr nach Trumps Zollhammer am "Tag der Befreiung" haben sich die globalen Handelsströme verändert. Handelsdaten zeigen, welche Länder profitierten, wer Verluste erlitt - und wer die Kosten trägt. Vor einem Jahr, genauer am 2. April 2025, schockte Donald Trump die Welt mit der Ankündigung, die "wirtschaftliche Unabhängigkeit" der USA herzustellen und dazu weitreichende Zölle gegen alle Länder der Welt zu verhängen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat diesen beispiellosen Schritt zwar mittlerweile für ungültig erklärt, doch der US-Präsident scheint entschlossen, ihn sogar noch zu verschärfen. Die DW analysierte Handelsdaten zur Herkunft von US-Importen des vergangenen Jahres, um herauszufinden: Was haben Trumps Zölle bewirkt? Wie passt sich der Rest der Welt dieser neuen Wirtschaftsordnung an? Und: Wer profitiert davon? Der "Befreiungstag"Mit den "Befreiungstagszöllen" hatte US-Präsident Donald J. Trump angekündigt, dass alle Länder einem Basiszoll von zehn Prozent auf alle in die USA exportierten Waren unterliegen würden. Zusätzlich würden 85 Länder, die mehr in die USA exportieren als importieren, mit höheren Zöllen von bis zu 50 Prozent belegt. Ausnahmen sollten nur für Länder gelten, die von Sanktionen betroffen sind oder mit denen ein Handelsabkommen besteht. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand erwartet hat, dass die US-Regierung im Grunde einen Handelskrieg gegen die ganze Welt erklären würde", sagt Haishi Li, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Hongkong, dessen Forschungsschwerpunkt die Auswirkungen von Zöllen und Sanktionen auf den Welthandel ist. Unmittelbar nach der Verkündung des Trump-Planes brach Chaos aus, die globalen Aktienmärkte brachen ein. Während Trump behauptete, dass "Großunternehmen sich keine Sorgen um die Zölle" machen würden, kündigte er am 9. April eine 90-tägige Aussetzung aller Zölle über dem Basissatz von zehn Prozent an. In diesen drei Monaten verhandelten viele Handelspartner wie die Europäische Union, Vietnam und Großbritannien eilig Handelsabkommen in der Hoffnung, so die angekündigten Zollsätze senken zu können. Die Verhandlungen mit China blieben in den folgenden Monaten turbulent, wobei sich die Zolldrohungen in mehreren Runden auf bis zu 125 Prozent beliefen. Nach mehreren kurzfristigen Verlängerungen der 90-tägigen Aussetzung der Zölle traten die länderspezifischen Zollsätze schließlich am 7. August 2025 in Kraft. US-Importeure hatten Vorräte angelegtSchon vor April war klar gewesen, dass Änderungen bevorstanden. "Zölle werden uns steinreich machen", hatte Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 verkündet. US-Unternehmen verstanden die Botschaft: Sie beeilten sich, ihre Lager zu füllen, bevor die Kosten stiegen, und erhöhten ihre Bestellungen drastisch. Zwischen Januar und März importierten sie rund 20 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2024 - ein Plus von etwa 184 Milliarden US-Dollar. In Erwartung höherer Zölle auf Goldbarren importierten die USA beispielsweise Anfang 2025 das 50-fache ihres üblichen Volumens, insgesamt rund 72 Milliarden US-Dollar - hauptsächlich aus der Schweiz, aber auch von einer Vielzahl neuer oder ungewöhnlicher Lieferanten, darunter Usbekistan, den Philippinen und Simbabwe. Auch große Hersteller in Asien verzeichneten deutliche Zuwächse, wobei Taiwan, Vietnam und Indien allesamt mehr Exporte in die USA als üblich meldeten. Lieferketten verlagertDie am 9. April in Kraft getretene Aussetzung der Zölle gab US-Importeuren drei Monate Zeit, sich an die neue Situation anzupassen. Eine Studie von Haishi Li und Kollegen ergab, dass Unternehmen überwiegend versuchten, ihre Lieferketten in Länder mit niedrigeren Zollsätzen zu verlagern. "Die Importe glichen Wasser, das von Ländern mit hohen Zöllen in Länder mit niedrigen Zöllen floss", so Li. Aus keinem anderen Land verlagerten sich die US-Importe so stark wie aus China, das mit Abstand den höchsten und volatilsten Zolldrohungen ausgesetzt war. Die USA importierten zwischen April und Juli 2025 Waren im Wert von 66 Milliarden US-Dollar weniger aus China als im gleichen Zeitraum der Vorjahre. Kanada, von Zöllen in Höhe von 25 Prozent bedroht, verzeichnete ebenfalls einen deutlichen Rückgang seiner Exporte in die USA um 24 Milliarden US-Dollar. Das Land scheint diesen Rückgang jedoch durch Anpassung seines Handels mit anderen Ländern erfolgreich kompensiert zu haben: Kanadas Gesamtexporte lagen 2025 nur 1,6 Milliarden US-Dollar unter dem Wert von 2024. "Die Länder, die am meisten von der Zolldrohung profitierten, waren die sogenannten Zehn-Prozent-Länder wie Australien und die lateinamerikanischen Länder", sagt Li. Doch auch einige Länder mit hohen Zöllen verzeichneten einen massiven Importanstieg von US-Unternehmen: Vietnam, Thailand und Taiwan waren mit einigen der höchsten Gegenzölle - 46, 36 beziehungsweise 34 Prozent - konfrontiert, dennoch verzeichneten die USA allein zwischen April und Juli zusätzliche Importe im Wert von 34 Milliarden US-Dollar aus Taiwan. "US-Importeure importierten tendenziell aus Ländern, die potenzielle Alternativen zu China darstellten", erklärt Li. Viele Hersteller in Taiwan und Vietnam unterhielten bereits enge Beziehungen zu US-Unternehmen, die während Trumps Handelsstreit mit China in seiner ersten Amtszeit noch verstärkt wurden. Dieser Streit verlagerte Produktion und Lieferketten in diese und andere asiatische Volkswirtschaften. US-Bürger tragen die HauptlastenBislang haben die Zölle die Produktion nicht in die USA zurückgebracht, sagt Alex Durante, leitender Ökonom des US-Thinktanks Tax Foundation, der die Auswirkungen der Zölle im Inland untersucht hat. "Das vergangene Jahr war ziemlich schlecht für das verarbeitende Gewerbe und die Beschäftigung", stellt er im DW-Gespräch fest. "Tatsächlich wachsen vor allem Branchen, die aufgrund von Ausnahmen relativ gut vor den Zöllen geschützt sind, wie beispielsweise Computer und KI-bezogene Produkte." Und obwohl US-Importeure ihre Bezugsquellen verlagerten, normalisierte sich der Gesamtwert der Importe kurz nach der Ankündigung des "Befreiungstages" am 2. April wieder. Eine Kennzahl, die stark gestiegen ist, sind die US-Zolleinnahmen. Im Jahr 2025 nahm das US-Finanzministerium 287 Milliarden Dollar an Zöllen und damit verbundenen Steuern ein - etwa das Dreifache des Betrags der Vorjahre. Erste Daten deuten darauf hin, dass 2026 dieser Betrag sogar noch übertroffen werden könnte. Diese Einnahmen machten 2025 rund fünf Prozent aller in den USA erhobenen Steuern aus. Jüngste Studien zeigen, dass die höheren Zölle fast vollständig von US-Importeuren und nicht von ausländischen Exporteuren getragen wurden. Infolgedessen haben die US-Verbraucher die Hauptlast der Belastung getragen. "Wir schätzen, dass die Zölle jeden US-Haushalt im Jahr 2025 effektiv rund 1000 US-Dollar gekostet haben", sagt Durante. "Dies ist der kumulative Effekt, da Unternehmen gezwungen waren, Preise zu erhöhen, Investitionen zu kürzen, Stellen abzubauen oder Löhne zu senken, um sich an die Zölle anzupassen." Unsicherheit plagt den HandelInternational waren die Monate seit August 2025 geprägt von hastig ausgehandelten - und schnell wieder gescheiterten - Handelsabkommen sowie neuen Zolldrohungen gegen einzelne Länder oder Produktgruppen. Der Welthandel, so der Ökonom Li, sei deutlich unsicherer geworden: "Wenn man Wissenschaftler, US-Politiker oder irgendjemanden fragt, was dieses Jahr passieren wird - ich glaube, niemand weiß es." Der jüngste Schock für die US-Zollpolitik kam im Februar durch das Urteil des Obersten Gerichtshofs, das die Rechtsgrundlage für Trumps ursprüngliche "Liberation Day"-Zölle aufhob. Mit einem neuen pauschalen Zollsatz von 15 Prozent und der scheinbar entschlossenen US-Regierung, weitere Wege für höhere Zölle zu finden, tappen Exporteure und Importeure gleichermaßen im Dunkeln, was die kommenden Monate bringen werden. Um sich dieser Unsicherheit anzupassen, könnten Regierungen laut Li Unternehmen dabei unterstützen, neue Märkte außerhalb der USA zu erschließen. "Wenn sie ihre Lieferketten diversifizieren können, werden sie widerstandsfähiger, was ein Hoffnungsschimmer sein könnte." Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert. |
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| Short teaser | Handelsdaten zeigen, welche Länder profitierten, wer Verluste erlitt - und wer die Kosten trägt. | ||
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| Item 11 | |||
| Id | 76625012 | ||
| Date | 2026-04-01 | ||
| Title | Ungarn in der Ukraine: Zwischen den Fronten | ||
| Short title | Ungarn in der Ukraine: Zwischen den Fronten | ||
| Teaser |
Im Westen der Ukraine leben rund 80.000 ethnische Ungarn. Viele fühlen sich wegen Viktor Orbans antiukrainischer Kampagne und im Konflikt zwischen beiden Ländern zerrissen. Welche Zukunft hat die Minderheit? Auf den ersten Blick wirkt das Dorf an diesem strahlend sonnigen Frühlingstag ganz normal. Gepflegte Anwesen säumen die Hauptstraße. Bei näherem Hinschauen jedoch scheinen viele verlassen. Es sind nur wenige Menschen unterwegs, vor allem kaum Männer in berufstätigem Alter. Von einem regen Dorfleben ist nichts zu spüren. Welyka Dobron, ein Ort im äußersten Westen der Ukraine, zehn Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt. Hier leben rund 90 Prozent ethnische Ungarn, der ungarische Name des Dorfes lautet Nagydobrony. In einer Seitenstraße steht Sandor Rati, 63 Jahre alt, vor einem Lebensmittelladen und unterhält sich mit einem Nachbarn. Tiefe Furchen durchziehen seine Stirn. Rati besitzt eine Tischlerei und arbeitet dort allein. "Die Stimmung hier ist ziemlich traurig", sagt er. Viele Dorfbewohner seien seit Langem im Ausland. Er selbst finde schon lange keine Handwerker mehr, die bei ihm arbeiten könnten. Vor einigen Wochen, erzählt er, sei sein einziger Sohn, 38, auf dessen Hilfe er wegen Gesundheitsproblemen angewiesen sei, zur Armee eingezogen worden. Er absolviere dort gerade ein Training. "Hoffentlich kann er irgendwo hier in der Nähe dienen und muss nicht an die Front", sagt Rati. Auf die antiukrainische Wahlkampagne des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban und auf die Spannungen zwischen Ungarn und der Ukraine angesprochen, wiegt Rati besorgt den Kopf. Orban habe viel für die hiesigen Ungarn getan, findet er. "Aber dass sie jetzt dort so zündeln, wird für uns Ungarn, die wir hier leben müssen, nicht gut ausgehen, denn hier werden sie wütend sein auf uns, weil wir Ungarn sind." Keine Spuren von UnterdrückungDie multiethnische Region Transkarpatien im Westen der Ukraine: Seit gut einem Jahrzehnt gerät sie durch die nationalistische, prorussische und antiukrainische Politik des ungarischen Premiers Orban immer mehr in die Schlagzeilen. Angeblich, so heißt es seit Jahren aus Budapest, würden die hiesigen Ungarn durch den ukrainischen Staat ihrer Minderheitenrechte beraubt. Angeblich würden ukrainische Nationalisten regelmäßig Anschläge auf ungarische Einrichtungen verüben. Angeblich würden ethnische Ungarn derzeit in viel größerem Maße rekrutiert und an die Kriegsfront geschickt als Ukrainer. Besonders in diesen Wochen, während der ungarischen Kampagne für die Parlamentswahl am 12. April, überschwemmt Orbans Propagandaapparat soziale Netzwerke mit derartigen Behauptungen. Die Realität vor Ort sieht anders aus. Kaum jemand unter den Ungarn erhebt Klagen wegen mangelnder Minderheitenrechte. Nach Spuren von Aktionen ukrainischer Nationalisten gegen die ungarische Minderheit sucht man vergebens. Anders als mancherorts in Rumänien oder Serbien sieht man hier nicht einmal übersprühte zweisprachige Orts- oder Straßennamen-Schilder. Groß ist hingegen die Furcht vieler ethnischer Ungarn in der Region, sich in der derzeitigen angespannten Situation öffentlich zu äußern. Auch in Welyka Dobron. Die meisten Leute auf der Straße sagen, dass sie lieber nicht zwischen die Fronten geraten wollen und dass Journalisten ohnehin alles verzerren würden. Aussagen über die Ukraine "verletzend"Hingegen ist der Bürgermeister Ferenc Nagy ohne Voranmeldung zu einem Gespräch bereit. Er empfängt in seinem kleinen Büro im Rathaus. Im Zimmer stehen in einer Ecke eine ukrainische und eine ungarische Fahne. An einer Wand hängen Dutzende Dankesschreiben der ukrainischen Streitkräfte und ukrainischer Institutionen für Hilfsaktionen und Spenden. Nagy, 51, ist ein freundlicher Mann. Er spricht mit leiser Stimme. Zu Viktor Orbans Politik möchte er sich nicht äußern. Er sagt nur, dass Aussagen über die Ukraine als "Mafia-Staat" verletzend seien, auch persönlich. "Ich bin kein Krimineller. Ich kenne hier auch keine Kriminellen." Zur Art und Weise des Wahlkampfes in Ungarn selbst sagt er: In einer Wahlkampagne sollte man Ergebnisse vorzeigen und nicht andere beschmutzen." Eine Benachteiligung der ungarischen Minderheit in der Ukraine kann der Bürgermeister nicht erkennen. Er wünscht sich aber, dass an Minderheiten-Schulen das Fach Ukrainisch mit besseren Methoden gelehrt werde, mehr auf die Bedürfnisse von nicht-ukrainischsprachigen Kindern zugeschnitten. "Hier sind unsere Wurzeln"Wenn er von der Stimmung im Dorf erzählt, spürt man, wie bedrückt Nagy ist. Früher sei es dem Dorf gut gegangen, man habe prima von der Landwirtschaft gelebt, sagt er. Seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine im Jahr 2014 sei alles Stück für Stück bergab gegangen, besonders seit Februar 2022, als Russland zur vollständigen Invasion der Ukraine überging. "Hier lebten einmal mehr als 6000 Menschen. Jetzt sind es noch 2000. Meistens sind zuerst die Männer ins Ausland gezogen, später gingen die Ehefrauen und Kinder hinterher." Nagy seufzt. Das Wichtigste wäre, sagt er, dass der Krieg zu Ende ginge. Er erzählt von seinem Sohn, der schon seit Jahren in Ungarn lebe und arbeite. Er wünscht sich, dass sein Sohn wieder "nach Hause" kommt, zur Familie. "Wir sind doch hier geboren", sagt der Bürgermeister halb verzweifelt, halb entschlossen. "Hier sind unsere Wurzeln und die Gräber unserer Eltern." Bald nur noch Folklore?Bei der letzten Volkszählung in der Ukraine im Jahr 2001 lebten in Transkarpatien noch mehr als 150.000 Ungarn. Ihr Anteil betrug zwölf Prozent an der Bevölkerung des Gebiets. Heute sind es nach optimistischen Schätzungen noch 80.000. "Vielleicht sind wir irgendwann nur noch eine folkloristische Sehenswürdigkeit", sagt Laszlo Zubanics lakonisch. Er ist Historiker und Vorsitzender des Demokratischen Verbands der Ungarn in der Ukraine (UMDSZ). Zwar habe der ukrainische Staat das Bildungsgesetz für Minderheiten 2023 verbessert, sagt der Politiker. Aber wegen des Kriegs und der Flucht vieler Ungarn aus der Region sei der demographische Niedergang der Minderheit nur schwer aufzuhalten. Der UMDSZ ist eine der beiden politischen Parteien der Ungarn in Transkarpatien und vertritt eine von der Orban-Regierung unabhängige, proeuropäische Politik, die auf einen Dialog mit der ukrainischen politischen Elite setzt. Die andere Partei, der Ungarische Kulturverein in Transkarpatien (KMKSZ), ist eng an die Orban-Regierung angebunden und national-konservativ orientiert. Eine Anfrage der DW für ein Gespräch lehnten KMKSZ-Vertreter ab. Hauptsache FriedenDer KMKSZ war lange die stärkere Partei. Wegen des Krieges und der fast sechs Jahre zurückliegenden letzten Lokalwahlen ist schwer zu beurteilen, in welchem Maße die beiden Interessengruppen derzeit die politischen Präferenzen der Ungarn in Transkarpatien abbilden. In Gesprächen auf der Straße trifft man sowohl auf Orban-Anhänger als auch auf Orban-Gegner. Die meisten jedoch scheinen sich aus der Politik möglichst heraushalten zu wollen. Zugleich ist, ebenso wie von Ukrainern, auch von den Ungarn kein Wunsch öfter zu hören als der nach Frieden. Der Politologe Witalij Djatschuk vom Institut für Mitteleuropäische Strategien (ICES) in Uschhorod sagt: "Unsere Umfragen zeigen, dass sich die meisten ethnischen Ungarn in zweifacher Hinsicht als Patrioten fühlen, als Ungarn und als Bürger der Ukraine." Er glaubt, dass der ukrainische Staat und die ukrainische Öffentlichkeit mehr unternehmen müssten, damit Minderheiten wie die Ungarn nicht zur "Dekoration" würden. "Es gibt zum Beispiel viele Ungarn, die in den Streitkräften kämpfen. Solche Sachen müssen hervorgehoben werden. Nicht nur die Augenblicke, wenn die Minderheit ihre Folklore-Feste feiert." Ungarisches Vorzeige-GymnasiumEmese Zseltvay-Vezsdel kämpft auf ihre Weise dafür, dass die Ungarn in Transkarpatien nicht zur "Dekoration" werden. Sie leitet das Lajos-Kossuth-Gymnasium in der Kleinstadt Berehowe (Beregszasz), benannt nach dem ungarischen Freiheitskämpfer und politischen Führer der antihabsburgischen Revolution von 1848. Das Gymnasium ist die Vorzeige- und Elite-Schule der ungarischen Minderheit in Transkarpatien, es hat eine mehr als 120-jährige Geschichte. Zseltvay-Vezsdel arbeitet hier seit fast 25 Jahren als Bio- und Chemie-Lehrerin, seit 2018 ist sie Direktorin des Gymnasiums. Der Unterricht findet überwiegend in Ungarisch statt, aber einige Fächer wie ukrainische Literatur und Geschichte werden auf Ukrainisch gelehrt. Zseltvay-Vezsdel führt durch das neobarocke Gebäude und in einige Klassen. Schülerinnen sagen für die Besucher Gedichte auf und singen. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind Ungarn, aber es gibt auch ukrainische Jugendliche, die auf das Gymnasium gehen - wegen des guten Rufs der Schule und weil sie Wert daraufl egen, Ungarisch zu lernen. Auch Selenskyj war zu BesuchStolz berichtet die Direktorin, dass manche ihrer Schützlinge sogar gesamtukrainische Wettbewerbe gewonnen hätten. "Ich bin sehr streng", sagt sie selbstbewusst. "Ich erwarte maximale Leistungen, aber ich unterstütze die Schülerinnen und Schüler auch maximal." Am Ende des Besuchs zeigt sie das Lehrerzimmer. Ein großer, hoher Raum voller Bücher, der etwas Altehrwürdiges ausstrahlt. An den Wänden hängen Porträts vom ungarischen Nationalhelden Lajos Kossuth und vom ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko. Emese Zseltvay-Vezsdel ist stolz darauf, dass der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj im Sommer 2023 hier zu Besuch war und in diesem Raum stand. Schewtschenko habe er natürlich erkannt, berichtet sie lachend. Wer Kossuth sei, habe sie ihm erklärt. Sie weist auf die beiden Porträts und sagt mit Überzeugung: "Wir lieben unsere ungarische Muttersprache und wollen sie bewahren. Und wir wollen auch, dass unsere Jugendlichen gut Ukrainisch sprechen, denn die Ukraine ist unsere Heimat. Diese Schule ist das Beispiel, dass beides wunderbar zusammen geht - Ungarisch und Ukrainisch." |
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| Short teaser | Die Ungarn der Ukraine fühlen sich im Konflikt zwischen Budapest und Kyjiw zerrissen. Welche Zukunft hat die Minderheit? | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/ungarn-in-der-ukraine-zwischen-den-fronten/a-76625012?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Ein zweisprachiges Straßenschild in Transkarpatien mit der Aufschrift "Gute Fahrt" auf Ungarisch und Ukrainisch | ||
| Image source | Keno Verseck/DW | ||
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| Item 12 | |||
| Id | 76618020 | ||
| Date | 2026-04-01 | ||
| Title | Konflikt mit Afghanistan: Errichtet Pakistan eine Pufferzone? | ||
| Short title | Afghanistan-Konflikt: Errichtet Pakistan eine Pufferzone? | ||
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Der Konflikt an der sogenannten "Durand-Linie", der afghanisch-pakistanischen Grenze, eskaliert. Berichte über eine Sicherheitszone und zivile Opfer sorgen für neue Spannungen. Haben Aufrufe zur Waffenruhe eine Wirkung? Während Pakistan international als möglicher Vermittler im Krieg zwischen den USA, Israel und Iran auftritt, eskaliert an seiner Westgrenze die Gewalt. Islamabad bombardiert zunehmend Grenzregionen in Afghanistan und sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, entlang der gemeinsamen Grenze faktisch Einflussräume zu schaffen. Zeitgleich trat am 31. März eine "Pakistan-Afghanistan Friedens-Dschirga" im pakistanischen Peshawar zusammen - nahe der Grenze zu Afghanistan. Die Versammlung fordert in einer Resolution eine sofortige Waffenruhe und drängt dazu, die Auseinandersetzung im Dialog beizulegen. Gefechte in Paktia, Kunar und Nuristan verschärfen LageOb diese Resolution mehr ist als ein politisches Signal, bleibt offen. Hintergrund für diesen Konflikt ist der Vorwurf Pakistans, die Taliban in Kabul unterstützten die Gruppe Tehreek-e Taliban Pakistan (TTP), die für eine Reihe von blutigen Anschlägen in Pakistan verantwortlich gemacht wird. Die Taliban-Führung in Afghanistan bestreitet eine Unterstützung. Pakistan reagierte militärisch. Erste Gefechte gab es im Herbst 2025. Auch die afghanische Hauptstadt Kabul wurde zum Ziel. Friedensverhandlungen, die das Golfemirat Katar und die Türkei vermittelt hatten, führten nicht zu einer nachhaltigen Lösung des Konflikts. Aus den östlichen Provinzen Afghanistans an der Grenze zu Pakistan, darunter Paktia, Kunar und Nuristan, werden seit Wochen Artilleriebeschuss, Drohneneinsätze und blockierte Verkehrswege gemeldet. Auch Kabul wurde erneut bombardiert. Am Montag (30.03.) sollen Angaben der Taliban zufolge in der Provinz Kunar ein Zivilist getötet und 17 weitere verletzt worden sein, darunter Frauen und Kinder. Zivilbevölkerung leidetEs ist die Zivilbevölkerung, die zunehmend unter dem Krieg leidet. In der Provinz Nuristan, in den abgelegenen Distrikten Kamdesh und Barg-e-Matal, berichten Bewohner seit Tagen von Engpässen bei Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten. Aufgrund von Beschuss seien sie von der Außenwelt abgeschnitten. Der ehemalige Gouverneur der Provinz Nuristan, Jamaluddin Badr, sagte der DW, die Situation der Zivilbevölkerung sei dramatisch und höchst besorgniserregend. Die Region sei "kein Stützpunkt der TTP", deshalb gebe es keinen Anlass, diese ins Visier zu nehmen. "Sollte sich dieser Zustand fortsetzen und die Bombardierungen nicht abnehmen, wird das langfristige Konsequenzen haben." Gerade diese Distrikte seien vulnerabel und falls es zu einer Besetzung durch Militäreinheiten kommen solle, würde damit gleichzeitig der Weg in den Norden Afghanistans offenstehen, so Badr. Umstrittene "Durand-Linie"Die militärischen Aktivitäten konzentrieren sich auf die schwer zugänglichen Grenzgebiete entlang der sogenannten "Durand-Linie". Der Name geht auf den Außenminister der indischen Verwaltung des britischen Empire, Henry Mortimer Durand, zurück. Diese Grenze wurde 1893 formell in Einvernehmen, aber auf Druck der britischen Kolonialmacht gezogen, um Afghanistan von der Kronkolonie Indien abzugrenzen. Sie führt mitten durch paschtu-sprachiges Siedlungsgebiet. In Afghanistan ist diese Grenzziehung heute umstritten, da sie mit den Briten, jedoch nicht mit dem 1947 gegründeten Pakistan abschlossen wurde. Faktisch bildet sie aber die internationale Grenze zwischen den beiden Ländern. Wie die aktuelle Lage im Grenzgebiet tatsächlich aussieht, ist derzeit unklar. Es sei sehr schwierig an verlässliche Informationen zu kommen, sagt der afghanische Journalist Sami Yousafzai im Gespräch mit der DW. "Ich kann nicht bestätigen, dass ein Teil Afghanistans an Pakistan gefallen ist." In den pakistanischen Medien gebe es jedoch Berichte über die Errichtung einer Pufferzone entlang der Durand-Linie, sagte Yousafzai im DW-Interview. Der pakistanische Experte Tahir Khan verweist zudem darauf, dass soziale Medien Teil eines propagandistischen Schlagabtauschs zwischen beiden Seiten seien. Berichte über 32-Kilometer-breite SicherheitszoneSo ist bei einigen pakistanischen Medien von einer bis zu 32 Kilometer tiefen Sicherheitszone auf afghanischem Gebiet die Rede. Diese Maßnahme werde als notwendig dargestellt, um grenzüberschreitende Angriffe der TTP zu verhindern. Offizielle Stellen in Islamabad haben eine formelle territoriale Ausweitung bislang nicht bestätigt. Die Taliban weisen entsprechende Darstellungen zurück. Ihre Kräfte seien weiterhin unter anderem in Kamdesh und Barg-e-Matal stationiert und verteidigten "jeden Zentimeter" afghanischen Territoriums. Berichte über eine Übernahme von Distrikten durch pakistanische Einheiten seien unbegründet. Der pakistanische Experte Tahir Khan sagte der DW, Pakistan betrachte die Grenze zu Afghanistan als internationale Grenze. "Jeder Versuch, die Kontrolle über afghanisches Gebiet zu übernehmen, würde als Verstoß gegen internationales Recht gelten", so Khan. Der pakistanische Sicherheitsexperte Ali K. Chishti bestätigte gegenüber der DW dagegen die Errichtung einer Pufferzone. Es gehe Pakistan jedoch nicht um territoriale Expansion: "Es handelt sich ausschließlich um eine vorübergehende Maßnahme, bis eine Lösung angestrebt und eine Art gemeinsamer Mechanismus vereinbart wird", so Chishti. Ob es sich bei den aktuellen Entwicklungen um eine zeitlich begrenzte Sicherheitsmaßnahme oder um eine faktische Kontrolle einzelner Grenzräume handelt, lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Luftangriff in Kabul: Möglicherweise Kriegsverbrechen?Der Konflikt wirft aber auch rechtliche Fragen auf. Offiziell behauptet Pakistan lediglich Stützpunkte der TTP zu bombardieren. Aber Menschenrechtsorganisationen sehen das anders. So bezeichnete Human Rights Watch den pakistanischen Luftangriff auf das Omid-Drogenrehabilitationszentrum in Kabul am 16. März als "rechtswidrigen Angriff" und mögliches Kriegsverbrechen. Internationalen Angaben zufolge wurden dabei mindestens 143 Menschen getötet, die meisten von ihnen Patienten. Islamabad sprach hingegen von "präzisen Luftschlägen" gegen militärische Infrastruktur und weist die Vorwürfe zurück. Dschirga in Peschawar: Aufruf zum DialogZugleich trat am 31. März eine "Pakistan-Afghanistan Friedens-Dschirga" im pakistanischen Peshawar zusammen - nahe der Grenze zu Afghanistan. In Dschirgas kommen traditionell Führungspersönlichkeiten in den paschtunischen Stammesgebieten zusammen, um Konflikte zu bearbeiten. In Peshawar fordert die Versammlung in einer Resolution eine sofortige Waffenruhe und drängte dazu, die Auseinandersetzung im Dialog zu lösen. Die Taliban-Führung in Kabul hat grundsätzlich Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der pakistanische Diplomat Asif Durrani sagte der DW: "Pakistan hat den afghanischen Taliban klargemacht, dass sie sich zwischen Pakistan und der TTP entscheiden müssen. Solange das Taliban-Regime keine konkreten Maßnahmen ergreift, dürfte die derzeitige Politik, gegen die TTP vorzugehen, fortgesetzt werden." Ob sich die Taliban-Führung sicherheitspolitisch stärker an Pakistan annähert oder auf Distanz geht, bleibt also offen. Es bleibt auch offen, ob die aktuelle Eskalation in eine politische Verständigung mündet oder eine neue Phase andauernder Grenzinstabilität einleitet. Mitarbeit: Shakila Ebrahimkhel in Bonn und Haroon Janjua, DW-Reporter in Islamabad |
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| Short teaser | Berichte über eine Sicherheitszone an der sogenannten "Durand-Linie" und zivile Opfer sorgen für neue Spannungen. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/konflikt-mit-afghanistan-errichtet-pakistan-eine-pufferzone/a-76618020?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 13 | |||
| Id | 76607793 | ||
| Date | 2026-03-31 | ||
| Title | UNIFIL - Das tragische Ende der Blauhelme im Libanon | ||
| Short title | Eskalation im Libanon: UNIFIL-Blauhelme unter Beschuss | ||
| Teaser |
Nach dem Tod indonesischer UNIFIL-Soldaten im Südlibanon steht die Friedensmission vor dem Aus. Die Blauhelme geraten zwischen die Fronten von Israel und der Hisbollah. Droht nun das Ende des UN-Einsatzes? Vergangenen Sonntag (29.03.2026) explodierte ein Geschoss in der Nähe einer UNIFIL-Stellung im Südlibanon. Ein indonesischer Blauhelmsoldat wurde getötet, ein weiterer lebensgefährlich verletzt. Nur einen Tag später wurden zwei weitere indonesische UN-Soldaten getötet, als ihr Fahrzeug in der Nähe des Ortes Bani Hajjan durch eine Explosion unbekannter Ursache zerstört wurde. Indonesiens Außenminister Sugiono verurteilte die "abscheulichen" Angriffe, ein Sprecher des indonesischen Verteidigungsministeriums mahnte die "Einhaltung des Völkerrechts" an und erklärte, die Sicherheit der Friedenstruppen müsse "oberste Priorität" besitzen. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte die Vorfälle scharf. Gemeinsam mit Frankreich beantragte Indonesien aufgrund der jüngsten Vorfälle eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Die drei Indonesier waren die ersten Todesopfer der UNIFIL-Mission seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen israelischer Armee und libanesischer Hisbollah. Jedoch waren bereits zuvor bei zwei weiteren Zwischenfällen sieben UNIFIL-Soldaten durch israelischen Raketenbeschuss verletzt worden. Anfang März hatte die libanesische Hisbollah, die unter anderem von den USA, Deutschland und anderen europäischen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird, Israel mit zahlreichen Drohnen und Raketen beschossen. Dies war eine Reaktion auf den nur wenige Tage zuvor begonnenen gemeinsamen Angriff Israels und der USA gegen den Iran, der als größter Unterstützer der Hisbollah gilt. Die israelische Armee reagierte unmittelbar mit schweren Luftschlägen auf Hisbollah-Stellungen im gesamten Libanon, seit dem 16. März auch mit einer neuen, umfassenden Bodenoperation im Süden des Landes. Misslungene Entwaffnung der HisbollahIsrael hatte die UN-Truppen bereits zuvor mehrfach aufgefordert, sich aus dem unmittelbaren Grenzgebiet zurückzuziehen, da die Hisbollah für ihre Angriffe auf Israel auch Stellungen in der Nähe von UN-Stützpunkten nutze. Ein erklärtes Ziel der israelischen Armee ist die Schaffung einer dauerhaften Hisbollah-freien Sicherheitszone im Südlibanon, die sich von der israelischen Grenze bis zum knapp 30 Kilometer entfernten Litani-Fluss erstrecken soll. Tatsächlich ist die Schaffung und Überwachung einer solchen Pufferzone auch einer der Hauptaufträge der aktuellen UNIFIL-Mission. Diese besteht zwar grundsätzlich bereits seit 1978, wurde jedoch im Jahr 2006 im Zuge des dritten Libanon-Krieges umfassend erweitert. In diesem Jahr erließen die Vereinten Nationen die UN-Resolution 1701, die vorsieht, dass sich die Hisbollah vollständig hinter den Litani-Fluss zurückziehen muss. Die UNIFIL-Mission sollte dies in Zusammenarbeit mit der regulären libanesischen Armee sicherstellen; dafür wurde sie von 2000 auf 15.000 Soldaten vergrößert und durch eine Marine-Mission ergänzt, an der auch die deutsche Bundeswehr beteiligt ist. Dieses Ziel - die faktische Entwaffnung militanter Gruppen im Südlibanon - hat die UN-Mission jedoch nie erreicht. Trotz der verstärkten UN-Präsenz ist es der Hisbollah gelungen, ein massives Waffenarsenal aufzubauen und eigene Stellungen auch in direkter Grenznähe zu Israel zu errichten. Ernüchternde Bilanz nach knapp 50 JahrenAuch bei den anderen Zielen der Missionfällt die Bilanz nach knapp 50 Jahren UN-Präsenz eher ernüchternd aus. So dient die Mission eigentlich seit Jahrzehnten als einziger direkter Kommunikationskanal zwischen dem israelischen und dem regulären libanesischen Militär, um Missverständnisse zu klären und unbeabsichtigte Eskalationen zu verhindern. Die UNIFIL soll in diesem Rahmen auch den regulären Streitkräften des Libanon helfen, die staatliche Autorität im Süden des Landes zu festigen. Der maritime Teil der Mission sollte die Seegrenzen des Libanon überwachen und den Waffenschmuggel unterbinden; und UNIFIL-Patrouillen sollen eigentlich dafür sorgen, die Zivilbevölkerung in der Region zu schützen. Doch trotz aller Anstrengungen hat sich die libanesische Armee gegen die Hisbollah nie durchsetzen können, immer wieder kam es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu Gefechten zwischen Hisbollah und israelischer Armee. Zudem verfügen die UN-Blauhelme nur über ein eingeschränktes Mandat. Sie dürfen zum Beispiel keine libanesischen Privatgrundstücke durchforsten, keine eigenständigen Schiffskontrollen vor der Küste durchführen und müssen verdächtige Objekte der libanesischen Armee melden. Nur in deren Beisein dürfen Durchsuchungen durchgeführt werden. Dieses Prozedere hat die Wirksamkeit bei der Unterbindung des Waffenschmuggels in der Vergangenheit massiv eingeschränkt. Und angesichts von mehr als 1200 getöteten und hunderttausenden geflohenen Libanesen alleine im März ist auch der Schutz der Zivilbevölkerung nur äußerst unzureichend gelungen. Nach massiver Kritik: Aus für UNIFILTrotz der kaum zu übersehenden Probleme hielten die Vereinten Nationen und die libanesische Regierung bislang an der UNIFIL-Mission fest. Für die Regierung in Beirut waren die Blauhelme bislang ein wichtiger Partner, um der Hisbollah überhaupt etwas entgegensetzen zu können. UN-Generalsekretär Guterres sieht in der UNIFIL einen wichtigen Stabilisierungsfaktor in der Region, ohne den die Lage im Südlibanon noch schneller außer Kontrolle geraten würde. Die truppenstellenden Länder, zu denen neben Indonesien unter anderem auch Frankreich, Italien und Spanien gehören, verurteilten den Beschuss der UN-Truppen scharf. Sie fordern, dass Israel bei seiner Offensive internationale Verpflichtungen respektiert und die Sicherheit des UN-Personals garantiert. Demgegenüber übten insbesondere Israel und die USA immer wieder scharfe Kritik an der UNIFIL-Mission: Die Blauhelme seien zu teuer, zu schwach und zu ineffizient bei der Bekämpfung der Hisbollah. Die Miliz nutze die UN-Stellungen sogar als "Schutzschilde", um aus deren Nähe Raketenangriffe gegen Israel zu starten. Die US-Regierung bezeichnete die Mission als "vollständigen Fehlschlag". Sie kürzte ihre Beitragszahlungen für UNIFIL um einen zweistelligen Millionenbetrag und drängte auf eine signifikante Reduzierung der Truppenstärke. Der massive Druck aus Washington war letztlich ausschlaggebend dafür, dass die UN-Mission nicht nochmals verlängert wurde und daher Ende 2026 auslaufen wird. Ab 2027 soll daher die libanesische Armee allein für eine dauerhafte Entwaffnung der Hisbollah und für Sicherheit im Südlibanon sorgen. Internationale Experten bezweifeln jedoch, dass diese dazu in der Lage sein wird. Daher plant die Europäische Union, ab dem kommenden Jahr eine eigene Mission zu starten, um die libanesischen Streitkräfte weiter zu stärken. Jedoch soll es dabei nur um Beratung, Training und Ausbildung gehen. Eine Entsendung eigener Truppen im Sinne einer Nachfolge von UNIFIL ist ausdrücklich nicht geplant. |
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| Short teaser | Nach dem Tod von UN-Soldaten im Libanon wächst der Druck auf die UNIFIL-Mission und Israel massiv. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/unifil-das-tragische-ende-der-blauhelme-im-libanon/a-76607793?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 14 | |||
| Id | 76493916 | ||
| Date | 2026-03-31 | ||
| Title | Weltweiter Solarboom: Ausbau noch schneller als gedacht | ||
| Short title | Solarboom weltweit: Photovoltaik-Ausbau bricht Rekorde | ||
| Teaser |
Der weltweite Solarboom übertrifft alle Prognosen. Als günstigste Energiequelle treibt Photovoltaik in China, Europa und Afrika die Energiewende voran und revolutioniert auch das Heizen und die Elektromobilität. Die Photovoltaik wächst seit über 20 Jahren stärker als jede andere Energieform. Früher war Solarstrom extrem teuer und wurde wenig genutzt. Heute erzeugen Solarmodule in vielen Regionen der Welt den günstigsten Strom.
Und die Solarkraft wächst exponentiell weiter. Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnten 2030 schon 9000 GW installiert sein - genug für über 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs. Solarboom in ChinaChina hat weltweit die größte Solarkapazität. Laut der chinesischen Energiebehörde wurden 2025 Solarmodule mit einer Leistung von 315 GW neu installiert. Die gesamte Solarleistung Ende des Jahres lag bei rund 1300 GW. Nach Angaben der Datenplattform LowCarbon Powerstammen mittlerweile elf Prozent des chinesischen Stroms aus Solarenergie. Gleichzeitig sank der Anteil der besonders klimaschädlichen Kohle innerhalb von zehn Jahren von 70 auf 56 Prozent. China produziert auch über 80 Prozent aller Solarmodule weltweit. Die EU baut weiter ausDie Europäische Union liegt mit nach Schätzungen rund 406 GW auf Platz zwei beim Solarausbau. 13 Prozent des EU-weiten Strombedarfs werden mit Solarkraft gedeckt. Kohlestrom macht nur noch neun Prozent aus. Im Jahr 2015 waren es noch 25 Prozent. Besonders hohe Solaranteile erreichen Griechenland, Zypern, Spanien und Ungarn mit jeweils mehr als 20 Prozent im Strommix. Auch Deutschland erzeugt mit 119 GW Solaranlagen schon 18 Prozent seines Stroms mit Photovoltaik. Danach folgt Spanien mit 56 GW installierten Anlagen. US-Solarkraft auf Platz drei weltweitAuch wenn die derzeitige Regierung von Donald Trump den Ausbau von Erneuerbaren verzögert, stehen die USA mit 267 GW weltweit an dritter Stelle beim Solarausbau. Das reicht, um rund acht Prozent des US-Strombedarfs zu decken. Im Jahr 2015 war es nur ein Prozent. Gleichzeitig halbierte sich der Anteil der Kohlekraft von 34 Prozent im Jahr 2015 auf nur noch 17 Prozent im Jahr 2025 . Auch in Indien, Brasilien und Pakistan wächst PhotovoltaikIndien belegt Platz vier im globalen Solarranking. Mit 136 GW erzeugt es etwa acht Prozent des Stroms für seine über 1,4 Milliarden Einwohner aus Sonnenkraft. Auf Platz fünf folgt Japan mit einer Leistung von 103 GW aus Photovoltaik (PV), das damit elf Prozent seines Strombedarfs deckt. Auch Brasilien baut Solarkraft stark aus. Mit 65 GW Photovoltaik werden dort rund zehn Prozent des nationalen Stroms erzeugt. Zusammen mit Wasserkraft, Windkraft und Biomasse liegt der Anteil der Erneuerbaren im brasilianischen Strommix bereits bei 88 Prozent. Wie schnell solare Stromerzeugung wachsen kann, zeigen Südafrika und Pakistan besonders deutlich. Im Jahr 2015 stammte dort jeweils weniger als ein Prozent des Stroms aus Photovoltaik. 2025 deckte Südafrika mit 10 GW bereits zehn Prozent seines Strombedarfs durch Solarenergie. Pakistan erzeugt mit über 40 GW rund 20 Prozent seines Stroms aus PV. Solarkraft macht Strom deutlich günstigerDie Sonne strahlt in einer Stunde mehr Energie auf die Erde ab, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht. Mit Solarmodulen auf weniger als ein Prozent der globalen Landfläche könnte der weltweite Energiebedarf vollständig gedeckt werden. Durch höhere Effizienz der Module und Massenproduktion sind die Preise für Solaranlagen in den letzten Jahren um rund 90 Prozent gesunken. Große Solarparks in sehr sonnigen ländlichen Gebieten produzieren bereits Strom für rund einen Eurocent pro Kilowattstunde. In Deutschland liegt dieser Wert bei etwa vier bis fünf Cent. Solardächer oder Balkonmodule können in sonnreichen Regionen schon für etwa zwei Cent pro Kilowattstunde erzeugen, in weniger sonnigen Ländern meist unter neun Cent pro Kilowattstunde. Strom vom eigenen Dach ist oft deutlich günstiger als Strom aus dem Netz und kostet in Europa meist weniger als die Hälfte des üblichen Strompreises. Das Speichern in Batterien kostet zusätzlich etwa zwei bis drei Cent pro Kilowattstunde. In einigen Ländern wird der Ausbau privater Anlagen gefördert. Bloomberg New Energy Finance erwartet, dass die Kosten der Solarstromerzeugung bis 2035 weltweit um weitere 30 Prozent zurückgehen. Im Vergleich dazu ist Strom aus neuen Atomkraftwerken sehr viel teurer. Laut dem Fraunhofer-Institut ISE liegt dieser zwischen 14 und 49 Eurocent pro Kilowattstunde. Die Kosten für die Endlagerung des radioaktiven Abfalls sind dabei noch nicht eingerechnet. Die Stromerzeugung mit Kohle kostet zwischen 15 und 29 Cent, mit Erdgas sind es zwischen 15 und 33 Cent pro Kilowattstunde. Werden die Klimafolgekosten eingerechnet, sind es bei Kohle mindestens 84 Cent und bei Gas mehr als 49 Cent pro Kilowattstunde. Solarstrom verändert auch Verkehr und HeizungIm Jahr 2024 wurden weltweit neue Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 632 GW ans Netz angeschlossen. 72 Prozent (597 GW) davon entfielen auf Solarkraft. Danach folgten Windkraft mit 18 Prozent, Gas mit vier Prozent, Kohle mit drei Prozent, Wasserkraft mit zwei Prozent und Atomkraft mit einem Prozent. Solarstrom verändert auch die Mobilität und das Heizen. Elektroautos sind deutlich billiger im Betrieb, wenn sie mit Solarstrom vom eigenen Dach geladen werden. In Deutschland spart das 80 Prozent im Vergleich zu Diesel oder Benzin. Auch Heizen mit einer Wärmepumpe oder mit einer Klimaanlage ist meist günstiger als mit Öl oder Gas. In der EU spart man dabei etwa 30 Prozent. Wird der Strom zusätzlich mit eigenen Solarmodulen erzeugt, sinken die Kosten weiter. Wie schnell wächst die Solarkraft?Viele frühere Prognosen haben das Wachstum der Photovoltaik stark unterschätzt. Der World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur sagte im Jahr 2020 voraus, dass der weltweite PV-Zubau im Jahr 2024 bei etwa 120 GW liegen werde. Tatsächlich wurden aber 597 GW installiert. Energieexperten gehen heute davon aus, dass Photovoltaik die wichtigste Energiequelle der Welt wird. Wissenschaftler der Technischen Universität Lappeenranta haben berechnet, dass künftig bis zu 76 Prozent des Stroms aus Solarkraft stammen könnte. Die größten Herausforderungen für PVExperten gehen davon aus, dass sich der globale Strombedarf bis 2050 mehr als verdoppeln wird. Dafür braucht es den Ausbau der Stromnetze, die gleichzeitig auch viel Solarstrom aufnehmen müssen, inklusive Zwischenspeicher für die Nacht. In Deutschland sind derzeit 37.000 Kilometer Hochspannungsleitungen im Einsatz. Künftig sollen über 13.000 Kilometer Höchstspannungsnetze verstärkt oder neu gebaut werden. Außerdem weden weltweit deutlich mehr Speicher gebraucht. Zusätzlich können die Batterien von E-Autos als Zwischenspeicher die Stromnetze ergänzen. Und auch eine schnelle Digitalisierung ist essentiell, um die Stromnutzung künftig optimal mit der Erzeugung abzustimmen. So können dann E-Fahrzeuge geladen werden, wenn besonders viel günstiger Sonnenstrom im Netz ist. Redaktion: Anke Rasper & Tamsin Walker In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass es in Deutschland 37.000 Kilometer Stromleitungen gibt. Tatsächlich sind es 37.000 Kilometer Hochspannungsleitungen. Dies wurde korrigiert. Die Redaktion bittet den Fehler zu entschuldigen.
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| Short teaser | Günstige Photovoltaik beschleunigt den globalen Solar-Ausbau sowie die Wende bei Mobilität und Wärme. | ||
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| Image caption | Immer mehr Solarenergie wird mit effizienten Modulen überall auf der Welt erzeugt- auf dem Meer, in der Wüste oder auf Dächern. | ||
| Image source | Tang Ke/Avalon/Photoshot/picture alliance | ||
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| Item 15 | |||
| Id | 76609872 | ||
| Date | 2026-03-31 | ||
| Title | Iran-Krieg: Energie- und Lieferketten-Schock bremsen globales Wachstum | ||
| Short title | Energie- und Lieferketten-Schock bremsen globales Wachstum | ||
| Teaser |
Höhere Energiepreise, gestörte Lieferketten, wachsende Unsicherheit. Überall in der Welt sind die Folgen des Iran-Krieges zu spüren. Was aber bedeuten sie für die Weltwirtschaft und Deutschlands Wachstum? Auch wenn der Konflikt an den von David gegen Goliath erinnert, der Iran hat es in nur wenigen Wochen geschafft, die Weltwirtschaft aus dem Tritt zu bringen. Die Folgen lassen sich grob zusammenfassen: höhere Preise und weniger Wachstum. Die ganze Weltwirtschaft sei inzwischen betroffen, heißt es in einem Blog des Internationalen Währungsfonds (IWF). Allerdings würden nicht alle gleichermaßen leiden. So sei, wer Energie importiert mehr betroffen als Energieexporteure, arme Länder stärker als reiche und wer nur geringe oder keine Reserven hat, spüre die Folgen stärker als diejenigen, die große Reserven haben. Weniger Energie - teure ProduktionEine wesentliche Ursache ist die Störung der weltweiten Energieversorgung. Der Iran-Krieg habe die die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes verursacht, heißt es von der Internationalen Energieagentur (IEA). Auch das weltweite Angebot an Flüssigerdgas (LNG) sei um rund 20 Prozent zurückgegangen. "Die Auswirkungen der faktischen Schließung der Straße von Hormus trifft die Länder Asiens besonders stark, weil bis zu 90 Prozent der Öl- und Gasimporte vom Golf stammen", heißt es von Germany Trade & Invest (GTAI), der Außenwirtschaftsagentur des Bundes. Vor allem in Süd- und Südostasien zeigen sich die Folgen laut GTAI bereits spürbar anhand steigender Energiepreise und Versorgungsengpässen. In vielen Ländern greifen die Regierungen daher mit Maßnahmen wie der Freigabe von Reserven und Subventionen ins Wirtschaftsgeschehen ein. Der größte Rohstoffimporteur China ist weniger abhängig vom Nahen Osten. Da die Volksrepublik über Pipelines mit Russland verbunden ist und große Reserven habe, sei sie weniger auf Tankerlieferungen angewiesen, so die GTAI. Störung der Lieferketten trifft HalbleiterindustrieViele Lieferketten seien durch den Krieg beeinträchtigt, heißt es vom IWF. Tanker und Containerschiffe müssten umgeleitet werden und der Flugverkehr über die wichtigen Drehkreuze am Golf sei gestört. Das erhöhe Fracht- und Versicherungskosten und verlängere Lieferzeiten. Das trifft die Asien-Pazifik Region, deren Lieferketten eng mit dem Nahen Osten verknüpft waren. Beispielsweise bei Grundstoffen für Dünger, die Kunststoffproduktion oder bei Gasen für die wichtige Halbleiterindustrie. Trifft es die energieintensive Halbleiterindustrie Asiens, bekommen das am Ende auch die Industrieländer zu spüren. Für Elektronikgeräte, Autos, Flugzeuge und auch KI werden Chips und Halbleiter aus Taiwan, China und Südkorea gebraucht. "Rund 90 Prozent der modernen Chips werden in Taiwan produziert", sagte Tanjeff Schadt von PwC gegenüber tagesschau.de. Ohne Gaslieferungen aus Katar, muss Taiwan möglicherweise bald Energie rationieren. Zudem wird für die Chipherstellung Helium gebraucht. Große Teile des Weltangebots wurden bisher in Katar produziert. Für die Herstellung von Smartphones sind die Produktionsstraßen in Indien, China oder Vietnam nötig. Lieferketten und Nahrungsmittelproduktion gestörtDie gestörten Lieferketten treffen auch Güter des täglichen Bedarfs und kritische Produktionsmittel. So gelangen unter anderem nicht mehr genügend Düngemittel auf den Weltmarkt, weil der Handel mit Harnstoff, Ammoniak sowie Phosphat durch die Straße von Hormus verläuft, die nun blockiert ist. Zudem wird die Hälfte des weltweiten Schwefels durch die Straße von Hormus transportiert. Schwefel wird ebenfalls gebraucht, um Düngemittel herzustellen, aber auch für die Produktion von Chemikalien oder die Raffinierung kritischer Mineralien. Mineraliendünger habe sich auf den Weltmärkten seit Jahresbeginn um rund 30 bis 40 Prozent verteuert, sagt Philipp Spinne, der Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV). Direkte Auswirkungen auf Europa sind gering. "Europa bezieht seit Jahren kaum Düngemittel aus der Konfliktregion", heißt es beim Industrieverband Agrar, sondern produziert Dünger selbst. Da für die Produktion aber Gas benötigt wird, könnten auch in Europa die Preise steigen, wenn der Krieg lange dauert. Das würde auch die Lebensmittelpreise erhöhen. In einkommensschwachen Ländern machen Nahrungsmittel im Durchschnitt etwa 36 Prozent des Konsums aus, in Schwellenländern 20 Prozent und in Industrieländern neun Prozent. Damit geben in vielen Ländern in Afrika, Teilen des Nahen Ostens und Mittelamerika Menschen einen großen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Sie werden von höheren Lebensmittelpreise entsprechend stärker getroffen. Aber auch in Europa würde ein weiterer energiebedingter Preisanstieg die bestehenden Belastungen durch die Lebenshaltungskosten noch verschärfen, so der IWF. OECD rechnet erst 2027 mit WachstumseinbruchTrotz dieser Folgen glaubt die OECD, dass das globale BIP-Wachstum 2026 weitgehend stabil bei 2,9 Prozent bleiben und 2027 auf drei Prozent ansteigen wird. Das Wachstum werde getrieben von technologiebezogenen Investitionen und schrittweise sinkenden effektiven Zollsätzen. Der Iran-Krieg bremse jedoch die Wirtschaft und sorge für erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der globalen Nachfrage. Voraussetzung für diese Prognose waren die Annahmen, dass die derzeitigen Störungen auf dem Energiemarkt vorübergehend sind und sich die Preise ab Mitte 2026 wieder normalisieren. Die G20-Inflation wird 2026 voraussichtlich vier Prozent betragen und damit um 1,2 Prozentpunkte höher liegen als bisher erwartet, heißt es von der OECD. Für 2027 wird ein Rückgang auf 2,7 Prozent erwartet, da der Energiepreisdruck voraussichtlich nachlassen wird. Für die USA wird mit einem BIP-Wachstum in diesem Jahr von zwei Prozent gerechnet und 2027 von 1,7 Prozent. Im Euroraum wird ein Wachstum von 0,8 Prozent in 2026 und 1,2 Prozent im Jahr 2027 erwartet. Chinas Wachstum soll sich auf 4,4 Prozent im Jahr 2026 und 4,3 Prozent im Jahr 2027 verlangsamen. Die Golfstaaten rutschen im ersten Halbjahr einer Prognose zufolge wegen des Iran-Kriegs in eine Rezession. Die britische Denkfabrik Oxford Economics erwartet ein Wachstum von minus 0,2 Prozent für die Länder des Golf-Kooperationsrates (Saudi-Arabien, Oman, Katar, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate), eine Revision der Wachstumserwartungen um 4,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Zeitpunkt vor dem Krieg. Deutschlands Wirtschaft schwächeltFür die eigene Wirtschaft sind die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute weniger optimistisch und haben ihre Konjunkturprognosen deutlich korrigiert. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung erwarten sie für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,6 Prozent. In der Herbstprognose wurde noch ein mehr als doppelt so starkes Plus erwartet. Für 2027 senkten die Ökonomen ihre Vorhersage ebenfalls deutlich, und zwar von 1,4 auf 0,9 Prozent. Wegen der höheren Energiepreise wird die Inflation steigen, glauben die Institute. Sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürften die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent zulegen. Bereits im März kletterte die deutsche Inflationsrate auf 2,7 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024. Die Bundesbank warnte kürzlich, die Inflationsrate dürfte "in nächster Zeit deutlich in Richtung drei Prozent ansteigen". Ifo-Umfrage: Neun von zehn Firmen rechnen mit zusätzlichen BelastungenDiese Entwicklung spiegelt auch eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts. "Viele Firmen stellen sich auf zusätzliche Belastungen in den kommenden Monaten ein," heißt es. Neun von zehn Industriebetrieben in Deutschland erwarten, dass ihre Geschäfte durch den Iran-Krieg beeinträchtigt werden, vor allem wegen höherer Energiepreise. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen glaubt, dass sie von Einschränkungen bei Schifffahrtswegen und Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten und Rohstoffen betroffen sein werden. Eine Beeinträchtigung des Luftfrachtverkehrs befürchten 16 Prozent. Rund ein Viertel geht von einer abnehmenden Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten aus. Darüber hinaus rechnen viele Firmen mit finanziellen Risiken, etwa durch unsichere Fracht- und Logistikkosten, steigende Versicherungsprämien oder erhöhte Zahlungsrisiken. "Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs bereits jetzt abzeichnen und sich über verschiedene Kanäle noch verstärken könnten", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo Umfragen. "Je länger die Unsicherheit anhält, desto größer werden die wirtschaftlichen Probleme für die Unternehmen." |
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| Short teaser | Teure Energie, wachsende Risiken: Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf die Weltwirtschaft und Deutschlands Wachstum aus? | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/iran-krieg-energie-und-lieferketten-schock-bremsen-globales-wachstum/a-76609872?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 16 | |||
| Id | 76571801 | ||
| Date | 2026-03-30 | ||
| Title | Iran-Krieg stärkt strategische Bedeutung des Südkaukasus | ||
| Short title | Iran-Konflikt: Südkaukasus wird zur Schlüssel-Handelsroute | ||
| Teaser |
Blockaden in der Straße von Hormus machen den Südkaukasus zur lebenswichtigen Handelsroute zwischen Asien und Europa. Aserbaidschan profitiert strategisch von dieser Verschiebung im Schatten des Iran-Konflikts. In den Stunden nach dem Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran am 28. Februar verengte sich der Flugverkehr auf den normalerweise stark frequentierten Ost-West-Routen auf einen schmalen Flugkorridor über dem Südkaukasus. Diese Entwicklung in der Luft spiegelt einen Trend wider, der am Boden schon seit längerem zu beobachten ist. In den vergangenen Jahren ist die Region zu einem wichtigen Bindeglied geworden. Denn die "Transkaspische Internationale Transportroute", auch bekannt als "Mittlerer Korridor" verbindet Europa über Zentralasien und den Südkaukasus mit China - unter Umgehung Irans und Russlands. Der Iran-Krieg hat die Bedeutung des Mittleren Korridors nun noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Mit der Blockade der Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases (LNG) transportiert werden, stört der Iran die globale Energieversorgung. "Für die Region birgt die Krise auch Chancen", sagt Richard Giragosian, Direktor des Regional Studies Center im armenischen Jerewan. "Der Mittlere Korridor ist jetzt die einzig verbleibende Route, der einzige gangbare Weg für Handel und Transport." Zentrales Verbindungsstück des Mittleren KorridorsDarüber hinaus wird auch eine wichtige Schifffahrtsroute durch die Meerenge von Bab el-Mandeb und das Rote Meer, über die zwölf Prozent des weltweiten Handels abgewickelt werden, immer wieder von der mit dem Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen unterbrochen. Eine alternative Route, für die das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika umrundet werden muss, verlängert die Reise von Asien nach Europa um mehr als zehn Tage. Über den Mittleren Korridor, die geografisch kürzeste Verbindung zwischen Europa und China, sollen Waren aus China sowie kritische Mineralien und Energieerzeugnisse aus Zentralasien nach Europa transportiert werden. Sowohl die EU als auch China haben bereits Milliarden für den Ausbau von Häfen, Bahnstrecken und Straßen entlang der Route zugesagt. Das Frachtaufkommen entlang des Korridors hat sich seit 2022, dem Jahr, in dem Russland in die Ukraine einmarschierte, vervierfacht. Obwohl über die Route bislang nur ein Bruchteil des Handelsvolumens zwischen Europa und Asien transportiert wird, geht die Weltbank davon aus, dass bis 2030 ein Volumen von elf Millionen Tonnen erreicht werden könnte. Größere strategische Rolle für die RegionDoch auch ohne den aktuellen Konflikt ist davon auszugehen, dass der Korridor sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. "Mittel- bis langfristig wird sich der Südkaukasus mit dem Mittleren Korridor neben den Seerouten zu einer der Hauptrouten entwickeln, die die EU und China verbinden", sagt Kornely Kakachia, Politikprofessor in Tiflis. Eine solche Entwicklung würde die Rolle von Georgien, Aserbaidschan und Armenien als wichtige Transitstaaten stärken. Das energiereiche Aserbaidschan könnte auch kurzfristig vom Iran-Krieg profitieren. Höhere Ölpreise würden dem Land hohe Exportgewinne bescheren, die sich Experten zufolge auf monatlich bis zu zwischen 500 und 600 Millionen US-Dollar zusätzlich belaufen könnten. Hikmet Hajiyev, leitender außenpolitischer Berater des Präsidenten Ilham Aliyev, erklärte gegenüber Euronews, Aserbaidschan würde seine Erdgaslieferungen erhöhen, um die Ausfälle aus der Golfregion während des Iran-Kriegs auszugleichen. Gegenwärtig bezieht Europa etwa vier Prozent seines Erdgases aus Aserbaidschan, also etwa 12,8 Milliarden Kubikmeter. Bis 2027 sollen es 20 Milliarden Kubikmeter werden. Iran-Krieg könnte die Region destabilisierenDoch der Krieg hat auch nachteilige Auswirkungen auf die Wirtschaft. "Damit der Mittlere Korridor erfolgreich sein kann, müssen von China bis zur Europäischen Union und im gesamten Südkaukasus stabile Verhältnisse herrschen", sagt Kakachia. Im Konflikt mit dem Iran verhalten sich Georgien, Aserbaidschan und Armenien neutral. Doch Vertreter des iranischen Regimes kritisieren Aserbaidschan schon seit langem für seine engen wirtschaftlichen Beziehungen mit Israel. Im Jahr 2025 bezog Israel 46,4 Prozent seines Öls über die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC-Pipeline) aus Aserbaidschan. Der Großteil der militärischen Ausrüstung Aserbaidschans wiederum stammt aus Israel. "Iran hat die immer enger werdenden Beziehungen Aserbaidschans mit Israel immer als Bedrohung gesehen", erläutert Mahammad Mammadov von der Denkschmiede Topchubashov Center in Aserbaidschans Hauptstadt Baku. "Andererseits sind auch die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und dem Iran in den vergangenen Jahren enger geworden. Beide Seiten haben versucht, die verschiedenen Bereiche voneinander zu trennen." Spannungen zwischen Aserbaidschan und IranDie Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern konzentriert sich hauptsächlich auf die Einrichtung eines Handelskorridors zwischen dem Iran und Russland. Doch als am 5. März vier iranische Drohnen in einem Flughafen in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan einschlugen, wurde dieses Gleichgewicht empfindlich gestört. Aserbaidschans Präsident Aliyev bezeichnete den Angriff als "terroristischen Akt", während andere aserbaidschanische Regierungsvertreter mit Vergeltungsschlägen drohten und das Land den Warenverkehr aus dem Iran vorübergehend einstellte. Durch ein direktes Telefonat zwischen den Staatschefs beider Länder konnte der Konflikt schließlich entschärft werden, doch obwohl sich "die Beziehungen wieder normalisiert haben, hat der Vorfall für große Unsicherheit gesorgt", so Mammadov. Regierungsvertreter Aserbaidschans sprechen außerdem von Sabotageversuchen durch die Islamische Revolutionsgarde des Iran (IRGC). Zu den Zielen sollen auch die BTC-Pipeline und die israelische Botschaft in Aserbaidschan gezählt haben. Auch Trump plant einen Korridor im KaukasusEin länger anhaltender Konflikt könnte auch ein Vorzeigeprojekt der Infrastruktur des Mittleren Korridors gefährden, die Einrichtung eines weiteren Korridors mit dem Namen "Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand" oder "Trump Route for International Peace and Prosperity" (TRIPP). Die Einrichtung dieses Korridors wurde im vergangenen August als Teil eines von US-Präsident Donald Trump vermittelten Friedensplans zwischen Armenien und Aserbaidschan vereinbart. Er sieht einen 43 Kilometer langen Straßen- und Schienenkorridor durch Armenien vor, der Aserbaidschan mit seiner Exklave Nachitschewan und der Türkei verbindet. Über Jahrzehnte hinweg war die Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan wegen des Konflikts um Berg-Karabach geschlossen. TRIPP würde durch die Öffnung dieser Grenze einen neuen Logistikkorridor schaffen, der parallel zu den bestehenden Routen durch Aserbaidschan und Georgien verläuft. Die Vereinigten Staaten sehen TRIPP als Lieferweg für kritische Mineralien und unterstützen das Projekt, das von einem von den USA geführten Konsortium gebaut und betrieben werden soll, nachdrücklich. Der Korridor soll jedoch entlang der Grenze Armeniens mit dem Iran verlaufen und so wird die US-amerikanische Beteiligung von Teheran argwöhnisch beäugt. Im vergangenen Sommer ging ein Berater des ehemaligen Obersten Führers Ali Chamenei so weit, die Route als künftiges "Grab der Söldner von Donald Trump" zu bezeichnen. Solche Aussagen sollten jedoch nicht überbewertet werden, meint Giragosian. "Aus militärischer Sicht" gäbe es noch keine Ziele. Mit dem Bau von TRIPP soll erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 begonnen werden. Kein Interesse an einem Zusammenbruch des IranDer Südkaukasus habe letztlich ein großes Interesse daran, den Frieden und die Sicherheit in der gesamten Region zu wahren, sagt Kakachia. Das Interesse daran ist nicht zuletzt in Aserbaidschan groß. "Aserbaidschan ist nicht daran interessiert, dass der Iran zusammenbricht oder dass der Krieg länger anhält, denn das würde mehr Unsicherheit und Missverständnisse bedeuten", betont Kakachia. Ein Zusammenbruch des Regimes würde die "Büchse der Pandora öffnen". Wirtschaftliche Instabilität und Flüchtlingsströme aus einem Land, in dem mehr als 20 Millionen ethnische Aseris leben, könnten die Folge sein. Das günstigste Szenario für Baku sei ein geschwächter Iran, der weiterhin von einem theokratischen Regime geführt wird, argumentiert Mammadov. Solange Teheran als Paria gilt, bliebe Aserbaidschan seine geopolitische und wirtschaftliche Rolle als stabile Verbindung zwischen Ost und West erhalten. Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo. |
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| Short teaser | Iran-Krieg: Warum der Südkaukasus jetzt zur wichtigsten Route zwischen Asien und Europa aufsteigt. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/iran-krieg-stärkt-strategische-bedeutung-des-südkaukasus/a-76571801?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 17 | |||
| Id | 76487895 | ||
| Date | 2026-03-28 | ||
| Title | Finanzwissen von Frauen: EZB treibt Bildung voran | ||
| Short title | Finanzwissen bei Frauen: EZB treibt Bildung voran | ||
| Teaser |
Viele Frauen engagieren sich bei Finanzthemen zu wenig - mit Folgen für Vermögen, Verschuldung und Vorsorge fürs Alter. Die EZB plant daher Maßnahmen, um das finanzielle Wissen zu verbessern - auch aus eigenem Interesse. Den Haushalt in Schuss halten, an die Vorsorgetermine für die Familie denken und dann auch noch Arbeiten gehen - egal ob es Spaß macht oder nicht. Viele Frauen erledigen all das ganz selbstverständlich. Nur eins bleibt oft auf der Strecke: das eigene Geld. Während Frauen oft über alltägliche Ausgaben entscheiden, überlassen sie häufig ihrem Partner die Entscheidungen mit großer Tragweite - darüber, wieviel Geld wofür angelegt wird. Das könnte daran liegen, dass Frauen nicht genügend Finanzwissen haben, glauben einige Wissenschaftler. "Im Durchschnitt über alle europäischen Länder hinweg haben Frauen eine geringere finanzielle Bildung im Vergleich zu Männern", sagt Tabea Bucher-Koenen, vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW). Wissenslücken bei den drei großen FinanzfragenUm herauszufinden, wie es mit der Finanzkompetenz aussieht, werden häufig die "drei großen Fragen", die für Entscheidungen in Haushalten entscheidend sind, gestellt. Diese Fragen zielen darauf ab, ob verstanden wird, wie das Prinzip des Zinseszins funktioniert, wie sich Inflation auf Ersparnisse auswirkt und welche Vorteile es bringt, seine Geldanlagen zu diversifizieren. Nach Umfragen der Europäischen Zentralbank (EZB) können im Euroraum weniger als die Hälfte der Befragten, nämlich rund 48 Prozent, alle drei Fragen richtig beantworten. Dabei hat sich gezeigt, dass Frauen im Durchschnitt eine deutlich geringere Finanzkompetenz haben als Männer. Dieses Ergebnis ist nicht neu. Auch andere Institutionen wie die Europäische Kommission haben das Finanzwissen von Männern und Frauen untersucht. Und egal, welche Fragen oder Methoden dabei verwendet worden sind, die Wissenslücke zwischen Männern und Frauen zeige sich immer wieder, sagt Bucher-Koenen. Ein Problem unabhängig vom Alter der FrauenSeit 20 Jahren zeige sich dieser Wissensrückstand der Frauen nun schon und es habe sich kaum etwas verändert, so die Wissenschaftlerin. Auch heute noch schneiden selbst junge Frauen mit einer guten Ausbildung, die eine höhere Wahrscheinlichkeit auf einen guten Job und ein höheres Einkommen haben, im Durchschnitt nicht besser ab. "Das heißt, es braucht mehr als nur Allgemeinbildung beziehungsweise ein eigenes Einkommen, um sich mit Finanzthemen auseinanderzusetzen", so Bucher-Koenen. Inzwischen gibt es aber auch Hinweise, dass es gar nicht nur am Wissen an sich liegt, dass Frauen schlechter abschneiden. Viele der Tests zu Finanzwissen bestehen aus Multiple Choice Fragen, die auch die Antwort "Ich weiß es nicht" ermöglichen. Wird diese Antwortoption weggelassen, schneiden Frauen besser ab, wie man am ZEW herausgefunden hat. "Etwa 30 Prozent der Unterschiede in der finanziellen Bildung zwischen den Geschlechtern sind auf mangelndes Selbstbewusstsein zurückzuführen", sagt Bucher-Koenen. Frauen scheinen also mehr zu wissen, als sie sich selbst zutrauen. "Sowohl die Wissenslücke als auch die Lücke beim Selbstbewusstsein sind relevant für Finanzentscheidungen." Die Frauen, die über Finanzwissen und über Selbstvertrauen verfügen, sind häufiger am Aktienmarkt aktiv und planen eher für die Altersvorsorge - auch das hat eine Studie des ZEW gezeigt. EZB treibt Finanzbildung voranSeit 2021 hat sich die Europäische Zentralbank das Thema auf die Fahne geschrieben. Unter anderem erhofft sie sich davon, dass ihre Geldpolitik besser wirkt, wie EZB-Direktorin Isabel Schnabel im März 2025 in einem Vortrag erläuterte. Ein Beispiel für die Zusammenhänge ist folgendes: Erhöht die EZB beispielsweise den Leitzins, geht sie davon aus, dass Haushalte mehr Geld sparen, weil sie dafür höhere Zinsen bekommen und dementsprechend weniger konsumieren. Kredite werden dagegen durch höhere Zinsen teurer. Das hält Haushalte von langlebigen Anschaffungen ab und Unternehmen von Investitionen. Wenn nun Haushalte weniger auf Zinsänderungen reagieren, weil ihnen das Wissen fehlt, ist die Geldpolitik weniger wirksam. Zudem haben Banken einen geringeren Anreiz, Leitzinsänderungen an ihre Kunden weiterzugeben, was ebenfalls die Ziele der Geldpolitik abschwächt. Mit Podcasts, Videos und einer App versucht die EZB Frauen für das Thema zu sensibilisieren. Außerdem hat sie sich mit anderen nationalen Notenbanken und Aufsichtsbehörden in Europa vernetzt, um die Finanzbildung von Frauen voranzutreiben. Gründe für Finanzwissenslücke bei FrauenWoran aber liegt es, dass Frauen sich nicht stärker um die Verwaltung ihres Geldes kümmern, obwohl ihnen das finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit verschaffen würde? Klare Antworten gibt es dazu nicht. Einige Studien haben gezeigt, dass das Problem schon sehr früh anfängt. So sprechen Eltern häufiger mit Jungen als mit Mädchen über Finanzthemen. Zudem bekommen Mädchen im Durchschnitt später und weniger Taschengeld als Jungen. Dadurch haben sie weniger Anreiz, den Umgang mit Geld zu lernen. Das liege nicht daran, dass Jungen von Natur aus mehr Interesse für solche Themen aufbringen, so Bucher-Koenen. Studien deuten darauf hin, dass Eltern und andere Erwachsene die Erwartung haben, dass sich Jungen für das Thema mehr interessieren. Traditionelle Rollenbilder, nach denen Finanzen Männersache sind, wirken immer noch. Ein Blick in die Geschichte verdeutlicht solche Rollenaufteilungen. Erst ab 1958 konnten Frauen in Deutschland ein eigenes Bankkonto eröffnen, in Frankreich ab 1965 und in Spanien erst ab 1975. Bis 1977 konnte ein Ehemann seiner Frau untersagen, arbeiten zu gehen. In deutschen Schulen sei bis heute das Thema Finanzbildung nicht überall systematisch verankert, meint Bucher-Koenen. "Generell ist es wichtig, Offenheit und Bewusstsein für das Thema finanzielle Bildung zu schaffen." Und deswegen ist es wichtig, dass jetzt auch so große und wichtige Player wie die Europäische Zentralbank, aber auch andere Institutionen dieses Thema für sich erkannt haben. Dieser Artikel wurde aktualisiert. |
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| Short teaser | Wie fehlende Finanzbildung von Frauen die EZB-Politik ausbremst - und was die Zentralbank dagegen unternimmt. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/finanzwissen-von-frauen-ezb-treibt-bildung-voran/a-76487895?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Finanzthemen sind traditionell Männersache - daran hat sich bis heute nicht viel geändert | ||
| Image source | Monika Skolimowska/dpa/picture alliance | ||
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| Item 18 | |||
| Id | 76565137 | ||
| Date | 2026-03-28 | ||
| Title | Verdient der Iran an der Blockade der Straße von Hormus? | ||
| Short title | Verdient der Iran an der Blockade der Straße von Hormus? | ||
| Teaser |
Bis zu zwei Millionen US-Dollar soll Teheran von Öltankern für eine sichere Passage durch die Straße von Hormus verlangen. Macht der Iran seine Blockade der Meerenge zu Geld? Schon kurz nach den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran reagierte Teheran mit einer Blockade der für die weltweite Öl- und Gasversorgung wichtigen Straße von Hormus. Seitdem schnellten die Preise an den Zapfsäulen weltweit genauso in die Höhe wie die Versicherungsprämien für Seefrachter in der Region. Medienberichten zufolge soll der Iran nun bis zu zwei Millionen US-Dollar (1,7 Millionen Euro) für jedes Schiff fordern, das die Meerenge "sicher" passieren will. Eine "Mautstelle" an der Straße von Hormus?Dieser Flaschenhals, der weltweit eine zentrale Rolle spielt, weil ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasvorräte durch ihn transportiert wird, würde so von Teheran in eine Art Mautstelle mit hohen Risiken verwandelt. Vergangene Woche berichtete die "Lloyd's List", eine der ältesten und renommiertesten Fachzeitungen für die Schifffahrt weltweit, von Vermutungen, dass mindestens ein Tanker bereits eine solche Zahlung geleistet habe. Mehrere Vertreter des iranischen Regimes wiesen den Bericht zurück, doch im iranischen Staatsfernsehen erklärte der Parlamentsabgeordnete Aladdin Borudscherdi, solche Gebühren würden als Teil einer "neuen souveränen Ordnung" in der Meerenge erhoben; sie stellten einen Versuch dar, die iranischen Kriegskosten zu decken. "Die Freiheit der Meere, also das Recht, ungehindert Gebiete zu durchfahren, bildet die Grundlage des internationalen Seehandels", erklärte Robert Huebert, Experte für internationale Beziehungen an der Universität von Calgary am Dienstag in einem Podcast des kanadischen Portals Energi Media. Die Erhebung einer Durchfahrtsgebühr für die Straße von Hormus würde "auf den direkten Widerstand fast aller Staaten der Welt stoßen". Geschäft mit der Verzweiflung?Mehr als 3200 Schiffe hängen gegenwärtig in der Nähe der Meerenge fest; Peter Sand, Chefanalyst des Branchendienstleisters Xeneta, geht nicht davon aus, dass die Gebühren helfen könnten, die Schifffahrtsstraße wieder zu öffnen. "So hoch die Gebühr auch erscheinen mag, sie spielt keine zentrale Rolle", erklärte er gegenüber der DW. "Entscheidend ist, dass es noch immer viel zu unsicher ist, die Straße zu passieren." Die Bereitschaft großer Öl- und Gasimporteure, direkte Verhandlungen zu führen und zusätzlich zu den mittlerweile astronomischen Versicherungsprämien auch noch einen Millionenbetrag pro Schiff zu zahlen, zeigt jedoch, wie verzweifelt sich von Brennstoffen abhängige Länder mittlerweile darum bemühen, sich wenigstens minimale Liefermengen über die Meerenge zu sichern. "Manche Länder mögen bereit sein, zu zahlen", fügt Sand hinzu. "Es ist letztlich ein kleiner letzter Preis, der für eine gewisse Versorgungssicherheit zu entrichten ist." Zahlungen an Teheran trotz SanktionenLaut "Lloyd's List" ist nicht klar, wie die Transaktion abgewickelt worden sein soll, denn der Iran ist weiterhin internationalen Sanktionen unterworfen, aufgrund derer Zahlungen in US-Dollar über westliche Finanzkanäle an Teheran kaum möglich sind. Indien, Pakistan, Irak, Malaysia und China sprächen direkt mit Vertretern des Iran, um die sichere Passage ihrer Schiffe zu gewährleisten, berichtete die Fachzeitung weiter. Auch der Mediendienst Bloomberg berichtete über die Gebühr. Nicht namentlich genannten Quellen zufolge hätten mehrere Schiffe für die Durchfahrt durch die Meerenge gezahlt, die Zahlungen schienen jedoch nicht systematisch zu erfolgen. Teheran denke darüber nach, die Gebühr als Teil eines Friedensplans mit den USA und Israel zu formalisieren, fügte eine der Quellen von Bloomberg hinzu. "Nicht-feindliche" Schiffe sollen passieren dürfenAm Dienstag adressierte der Iran einen Brief an die Mitgliedsstaaten der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation der UN (IMO); darin wurde angekündigt, "nicht-feindlichen Schiffen" die Durchfahrt durch die Straße von Hormus in Absprache mit Teheran zu gestatten. "Bislang hat der Iran zwischen drei und fünf Durchfahrten pro Tag genehmigt", sagt Sand. "Jetzt behauptet Teheran, für alle, die nicht Feinde des Iran sind, sei die Straße offen." Gegenüber der DW erklärte ein Sprecher der IMO, die Organisation bemühe sich, eine "vorläufige und dringliche Maßnahme" zu ergreifen, "um die sichere Weiterfahrt der Handelsschiffe, die gegenwärtig in der Golfregion festsitzen, zu ermöglichen". Es sei von entscheidender Bedeutung, Leben und Wohlergehen der festsitzenden Seeleute zu schützen, bevor sich die Krise weiter verschärfe. Gleichzeitig wolle man darauf hinwirken, dass Schiffe, die bereit seien, die Straße von Hormus zu passieren, dies tun könnten, ohne angegriffen zu werden. Derweil scheint es auch bilaterale Vereinbarungen zu geben. An diesem Samstag teilte Thailands Regierungschef Anutin Charnvirakul mit, man habe sich mit Teheran auf eine sichere Durchfahrt für thailändische Öltanker geeinigt. Geleitschutz keine "langfristige Lösung"US-Präsident Donald Trump drängt seine europäischen NATO-Verbündeten dazu, sich an einer zukünftigen multinationalen Marine-Mission zu beteiligen, die die Handelsschifffahrt im Persischen Golf schützen soll. Zwar sträuben sich die europäischen Staaten größtenteils gegen eine solche Beteiligung, doch mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, haben angedeutet, dass sie bereit wären, nach einem Ende der aktiven Kampfhandlungen an Begleit- oder Aufklärungsmissionen teilzunehmen. Die IMO betonte, dass ein Geleitschutz von Handelsschiffen schon in früheren Krisen eingesetzt worden sei, unter anderem bei den jüngsten Angriffen der vom Iran unterstützten Huthi auf Schiffe im Roten Meer, dies jedoch keine "nachhaltige oder langfristige Lösung" sei. "Eine multilaterale Lösung wird gebraucht, um die Lage zu deeskalieren", erklärte ein Sprecher der IMO, "und es zivilen Seeleuten und Schiffen zu ermöglichen, in Sicherheit gebracht zu werden." Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo. |
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| Short teaser | Bis zu zwei Millionen US-Dollar soll Teheran von Tankern für eine sichere Passage durch die Straße von Hormus fordern. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/verdient-der-iran-an-der-blockade-der-straße-von-hormus/a-76565137?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Der Iran will die Straße von Hormus für "nicht-feindliche Schiffe" öffnen | ||
| Image source | Benoit Tessier/REUTERS | ||
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| Item 19 | |||
| Id | 76528868 | ||
| Date | 2026-03-26 | ||
| Title | Irankrieg: Droht eine neue Ölkrise wie in den 1970ern? | ||
| Short title | Irankrieg: Droht eine neue Ölkrise wie in den 1970ern? | ||
| Teaser |
Weniger Öl, hohe Benzinpreise, nervöse Märkte - der Irankrieg weckt Erinnerungen an die Ölkrisen in den 1970er Jahren. Damals rutschte die deutsche Wirtschaft in eine Stagflation. Wie schlimm ist es heute wirklich? Werden bald wieder Spaziergänger über deutsche Autobahnen schlendern? Die gegenwärtige Lage im Nahen Osten und die stark steigenden Ölpreise erinnern an die beiden Ölkrisen 1973 und 1979. Damals reduzierten die arabischen erdölproduzierenden Länder ihr Angebot und die Ölpreise schossen in die Höhe. Viele westliche Länder mussten Sparmaßnahmen einführen. Deutschland beschloss unter anderem vier autofreie Sonntage. Und heute? Man stehe vor der "größten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit", sagte Fatih Birol am Montag im National Press Club of Australia. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) hält die Krise im Nahen Osten für schlimmer als die beiden Ölschocks von 1973 und 1979 zusammen. Damals ging es um "jeweils etwa fünf Millionen Barrel Erdöl pro Tag, die fehlten", so Birol. "Heute geht es um elf Millionen Barrel pro Tag." Ähnlich düster schätzt er die Entwicklung auf dem Gasmarkt ein. Birol sagte, im Vergleich zu der Situation nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 habe sich die Menge des weltweit fehlenden Gasangebots verdoppelt. In den 1970er Jahren trieb das geringere Ölangebot die Ölpreise in die Höhe und damit auch die Preise anderer Güter und letztendlich die Inflation. Gleichzeitig reduzierte sich die Industrieproduktion und das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern. Deutschland rutschte in eine Stagflation. Ölpreise sind nicht so stark gestiegen wie in den 1970ernDurch den jetzigen Irankrieg hat sich das Ölangebot um etwa acht Prozent reduziert, aufgrund der Schließung der Straße von Hormus. "Damals sank das weltweite Angebot an Öl nur um etwa fünf Prozent. In dieser Hinsicht ist der Schock tatsächlich ausgeprägter als 1973, 1974," sagt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Der entscheidende Unterschied zu den 1970er Jahren sei, dass damals die Ölpreise um ein Vielfaches gestiegen seien, so Gern. "1973 auf 1974 haben sich die Ölpreise vervierfacht. 1979 nochmal verdreifacht", so der Ökonom im Gespräch mit der DW. Obwohl das Embargo Anfang 1974 aufgehoben wurde und die Angebotsmenge an Öl sogar gestiegen war, habe die OPEC die Ölpreise im restlichen Jahrzehnt hoch gehalten - mit entsprechender Wirkung auf die Wirtschaft weltweit. Heute sieht das anders aus. "Ölpreise von über 100 Dollar haben wir gelegentlich schon mal erlebt, zuletzt nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine," sagt Gern. Aber auch 2007, 2008 und nach 2011 hätten die Ölpreise solche Höhen erklommen. "Insofern ist das jetzt nicht eine neue Welt," so Gern. "Das war in den 1970ern anders. Da waren die Abnehmerländer mit Preisen konfrontiert, die sie nicht kannten." Und man wusste nicht, wie lange die Ölpreise hoch bleiben würden. Hinzukommt, dass die jetzigen hohen Ölpreise durch den Angebotsrückgang bedingt seien. Dieser Angebotsrückgang entstehe durch die Blockade der Straße von Hormus und die daraufhin heruntergefahrenen Produktionsanlagen und nicht dadurch, dass Kriegsschäden die Produktion unmöglich gemacht hätten. Daher könne man davon ausgehen, dass sich sowohl Angebot als auch Preise wieder auf ein Vorkriegsniveau einpendeln, wenn der Konflikt beendet wird, glaubt Gern. Auch von der Deutschen Bank Research heißt es: Die Märkte preisen weiterhin keinen anhaltenden Ölschock ein. Energieinfrastruktur getroffen oder heruntergefahrenEinige Schäden durch iranische Angriffe gibt es allerdings schon. Mehr als 40 Energieanalagen in neun Ländern des Nahen Ostens seien schwer beschädigt worden, sagte Biral. Selbst wenn der Krieg beendet würde und Schiffe wieder die Meerenge von Hormus befahren könnten, brauche es eine "lange Zeit", bis beschädigte oder stillgelegte Öl- und Gasfelder wieder in Betrieb genommen werden könnten. "Bei einigen wird es sechs Monate dauern, bei anderen viel länger", so Birol gegenüber der Financial Times. So gab beispielsweise Katar bekannt, dass allein durch die iranischen Angriffe auf den weltgrößten Komplex für verflüssigtes Erdgas (LNG) drei bis fünf Jahre lang 17 Prozent weniger Flüssiggas geliefert werden könnten. Christoph Rühl von der Columbia Unversität in New York relativiert diese Aussagen. Er meint, erst wenn die Blockade der Straße von Hormus wirklich länger andauert und mehr Ölanlangen zerstört werden, würden wir in eine schwere Krise geraten. In Bezug auf Katar gibt er beispielsweise zu bedenken, dass von dort etwa 20 Prozent des weltweiten Gases kämen. Damit seien nur vier Prozent der Weltgasmenge von den Schäden in Katar betroffen, so Rühl. Notfallmaßnahmen sollen Hunger nach Erdöl stillenZum Tragen kommt außerdem, dass der Ölmarkt heute im Vergleich zu den 1970er Jahren viel diversifizierter ist. Lieferten die OPEC-Staaten 1973 noch über die Hälfte des Rohöls der Welt, haben sie inzwischen nur noch einen Anteil von knapp über 36 Prozent. Die USA waren damals schon das größte Ölförderland und sind es immer noch. In den letzten zehn Jahren haben sie aber nochmal stark zugelegt und das zusätzliche Ölangebot auf dem Weltmarkt fast vollständig (90 Prozent) geliefert. Trotz der Ölkrisen, die in den 1970er Jahren den Westen schmerzlich die Abhängigkeit vom Nahen Osten und seinem Öl haben spüren lassen, ist die Nachfrage nach Öl weiter gestiegen. Lag das weltweite Angebot 1973 noch bei weniger als 60 Millionen Barrel pro Tag, erreichte es 2022 bereits fast 94 Millionen Barrel pro Tag. Um diese Nachfrage abzusichern, wurden aber Notfallmaßnahmen beschlossen und Ölreserven aufgebaut. Diese globalen Ölreserven erreichten Anfang dieses Jahres mit 8,2 Milliarden Barrel den höchsten Stand seit Februar 2021, so die Internationale Energieagentur (IEA). Sie machen es möglich, die derzeitigen Angebotsausfälle aus dem Nahen Osten abzufedern. Ein Teil der Ölreserven wurde bereits freigegeben, um den Ausfall von Öl aus dem Nahen Osten in Höhe von elf Millionen Barrel am Tag auf acht Millionen Barrel am Tag zu begrenzen. Um die Angebotsknappheit zu lindern, haben außerdem die USA die Sanktionen gegen russisches und iranisches Öl, das sich bereits auf See befindet, vorübergehend ausgesetzt. Den Reserven sei es zu verdanken, dass der Ölpreis nicht noch höher ist, obwohl am Markt vermutlich - zumindest zeitweise - bereits mit einem über einige Monate andauernden Krieg gerechnet wurde, heißt es von der Commerzbank Research. Die IEA-Mitgliedsländer legten in den vergangenen zehn Jahren auch größere Gasvorräte an, um Engpässe abzufedern. Es kommt auf die Länge des Irankrieges an"Geht man von den OECD-Beständen aus, sowohl kommerziellen als auch strategischen, dann könnten die den Wegfall der Öllieferungen über die Straße von Hormus für etwa neun Monate kompensieren", sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank gegenüber der DW. Auch China habe strategische und kommerzielle Reserven aufgebaut, die den Importbedarf Chinas aus dem Mittleren Osten für rund sieben Monate abdecken könnten, so Fritsch. Wie lange der Irankrieg anhält, ist völlig unklar. Zwar hat Donald Trump jüngst verkündet, es gebe "produktive" Gespräche mit dem Iran, was der allerdings dementiert. Damit ist auch unklar, wie sich das Angebot von Öl und Gas längerfristig entwickelt. Auch wenn es derzeit nicht so schlimm ist wie in den 1970ern - die Wirtschaft hat den Irankrieg schon zu spüren bekommen: "Wir werden zwei Dinge erleben: die Inflation wird kurzfristig steigen und die Produktion gedämpft werden, weil der Verbrauch von Öl wenn möglich runtergefahren wird", so Gern. Während in Deutschland weiter alle Fahrzeuge auf den Autobahnen unterwegs sind, wurden in einigen Ländern schon Maßnahmen eingeführt, um Energie zu sparen. So hat Pakistan unter anderem die Fans seines wichtigsten Cricket-Turniers angewiesen, zu Hause zu bleiben und die Spiele im Fernsehen zu verfolgen, um Treibstoff zu sparen. Die Pakistan Super League, das größte Sportereignis des Landes wird damit in diesem Jahr zu einer Online-Veranstaltung. |
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| Short teaser | Der Irankrieg weckt Erinnerungen an die Ölkrisen in den 1970er Jahren. Wie schlimm ist es wirklich? | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/irankrieg-droht-eine-neue-ölkrise-wie-in-den-1970ern/a-76528868?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Ölkrise in den 1970ern: Drohen uns ähnliche Verhältnisse? | ||
| Image source | Bertram/dpa/picture alliance | ||
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| Item 20 | |||
| Id | 76511691 | ||
| Date | 2026-03-24 | ||
| Title | Wer profitiert wie vom neuen Handelsabkommen der EU mit Australien? | ||
| Short title | Wer profitiert wie vom neuen EU-Handelsdeal mit Australien? | ||
| Teaser |
Unter dem Druck von Trumps Zöllen und Chinas industrieller Dominanz legen die EU und Australien alte Handelsstreitigkeiten bei, um ihr immer wieder aufgeschobene Freihandelsabkommen zu besiegeln. Nach fast einem Jahrzehnt von Verhandlungen mit vielen Unterbrechungen hat das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien endlich die Ziellinie erreicht. "Früher herrschte in Australien Europhobie - jetzt haben wir zumindest ein bisschen Eurovision", sagt Tim Harcourt von der University of Technology Sydney gegenüber der DW. Noch 2023 scheiterten die Gespräche auf den letzten Metern, nachdem sie durch den heftigen Widerstand australischer Landwirte gegen Rindfleischquoten zum Scheitern gebracht worden waren. Was hat sich also geändert? Nicht so sehr das Kleingedruckte des Abkommens, sagen Experten, sondern der zunehmende Druck. Neue Abkommen in einer neuen HandelsordnungSteigende Zölle aus den USA haben sowohl australische Fleischexporteure als auch europäische Autohersteller unter Druck gesetzt. Gleichzeitig hat Chinas Bereitschaft, den Zugang zu kritischen Mineralien als Druckmittel einzusetzen, Europa dazu gezwungen, sich um die Versorgungssicherheit kritischer Rohstoffe zu kümmern. Vor diesem Hintergrund bietet das Abkommen beiden Seiten etwas Seltenes: Erleichterung - und Sicherheit. "Heutzutage steht viel mehr auf dem Spiel", sagt Evgeny Postnikov von der Universität Melbourne gegenüber der DW. "Es ist nicht mehr die Zeit, wichtige Abkommen bestimmten innenpolitischen Interessen zu opfern." EU-Handelskommissar Maros Sefcovic, der gemeinsam mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Canberra gereist war, schlug ähnliche Töne an: "Wir senden ein starkes Signal, dass wir niedrige Zölle - oder in diesem Fall gar keine Zölle - bevorzugen und dass wir eine regelbasierte Zusammenarbeit wollen." Das Abkommen zwischen der EU und Australien ist zudem Teil einer umfassenderen Initiative. Brüssel hat in diesem Jahr eine ganze Reihe wichtiger Handelsabkommen abgeschlossen, unter anderem mit dem Mercosur, einem Zusammenschluss südamerikanischer Länder, und mit Indien. Zwischen den FrontenAustralien mag unter den Handelspartnern der EU nur auf Platz 20 rangieren, doch sein strategischer Wert steigt rasant. Für Europa ist das Abkommen ein weiterer Schritt, um seine Abhängigkeit von den USA zu verringern und gleichzeitig die Beziehungen zu sogenannten "Mittelmächten" zu stärken. Das sind Länder, die den globalen Handelsfluss zunehmend prägen. Australien ist zudem Mitglied des trans-pazifischen Handelsabkommen CPTPP, einem Zusammenschluss von elf Volkswirtschaften der Region, auf die rund 15 Prozent des weltweiten Handels entfallen. "Dies ist ein sehr bedeutender Markt", sagte Holger Görg vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Ein Abkommen mit Australien ist praktisch ein Tor zum CPTPP-Netzwerk und bietet eine viel größere Chance für europäische Unternehmen." Kritische Rohstoffe im FokusFür Brüssel liegt einer der größten Vorteile dieses Abkommens unter der Erde. Australien verfügt über die drittgrößten Reserven an Seltenen Erden weltweit und ist der weltweit größte Produzent von Lithium, einem Grundpfeiler der Batterieproduktion für Elektrofahrzeuge. Das ist wichtiger denn je. Im vergangenen Jahr hat China seinen Zugriff auf wichtige Mineralien verschärft und damit Befürchtungen geschürt, es könne zu Versorgungsengpässen kommen. Das ist für die EU besonders problematisch, wenn sie weiter ihre grüne und digitale Transformation vorantreiben will. "Was in den letzten zwei Jahren deutlich geworden ist, ist, dass wir uns in Bezug auf kritische Rohstoffe niemals zu sehr von anderen Partnern abhängig machen sollten", unterstreicht Görg. Kern des AbkommensFür Australien ist der wichtigste Pluspunkt der Zugang zu den 450 Millionen Verbrauchern der EU. "Es ist ein beeindruckendes Abkommen für die australische Seite", betont Postnikov von der Universität Melbourne. Nahezu alle EU-Zölle auf australische Agrarexporte, von Wein und Olivenöl bis hin zu den meisten Milchprodukten, werden abgeschafft. Darüberhinaus gibt es symbolische Erfolge. Die EU wird australischen Produzenten vorerst erlauben, geschützte Bezeichnungen wie Parmesan und Feta weiter zu verwenden. Australien wird zudem das einzige Land außerhalb Italiens sein, das seinen Sekt als Prosecco kennzeichnen darf. Rindfleisch bleibt ein Reiz-ThemaIm Rahmen des Abkommens werden sich die australischen Rindfleischquoten in den nächsten zehn Jahren mehr als verzehnfachen - von 3389 Tonnen auf 30.600 Tonnen jährlich. Das bleibt hinter den Ambitionen Canberras zurück. Brüssel hatte sich gegen australische Forderungen nach noch höheren Liefermengen hartnäckig gewehrt. Der australische Bauernverband erklärte, man sei "äußerst enttäuscht" über das Ergebnis. Dass das Abkommens diesen innenpolitischen Gegenwind überstanden hat, ist vielleicht das deutlichste Signal von allen: In einer Weltwirtschaft, die immer stärker fragmentiert ist und in der mit immer härteren Bandagen gekämpft wird, sind strategische Handelspartnerschaften zu wichtig, um durch lokale Widerstände gestoppt zu werden. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert |
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| Short teaser | Unter dem Druck von US-Zöllen und Chinas Dominanz legen die EU und Australien alte Streitigkeiten bei. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/wer-profitiert-wie-vom-neuen-handelsabkommen-der-eu-mit-australien/a-76511691?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 21 | |||
| Id | 76494164 | ||
| Date | 2026-03-23 | ||
| Title | Iran-Krieg kann zu globaler Preis-Krise führen | ||
| Short title | Iran-Krieg kann zu globaler Preis-Krise führen | ||
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Je länger der Iran-Krieg dauert, desto schlechter für die Weltwirtschaft. Besonders betroffen wird Afrika sein, meint eine Hilfsorganisation. Auch in Deutschland steigen die Preise. Was tut die Politik? Mit simplen Kurznachrichten auf seinem "Truth Social"-Kanal steuert US-Präsident Donald Trump derzeit die internationalen Börsen und einen Teil der Energiemärkte. Die Börsen drehten nach Trumps jüngster Behauptung, er sei mit Iran im Gespräch und werde sein Ultimatum zur Zerstörung der iranischen Energieanlagen um fünf Tage verschieben, ins Plus. Der Ölpreis sank kurzzeitig unter die Grenze von 100 US-Dollar pro Fass. Ende letzter Woche hatte Donald Trump noch für stark steigende Ölpreise gesorgt, als er ankündigte, er werde Irans Kraftwerke angreifen, sollte das Ayatollah-Regime die Wasserstraße von Hormus am Persischen Golf nicht freigeben. Preisanstiege in der gesamten ProduktionsketteMittlerweile sind nicht nur Erdöl und Erdgas, verglichen mit der Situation vor einem Monat, von rapiden Aufschlägen betroffen, sondern insgesamt 15 Warengruppen, wie die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" nach einer Datenanalyse meldet. Die Grundstoffe für die Chemieindustrie, Düngemittel, Kunststoffe, Edelgase und einige Metalle verteuerten sich demnach um zehn bis 50 Prozent. "Die Preisanstiege werden sich in der gesamten Produktionskette der Industrie bemerkbar machen", meint der Chef des Chemiekonzerns Lanxess, Matthias Zachert. Grundstoffe für Düngemittel, Schwefel, Ammoniak und Harnstoff wurden in der Golfregion massenhaft hergestellt. Die zu erwartende Knappheit lässt die Preise am Weltmarkt steigen. Qatar Energy hat zum Beispiel die Produktion von Harnstoff eingestellt. In Indien, Pakistan und Brasilien müssen Düngemittelfabriken ihre Produktion herunterfahren. Auch in den USA fehlt Harnstoff bereits im Großhandel. Es drohen Engpässe beim Edelgas HeliumDas Gleiche gilt für das Edelgas Helium. 40 Prozent der weltweiten Produktion des Gases, das bei der Halbleiter-Fertigung gebraucht wird, werden aus Erdgas am Persischen Golf erzeugt. Fällt es weg, gerät die Chip-Produktion in Asien ins Stocken. "Helium ist ein wirkliches Problem", sagte dazu Julian Hinz, Handelsexperte beim Kiel Institut für Weltwirtschaft. "Wenn es länger dauert, wird es ein Problem. Aber was ist lange?" Professor Hinz meint, es gehe im Moment nicht um eine physische Knappheit bei Rohstoffen, noch nicht. Aber allein die Erwartung einer Knappheit löse steigende Preise aus, so der Wirtschaftswissenschaftler: "Es gibt Unsicherheit, was passieren könnte. Es ist nicht so entscheidend, was tatsächlich passiert ist." Die erratischen Ansagen aus dem Weißen Haus seien da nicht sonderlich hilfreich. Ein wirkliches Problem für den deutschen Handel erwartet Julian Hinz im Kiel-Institut noch nicht. 90 Prozent des Handelsvolumens werde innerhalb der Europäischen Union abgewickelt. Der Handel mit der Golfregion sei eher gering. Allerdings könnten in Deutschland auch die Lebensmittelpreise steigen, wegen höherer Transportkosten und wegen höherer Düngerpreise. Davor warnen der SPD-Bundestagsabgeordnete Esra Limbacher und auch der Präsident des Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Zahlreiche Branchen rechnen mit Kostensteigerungen und eventuell höheren Preisen für Verbraucher. Das wiederum könnte zu einem Anstieg der derzeit niedrigen Inflationsrate führen und das ohnehin nur bescheidene Wirtschaftswachstum abbremsen. Ärmere Länder in Afrika von Energieimporten abhängigDie Auswirkungen des Krieges gegen den Iran seien mittlerweile auch in Afrika zu spüren, beschreibt die evangelische Hilfsorganisation "Brot für die Welt" die Lage. Die Preise für künstlichen Stickstoffdünger stiegen wie nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 drastisch an. Damals blieben Dünger-Lieferungen aus der Ukraine für einige Monate aus. Ohne ausreichend Dünger könnten in einigen afrikanischen Staaten die Ernten schlechter ausfallen und die Ernährung der Menschen gefährdet werden, befürchten die Experten von "Brot für die Welt", die nicht namentlich genannt werden wollen. Obwohl afrikanische Staaten teilweise über Erdöl- und Erdgasvorkommen verfügten, seien sie von steigenden Preisen für Erdölprodukte stark betroffen. Denn Benzin, Diesel und Kerosin müssten wegen fehlender Raffinerien in Afrika oftmals auf dem Weltmarkt eingekauft werden. Staaten, die Benzin subventionieren, müssen ihre Staatsausgaben erheblich ausweiten, um steigende Preise auszugleichen. Das führe zu wachsenden Staatsschulden und Inflation, so die Hilfsorganisation. Am stärksten betroffen von der jüngsten Energiekrise dürften nach Einschätzung der Hilfsorganisation Senegal, Benin, Eritrea, Burkina Faso und Sambia sein. Energieagentur sieht "doppelte Ölkrise"Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte in dramatischen Worten vor einer "großen Bedrohung" der Weltwirtschaft. Kein Land, egal ob in Afrika, Asien oder Europa, werde von den Auswirkungen der Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickle. Das Szenario sei schlimmer als die beiden Ölkrisen der 1970er Jahre zusammengenommen. Da auch die USA selbst von einem enormen Preisanstieg bei Treibstoffen für Autofahrer und für die Lieferbranche betroffen seien, könnte es vielleicht bald zu einem Ende der kriegerischen Handlungen kommen, vermuten Beamte der IEA, die nicht genannt werden wollen. Die Internationale Energieagentur ist eine zwischenstaatliche Organisation von 32 entwickelten Industriestaaten auf der Nordhalbkugel. Luft- und Schifffahrt werden teurerDer Ausfall der Luftverkehrskreuze in Dubai und Doha ist für viele internationale Airlines ein Problem. Flugpläne für Passagier- und Frachtmaschinen wurden reduziert. Direkte Verbindungen von Europa nach Asien ohne Umstieg am Golf seien jetzt stärker gefragt, so ein Lufthansa-Sprecher. Dementsprechend werden sie teurer. Die steigenden Preise für Kerosin könnten die Tickets auf lange Sicht weltweit verteuern. Etwa 2000 Schiffe liegen im Moment im Persischen Golf fest. Die Transportketten sind unterbrochen. Die Versicherungen für den Schiffsverkehr steigen. Bundesregierung: Keine VersorgungskriseBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht derzeit eine Preiskrise, aber keine Versorgungskrise. Erdöl und Erdgas seien in ausreichendem Maße vorhanden, würden aber teurer. Die Preisanstiege in anderen Branchen würden beobachtet, sagte ein Sprecher der Ministerin der DW. Konkrete Maßnahmen, wie einer möglichen Inflation zu begegnen sei, habe man aber noch nicht beschlossen. Von staatlich subventionierten Preisrabatten rät Julian Hinz vom Kiel-Institut für Weltwirtschaft ab. Die seien teuer für den Staat und müssten am Ende sowieso von allen Steuerzahlern finanziert werden. "Wir können nicht so tun, als ob nichts passiert wäre. Mit dem Preis zu spielen, ist sehr gefährlich." |
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| Short teaser | Industrieprodukte und Transporte werden weltweit durch den Iran-Krieg rasant teurer. Welche Auswirkungen hat die Krise? | ||
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| Image caption | In den Vereinigten Arabischen Emiraten brennt nach einem iranischen Angriff eine Ölanlage: Massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft | ||
| Image source | Altaf Qadri/AP Photo/picture alliance | ||
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| Item 22 | |||
| Id | 76435023 | ||
| Date | 2026-03-19 | ||
| Title | Im Hinterhof der USA: Was hat Kuba Trump entgegenzusetzen? | ||
| Short title | Im Hinterhof der USA: Was hat Kuba Trump entgegenzusetzen? | ||
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Die US-Regierung hat den Druck auf Kuba deutlich erhöht. Das Öl-Embargo trifft nicht nur die Bevölkerung. Das kommunistische Regime in Havanna windet sich, doch die Gespräche mit Washington zeigen, wie geschwächt es ist. Kuba tappt im Dunkeln - die Bevölkerung im wörtlichen, die Regierung im übertragenen Sinne. Anfang der Woche gingen zum vierten Mal in zwei Jahren auf der ganzen Insel die Lichter aus. Der zehnte großflächige Stromausfall seit Februar 2024 löste teils gewaltsame Proteste aus. Die Führung des Karibikstaats scheint angesichts der Krise und des Drucks aus den USA indes so ratlos, dass sie sogar mit dem Erzfeind verhandelt, um ihre eigene Existenz zu sichern. Denn spätestens nach der Drohung von US-Präsident Donald Trump, er könne auf die eine oder andere Art Kuba "übernehmen", materialisiert sich über Havanna das Damoklesschwert, das sich Anfang Januar mit der Verhaftung von Nicolas Maduro abzuzeichnen begann. Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten in dessen Residenz in Caracas, zeigt dem Regime nicht nur, wozu Trump bereit und in der Lage ist, sie raubte ihm auch einen der engsten Verbündeten und wichtigsten Öllieferanten. Warum will Trump Kuba "übernehmen"?Kuba, etwa 150 Kilometer entfernt von der US-Küste, ist den USA seit der Revolution unter Führung von Fidel Castro 1959 ein Dorn im Auge. Dessen kommunistisches Regime hat sich stets gegen den einst großen Einfluss der USA gestellt und gilt als Brückenkopf für gegnerische Regierungen wie denen in Moskau, Peking und Caracas. Die zaghaften Wiederbelebungsversuche der Beziehungen zu Kuba unter US-Präsident Barack Obama machte Donald Trump schon in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) zunichte - zur Erleichterung vieler Exilkubaner und ihrer Nachkommen weltweit. Viele von ihnen wollen das Castro-Regime fallen sehen. Einer von ihnen ist US-Außenminister Marco Rubio. Die kubastämmige Diaspora ist in den USA eine wichtige Wählergruppe, vor allem im Swing State Florida. Dass Donald Trump gerade jetzt die Rhetorik verschärft, erklärt Klemens Fischer, Außenexperte der Universität Köln, mit innenpolitischen Motiven: Es sei "möglicherweise der Versuch eines Befreiungsschlags, nachdem es gerade im Iran nicht so läuft, wie er wollte", sagte er im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). "Er muss zeigen, dass er ein starker Präsident ist. Auf der anderen Seite muss er es sich aber auch ersparen, einen weiteren Krieg zu führen." Den Druck auf Kuba hatte der US-Präsident allerdings schon früher erhöht: Auf sein Geheiß setzte die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodriguez im Januar die ohnehin geschrumpften Öllieferungen an Kuba ganz aus. Seit Ende Januar blockieren die USA zudem Seewege zur Karibikinsel und drohen Lieferländern mit Sanktionen. Nach Angaben der kubanischen Regierung hat das Land seit drei Monaten keine Öllieferung mehr erhalten. Die seit Jahren rückläufige heimische Förderung deckte im Jahr 2024 weniger als 30 Prozent des Bedarfs. Die Häufung der Stromausfälle hängt damit direkt zusammen, denn Kubas Strom kommt weitgehend aus Ölkraftwerken. Die schlimmste Wirtschaftskrise seit drei JahrzehntenDer Energiemangel sei jedoch nur eine - wenngleich folgenreiche Facette - der aktuellen Wirtschaftskrise, sagt der in Spanien lebende kubanische Ökonom Elias Amor. Abgesehen von einer leichten Erholungsphase schrumpft die kubanische Wirtschaft seit Beginn der COVID-19-Pandemie 2020 - und zwar um durchschnittlich um 2,75 Prozent pro Jahr. 2025 waren es sogar fünf Prozent: "Die kubanische Wirtschaft befindet sich im schlechtesten Zustand seit dem 'Periodo Especial'", sagt Amor der Deutschen Welle. Als "Sonderperiode in Friedenszeiten" bezeichnet Kubas Regime die tiefe Rezession, die das Land infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion erfasst hatte. Binnen vier Jahren sanken die Realeinkommen um 90 Prozent. Mit vorübergehenden Reformen, einschließlich der schrittweisen Öffnung des Tourismussektors, erreichte die Regierung unter Revolutionsführer Fidel Castro eine partielle Erholung. Wirklich aufwärts ging es jedoch erst wieder, nachdem Hugo Chavez die Staatsführung in Venezuela übernahm und den Platz der UdSSR als Sponsor einnahm. Womöglich verhindere derzeit die graduelle Öffnung der kubanischen Wirtschaft über die vergangenen Jahrzehnte eine Krise wie in den 1990ern, meint der Ökonom Amor. Doch auch die begrenzten Reformen, die Fidels Bruder Raul Castro und Präsident Miguel Diaz-Canel in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht haben, könnten kaum noch Wirkung entfalten: "Selbst der Tourismus kann diese Krisensituation mittlerweile nicht mehr aufhalten, da die Triebkräfte der Wirtschaft völlig niederliegen." Was hat Kubas Regierung den USA entgegenzusetzen?Zwar soll ein Tanker der russischen Schattenflotte auf den Weg nach Kuba sein. Doch der massive Druck von innen und außen hat das kubanische Regime offenbar an den Verhandlungstisch gezwungen. Vergangene Woche bestätigte es Gespräche US-Vertretern, von denen Trump bereits Anfang März sprach. Anfang der Woche erklärte Vizepremier und Handelsminister Oscar Perez-Oliva, ein Großneffe der Castro-Brüder, Kuba sei bereit für offene Handelsbeziehungen mit US-Unternehmen und Investitionen dort lebender Kubaner. Doch das ist den USA nicht genug. Außenminister Rubio forderte drastische Veränderungen, um die dysfunktionale Wirtschaft zu überwinden. Auch die Freilassung einiger politischer Gefangener dürfte Washington nicht genügen. Nach Zählung der spanischen Menschenrechtsorganisation "Prisioners Defenders" hielt Kuba Ende Februar 1214 Menschen in politischer Gefangenschaft. Dennoch sieht María José Espinosa, Direktorin des Washingtoner Center for Engagement and Advocacy in the Americas (CEDA), das Regime nicht vor dem unmittelbaren Kollaps: "Der Staatsapparat - die Kommunistische Partei, die Sicherheitskräfte und das militärisch-wirtschaftliche System ("GAESA") - ist nach wie vor relativ geschlossen." Ergibt sich Kuba dem Druck der USA?Doch es zeigen sich bereits Risse. Präsident Miguel Diaz-Canel gilt als mehr oder weniger austauschbarer Parteifunktionär und als geschwächt. Fundamentale Änderungen könnte in Kuba nur das Militär anstoßen - und die Castros. "Es ist die Familie Castro, die die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten kontrolliert und leitet", sagte Ted Henken, Lateinamerikaexperte an der City University of New York der DW. Neben Vizepremier Perez-Oliva gilt auch Raul Castros Enkel Raul Guillermo, genannt "El Cangrejo" (Die Krabbe), als aufstrebender Machtfaktor. "Alles deutet darauf hin, dass sie die Interessen der Familie Castro vertreten und in der einen oder anderen Form die Regierung leiten werden", so Henken. Doch selbst mit einer neuen Generation, glaubt Henken, werde es strukturelle Reformen frühestens in einigen Jahren geben. |
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| Short teaser | Das kommunistische Regime in Havanna windet sich, doch die Gespräche mit Washington zeigen, wie geschwächt es ist. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/im-hinterhof-der-usa-was-hat-kuba-trump-entgegenzusetzen/a-76435023?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Nur noch eine Touristenattraktion inmitten von Verfall: Das Kapitol in Havanna, der ehemalige Parlamentssitz, steht seit der Revolution 1959 leer - nicht nur wie hier bei Stromausfall | ||
| Image source | Norlys Perez/REUTERS | ||
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| Item 23 | |||
| Id | 76398821 | ||
| Date | 2026-03-18 | ||
| Title | Pete Hegseth: Wer ist Trumps "Kriegsminister"? | ||
| Short title | Pete Hegseth: Wer ist Trumps "Kriegsminister"? | ||
| Teaser |
Er selbst sieht sich als christlicher Patriot, Kritikern gilt Pete Hegseth als rechtsextremer Scharfmacher. Für US-Präsident Trump ist der ehemalige Soldat und Fernsehkommentator vor allem ein loyaler Kriegsminister. Für markige Worte ist US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schon lange bekannt. Das war schon so, als er noch als Journalist beim konservativen US-Fernsehsender Fox News Donald Trumps Ernsthaftigkeit und politische Instinkte feierte. Vor allem bei Trump und den Anhängern seiner MAGA-Bewegung ("Amerika wieder stark machen") kommt das gut an. Doch inzwischen ist Hegseth Chef der stärksten Armee der Welt und nennt sich - auf Trumps Geheiß - "Kriegsminister". Da lässt es weltweit aufhorchen, wenn er Worte wählt, die an der Grenze des internationalen Rechts entlangschrammen. In einer Pressekonferenz zum Krieg gegen den Iran Anfang März bezeichnete er die Einsatzregeln für US-Soldaten als "bescheuert" ("stupid"). Damit zog er Regeln in Zweifel, die im Kern Zivilisten schützen und Kriegsverbrechen verhindern sollen. Mitte März legte er nach und kündigte "no quarter, no mercy for our enemies" im Iran an, auf Deutsch etwa: kein Pardon, keine Gnade für unsere Feinde. Aus der Militärsprache übersetzt heiße dies, man werde auch diejenigen töten, die sich ergeben haben, erklärt die Völkerrechtlerin Jacqueline Hellman von der Universidad Complutense de Madrid: "Die Aussage spielt auf eine ausdrücklich verbotene Praxis an." Als reine Rhetorik sei dies nicht strafbar, der Satz könne aber als Kriegsverbrechen eingeordnet werden, wenn er als Befehl formuliert entsprechende Handlungen durch die Streitkräfte nach sich ziehe. Hadert Hegseth mit dem Völkerrecht?Es ist nicht das erste Mal, dass Kritiker Hegseth in Verbindung mit Kriegsverbrechen bringen. Bei einem der - ohnehin umstrittenen - Angriffe des US-Militärs auf mutmaßliche Schmugglerboote aus Venezuela hatte es zwei Überlebende gegeben, die dann durch einen zweiten Schlag getötet wurden. Zunächst berichteten Medien, dies sei geschehen, weil Hegseth befohlen habe, niemanden überleben zu lassen. Der Verteidigungsminister wies das von sich. Auch der befehlshabende Admiral Frank "Mitch" Bradley sagte aus, er habe die Entscheidung selbst getroffen. Gleichwohl gibt es weitere Hinweise darauf, dass der Hegseth mit den Genfer Konventionen und dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs fremdelt. Im Podcast des ehemaligen Elitesoldaten Shawn Ryan nahm er drei ehemalige US-Soldaten in Schutz, die wegen Kriegsverbrechen verurteilt und 2019 von Trump begnadigt worden waren. Er bezeichnete die Einsatzregeln als "unmöglich" und sagte, sie seien "geschrieben, um zu verlieren, um unsere Jungs in Handschellen" zu legen. Als Beispiel nannte er die Regel, dass US-Soldaten erst dann auf bewaffnete mutmaßliche Feinde schießen dürfen, wenn diese auf sie anlegten. Im Irak habe er seinen Untergebenen gesagt: "Jungs, das machen wir nicht!" Der Frontsoldaten als KriegsministerPete Hegseth, geboren 1980, wuchs in einem Vorort des Ballungsraums Minneapolis/Saint Paul in Minnesota auf. Nach der High School studierte er Politik an der Eliteuniversität Princeton, wo er als Herausgeber des "Princeton Tory" zu einem konservativen Wortführer der Uni avancierte. Nach dem Abschluss meldete er sich 2003 zum Militärdienst. Während seines aktiven Dienstes absolvierte er Einsätze im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba, im Irak und in Afghanistan, erhielt mehrere Auszeichnungen und erreichte den Rang eines Majors. 2014 wechselte Hegseth in die Reserve der Nationalgarde. Gleichzeitig begann er seine Arbeit bei Fox News als Kommentator und Moderator, die ihn einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte. Hegseth inszenierte sich zunehmend als erfahrener Frontsoldat mit gestähltem Körper und eisernem Kampfeswillen für konservative Werte - unter anderem mit nacktem Oberkörper in Social-Media-Posts und Büchern wie "Modern Warriors" (Moderne Krieger) und "American Crusade" (Amerikanischer Kreuzzug). Extremismusvorwürfe gegen den VerteidigungsministerBis 2024 blieb Hegseth Reservist der Nationalgarde, schied dann aber auf eigenen Wunsch aus, nachdem ihn Kameraden aus seiner Einheit als möglichen Extremisten angezeigt hatten. Grund dafür sollen Social-Media-Posts und seine Tätowierungen sein, wie er im Podcast "Shawn Ryan Show" sagte. Auf seiner Brust prangt das sogenannte Jerusalem-Kreuz, das erstmals als Zeichen der Kreuzfahrer dokumentiert ist, auf seinem Bizeps der lateinische Schriftzug "Deus Vult" (Deutsch: Gott will es), der nicht nur ein Schlachtruf der Kreuzfahrer war, sondern auch in rechtsextremen Milieus populär ist. Neben seiner Identifikation mit Kreuzrittern gibt auch seine Kirchenmitgliedschaft Hinweise auf sein Glaubenssystem: Hegseth gehört der Communion of Reformed Evangelical Churches (CREC) an - einer Bewegung, deren Anführer aus den USA einen christlichen Gottesstaat machen möchte. Kontroversen um die fachliche EignungAls bekannt wurde, dass Trump Hegseth zum Verteidigungsminister ernennen wollte, regte sich auch in der eigenen Partei Widerstand. Viele hätten einen klassischen Verteidigungspolitiker bevorzugt. Doch Trump setzte sich durch und erklärte seine Wahl unter anderem so: "Pete ist hart, klug und ein überzeugter Anhänger von 'America First'." Hegseths Loyalität schien wichtiger zu sein als seine Eignung für das Amt - denn politische Erfahrung hatte er kaum vorzuweisen: 2012 trat er der Republikanischen Partei bei, um in Minnesota für den US-Senat zu kandidieren, zog die Kandidatur aber alsbald zurück. Weitere Kontakte in die Politik knüpfte er als Präsident der Organisation "Concerned Veterans of America" (Deutsch: Besorgte Veteranen Amerikas). Als Trump ihn 2016 als Minister für Veteranenangelegenheiten in Erwägung zog, protestierten mehrere Veteranenorganisationen. Dennoch berief ihn Trump 2025 zum Verteidigungsminister in sein Kabinett. Während des Bestätigungsverfahrens im US-Senat musste er sich kritischen Fragen stellen. Die Republikanerin Joni Ernst etwa, selbst Irak-Veteranin, befragte ihn ausführlich zu seinem Verständnis über die Rolle von Frauen im Militär. Hegseth hatte sich zuvor gegen den Kampfeinsatz von Frauen und Diversität im Militär ausgesprochen. Dem Senat gegenüber relativierte er einige dieser Positionen, betonte aber, dass Effektivität im Militär wichtiger sei als Gleichstellungspolitik. Hinzu kamen Zweifel an seiner charakterlichen Eignung: Eine Frau hatte nach einer außergerichtlichen Zahlung ihren Vorwurf fallen lassen, Hegseth habe sie im Jahr 2017 sexuell genötigt. Als designierter Minister betonte er, dass die Affäre einvernehmlich gewesen sei, bezeichnete sie aber als schweres Fehlverhalten gegenüber seiner damaligen Ehefrau. Auch Vorwürfe von unterschiedlichen Seiten, er habe ein Alkoholproblem, stritt Hegseth ab. "Das Kriegerethos wiederherstellen"Die entscheidende Abstimmung im Senat ging unentschieden aus - auch drei Republikaner hatten gegen ihn gestimmt. Verteidigungsminister wurde Hegseth, weil ihn JD Vance als Vizepräsident, dem in solchen Fällen die entscheidende Stimme zukommt, seine Ernennung befürwortete. Seither hat Hegseth seine Pläne, Diversität aus den US-Streitkräften als Kriterium zu verbannen, weiterverfolgt. Einige Beobachter ordnen die Entlassung und Degradierung einiger langjähriger Generäle in diesen Zusammenhang ein. Im März 2025 geriet er wegen geleakten Geheiminformationen unter Druck, die er wohl versehentlich in Chats mit Journalisten und anderen nicht berechtigten Personen preisgegeben hatte. Für Aufsehen sorgte der Verteidigungsminister im September 2025, als er Hunderte US-Generäle - einige davon in laufenden Missionen rund um die Welt - zu einem Treffen auf der Marine Base in Quantico (Virginia) beorderte, um sie gemeinsam mit Donald Trump auf seinen Kurs einzuschwören. Der bedeutet nach Hegseths eigenen Worten vor allem, "das Kriegerethos wiederzuherstellen". |
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| Short teaser | Christlicher Patriot und rechtsextremer Scharfmacher: Hegseth ist Trumps Frontsoldat im Verteidigungsministerium. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/pete-hegseth-wer-ist-trumps-kriegsminister/a-76398821?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 24 | |||
| Id | 76233937 | ||
| Date | 2026-03-06 | ||
| Title | Wie der Iran-Krieg in den USA aufgenommen wird | ||
| Short title | Wie der Iran-Krieg in den USA aufgenommen wird | ||
| Teaser |
Der Iran-Krieg lässt auch in Amerika die Preise steigen und treibt einen Keil in das MAGA-Lager. Noch dazu hat Präsident Trump die Entscheidung am Kongress vorbei getroffen - und das im Jahr der Midterm-Wahlen. Donald Trump hat einen radikalen Imagewandel durchlaufen: Bis vor wenigen Monaten ließ er sich als Friedens-Präsident feiern, prahlte mit einer wachsenden Liste angeblich beigelegter Konflikte im Ausland, gründete einen "Friedens-Aufsichtsrat" in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen und brachte sich selbst vielfach für den Friedensnobelpreis ins Gespräch. Spätestens seit dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar lässt sich dieses Bild nicht mehr aufrechterhalten. Zumal Trump im Januar das US-Militär dazu nutzte, Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro zu entführen und bereits im vergangenen Jahr Luftschläge in anderen Ländern anordnete, darunter auch schon einmal im Iran. Das ist umso bemerkenswerter, da Trump in den vergangenen drei Präsidentschafts-Wahlkämpfen versprochen hatte, alte Kriege zu beenden und keine neuen zu beginnen. "Keine endlosen Kriege mehr" ist ein Leitsatz seiner MAGA-Basis - und dementsprechend groß könnten die innenpolitischen Folgen des Iran-Kriegs für Trump werden. Der Krieg und seine KostenAuch nach Kriegsbeginn lehnt die Mehrheit der Amerikaner die Luftschläge auf Iran ab, wie Umfragen zeigen. In einer Umfrage des US-Senders CNN gaben sich 59 Prozent unzufrieden mit der Entscheidung - nur 41 Prozent befürworteten sie. Bei der Nachrichtenagentur Reuters waren es 43 zu 27 Prozent, wobei 29 Prozent die ebenfalls angegebene Antwortmöglichkeit "unsicher" auswählten. Unter den Anhängern von Trumps Republikanischer Partei überwog zwar in beiden Umfragen die Befürwortung. Doch durch das sonst so geschlossene MAGA-Lager läuft ein Riss; so nannte der einflussreiche frühere Fox News-Kommentator Tucker Carlson den Angriff bereits "absolut abscheulich und böse". Johannes Thimm, Leiter der Forschungsgruppe Amerika bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), rechnet damit, dass sich derartige Stimmen schon bald mehren: "Sobald sich die wirtschaftlichen Folgen in den USA widerspiegeln, wird die Kritik lauter werden", sagt Thimm im Gespräch mit der DW. "Der Spritpreis steigt durch die blockierten Öllieferungen. Der Krieg wirkt inflationsankurbelnd und ein zentrales Versprechen von Donald Trump war, die Inflation niedrig zu halten. Und der Krieg wird den amerikanischen Haushalt stark belasten." Auch der US-Politikberater Jonathan Katz von der Brookings Institution meint: "Die derzeitige Situation im Nahen Osten wird die heimischen Sorgen wohl vergrößern und den Fokus auf eine wacklige US-Wirtschaft mit steigenden Energiepreisen und Inflation nur noch verstärken. Die Tatsache, dass der von Republikanern geführte Kongress sich weiter auf Themen wie Epstein, ICE und die 'War Powers Resolution' konzentriert, zeigt, dass innenpolitische Themen nicht einfach verschwinden", schreibt Katz, der 2023 für die demokratische Senatorin Amy Klobuchar gearbeitet hatte, auf DW-Anfrage. Ein weiterer Alleingang ohne den KongressDie "War Powers Resolution" ist eine von den US-Demokraten in beiden Kammern eingebrachte Entschließung, die eher symbolischen Charakter als reale Erfolgsaussichten hat. Sie soll Präsident Trump zu einem Ende der Angriffe zwingen. Wie erwartet lehnte der Senat die Resolution bereits ab, eine Abstimmung im Repräsentantenhaus am Donnerstag brachte ein ähnliches Ergebnis: Die Abstimmung endete mit 219 zu 212 Stimmen und verlief mehrheitlich entlang der Parteilinien. Die Republikaner verfügen in der Kammer über eine knappe Mehrheit. Eigentlich ist in der US-Verfassung klar geregelt: Das Recht, einen Krieg zu erklären, liegt nicht beim Präsidenten, sondern beim Kongress. Moderne Kriege beginnen jedoch meist ohne formelle Kriegserklärung, und für 60 Tage darf ein Präsident unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne parlamentarische Zustimmung begrenzte Militäroperationen führen. "Aber seit dem Vietnamkrieg sind die großen Kriege - vor Donald Trump - immer autorisiert worden", erinnert SWP-Forschungsgruppenleiter Thimm. "Also der Irak-Krieg, der Afghanistan-Krieg - George W. Bush hat sich die Zustimmung des Kongresses geholt." Der nun begonnene Einsatz im Iran sei auch ohne Bodentruppen als großer Krieg zu werten. "Das ist etwas, was auf jeden Fall zustimmungspflichtig wäre", sagt Thimm. Wird der Kriegsausgang wahlentscheidend?Der Politikwissenschaftler Thomas Warrick vom Thinktank Atlantic Council sieht durch Trumps Alleingang ein noch größeres Risiko für dessen Präsidentschaft: "Weil er sich nicht um die Zustimmung des Kongresses und der amerikanischen Bevölkerung bemüht hat, wird er am Ergebnis gemessen", schreibt Warrick in einer Kurzanalyse. Ein Erfolg könnte seine Zustimmungswerte etwas anheben, aber er riskiert große Rückschläge in seiner innenpolitischen Agenda, wenn er scheitert." Für die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und ein Drittel der 100 Senatoren kommt verschärfend hinzu: Ihre Sitze werden bei den Midterm-Wahlen Anfang November neu vergeben. Vor allem Trumps Partei steht vor einem Dilemma, meint Thimm: "Die Republikaner wollen einerseits ihrem Präsidenten nicht in den Rücken fallen, andererseits aber mit diesem Krieg eigentlich nicht assoziiert werden, weil sie wissen, dass er unpopulär ist." Weiter Unklarheit über KriegszieleDie öffentliche Meinung und letztlich auch die Erfolgschancen einzelner Kandidaten bei den Midterms hängen auch davon ab, wie der Krieg weitergeht. Dabei kommuniziert die Trump-Administration teils voneinander abweichende Kriegsziele und -dauern. Kriegsminister Pete Hegseth sagte am Mittwoch: "Wir können diesen Kampf mit Leichtigkeit so lange führen, wie wir wollen. Und wie ich bereits sagte, wir bestimmen die Bedingungen." Andere sehen das offenbar weniger klar. In den USA wird bereits die Frage diskutiert, ob das Militär Defensivwaffen zur Abwehr ballistischer Raketen und Drohnen in ausreichender Stückzahl hat, die schließlich auch zur Abschreckung gegen andere Gegner relevant sind. Und der bereits erwähnte MAGA-Kommentator und Kriegsgegner Tucker Carlson unterstellte der Trump-Regierung gar, die Entscheidung für den Krieg letztlich nicht selbst getroffen zu haben: "Das war Benjamin Netanjahu", sagte Carlson in seinem Podcast. Auch andere MAGA-Kriegsgegner sind der Ansicht, die USA seien von Israel in den Krieg hineingezogen worden und bedienen mit ihren Aussagen teils antisemitische Stereotypen. Auch Brookings-Berater Katz vermisst Klarstellungen über Strategie, Ziele und Dauer des Krieges, und fügt hinzu: "Hat die Trump-Administration auch die Folgen des Krieges mitgedacht, zum Beispiel den Schutz von tausenden Amerikanern im Nahen Osten? Die Auswirkungen der Kämpfe, inklusive Art und Dauer der US-Aktion im Iran haben schwerwiegende Konsequenzen in den USA und auf der ganzen Welt." Und noch in einem weiteren Fall herrscht Unklarheit: In seiner achtminütigen Rede zum Kriegsbeginn sprach Trump von einer "akuten Bedrohung durch das iranische Regime", vor der das amerikanische Volk geschützt werden solle. Doch worin diese angebliche Bedrohung bestanden haben soll, ist fraglich. Die Frage, auf welcher Faktenbasis die USA in den von vielen Experten als völkerrechtswidrig beurteilten Krieg eingetreten sind, könnte ebenfalls zur Belastung werden. |
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| Short teaser | Der Krieg lässt Preise steigen und treibt einen Keil in das MAGA-Lager. Die nahenden Midterm-Wahlen erhöhen den Druck. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/wie-der-iran-krieg-in-den-usa-aufgenommen-wird/a-76233937?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
| Image URL (460 x 259) |
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| Image caption | Die erste Aktion des "Friedens-Aufsichtsrats" seien Bomben auf Iran, heißt es auf diesem Protestplakat in Washington, D.C. | ||
| Image source | Gent Shkullaku/Matrix Images/picture alliance | ||
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| Item 25 | |||
| Id | 76138401 | ||
| Date | 2026-02-26 | ||
| Title | USA und Kuba: Sanktionsdruck bis zum Systemwechsel? | ||
| Short title | USA und Kuba: Sanktionsdruck bis zum Systemwechsel? | ||
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Eine beispiellose Öl-Blockade bringt Kuba an den Rand des Kollapses. Mittendrin: US-Außenminister Marco Rubio, der die Insel in die Knie zwingen will. Nun sorgt ein tödlicher Vorfall auf See für neue Spannungen. In den frühen Morgenstunden des 25. Februar nähert sich ein Schnellboot der Küste Kubas. Es soll aus Florida stammen und mit zehn Exil-Kubanern besetzt sein. Als es auf ein Patrouillenboot der kubanischen Küstenwache stößt, entwickelt sich ein Schusswechsel. An dessen Ende sind vier Insassen des Schnellbootes tot, sechs weitere verletzt. Die Exil-Kubaner, so berichtet es die Regierung in Havanna später, hätten die Absicht besessen, Kuba "terroristisch zu infiltrieren". An Bord seien Waffen, Sprengkörper und Tarnwesten sichergestellt worden. US-Außenminister Marco Rubio kündigte an, den Vorfall unabhängig prüfen zu lassen. Er stellte klar, dass es sich um keine offizielle US-Operation handelte und kein Regierungspersonal involviert war. Rubio bezeichnete den Schusswechsel auf offener See als "höchst ungewöhnlich", die USA seien jedoch bereit, "entsprechend zu reagieren", sobald alle Fakten vorlägen. Welche Rolle spielt Marco Rubio?Der Vorfall fällt in eine Zeit besonders großer Spannungen zwischen den USA und Kuba, was nicht zuletzt mit Marco Rubio zu tun hat. Rubio pflegt ein besonderes Verhältnis zu dem Karibikstaat, der keine 150 Kilometer vor der Küste Floridas liegt. Der US-Außenminister ist Sohn kubanischer Einwanderer. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, welche politische Zukunft er sich für das Heimatland seiner Eltern wünscht: "Ich denke, wir würden es gerne sehen, wenn sich das Regime dort ändert", sagte er erst im Januar bei einer Anhörung im US-Senat. "Das bedeutet nicht, dass wir einen Wechsel aktiv herbeiführen werden", so Rubio weiter. Dennoch sei es für die USA von großem Vorteil, wenn Kuba nicht mehr von einem "autokratischen Regime" regiert würde. Welchen Druck üben die USA auf Kuba aus?So unternehmen die USA derzeit alles, um ebendieses Regime in Havanna größtmöglich zu schwächen. Dabei gilt Marco Rubio als die treibende Kraft hinter der aktuellen US-Lateinamerikapolitik, er hatte auch die Festnahme des damaligen venezolanischen Staatschefs Nicolas Maduro im Januar entscheidend vorangetrieben. Der Militäreinsatz in Venezuela hatte auch gravierende Folgen für Kuba, denn dadurch versiegten die bislang so lebenswichtigen Ölimporte aus Caracas. Zudem drohten die USA jedem Drittland mit Strafzöllen, das beabsichtige, der Karibikinsel Öl zu liefern. Seitdem gehören stundenlange Stromausfälle zum Alltag in Kuba und die Regierung musste bereits Arbeits- und Schulzeiten kürzen, Busse und Bahnen stehen vielerorts still. Die UN warnten bereits vor einem "humanitären Kollaps" auf der Insel, da durch den akuten Energie- und Treibstoffmangel auch die Kühlung von Lebensmitteln, die Medikamentenversorgung und der Betrieb von Wasserpumpen lahmgelegt wird. Zwar kündigte Rubio nun eine minimale Lockerung für Öl-Exporte an den privaten Sektor in Kuba an. Er betonte aber gleichzeitig, dass Lizenzen sofort entzogen würden, falls Treibstoff an Militär oder Regierung umgeleitet werden sollte. Warum halten die USA Kuba für so gefährlich?Washington betrachtet Kuba als "außergewöhnliche Bedrohung" für die nationale Sicherheit und Außenpolitik. Ende Januar rief US-Präsident Trump daher sogar einen nationalen Notstand aus. Die USA werfen der kubanischen Führung unter anderem vor, feindlichen Staaten und Akteuren eine Basis zu bieten. So beherberge Kuba den USA zufolge Russlands größte Übersee-Einrichtung für Fernmeldeaufklärung, die darauf abziele, sensible US-Sicherheitsinformationen zu stehlen. Auch mit China soll Kuba immer enger zusammenarbeiten. US-Geheimdienste wollen mindestens vier chinesische Spionageeinrichtungen auf der Insel identifiziert haben, die US-Militäroperationen und Kommunikationswege überwachen können. Außerdem wird Havanna von Washington beschuldigt, internationalen Terrorgruppen wie der palästinensischen Hamas oder der libanesischen Hisbollah einen Rückzugsort zu bieten. Dazu gibt es zwar bislang keinerlei öffentliche Geheimdienstberichte oder andere Beweise, dennoch wurde Kuba von den USA auf eine Liste staatlicher Sponsoren des weltweiten Terrorismus gesetzt. Zudem sehen die USA in der Verbreitung kommunistischer Ideologien durch das kubanische Regime eine direkte Gefährdung ihrer regionalen Interessen. Seit wann besteht der Konflikt?Der Konflikt zwischen den USA und Kuba reicht bis zur kubanischen Revolution im Jahr 1959 zurück. Damals stürzte Fidel Castro den von den USA gestützten Diktator Fulgencio Batista und begann kurz darauf damit, US-Unternehmen zu verstaatlichen. Die USA versuchten 1961 mithilfe bewaffneter Exil-Kubaner, das junge Castro-Regime wieder zu Fall zu bringen. Doch die Invasion in der Schweinebucht scheiterte und trieb Kuba weiter in die Arme der UdSSR. Aus Sorge vor einer neuen US-Invasion erlaubte Fidel Castro die Stationierung sowjetischer Atomraketen, was 1962 in der gefährlichen Kubakrise gipfelte, die nur mühsam wieder entschärft werden konnte. Im Zuge dieser Krise verhängten die USA ein bis heute geltendes, weitreichendes US-Wirtschaftsembargo gegen die Inselrepublik. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern liegen bis heute auf Eis. Zwar kam es unter Barack Obama kurzzeitig zu einer zarten Wiederannäherung, doch wurden die Sanktionen gegen Kuba bereits in Trumps erster Amtszeit und dann unter Joe Biden wieder verschärft. Seit dem zweiten Amtsantritt Donald Trumps und der Ernennung Marco Rubios zum US-Außenminister ziehen die USA die Schrauben immer weiter an - bis heute. "Wenn das kubanische Volk leidet, dann deshalb, weil das Regime der Hilfe im Weg steht", erklärte Rubio am Rande seines Statements zum aktuellen Schusswechsel vor der kubanischen Küste. Er verkündete, dass die USA ihren Druck auf Kuba erst dann wirklich vermindern würden, wenn das Regime seinem Volk "politische und wirtschaftliche Freiheit" gewähre. |
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| Short teaser | Eine US-Öl-Blockade bringt Kuba an den Rand des Kollapses. Nun sorgt ein tödlicher Vorfall auf See für neue Spannungen. | ||
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| Item 26 | |||
| Id | 76117764 | ||
| Date | 2026-02-25 | ||
| Title | Trump: "Goldenes Zeitalter" und sinkende Umfragewerte | ||
| Short title | Trump: "Goldenes Zeitalter" und sinkende Umfragewerte | ||
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Den USA gehe es besser, sie seien stärker und mächtiger als je zuvor, so der US-Präsident in seiner Rede zur Lage der Nation. Das Land stehe vor einem "goldenen Zeitalter" - nur kommt das bei den Bürgern kaum an. Nein, so richtig rund lief es in den vergangenen Wochen und Monaten nicht für Donald Trump. Da sind zum einen die rücksichtslosen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten und Einwanderer, die viele US-Amerikaner verschreckt haben. Da ist zum zweiten der lange Schatten des Jeffrey Epstein und das monatelange Gezerre um die Veröffentlichung seiner Akten, das drohte, die MAGA-Bewegung zu spalten. Da ist zum dritten der Urteilsspruch des Obersten Gerichtshofes, der in der vergangenen Woche Trumps weltweite Strafzölle als verfassungswidrig einkassiert hatte. Und da sind dann auch noch die dramatisch gesunkenen Umfragewerte. Mehrere nationale Erhebungen zeigen, dass die Zustimmung für Donald Trump so schlecht ist wie seit dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 nicht mehr. Vor allem junge US-Amerikaner kehren dem republikanischen Präsidenten in Scharen den Rücken. Trump prognostiziert "goldenes Zeitalter"Doch Trump ließ sich davon nicht irritieren. "Unsere Nation ist zurück: größer, besser, reicher und stärker als jemals zuvor", erklärte er in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem US-Kongress. Überhaupt sparte der Präsident nicht an Superlativen. Die Inflation? "Stürzt ab." Die US-Wirtschaft? "Boomt wie nie zuvor." Die Grenze zu Mexiko? "Ist die stärkste und sicherste in der Geschichte Amerikas." Amerikas Feinde seien "in Angst", Militär und Polizei in den USA personell hervorragend aufgestellt und die USA würden "wieder respektiert - vielleicht so wie noch nie." Den US-Amerikanern versprach Trump "ein goldenes Zeitalter". Einen Superlativ stellte jedenfalls Trumps Rede dar: Mit einer Stunde und 47 Minuten hielt er die offiziell längste jemals gemessene State of the Union Address der US-Geschichte. "Im Ton und in der Inszenierung unterschied sich die Rede nicht wesentlich von anderen Auftritten Donald Trumps", sagt Stormy-Annika Mildner, Expertin für transatlantische Beziehungen. "Trotz der jüngsten Entwicklungen wie dem Urteil des Supreme Courts zu Zöllen zeigte sich Trump wie gewohnt kämpferisch. Die Themen, bei denen er unter Druck steht - gerade das Thema wirtschaftliche Lage -, griff er auf, stellte sie aber als Erfolge dar." Alles in allem also "ein typischer Trump", so die Leiterin des Berliner Aspen-Instituts gegenüber der DW. Der goldene Anstrich blättertOb das Bild, das Donald Trump von den USA zeichnet, ausreichen wird, die Stimmung im Land zu drehen? Einer jüngst veröffentlichten Umfrage des Pew Research Centers zufolge stehen mittlerweile fast zwei Drittel der US-Amerikaner der Politik der US-Administration kritisch gegenüber. Nur noch 37 Prozent finden diese gut. "Die Umfragewerte sind deutlich negativ", so Mildner. "Das liegt vor allem daran, dass viele Amerikaner in ihrem Alltag keine Verbesserung spüren - im Gegenteil: Hohe Lebensmittelpreise, hohe Wohnkosten und teurer Kraftstoff belasten weiterhin. Entsprechend groß ist die Unzufriedenheit." Einen großen Schwerpunkt legte Trump auch auf seine Einwanderungspolitik. Der Ton war dabei gewohnt scharf: Seine Regierung "habe Amerika wieder zu einer Festung gemacht" und lasse es "nicht zu, dass unsere Städte zu Zufluchtsorten für Kriminelle werden"; er sprach von "somalischen Piraten" in Minnesota und davon, dass Korruption und Kriminalität von Einwanderern in die USA "importiert" worden seien. "Ein erheblicher Teil seiner Aussagen ist faktisch nicht haltbar", gibt Stormy-Annika Mildner zu bedenken. "Wie gewohnt arbeitete er mit stark zugespitzten, teils düsteren Bildern, etwa im Zusammenhang mit illegaler Einwanderung, um dann seine Politik als 'Golden Age' darzustellen." Spannend sei aber gewesen, "dass er ICE nicht ausdrücklich thematisierte - wohl wissend, wie kontrovers dieses Thema ist." Die jüngsten Umfragewerte zeigten zwar "eine breite Unterstützung für strengere Einwanderungsregeln in der amerikanischen Bevölkerung, jedoch nicht uneingeschränkt für die konkrete Praxis der Behörde", so Mildner. Außenpolitik? Spielt kaum eine RolleAlles in allem war es eine Rede, in der sich Trump vor allem mit der US-amerikanischen Innenpolitik beschäftigte - und natürlich mit sich selbst. Wirtschaft und Einwanderung waren die alles beherrschenden Themen - auf Themen außerhalb Amerikas kam der US-Präsident überhaupt erst nach mehr als einer Stunde zu sprechen. Dass die Rede zeitlich exakt auf den vierten Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine fiel, spielte für Trump keine große Rolle. "Das Thema Ukraine streifte er nur am Rande, ebenso den Iran. Außenpolitik stand insgesamt nicht im Zentrum der Rede", konstatiert USA-Expertin Mildner. "Innenpolitische Fragen dominierten klar - was mit Blick auf die Zwischenwahlen wenig überrascht, da sie das größere Mobilisierungspotenzial besitzen." Der Midterm-Wahlkampf hat begonnenÜberhaupt sehen viele Analysten Trumps Rede als eine Art Wahlkampfauftakt für die Zwischenwahlen im November. Den derzeitigen Umfragewerten zufolge muss der US-Präsident befürchten, mindestens in einer Kammer des Kongresses seine republikanische Mehrheit zu verlieren. Auch deshalb schaltet Donald Trump weiter auf Attacke. "Mit dem Beginn der Vorwahlen hat der Wahlkampf faktisch bereits eingesetzt. Viele Abgeordnete agieren entsprechend, auch wenn bis November noch einige Monate verbleiben", erklärt Stormy-Annika Mildner vom Aspen Institute. Donald Trump wird diese Zeit nutzen müssen, um dafür zu sorgen, dass es in den USA wirtschaftlich weiter aufwärts geht. Denn, so Mildner: "Für viele Wählerinnen und Wähler ist letztlich entscheidend, wie viel im eigenen Portemonnaie ist. Die wirtschaftliche Lage dürfte auch diesmal wahlentscheidend sein, zusammen mit den Themen innere Sicherheit, illegale Einwanderung und Kriminalität." |
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| Short teaser | Den USA gehe es besser als je zuvor, sagt der US-Präsident. Nur kommt das bei den Bürgern bislang kaum an. | ||
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| Image caption | Versprach den USA ein "goldenes Zeitalter": Donald Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation vor dem US-Kongress | ||
| Image source | Kenny Holston/The New York Times/REUTERS | ||
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| Item 27 | |||
| Id | 76079536 | ||
| Date | 2026-02-23 | ||
| Title | USA werfen EU digitale Zensur vor - was steckt dahinter? | ||
| Short title | USA werfen EU digitale Zensur vor - was steckt dahinter? | ||
| Teaser |
In Brüssel und Washington versteht man sehr unterschiedliche Dinge unter Zensur. Donald Trumps Gesandte Sarah Rogers kritisiert die neuen EU-Gesetze für Big-Tech. Derweil ringt Europa mit rechtsextremer Propaganda. Ob es um die Kontrolle über Grönland, die Sicherheitsstrategie oder um Zölle geht - die Beziehungen zwischen den USA und Europa hängen am seidenen Faden. Und auch bei der Kontrolle von Social-Media-Plattformen und Gesetzen zur Bekämpfung von Desinformation gehen die Ansichten weit auseinander. Anja Bechman war Mitglied einer hochrangigen Expertengruppe der EU-Kommission zum Thema Desinformation. Sie sieht "radikale Unterschiede in der Herangehensweise an die Meinungsfreiheit" zwischen den beiden Seiten des Atlantiks. Und sie seien schwer zu lösen. Laut Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters entwickeln die USA aktuell ein Online-Portal, mit dem Menschen in anderen Teilen der Welt das umgehen können, was nach Washingtoner Meinung übermäßige Zensur ist. Es solle auch Menschen in Europa ermöglichen, Inhalte zu sehen, die von ihren Regierungen als Hassrede oder terroristische Propaganda verboten wurden. Auch wenn bisher wenige Details bekannt sind, scheint die Position der USA klar. Sarah Rogers, die als US-Staatssekretärin für öffentliche Diplomatie das Projekt im Washingtoner Außenministerium leitet, hat die Regeln der EU zu Zensur und Meinungsfreiheit wiederholt harsch kritisiert. Auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) teilte sie einen Beitrag, in dem es hieß: "Die europäische Zensur stellt eine globale Bedrohung dar." US-Diplomatin an der Grenze der MeinungsfreiheitRogers verbreitet auf ihren Social-Media-Konten selbst teils rechtsextreme Botschaften, die an der Grenze dessen liegen, was in Deutschland von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Mitte Februar etwa bezeichnete sie Migranten in Deutschland als "barbarische Vergewaltigerhorden" (Orig.: "barbarian rapist hordes"). Erst nach der Kritik anderer Nutzer deutete sie an, sich auf "Ereignisse wie Köln" bezogen zu haben. In der Silvesternacht 2015 hatten Hunderte überwiegend arabischstämmige Migranten im Zentrum von Köln mutmaßlich weit über 1000 Straftaten verübt, etwa die Hälfte davon werden als Sexualdelikte geführt. Die britische Zeitung Financial Times zitierte im Dezember ein hochrangiges Mitglied der britischen rechtspopulistischen Partei Reform UK mit den Worten, Rogers wolle "europäische Organisationen finanzieren, um die Politik der Regierung zu untergraben". Rogers bezeichnete dies zwar als "Lüge" und erklärte: "Es ist nicht Amerikas Entscheidung, zu bestimmen, wer in Europa gewählt wird." Allerdings hat sich die US-Staatssekretärin mit Mitgliedern der Reformpartei und der deutschen Rechtsaußenpartei AfD getroffen - darunter der AfD-Abgeordnete Markus Frohnmaier, der wegen seiner Verbindungen zu Russland in der Kritik steht. Wer instrumentalisiert den Zensurvorwurf?Rogers' Chef, US-Außenminister Marco Rubio, besuchte Anfang der Woche - mitten im ungarischen Wahlkampf - den rechten Ministerpräsidenten Viktor Orban in Budapest, der ebenfalls enge Kontakte zum Kreml pflegt. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz sagte er, der Erfolg Ungarns liege im nationalen Interesse der USA, "vor allem, solange Sie Ministerpräsident und Staatschef dieses Landes sind". Desinformationsexpertin Bechman leitet inzwischen das Zentrum für digitale Sozialforschung an der Universität Aarhus in Dänemark . Sie meint, die USA würden Zensurbedenken für geopolitische Zwecke instrumentalisieren: "Wir haben es hier mit einem Kulturkampf zu tun. Es geht [nicht wirklich um die Einzelheiten der Inhalte, sondern vielmehr] um einen Kampf der Ideale und Werte und darum, diese Werte für einen größeren Zweck zu nutzen, nämlich Konflikte zu schüren und zu eskalieren, anstatt eine Verhandlungslösung zu suchen." Digital-Gesetz der EU unter US-BeschussFolgerichtig spart US-Staatssekretärin Rogers nicht mit Kritik am Digital Services Act (DSA). Das EU-Gesetz reguliert maßgeblich die Haftung von Tech-Unternehmen wie Meta, X und Co für strafbare Inhalte auf ihren Social-Media-Plattformen. Auf X erklärte Rogers, dass der DSA vor allem zwei Ziele verfolge: "(1) amerikanische Unternehmen zu erpressen und ihnen Geld abzunehmen und (2) von linken NGOs gemeldete Äußerungen zu unterdrücken". Diese Abneigung gegen den DSA wird vom dänischen Gründer des US-Thinktanks The Future of Free Speech, Jacob Mchangama, durchaus geteilt. Das von der EU ausgegebene Ziel, damit "einen digitalen Raum zu schaffen, der die Grundrechte der Bürger und Verbraucher achtet", bezeichnet er als heuchlerisch. Mchangama stimmt Rogers' Kritik zwar grundsätzlich zu, wendet jedoch auch ein: "Aber das (US-)Außenministerium hat selbst versucht, Menschen in den USA wegen 'falscher' Meinungen auszuweisen, nutzt KI, um die Social-Media-Profile von Ausländern zu scannen, und hat seine Förderung von Demokratie und Dissidenten in autoritären Staaten zurückgefahren." Insofern habe auch die US-Regierung "als globaler Verfechter der Meinungsfreiheit keine Glaubwürdigkeit". "Erosion der Meinungsfreiheit" in EuropaAber auch bei den europäischen Regierungen erkennt Mchangamas ein Glaubwürdigkeitsproblem: "Keine demokratische Regierung in Europa sollte für sich das Recht beanspruchen, bestimmen zu wollen, auf welche Informationen die Menschen zugreifen dürfen", sagte Mchangama der DW. Aus Reflex auf Trumps Politik, meint der Däne, neigten die Europäer dazu, alles als Verteidigung der Demokratie zu verstehen, womit sich ihre Regierungen gegen Trump stellen: "Und ich glaube einfach nicht, dass das stimmt." Deshalb sieht Mchangama im DSA und anderen EU-Maßnahmen zur Regulierung von Online-Inhalten eine Erosion der Meinungsfreiheit - und einen falschen Weg, um die Demokratie angesichts des zunehmenden Autoritarismus zu verteidigen. Schwarze Listen: Zensur in den USA?Bechman betont jedoch einen Unterschied in den Vorgehensweisen: Während die EU versuche, die Menschen vor Fehlinformationen oder schädlichen Inhalten zu schützen, legten US-Bundesbehörden sogenannte schwarze Listen mit kritisch bewerteten Stichwörtern an. Das US-Energieministerium etwa habe "Klimawandel" und "grün" auf die schwarze Liste gesetzt. "Das ist für mich ein Kernpunkt von Zensur: wenn ein Staat tatsächlich verhindert, dass Dinge untersucht werden", sagte Bechman der DW. "Daher ist es etwas seltsam, dass die Trump-Regierung behauptet, die EU betreibe Zensur, während sie selbst dies in so ausgeprägtem Maße tut." Ein weiterer Grund zur Sorge sei die Nähe der US-Regierung zu den großen Technologieunternehmen: "Vielleicht war das schon immer so, aber im Moment ist es sehr offensichtlich", sagte sie unter Hinweis auf Trumps Beziehungen zu Elon Musk, Mark Zuckerberg und anderen Tech-Chefs. Tech-Unternehmen als Wahlkampf-AkteureDie EU hat kürzlich US-Tech-Unternehmen wie Amazon, Apple, Google, Meta, X und Microsoft ins Visier genommen und unter Berufung auf den DSA und den DMA (Digital Markets Act) hohe Geldstrafen verhängt. Die US-Regierung reagierte darauf empört. Nach einer Strafe gegen die Online-Plattform X vergangenen Dezember bezeichnete der US-Handelsbeauftragte die EU-Politik in einem langen Social-Media-Beitrag als "diskriminierend" und deutete Vergeltungsmaßnahmen an. Insbesondere soziale Medien spielen bei demokratischen Wahlen eine immer entscheidendere Rolle. Und sie bieten ein Einfallstor für ausländische Einmischung und die Verbreitung von Falschinformationen. Jacob Mchangama sieht aber auch die Gefahr, dass jede Regierung, die die Meinungsfreiheit in irgendeiner Weise beschneidet, ihren Gegnern damit eine Rechtfertigung liefert, dasselbe zu tun: "Es ist ein sehr wirkungsvoller Märtyrereffekt. Wenn sie nicht an der Macht sind, können sie sagen: 'Wir sind Opfer von Zensur und glauben an die Meinungsfreiheit.' Wenn sie dann an die Macht kommen, haben sie keine Skrupel, Zensur einzusetzen, um ihre Feinde zu vernichten." Aus dem Englischen von Jan D. Walter |
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| Short teaser | Trumps Gesandte Rogers kritisiert die neuen EU-Gesetze für Big-Tech. Derweil ringt Europa mit rechtsextremer Propaganda. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/usa-werfen-eu-digitale-zensur-vor-was-steckt-dahinter/a-76079536?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Item 28 | |||
| Id | 75930059 | ||
| Date | 2026-02-12 | ||
| Title | Faktencheck: KI-Fakes verzerren Bild rund um Epstein‑Akten | ||
| Short title | Faktencheck: KI-Fakes verzerren Bild rund um Epstein‑Akten | ||
| Teaser |
Virale Beiträge in sozialen Netzwerken versprechen neue Beweise zu Jeffrey Epstein - doch viele Bilder und Videos sind KI‑generiert. DW Faktencheck entlarvt Fälschungen, die Verschwörungserzählungen befeuern. Das US‑Justizministerium hat am 30. Januar mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten veröffentlicht, die sich auf den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein beziehen. Die Akten enthalten Korrespondenz, Flugprotokolle und Ermittlungsunterlagen zu Epsteins Netzwerk von Kontaktpersonen. Seit der Veröffentlichung versuchen viele Journalisten, Forschende und Internetnutzende, darin erwähnte Ereignisse und das Beziehungsgeflecht zu öffentlichen Personen zu analysieren und einzuordnen. Gleichzeitig sind soziale Netzwerke mit Inhalten zu den Epstein-Akten überflutet worden, viele Posts erzielten eine hohe Reichweite - begleitet von einer Welle KI-generierter, unbelegter und irreführender Behauptungen. Angesichts der schieren Menge ist es nicht möglich, jede Behauptung zu prüfen. DW Faktencheck hat einige der am weitesten verbreiteten mit KI‑Fakes unterfütterten Behauptungen untersucht. Lebt Jeffrey Epstein in Israel?Behauptung: Ein Post auf X zeigt angeblich drei geleakte Bilder von Jeffrey Epstein, der lebend in Israel gesehen worden sein soll. Auf den Bildern ist angeblich ein bärtiger Epstein zu sehen mit mittellangen Haaren - zwei mal allein auf der Straße, einmal flankiert von Bodyguards. Der Beitrag wurde über zwei Millionen Mal angesehen. Die Bilder kursierten in den vergangenen Tagen mehrfach auf verschiedenen Plattformen. Inzwischen hat ein anderer Post über fünf Millionen Aufrufe erreicht. DW Faktencheck: Fake Epstein wurde im August 2019 tot in seiner Zelle aufgefunden, wo er auf seinen Prozess wartete. Nach einer Obduktion teilte die leitende Gerichtsmedizinerin von New York mit, Epstein habe Suizid begangenen. Die kürzlich veröffentlichten Akten liefern zusätzliche Details zu den Umständen seines Todes, stellen diesen aber nicht infrage. Die kursierenden Bilder, die Epstein angeblich in Israel zeigen, sind KI‑generiert. Eine Bilderrückwärtssuche liefert eine größere, weniger stark zugeschnittene Version eines der Bilder. Dort sind Straßenschilder mit vermeintlich hebräischer, arabischer und lateinischer Schrift sichtbar. Bei der Überprüfung stellte sich heraus: Die hebräischen Wörter ergeben keinen Sinn - ein typischer KI‑Fehler. Sie bedeuten weder "Tel Aviv", wie die lateinische Schrift darunter, noch etwas anderes Verständliches. Weitere Hinweise auf KI‑Erzeugung sind Bewegungsunschärfen, bei denen die zentrale Figur scharf, die umstehenden Personen jedoch verschwommen wirken. Teile der vermeintlichen Bodyguards sehen nahezu identisch aus - etwa Hose, Schuhe oder Kopfform -, was auf Klonmuster hindeutet. Zusätzlich gibt es logische Fehler: Eine Ampel zeigt das grüne Licht oben, wo normalerweise das rote wäre. In der größeren Bild-Version ist zudem das Wasserzeichen des KI‑Tools Gemini unten rechts sichtbar. Fragt man Googles KI-Assisten, identifiziert Gemini selbst das Bild als KI‑generiert. Das HIVE‑Erkennungstool schätzt die Wahrscheinlichkeit auf 94,6 Prozent, dass es sich um KI‑ oder Deepfake‑Inhalte handelt, wobei solche Tools nicht komplett zuverlässig arbeiten. Für zwei weitere verbreitete Bilder fanden wir reale Fotos von Epstein, in denen seine Haltung und Gesichtsausdruck fast identisch sind zu einigen jetzt verbreiteten Aufnahmen. Beide stammen mindestens aus dem Jahr 2019. Sie wurden offenbar als Vorlage genutzt, um Epstein digital zu altern und ihm Bart, längere Haare und mehr Falten hinzuzufügen. Trump und Epstein auf einer PartyBehauptung: Ein kurzes Video, das sich in sozialen Medien rasant verbreitet, soll den heutigen US-Präsident Donald Trump in jüngeren Jahren mit Jeffrey Epstein auf einer Party mit jungen Mädchen zeigen. Ein X‑Postmit über 1,2 Millionen Aufrufen verbreitet das Video mit dem Kommentar: "Globale Eliten, dunkelste Geheimnisse." Varianten desselben Clips kursieren auch auf Instagram, TikTok und anderen Plattformen. DW Faktencheck: Fake Das Video ist nicht authentisch. Die DW‑Faktencheck‑Recherche deutet darauf hin, dass es mithilfe von KI erzeugt wurde, indem ein echtes Foto animiert und Minderjährige digital eingefügt wurden, die im Original nicht anwesend waren. Eine Bilderrückwärtssuche führt zum mutmaßlich zugrunde liegenden Foto: Trump und Epstein besuchen 1997 eine Modenschau von Victoria's Secret in New York. Kinder sind darauf nicht zu sehen. Das Video weist typische Merkmale von KI‑Manipulation auf: unnatürlich glatte Haut, inkonsistente Gesichtsausdrücke und unregelmäßige Bewegungen. Köpfe einiger Mädchen im Video wirken unverhältnismäßig klein im Vergleich zu den Händen eines klatschenden Mannes im Hintergrund. Ein weiterer verbreiteter Clip auf X und TikTok zeigt ebenfalls Trump und Epstein mit jungen Mädchen. Doch auch dieses Material ist digital verändert. Es nutzt Ausschnitte aus echtem NBC‑Videomaterial, das Trump und Epstein 1992 bei einem Event in Trumps Anwesen Mar‑a‑Lago zeigt. Auch dort erscheinen im Original keine Minderjährigen; die im Clip gezeigten Mädchen wurden künstlich erzeugt und eingefügt. Anfragen an KI‑Chatbots, um Opfer zu identifizierenWährend die vorherigen Fälle KI‑erzeugte oder manipulierte Inhalte zeigen, richtet sich eine weitere problematische Entwicklung gegen die mutmaßlichen Opfer. Nutzerinnen und Nutzer auf X fordern den Chatbot Grok auf, die unkenntlich gemachten Gesichter von Opfern auf Fotos zu enthüllen, also ohne die Schwärzung darzustellen. In einem Post mit mehr als 17,6 Millionen Aufrufen fragt ein Nutzer: "Hey @Grok, kannst du die Unschärfe vom Gesicht des Mädchens entfernen, das mit Epstein zusammen ist?" Viele ähnliche Beispiele mit Tausenden Aufrufen finden sich hier, hier und hier. Die Gesichter sind aus gutem Grund unkenntlich gemacht - zum Schutz der Opfer und zur Vermeidung erneuter Traumatisierung. Der "Epstein Files Transparency Act" verpflichtet das Justizministerium ausdrücklich dazu, identifizierende Informationen zu schwärzen. Auch wenn sich hinter verpixelten oder geschwärzten Bildern echte Informationen verbergen können, decken solche Anfragen an Chatbots keine tatsächlichen Identitäten auf. Stattdessen halluzinieren KI‑Modelle und erzeugen erfundene Gesichter. Das führt zu neuen Falschinformationen, statt Klarheit zu schaffen. KI sät Misstrauen gegenüber echten InhaltenCourtney Radsch vom Center for Journalism and Liberty sagte der DW in einem früheren Interview: "Eines der Probleme mit all den KI‑generierten Inhalten und Fake‑Videos, die sich unter echte Aufnahmen mischen, ist, dass es sehr schwierig wird zu erkennen, was real ist." Ein aktueller Bericht der Medienbeobachtungsorganisation NewsGuard zeigt zudem, wie schnell KI‑Tools überzeugende Deepfakes erzeugen können, die öffentliche Personen in Zusammenhang mit Epstein bringen und belasten könnten. Von drei getesteten Modellen verweigerte nur ChatGPT die Erstellung von solchen Fotos. Gemini zögerte - und Grok generierte innerhalb von Sekunden überzeugend wirkende Fälschungen. Der Desinformationsexperte Tommaso Canetta vom European Digital Media Observatory (EDMO) warnte in einem früheren DW‑Interview, dass viel auf dem Spiel steht: "Wir riskieren, eine gemeinsame Realität zu verlieren - weil Menschen an Dinge glauben, die nicht real sind, aber genauso aussehen wie die Wirklichkeit." Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch. |
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| Short teaser | Statt neue Beweise zu liefern, befeuern KI-Fälschungen unter anderem Gerüchte, dass Jeffrey Epstein noch lebe. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/faktencheck-ki-fakes-verzerren-bild-rund-um-epstein‑akten/a-75930059?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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| Image caption | Durch die Veröffentlichung der Epstein‑Akten ist ein komplexes Netzwerk von Beziehungen ans Licht gekommen | ||
| Image source | Jon Elswick/AP Photo/picture alliance | ||
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| Item 29 | |||
| Id | 75911388 | ||
| Date | 2026-02-11 | ||
| Title | "Gefahr für den Weltfrieden": Vertrauen in USA bricht ein | ||
| Short title | "Gefahr für den Weltfrieden": Kein Vertrauen mehr in die USA | ||
| Teaser |
2016 war das Vertrauen der Deutschen in die USA als transatlantischer Partner auf einem Allzeithoch. Heute, zehn Jahre später, ist davon kaum noch etwas übriggeblieben. Das hat viel mit der Person im Oval Office zu tun. Schärfer könnte der Kontrast kaum sein: Als Barack Obama 2009 in das Weiße Haus einzog, löste er in Deutschland eine Welle der Begeisterung aus, die inzwischen fast surreal wirkt. Nach den Spannungen der Bush-Ära schnellten seine Vertrauenswerte in die Höhe: 93 Prozent der Deutschen trauten ihm einer Umfrage des Pew Research Centers zufolge zu, "in der Weltpolitik das Richtige zu tun". Das ist bis heute ein Rekordwert. Selbst 2016, zum Ende seiner zweiten Amtszeit, vertrauten ihm noch außergewöhnliche 86 Prozent der Deutschen. Die USA galten unter ihm als verlässlicher Partner und moralisches Vorbild, auch wenn Skandale wie die NSA-Affäre rund um die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden einen Schatten auf das Verhältnis warfen. "Trump-Schock" und ImagetiefDoch schon mit Donald Trumps erstem Wahlsieg im Jahr 2016 kollabierten diese Werte. Innerhalb kürzester Zeit sank in Deutschland das Vertrauen in den US-Präsidenten auf einen Bruchteil: Nur rund zehn Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage schenkten ihm gegen Ende seiner ersten Amtszeit noch das Vertrauen. Ebenso drastisch zeigt sich der Unterschied nach seinem erneuten Wahlsieg. Während unter Joe Biden die Mehrheit der Deutschen das Verhältnis zu den USA positiv sah, erklärten im ZDF-Politbarometer Mitte 2025 satte 73 Prozent der Deutschen, die Beziehungen seien "schlecht". In einer neuen repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts sehen mittlerweile sogar rund zwei Drittel der Befragten neben Russland und China auch in den USA "eine der größten Gefahren für den Weltfrieden." Unzuverlässiger NATO-Partner?Die Erosion der Zustimmungswerte hat viel mit der Person Donald Trumps zu tun, aber auch mit einem radikalen Kurswechsel der US-Politik auf mehreren Ebenen. Trumps demokratische Vorgänger Obama und Joe Biden hatten stets auf NATO und EU als verlässliche Bündnispartner gesetzt und die Gemeinsamkeiten betont. Donald Trump hingegen pocht viel stärker auf eine größere Eigenleistung und höhere Verteidigungsausgaben der Europäer, wenn es um ihre eigene Sicherheit geht. In den Ukraine-Verhandlungen haben die USA unter Trump ihre europäischen Partner mehrfach brüskiert. Auch der Streit um Grönland lässt die USA hierzulande zunehmend als unberechenbaren Akteur erscheinen. Die teils aggressive Rhetorik des US-Präsidenten hat diesen Eindruck zusätzlich verschärft. Schon bei einer Wahlkampfveranstaltung im Februar 2024 hatte Trump erklärt, er würde NATO-Partnern, die nicht genug in ihre Verteidigung investieren, im Falle eines russischen Angriffs keinen Schutz gewähren. Stattdessen würde er Russland in einem solchen Fall sogar dazu "ermutigen", zu tun, "was immer es wolle." Bei den Deutschen haben derartige Aussagen nachdrücklichen Eindruck hinterlassen. Dass die USA militärische Hilfe leisten würden, wenn ein europäischer NATO-Staat angegriffen würde, glaubt mittlerweile kaum noch ein Drittel (32 Prozent) der Menschen hierzulande. Zollstreit zwingt Unternehmer zum UmdenkenAuch Trumps aggressive Zoll- und Wirtschaftspolitik hat bereits tiefe Spuren hinterlassen. Für den Großteil aus der EU importierter Waren gilt ein Zollsatz von 15 Prozent. Bei Stahl und Aluminium liegt er sogar bei 50 Prozent. Dies trifft auch deutsche Unternehmen hart. Deren Exporte in die USA sind 2025 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als neun Prozent gesunken. Ihre Direktinvestitionen in den USA haben deutsche Unternehmen zwischen Februar und November 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um rund 45 Prozent reduziert, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergab. Weitere Zolldrohungen, etwa im Zuge des Grönland-Konfliktes, sorgen für zusätzliche Verunsicherung. "Die Geschäftsbedingungen haben sich insgesamt signifikant verschlechtert", erklärte Roland Rohde, US-Experte von Germany Trade and Invest, einer Art deutscher Wirtschaftsförderungsagentur, gegenüber der DW. "Die Stimmung unter deutschen Unternehmen hat sich auf das Gesamtjahr betrachtet deutlich eingetrübt." Zwar wenden sich deutsche Unternehmen nicht generell von den USA als Absatzmarkt ab, sie meiden jedoch aufgrund der unvorhersehbaren Handelspolitik derzeit größere Investitionen in den USA. Tourismus und Austauschprogramme brechen einTrumps knallharte Migrationspolitik und die deutlich verschärften Einreisebestimmungen haben darüber hinaus viele deutsche Urlauber abgeschreckt. Zwar bleiben die USA noch immer das beliebteste deutsche Reiseziel außerhalb Europas. Jedoch flogen von Januar bis Juli 2025 nur noch knapp 780.000 deutsche Touristen dorthin, rund zwölf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. "Die USA haben eine Markenwahrnehmung und stehen für Freiheit sowie Individualität", erklärte der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt im Magazin Wirtschaftswoche. "Urlauber wollen aber nicht zu spüren bekommen, dass die Nationalgarde durch Los Angeles läuft und Razzien gegen Immigranten stattfinden." US-Pläne, nach denen ausländische Touristen bei einer Einreise in die USA künftig ihre Online-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenlegen müssen, sowie mehrere Berichte über deutsche Touristen, die sich plötzlich in US-Abschiebehaft befunden haben, schrecken viele Menschen zusätzlich ab. So ist auch die Zahl der Bewerbungen für Schüleraustausche mit den USA deutlich zurückgegangen. Einige Anbieter meldeten gar Einbrüche um bis zu 50 Prozent. Kein irreparabler Bruch?Der Vertrauensverlust der Deutschen in die USA ist also auf mehreren Ebenen enorm. Und doch muss er nicht endgültig sein, wie ein Blick auf die historische Entwicklung der Zustimmungswerte zu den jeweiligen US-Präsidenten der vergangenen 20 Jahre zeigt. Während diese bei den republikanischen Präsidenten Bush und Trump extrem niedrig waren, schnellten sie direkt nach der Wahl der Demokraten Obama und Biden auch wieder in die Höhe. Ein Wechsel im Oval Office, zumindest aber eine deutlich europafreundlichere Politik in Washington könnte verlorengegangenes Vertrauen möglicherweise auch schnell wieder zurückbringen. |
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| Short teaser | 2016 war das Vertrauen der Deutschen in die USA auf einem Allzeithoch. Heute ist davon kaum noch etwas übriggeblieben. | ||
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| Item 30 | |||
| Id | 75885632 | ||
| Date | 2026-02-09 | ||
| Title | Wie ernst meint es Venezuela mit dem Amnestiegesetz? | ||
| Short title | Wie ernst meint es Venezuela mit dem Amnestiegesetz? | ||
| Teaser |
Im Januar hatte Interimspräsidentin Delcy Rodriguez ein Amnestiegesetz für politische Gefangene vorgestellt. Doch nicht erst nach der erneuten Festnahme des Oppositionspolitikers Guanipa wirkt das wie Symbolpolitik. Salbungsvolle Worte über die Einheit Venezuelas sind nichts Neues in der Nationalversammlung in Caracas. Und auch Interimspräsidentin Delcy Rodriguez sparte nicht damit, als sie im Januar den Entwurf eines Amnestiegesetzes für politische Gefangene vorstellte. Das Gesetz solle im Geiste des Parteigründers Hugo Chávez "dem Frieden und der Versöhnung in Venezuela dienen", sagte die Stellvertreterin des in den USA inhaftierten Nicolas Maduro. Das - laut internationalen Beobachtern - dank Wahlbetrugs von der Sozialistischen Einheitspartei Venezuelas (PSUV) dominierte Gremium nahm das Gesetz vergangenen Donnerstag in erster Lesung einstimmig an. Die zweite Lesung ist für diesen Dienstag (10.02.2026) angesetzt. Hunderte politische Gefangene freigelassenTatsächlich ließ die Regierung der Initiative Taten folgen. Nach eigenen Angaben hat sie seit Dezember fast 900 politische Gefangene in die Freiheit entlassen. Die Opposition und Menschenrechtsorganisationen bestätigen Freilassungen, allerdings in weit kleinerer Zahl. Aktuell (Stand: 09.02.2026) gibt etwa "Foro Penal" die Zahl der politischen Gefangenen mit 687 an. In ihrem Bericht von November 2025 zählte die Menschenrechtsorganisation noch 887 - genau 200 mehr. Foro Penal fasst die Definition von politisch motivierter Gefangenschaft allerdings recht eng. Das Oppositionsbündnis Plataforma Unitaria Democrática (PUD) zählt bereits 391 Freigelassene. Ende der Repression in Venezuela in Sicht?Was Interimspräsidentin Rodriguez bei ihrer Präsentation des Amnestiegesetzes nicht erwähnte: Es ist Ergebnis massiven internationalen Drucks, insbesondere aus Washington, das Maduro Anfang Januar durch Spezialeinheiten des US-Militärs in seiner Residenz verhaften und in die USA bringen ließ. Dass eine Amnestie ein Ende der Repressalien gegen politische Gegner bedeuten könnte, falle vielen Menschen in Venezuela nach Jahren der Verfolgung durch ein weit verzweigtes Netz von Denunzianten schwer zu glauben, berichtete eine anonyme Betroffene der spanischen Zeitung "El Pais". Auch der venezolanische Politikwissenschaftler Benigno Alarcón Deza sagt: "Die Fähigkeit zur Repression des Staates ist intakt." Daran würde auch die angekündigte Schließung der berüchtigten Geheimdienstzentrale "El Helicoide" im Zentrum von Caracas nichts ändern. Als habe es eines Beweises dafür bedurft, hat das Regime ihn in der Nacht zu diesem Montag geliefert. Nur wenige Stunden nach seiner Freilassung am Sonntag wurde der Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa, ein enger Vertrauter der Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado, bereits wieder festgenommen - "wegen Verstoßes gegen Auflagen", so die offizielle Begründung. Er hatte an einer Demonstration für die Freilassung aller politischen Gefangenen teilgenommen. Breite Kritik an Venezuelas AmnestiegesetzAber auch das geplante Amnestiegesetz selbst steht in der Kritik. Für Gonzalo Himiob, Vizepräsident von Foro Penal, befindet sich der erste "juristische Fehler" bereits in der Einleitung, die das Gesetz als "Gnadenakt" bezeichnet. Amnestie sei als Verzicht des Staates auf Strafe aus politischen Gründen zu verstehen, nicht als moralische Vergebung. Genau diesen Geist vermeintlicher Güte, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, atme der Text an vielen Stellen, monieren Kritikerinnen und Kritiker. Dem Gesetzestext fehlt es ihnen zufolge außerdem an Formulierungen, die klar Schuld und Verantwortlichkeit benennen. Stattdessen schließt der Entwurf schwere Verbrechen wie Menschenrechtsverletzungen, Drogenhandel und Mord sogar aus. Politologe Alarcón: "Es sollte uns nicht überraschen, wenn auch über eine Amnestie für Personen aus der Regierung selbst gesprochen wird." "Politischer Schnellschuss statt echte Versöhnung"Immerhin hatten verschiedene Menschenrechtsorganisationen vergangene Woche die Gelegenheit, dem zuständigen Parlamentsausschuss ihre Bedenken und Änderungsvorschläge vorzutragen. Dabei wiesen sie auf diverse Formulierungen hin, die als Hintertüren für weitere Willkür-Akte dienen könnten, um politische Gegner erneut festzunehmen oder gar nicht erst freizulassen. Die in den USA lebende venezolanische Journalistin Maibort Petit mahnt deshalb im Online-Portal "Venezuela Política": "Eine allgemeine Vergebung kann eher als politischer Schnellschuss denn als echter Versöhnungsprozess wahrgenommen werden." Was fehle, seien strukturelle Reformen des Justizsystems oder des staatlichen Sicherheitsapparats, so Petit. Genau dies beklagt auch Jurist Himiob: Um effektiv zu verhindern, dass sich die Staatsrepression wiederhole, müsse das Gesetz mit einer grundlegenden Reform bestehender Gesetze und Regeln einhergehen, die derzeit der politischen Verfolgung den Weg ebnen. |
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| Short teaser | Nicht erst nach der erneuten Festnahme von Oppositionsführer Guanipa wirkt das neue Amnestiegesetz wie Symbolpolitik. | ||
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| Item URL | https://www.dw.com/de/wie-ernst-meint-es-venezuela-mit-dem-amnestiegesetz/a-75885632?maca=de-VEU-Volltext-Blickpunkt-Lateinamerika-12973-html-copypaste | ||
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